Europastraße A503

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LordKotz
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Europastraße A503

von LordKotz (24.10.2008, 16:12)
Moinsen, ich bin es mal wieder ...
Mal abgesehen von der schludrigen Rechtschreibung, bin ich nicht ganz glücklich mit dem Text! Wer von Euch ist willens verbesserungsvorschläge zu machen???


Europastraße A503

41 Jahre alt, recht drahtig und LKW-Fahrer. So beschrieb ich mich immer selbst wenn ich eine Kontaktanzeige aufgab. Unter den Arbeitsbedingungen hielt es keine Frau lange an meiner Seite aus. Berufsbedingt war ich eine Woche zu Hause und sonst drei Wochen im Monat mit dem LKW in Belgien unterwegs.
Irgendwie gefiel mir dieses Leben dann aber doch. Die Belgierinnen waren sehr gut darin einen frustrierten Mann zu trösten, und hingegen der frotzeleien meiner Kollegen bezahlte ich nicht eine.

Übermorgen würde es wieder los gehen. Also schickte ich noch schnell die Nachricht an die SMS-Kuppelzentrale aus der Fernsehwerbung und hoffte das sie bereits Abends geschaltet war. Vielleicht fand sich ja noch eine die ohne große „Drumherum laberei“ Sex wollte.
Damit das warten am Abend nicht zu langweilig wurde, ging ich mit ein paar Kumpeln in die Kneipe im Ort.
Etliche Bier und Korn später kontrollierte ich mein Handy, aber scheinbar kam diesmal die Anzeige nicht gut an, oder war noch nicht geschaltet.
Die Tür zum Gastraum flog auf und Gernod, ebenfalls ein Brummi-Fahrer stürzte herein.
Ohne mit irgendwem zu sprechen, rannte er auf den Tresen zu schnappte dem verdutzten Pärchen, das dort stand die Biergläser weg, und trank sie nacheinander auf Ex leer. Er knallte einen 10er auf den Tresen und erblickte uns als er sich ein weiteres Bier bestellte.
Der Mann des Pärchens plusterte sich auf, wurde aber vom Wirt zur Ruhe gerufen.

„Das glaubt ihr mir nicht! Das werdet ihr mir niemals glauben!“stammelte er mit dem Bier in der Hand als er auf uns zu kam.
„Was, was sollen wir dir nicht glauben?“ fragte Klausi.
Gernod antwortete nicht, er exxte sein Bier erneut und bestellte von unserem Tisch zum Tresen brüllend einen dreifachen Korn und noch ein Bier.

„Leute ich mach gleich Feierabend!“ murrte der Wirt zurück.
„Also Gernod, was ist Sache? Du siehst aus als hättest Du ein Gespenst gesehen“ lachte ich ihn an.
Gernod wurde Aschfahl im Gesicht, schaute grimmig in die Runde: „Ja genau das habe ich!“
Nach einem kurzen schweigen brach ein schallendes Gelächter aus, an dem sich sogar der Wirt beteiligte der gerade das Bier und den Korn brachte.
Doch Gernod saß mit eiserner Miene da, wartete einen kurzen Moment und begann ernst und laut zu sprechen:
„An der B215, in dem Teilstück Stedebergen-Dörverden, da hab ich sie gesehen! Sie erschien wie aus dem nichts und winkte mir zu. Natürlich hielt ich an. Eine schöne Frau ganz in weiß gekleidet? Wer von Euch würde das nicht tun?“
Keiner von uns sagte etwas, nachdem er seinen Korn herunter gekippt hatte führte er fort:
„Sie stieg ein und setzte sich still neben mich. Wisst ihr, sie muss so um die zwanzig gewesen sein, und sah einfach super aus. Ich fragte sie kurz wohin sie wolle und warum sie um zwei Uhr morgens noch unterwegs war, aber sie antwortete nicht. Urplötzlich sagte sie „Halt an! SOFORT!“ Verdutzt sah ich zu ihr herüber, sie starrte aus dem Fenster und sagte erneut „HALT AN!“
„Ich kann doch hier nicht einfach so anhalten“ antwortete ich ihr. Scheinbar war das ein Fehler ...
Sie war nun nicht mehr schön, sie hatte ein grässlich entstelltes Gesicht und brüllte: „HALT AN!!!!“
Vor lauter Schreck trat ich auf die Bremse. Durch die Vollbremsung kam der Auflieger ins Schleudern. Gerdenoch schaffte ich es irgendwie den Bock zum halten zu bekommen, als vor mir auch schon ein Knall und das quietschen von Metall zu hören war.
Direkt vor mir sind ein paar Jugendliche in einen Kleintransporter gerast.“

„Und was war mit der Frau?“ mischte sich Klausi ein.
„Die war verschwunden! Die Polizei glaubte mir kein Wort!“ gab Gernod trocken zurück.
Wieder brach Gelächter aus.
„Und haben sie dich zum Drogentest eingeladen???“
„Ja, da komme ich gerade her, direkt aus dem Krankenhaus. Von den am Unfall beteiligten hat keiner Überlebt! 3 Tote!“

„Ja ja, wer kennt sie nicht, die Legende von der weißen Frau, die dafür sorgt das die Menschen denen sie wohlgesonnen ist, auf der „Todesstrecke“ mit einem schrecken davon kommen“ mischte sich der Wirt ein.
„Ist eine alte Legende hier, nur konnte bisher niemand sagen warum sie das tat, viele glauben auch das sie die Unfälle verursacht ...
Wisst ihr was? Ich lade euch alle auf ein Bier ein und dann schmeiße ich euch raus, es ist schon spät“
„Gernod, na das ist doch mal eine zünftige Gruselgeschichte“ witzelte ich, aber er schien nur durch mich hindurch zu sehen.
Mit hektischen Blick trank er erneut sein Bier auf Ex, fasste sich plötzlich mit Schmerzverzerrten Gesicht an die Brust und sank zusammen.

Gernod hatte einen Herzinfarkt. Er konnte zwar gerettet werden, hatte aber eine art Amnesie.
„Armes Schwein“ dachte ich mir als ich auf meinem Bock in Richtung Antwerpen saß.
Alles war wie immer, ich fuhr meine Strecken und suchte mir Abends Abwechslung die man in Belgien als einsamer Mann auch immer sehr schnell fand.
Kurz vor der Abfahrt zurück nach Deutschland kam Jacques, mein belgischer Chef zu mir:
„Kannst du noch eine Tour extra machen? Unter der Hand ...“
„Klar, wohin?“antwortete ich nach kurzem überlegen.
„Nur Alteisen nach Charleroi“
Ja, diese Stahlkocher - Stadt kannte ich gut, vermutlich wurde der „Schrott“ dort recycelt.
Mich hielt jedoch die Tatsache zurück das es rund 500 km Strecke waren und ich meine Lenkzeit bereits erfüllt hatte.
Jacques schien meine Zweifel zu ahnen, drückte mir ein Bündel Geldscheine in die Hand und sagte schnell: „Keine Sorge, ich geb dir ne neue Scheibe. Wir brauchen etwa zwei Stunden zum beladen, schlafe solange?“

An schlafen dachte ich nicht, sicher wäre es sinnvoll gewesen, aber die Polizei in Belgien war nur bei Ortsfremden- extrem Diensteifrig und hielt sich sonst elegant zurück. So würde es kein Problem sein mit einer falschen Tachoscheibe unterwegs zu sein. Außerdem sprachen die 1000 Euro eine unwiderstehliche Sprache. Man das musste wirklich wichtig sein!?

Nach etwa ein ein halb Stunden kam Jacques zu mir in den Aufenthaltsraum, übergab mir die „falschen Papiere“ und bedankte sich überschwänglich, das ich ihm den gefallen tue.
„Na klar ... kein Problem!“ frohlockte ich als ich auf den Bock stieg.
Wirklich Müde war ich nicht bei der knapp 7 Stunden fahrt. Natürlich hab ich die Vorgeschriebenen 45 min Fahrtpause einfach nicht gemacht und hoffte sollte ich angehalten werden auf einen verständnisvollen Polizisten.
Ohne Vorkommnisse konnte ich den LKW entladen lassen, es war nur eine kleine „Hinterhoffirma“ deren Mitarbeiter wenig vertrauen erweckend aussahen. Ich behielt sie genau im Auge, aber sie schienen sich tatsächlich nur für die Ladung zu interessieren.
Im Anschluss daran aß ich noch in einem Fastfood Gourmettempel eine Kleinigkeit und machte mich auf den Rückweg.
So gerne ich auch schnell wieder nach Deutschland wollte, so sicher war ich mir die Nacht in einem Hotel zu verbringen, vierzehn Stunden am Steuer und eigentlich nur zwei Stunden Pause, nun nochmal sieben Stunden zurück wenn kein Stau auf mich wartet ...

Kurz nachdem ich bei Charleroi wieder auf die Autobahn A503 fuhr, bemerkte ich einen scheinbar Nagelneuen Renault Alpine 1300 im Rückspiegel. Dieser schien sehr gepflegt und das rot der Lackierung glänzte gekonnt poliert. Die Chromteile glänzten ebenso und der Wagen hatte nicht einmal ein Historie-Kennzeichen.
Wow, was für ein Traum!
Wenige Minuten später, überholte mich der Wagen und brauste davon.
„So einen Wagen hätte ich auch gern“ dachte ich noch und geriet in Träumereien.

Der Rastplatz Chaleroi kam in Sicht, und wenn mich meine Augen nicht getäuscht hatten war der Alpine nur vier Autos vor mir.
„Scheiße, das dieses verfluchte Teil dank Motorbremse nur 90 km/h schafft“ fluchte ich leise vor mich hin.
Der blinkt! Der will auf den Parkplatz! Ich musste ihn mir einfach aus der nähe ansehen, also setzte ich ebenfalls den Blinker.Wann hatte man schon die Chance einen so schönen Oldtimer zu sehen?

Sofort, nachdem ich den Bock geparkt hatte, bin ich durch die Grünanlage die LKW und PKW Parkplatz trennte gelaufen und und und ... verdammt sie waren schon weiter gefahren?Nirgendwo auf dem PKW-Parkplatz stand ein Auto, gar keins!
Wie ein Kleinkind stampfte ich mit dem Fuß auf und warf wütend meine Kippe weg.
„Na dann eben noch mal pinkeln und weiter geht’s.“ nörgelte ich vor mich hin.
Plötzlich stand der Alpine da. „Na du bist ja ein schöner Beobachter“ ging ich mit mir selbst ins Gericht, vermutlich hatte ich ihn nur in der Aufregung übersehen.Aber so stand das Juwel vor mir.
Ich entdeckte niemanden der dazu gehört als ich mich dem Wagen näherte, so konnte ich ungestört jede Einzelheit in mich aufsaugen.
Die minimalistischen Armaturen, die Froschaugen ... hach einfach schön ...

„Kann ich ihnen helfen?“ fragte eine aggressiv klingende Frauenstimme hinter mir.
Erschrocken zuckte ich zusammen und drehte mich um
„Ähm nein nein ich bewundere nur diesen schönen Wagen, ist das Ihrer?“
„Von meinem Mann“ sagte sie kalt und abweisend
„Oh ja natürlich keine Sorge, ich bin LKW-Fahrer und sah sie vorhin schon auf der Autobahn, der Wagen gefällt mir ausgesprochen gut!“ Ist er vielleicht zu verkaufen?“ fragte ich mich über meinen Mut wundernd.
„NEIN!“ fuhr mich die junge Frau an.
„Amellie? Amellie? Mit wem sprichst du da?“ fragte ein junger Mann mitte-ende zwanzig.
Nun war ich gänzlich verwirrt, wo war er denn her gekommen?
Er nahm Amellie, die nicht antwortete in den Arm und wendete sich mir zu.
„Entschuldigen sie, meine Frau ist deutschen gegenüber immer sehr ... nunja komisch ... nehmen sie es nicht persönlich, ihr Vater kam in Dünnkirchen ums Leben, sie hat ihn nie kennen gelernt“
„Woher wissen sie das ich deutscher bin?“ fragte ich erstaunt
„Ihre Art französisch zu sprechen“ lächelte er mich an “Kommen sie, wir essen gerade, sein sie unser Gast“
„Das kann ich doch nicht ...“
„Paperlapapp sie sind unser Gast!“
Eigentlich war ich noch satt von den Burgern, aber so würde ich die Möglichkeit haben evtl. mehr über den Wagen zu erfahren, und ihn vielleicht auch kaufen zu können.
Amellie ließ mich nicht aus den Augen und ihr Mann hatte sich nicht vorgestellt. Na das konnte ja heiter werden.

Wir setzten uns an einen der steinernen Rastplatztische. Dieser war mit einer Tischdecke gedeckt und zahlreichen lecker aussehenden Speisen voll gestellt.
„All das für sie beide?“ fraget ich ungläubig.
„Fume´, Loius, kommt ihr bitte auch zum essen? Wir haben einen Gast“
„Ah verstehe!“

Die Kinder beäugten mich ähnlich abweisend wie Amellie, und niemand sprach während des essens.
„Ist die Lackierung original?“ versuchte ich ein Gespräch zu beginnen, doch der Mann dessen Namen ich nach wie vor nicht kannte lächelte nur“Natürlich Bj 64“ Er schien total müde und überspannt zu sein, aber ich wollte ihn nicht darauf ansprechen.
Weitere Wagen hielten, einige sahen uns ungläubig an, einer rieb sich sogar die Augen und gab plötzlich Vollgas. Keiner blieb länger als unbedingt nötig, hatte ich das Gefühl.
Es kam einfach kein 'Gespräch zustande. So sehr ich mich bemühte.
„Irgendwie sind die Leute komisch hier, hab ich einen Fleck auf der Hose? Sie starren mich an oder fahren wieder mit Vollgas auf die Autobahn“ versuchte ich das seltsame Verhalten der anderen Autofahrer als Gesprächsthema aufzugreifen.
„Also wir fahren nun weiter!“ sagte er, und Amellie begann wortlos einzuräumen.Die Kinder setzten sich automatisch in den Wagen.
Sehr gut erzogen ... dachte ich
„Ja vielen Dank für das Essen, und sie wollen den Wagen wirklich nicht verkaufen?“
„NEIN!“
Ziemlich plötzlich saßen sie alle in dem Wagen und fuhren los. Hatten sie nicht ... nein...
Einen Moment lang blieb ich noch sitzen, bevor ich wieder zu meinem LKW ging. Naja nun noch 6,5 h fahren und dann würde ich irgendwo in einem billigen Hotel ins Bett fallen und von diesem Wagen träumen.

Plötzlich hörte ich einen Knall, das wütende röhren eines Motors und wieder ein Knall. Da schon wieder ein Knall.
Was war das, instinktiv wurde ich langsamer. Keine Sekunde zu spät!
Ich sah Flammen vor mir auf der Autobahn und dicke Rauchwolken. Den Warnblinker setzend fuhr ich vorsichtig im Schritttempo weiter. Einige Autofahrer brausten nach wie vor mit ca. 100 Sachen weiter. Zwei oder dreimal knallte es noch und dann war für eine Sekunde „ruhe“.
„HILFE HILFE!!! WIR BRAUCHEN HIER SOFORT HILFE!!! MASSENUNFALL KURZ NACH RASTPLATZ CHALEROI“ brüllte ich ins Handy als auch schon der LKW getroffen wurde und es mir aus der Hand fiel.
Irgendwas musste hinten drauf gerast sein. Eine Flammenwand die sich Auto um Auto ausbreitete rollte auf mich zu. „Nur raus hier“ dachte ich als ich auf die Straße sprang.Es krachte fürchterlich in dem Moment als ich die Straße berührte und mein LKW machte einen Satz nach vorne. Im umdrehen sah ich das ein „Kollege“ wohl nicht mehr bremsen konnte und den PKW zusammen geschoben hatte der bereits zuvor in den Laster gerast ist. Nahezu taub durch eine Explosion irgendwo hinter mir taumelte ich über die Autobahn. Verdammt nur weg hier!
Ich weiß nicht mehr wie ich es geschafft habe, aber ich war wieder auf dem Rastplatz. Ich sah die Rettungskräfte zum Unfallort rasen ich war froh überlebt zu haben, und schlief vor erschöpfung ein.

Ein Polizist rüttelte mich wach.
„Hey man, wie können sie schlafen?“
„Was? Wieso?“ gähnte ich verstohlen. Sofort war ich wieder hellwach und berichtete was geschehen war, doch die beiden Polizisten schienen mir nicht zu glauben.
„Was denn? Was ist los?“
„Haben sie Alkohol getrunken?“
„Bitte was hab ich? Nein natürlich nicht! Wie kommen sie darauf?“
„Sie haben den Nortuf gewählt?“
„Ja natürlich!“
„Würden sie uns begleiten?“
„Ja wo soll ich auch hin?“
„Was haben sie geladen?“
„Wieso geladen? Der Wagen war leer!“
„Machen sie ihn bitte einmal auf?“
„Wie soll ich ihn aufmachen? Er ist irgendwo in dem Inferno dort hinten!!!“
„Ist das dort nicht ihr Fahrzeug?“ fragte der Polizist grimmig.
Ich folgte seinem Finger und ... und ... dort stand mein LKW auf genau dem Parkplatz wo ich ihn abgestellt hatte.
Wie konnte das sein? Verstört stammelte ich etwas vor mich hin.
„Kommen sie mal mit, wir klären das“ sagte der Polizist beruhigend, legte mir Handschellen an und stopfte mich unsanft in den Streifenwagen.

Nach mehreren Stunden, wurde ich dann nachdem die Blutprobe negativ war wieder frei gelassen.
So kam natürlich heraus das ich die Lenkzeit grob fahrlässig überschritten hatte, wofür ich mich würde verantworten müssen.
Wie ich erfuhr ging mein Notruf wenige Minuten vor dem tatsächlichen Unfall ein, und augenscheinlich war ich nicht daran beteiligt.
Aber wie konnte das sein? Bin ich einfach vor müdigkeit eingeschlafen und habe geträumt? Aber warum hab ich dann den Notruf gewählt?
Völlig in Gedanken wartete ich auf Jacques der mich abholen wollte, fahren würde ich erstmal eine lange Zeit nicht mehr ...
„Sie sind doch! Oder? ja sie sind der ...“ kreischte eine Frau histerisch die mich auf der Bank neben der Polizeiwache sitzen sah.
„Pardon kennen wir uns?“
„Bring mich hier weg, er ist mit dem Teufel im Bunde!!!“ schrie sie ihren Mann an der ihr behutsam in den Wagen half.
„Wie bitte?“
„Entschuldigen sie ,eine Frau“ gab der Mann zurück, sie steht unter Schock.
„Natürlich, mir geht es ja auch nicht wirklich gut“ lächelte ich, dennoch fand ich es komisch.

Die beiden unterhielten sich noch im Wagen, und schließlich siegte meine Neugierde.
Langsam ging ich auf sie zu und klopfte schließlich an die Fensterscheibe.
„Entschuldigen sie? Wie meinten sie das eben???“
„Er ist mit dem Teufel im Bunde!!!“ brüllte die Frau sofort und schien sichtlich angst vor mir zu haben, sie kauerte sich in dem Wagen zusammen.
„Nichts für ungut, meine Frau ist nervös!“ sagte der Mann und ließ den Wagen an.
Weg waren sie ...

Mißmutig ließ ich mich wieder auf die Bank sinken und zündete mir eine Zigarette an. Ein alter Mann stand neben mir, er trug die Kleidung eines geistlichen. Wo war der nun wieder so plötzlich hergekommen?
„Guten Abend“ begrüßte ich ihn.
„Guten Abend, ich bin Pater Malone´ „ stellte er sich vor und setzte sich neben mich.
Einbe Zeitlang schwiegen wir uns an, dann begann er zu sprechen.
„Wissen sie, ich bin als Seelsorger für die Angehörigen hier ...“
„Ich habe niemanden verloren, und ich hab auch keine Schuld an dem Unfall“ verteidgte ich mich instinktiv.
„Das sagt ja auch niemand, aber sie sind sicherlich genauso verwirrt wie die anderen beteiligten?“
„Hm, zugegeben,“ fing ich an „etwas verwirrt trift die Sache ganz gut“
„Wissen sie , ich hab den Notruf gewählt, und laut der Polizei hatte der Unfall da noch nicht stattgefunden, so das die Rettungskräfte nahezu „just in Time“ eintrafen und viele gerettet werden konnten, die vermutlich gestorben wären wenn die Rettungskräfte nicht schon vor Ort gewesen wären. Nur leider kann ich mich nicht daran erinnern ... jedenfalls nicht so“
„Sie werden unter Schock stehen, genauso wie die anderen armen Seelen“
„Nein ich war hellwach!“ warum ich vertrauen zu diesem Mann hatte weiß ich bis heute nicht, aber ich erzählte ihm die Geschichte so wie ich sie in erinnerung hatte
„Wie sagten sie hieß die Familie doch gleich?“ fragte er mitten in die Erzählung hinein.
„Tut mir leid, das weiß ich nicht, sie stellten sich gleich mit den Vornamen vor ... nur der Mann stellte sich nicht vor, ja ich fand es auch etwas unhöflich, aber naja sie waren mir ja keine Rechenschaft schuldig“
„Sprechen sie weiter?“
Ih berichtete weiter und kam nicht umhin wieder von dem Wagen zu schwärmen.
Pater Malone´ mußterte mich eindringlich.
„Ist was ?“ fragte ich genervt.
„Nein nein, nur glaube ich zu wissen wie der Mann hieß ... Franzoir Deridane“
„Oh sie kennen ihn?“
„So würde ich das nicht sagen...“
„Schade, ich würde ihm gerne das Auto abkaufen, mit zwei Kindern ist es nicht eben das beste Fahrzeug, die Rückbank ist doch recht schmal und es gab ja noch keine Gurte in dem Fahrzeug“
„Haben sie einen Moment Zeit?“ unterbrach er mich.
„Jahhh?“
„Kommen sie wir gehen ein Stückchen“
„Wohin denn? Ich warte hier auf meinen Chef der mich abholen wollte“
„Es dauert nicht lange“
„Na schön...“
Neugierig folgte ich Pater Malone´der gemächlich voran schritt. Vor einem kleinen alten Friedhof hielt er an.
„Was soll ich auf dem Friedhof?“
„Ich möchte ihnen etwas zeigen“
„Soll das so eine präventiv Maßnahme werden? Ja ich weiß ich hätte nicht solange fahren dürfen, und die Folgen, die aus meinem Handeln hätten entstehen können sind mir durchaus bei dem Unfall bewußt geworden, sie müssen mir keine Gräber zeigen!!!“ gnatze ich ihn wütend an.
Mit sprcihwörtlicher biblischer Geduld, nahm er meine Hand und meinte: „Nein darum geht es hier nicht, sie werden gleich verstehen was ich ihnen zeigen möchte“
Wiederwillig folgte ich ihm, er hielt nach wie vor meine Hand. Eine solche Kraft hatte ich einem Mann seines alters nicht zugetraut.
Etwa mittig auf dem Friedhof ließ er mich los und bückte sich zu einem kleinen Grabstein herunter.
Efeu hatte ihn umwachsen und er gab sich mühe diesen zu entfernen.
„Helfen sie mir bitte einmal“ jabbste er.
„Natürlich, ich verstehe immer noch nicht was das soll!“
„Ah, sehen sie, nun kann man die Inschrift wieder lesen.“
„Ja und was soll mir da auffallen?“
„Schauen sie genau hin“
„Hier ruht Familie Deridane“ las ich laut vor.
„ja und weiter?“ sah er mich fragend an.
„Zahlreiche Geburts/Sterbe-daten alle 1964 und Namen!“
„Ja seien sie doch so gut und lesen die Namen vor“
„Fume´. Louis, Ammelie und ... F“
„Was haben sie denn?Warum sprechen sie nicht weiter?“
„Die namen sind mir bekannt, bis auf den Männernamen, aber das wäre ja ein reichlich merkwürdiger Zufall?“, „ ich muß mich setzen ...“


„Zufall würde ich das nicht nennen“, fing Pater Malone´ in seltsamer Stimmlage an zu sprechen.
Verständnislos sah ich ihn an, wollte mir dieser alte Kautz etwa ...nein er würde meinen Verstand nicht so beleidigen oder doch?
Gerade wollte ich etwas sagen aber er war schneller:
„Diese vier waren aus Frankreich herrüber gekommen, Franzoir, war gerade in seiner Firma befördert worden und gönnte sich einen Nagelneuen Alpine 1300. Damit sind sie am Wochenende zu einem Kurzurlaub hier nach Belgien gekommen. Alles war gut, doch der Herr hatte wohl andere Pläne mit ihnen. Sie waren hier im Ort, der damals noch deutlich kleiner war, aber seit eh und jeh als Transportangelpunkt genutzt wurde. So war auch an diesem Wochenende reger Verkehr auf der Autobahn. Ein LKW-Fahrer aus Deutschland, war der letzte der sie lebend gesehen hatte. Ammelie hatte aufgrund der Ereignisse bei Dünnkirchen einen soclhen Hass auf Deutsche das sich der Mann damals daran am deutlichsten erinnern konnte.
Lange Rede kurzer Sinn!
Jedenfalls wollte er den Wagen kaufen, Franzoir wollte ihn verständlicher Weise natürlich nicht verkaufen. So entwickelte sich ein Streit, sie brachen relativ hastig auf. Der Deutsche wollte sie noch bitten wenigstens das Essen zu beenden und noch ein wenig zu rasten, denn Franzoir war seid Tagen unterwegs und richtig geschlafen hatte er nicht, doch sie hörten nicht zu.
„Und wie ging es dann weiter?“ wollte ich wissen.
„Es gab kurz nach dem Rastplatz einen fürchterlichen Unfall! 37 Tote waren zu beklagen, die wenigen die zum Teil schwer verletzt überlebt hatten, berichteten das eben jener Alpine 1300 ins schlingern geriet und plötzlich quer in die Leitplanke krachte. Alles weitere dann können sie sich denken?“
„JA kann ich mir denken“ sinnierte ich vor mich hin.
Der Typ will mir doch bloß ein schlechtes Gewissen einreden, vermutlich aht ihn die Polizei dazu bewegt, aber ich hatte meine Lektion doch schon längst gelernt ...
„Seither, erzählen sich die Leute das alles 10 Jahre nach diesem Vorfall, eine Familie auf genau diesem Rastplatz ein grausiges Mahl einnimmt. Der total zerstörte Wagen parkt in einer Haltebucht und die gräßlich entstellten Körper halten ihr Picknick ab. Jedesmal ereignet sich in der Folge ein schwerer Unfall mit mehrern Toten... „
„Nun ist aber Schluß!“ brüllte ich ihn an.
„Es ist eine Sache das ich grob Fahrlässig gehandelt habe, eine andere mir eine3n soclhen Bären aufbinden zu wollen!“
Bevor ich weiter sprechen konnte, tippte er mir energisch mit dem Zeigefinger auf die Brust
„Was denken sie denn was mir die Leute erzählt haben? Wer dort mit diesen „Zombies“ gesessen hat und aß? Schauen sie in den Spiegel dann erkennen sie ihn vielleicht“
„Humbuk! Es ist ja gut ich habe verstanden! Niemals wieder werd ich sowas machern!“ brüllte ich und wischte seinen Finger von meiner Brust.
„Bist du wirklich so ignorant, oder willst du es einfach nicht begreifen?“ schrie nun er.
„Du hast eine zweite Chance bekommen! Diese Leute da haben dich gerettet, und anstatt dankbar an ihrem Grab zu beten, bezweifelst du alles was ich dir sage???“
„ ...“ gerade in diesem Augenblick fiel mir Gernod ein ...
Wenn Du es mit selbstherrlichen Arroganzlingen zu tun hast, lächle einfach in dem Wissen, dass Arroganz die Karikatur des Stolzes ist.
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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (24.10.2008, 17:03)
Hallo Lord,
ich habs nicht geschafft, deinen gesamten Text am Bildschirm zu lesen - er ist ja ganz schön lang! Vielleicht kannst du doch mal ganz deutlich sagen, was du von uns möchtest? Ich finde es schwierig, nur Teilkorrekturen (bzw. -vorschläge zu machen).

Schönen Gruß
haifischfrau

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Re:

von Johanna (24.10.2008, 17:51)
Hallo,


hab's gelesen und will nur mal "als Leser" meine Eindrücke schildern.

Geschichte an sich interessant, aber der Spannungsbogen ist für mich so lang, dass die Spannung am Ende zusammengebrochen ist (bei mir). Das liegt m.E. daran, dass du immer neue Szenen aufmachst, ohne dass man weiß, wie es zusammenhängt. Das ist sozusagen eine Schachtel-Handlung (abgeleitet vom Schachtel-Satz :-)).

Ob der Protagonist drahtig ist und wieviel Sex usw. ist eigentlich nicht entscheidend. Hätte z.B. einem kleinen dicken Fünfzigjährigen, der seiner Frau trotz Hängebacken treu ist, auch passieren können. :-)

Die einzelnen Szenen sind zwar gut beschrieben, durch die vielen Details geht aber der "rote Faden" stellenweise verloren.

Unglaubwürdig scheint mir, das er mit dem Gespenster-Pärchen wirklich isst und sich unterhält. Es müsste ihm ja auch die Kleidung und Frisur auffallen, die ja auch "von damals" sein müsste.

Der Ausdruck "just in time" ist für mich technisch belegt, ich würde ihn mit "rechtzeitig" ersetzen.

Na, das wars erstmal. An sich ist die Geschichte gut. Die Rechtschreibung würde ich erst ganz zum Schluss berichtigen, wenn du mit der Geschichte im Reinen bist.

Schöne Grüße

Johanna

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Re:

von LordKotz (25.10.2008, 00:34)
Haifischfrau, pn folgt

Johanna, das sind die Knackpunkte die mir nicht gefallen, der Spannungsbogen bricht zusammen in meiner Detailverliebtheit ... so in etwa sehe ich das auch.
Tut Euch keinen Zwang an und "motzt" daran herum!!!! Das bringt mich weiter und nebenher hat es noch einen effekt!
Wenn Du es mit selbstherrlichen Arroganzlingen zu tun hast, lächle einfach in dem Wissen, dass Arroganz die Karikatur des Stolzes ist.

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Re:

von Arachne (25.10.2008, 17:02)
Es gibt m.E. zu viele Doppelungen. Man hat ja den Eindruck, auf den Straßen wimmelt es nur so von hilfsbereiten Gespenstern. Deshalb würde ich die Gernod-Episode ganz weglassen.
Außerdem sollte das Motiv für die Gespenster zu helfen besser herausgestellt werden. Warum z.B. hilft das junge Gespenst Gernod, aber nicht den Jugendlichen? Warum wird der Held "gewarnt", obwohl er doch die Situation von damals wiederholt, die die Familie den Tod gekostet hat? Eigentlich müßte doch diese Frau, die Deutsche so haßt, ihn deshalb um so mehr hassen? Diese Gespenster sind gleichzeitig "böse" und "hilfreich", das paßt noch nicht so.
Auch würde ich viel nicht zielführendes Drumherum streichen (s.o.).

Sigrid

Dozen-Roses

Re: Europastraße A503

von Dozen-Roses (25.10.2008, 17:20)
Mit hektischen Blick trank er erneut sein Bier auf Ex, fasste sich plötzlich mit Schmerzverzerrten Gesicht an die Brust und sank zusammen.

Gernod hatte einen Herzinfarkt. Er konnte zwar gerettet werden, hatte aber eine art Amnesie.


Diesen Teil solltest du ein wenig ausfüllen. Momentan machen diese drei Sätze den Eindruck eines Lückenfüllers. book:

Johanna
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Re: Europastraße A503

von Johanna (25.10.2008, 20:11)
Hallo

Dozen-Roses hat geschrieben:
Mit hektischen Blick trank er erneut sein Bier auf Ex, fasste sich plötzlich mit Schmerzverzerrten Gesicht an die Brust und sank zusammen.

Gernod hatte einen Herzinfarkt. Er konnte zwar gerettet werden, hatte aber eine art Amnesie.


Diesen Teil solltest du ein wenig ausfüllen. Momentan machen diese drei Sätze den Eindruck eines Lückenfüllers. book:


Komisch, gerade den Teil würde ich ganz weglassen. :shock::

@LordKotz

Vielleicht solltest du erstmal deine Idee dazu vorstellen, damit wir überhaupt wissen, was dir wichtig ist an der Geschichte.

Für mich sieht die Zusammenfassung so aus:

LKW-Fahrer, der voll im Leben steht, hört durch Gernods Geschichte das erste Mal von der Begegnung mit Überirdischen.

Kurz darauf hat er selbst so eine Begegnung.


Ich finde, die beiden Teile verbinden sich nicht so richtig. Die wären auch einzeln erzählbar. Dem Protagonisten fällt erst zum Schluss die Begebenheit mit Gernod ein - er hat daraus keinerlei Ableitungen oder Schlussfolgerungen gezogen.

Am Anfang würde ich diesen ganzen Absatz über die Kontaktanzeigen weglassen. Der Kerl ist mit zwei Sätzen ausreichend beschrieben und das Umfeld ist von genügend Fernsehfilmen jedem vertraut. Diese Schilderung mit der Kontaktanzeige und später die weiß gekleidete Frau, das führt einen irgendwie auf einen Irrweg, weil man denkt, das hat was miteinander zu tun. Die ganze Geschichte sucht man in diesen Zusammenhang zu bringen, bis einem zum Schluss aufgeht, das da nichts ist. Darüber verpasst man die Feinheiten der eigentlichen Geschichte.

Dialoge würde ich nur an Stellen zulassen, die für die Handlung sehr entscheidend sind. Also teilweise Gernods Erlebniserzählung, den Wirt aber z.B. nicht mehr. Dass der Wirt einlädt, heimgehen will usw. würde ich in einen Nebensatz packen.

Wolltest du in beiden Fällen erzählen, dass nach so einem Erlebnis das Gedächtnis aussetzt bzw. irgendwelche Parallelen der Fälle aufzeigen? Das geht irgendwie unter.

Was mir noch auffällt, er schläft an der Unfallstelle ein? Das gibts nicht. Ich glaube, bei einem so dramatischen Unfall ist so viel Adrenalin im Körper, dass du nicht einschlafen kannst. Lass ihn lieber ohnmächtig werden.

Den Dialog mit der Polizei würde ich nicht in wörtlicher Rede führen.
Erst wieder den mit dem Pfarrer.

Also gutes Gelingen.

Johanna

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (26.10.2008, 00:53)
Meine Eindrücke zum Text:

Eine Menge Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler. Das macht das Lesen unnötig schwer.

Keine eindeutigen Angaben zu Zeit und Ort. Wann spielt die Handlung (vermute: im Jetzt), wo spielt die Handlung (vermute: in Deutschland, aber wo?).

Den Einstieg halte ich für äußerst unglücklich. Er zieht mich nicht in die Handlung hinein, und er stellt den Ich-Erzähler auch nicht sonderlich sympathisch dar.

Die Szene in der Kneipe löst bei mir zwei Fragen aus: Warum tritt Gernot auf? Warum werden die Ereignisse um die weiße Frau indirekt in Form einer Rede Gernots dargestellt? Warum wird die Begegnung mit der weißen Frau nicht dem Ich-Erzähler zugeordnet - was dann auch ein wesentlich interessanterer Einstieg in die Geschichte wäre?

Ein Satz, der mir sofort entgegengesprungen ist:

„Also Gernod, was ist Sache? Du siehst aus als hättest Du ein Gespenst gesehen“ lachte ich ihn an.

Wie macht man das, einen Satz jemanden zulachen? Man kann Sätze sagen, flüstern, schreien, hauchen, murmeln, stammeln - aber wie lacht man Sätze?

Völlig unklar ist die geographische Situation bei der zusätzlichen Fahrt. Der Ich-Erzähler ist nach Antwerpen gefahren und wird kurz vor der Fahrt zurück nach Deutschland von seinem Chef nach Charleroi geschickt. Also eine Fahrt von Antwerpen nach Charleroi. Das sind aber nur etwas über 100 kmm und keine 500, wie im Text genannt. Und schon gar nicht 7 Stunden Fahrt. Da stimmt also etwas nicht.

Weiterer - kleiner - sachlicher Fehler: Es heißt nicht "der Renault Alpine", sondern "die Renault Alpine".

Amellie wird als "junge Frau" bezeichnet. Dann heißt es, sie hätte ihren Vater in Dünkirchen (mit einem "n", also nicht "Dünnkirchen") durch die Deutschen verloren. Die Schlacht von Dünkirchen fand im Juni 1940 statt - das heißt, die Frau müsste spätestens neun Monate nach der Schlacht geboren worden sein, also spätestens März 1941. Die Frau wäre also jetzt mindestens 67 Jahre alt.

Eine junge Frau?

Also ist entweder die Bezeichnung "junge Frau" falsch (was durch den Autor zu korrigieren wäre) oder der Mitfahrer der Alpine erzählt Schwachsinn, was den Vater und dessen Tod bei Dünkirchen betrifft (beim Ich-Erzähler gibt es aber keine entsprechende Reaktion - warum nicht?). Da die Renault Alpine seit 1995 nicht mehr gebaut wird und der Ich-Erzähler in dem Auto einen Oldtimer sieht (Baujahr 1964 heißt es im Text), stimmt was nicht mit den Fakten. Oder mit der Reaktion des Ich-Erzählers.

Aufgrund des Anfangs ist das Ende vorhersehbar. Außerdem entspricht das Ende dem Muster des "Deus ex machina": Nicht die Hauptfigur, also der Ich-Erzähler, löst das Rätsel auf, sondern ein plötzlich auftretender Pater stellt die Verbindung zwischen dem Erlebnis des Ich-Erzählers auf dem Rastplatz, dem Unfall und dem Grab auf dem Friedhof her. Von daher gibt es so gut wie keine emotionale Bindung zwischen der Hauptfigur und dem Leser.

In der Geschichte wird mehrfach das Erzähltempus zwischen Präteritum und Präsens gewechselt. Der Text sollte aber einheitlich erzählt werden.

Auch stilistisch/sprachlich gibt es an vielen Stellen deutlichen Verbesserungsbedarf. Manche Sätze sind sehr eigenartig gebaut. Ein Beispiel: Nach mehreren Stunden, wurde ich dann nachdem die Blutprobe negativ war wieder frei gelassen.

Andere Sätze wirken unfreiwillig komisch.
Beispiel: Die Chromteile glänzten ebenso und der Wagen hatte nicht einmal ein Historie-Kennzeichen.
Mit dem "nicht einmal" wird suggeriert, der Wagen hat gar kein Kennzeichen.
Beispiel: „So einen Wagen hätte ich auch gern“ dachte ich noch und geriet in Träumereien.
Durch das "noch" wird der Eindruck erzeugt, der Ich-Erzähler schläft tatsächlich ein und träumt.

Im Großen und Ganzen ist die Geschichte enttäuschend, und zwar in allen Belangen. Sie ist vorhersehbar, nicht spannend, zudem strukturell, sprachlich und stilistisch gescheitert. Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik sind grundsätzlich zu überarbeiten. Die Hauptfigur bleibt eindimensional und für mich als Leser unsympathisch und in den Handlungen nicht nachvollziehbar.

Sorry, aber leider kann ich nichts Besseres über den Text sagen.

LG
Siegfried

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Conny
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Re:

von Conny (26.10.2008, 01:17)
Hallo!
Zu später Stunde möchte ich dann auch noch was dazu schreiben. Also, so krass wie Siegfried Deinen Text findet, sehe ich das nicht.
Meiner Meinung nach ist es, wie Johanna schon geschrieben hat, etwas schwierig, "am Ball" zu bleiben (Spannungsbogen).
Andere Verbesserungsvorschläge habe ich im Moment keine zur Hand, bin vielleicht doch etwas zu müde dazu.
Aber ich melde mich gerne noch mal (ausgeschlafen ...).

LG, Conny
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (26.10.2008, 14:12)
Conny hat geschrieben:
Also, so krass wie Siegfried Deinen Text findet, sehe ich das nicht.


Ich hoffe, du hast dich gut ausgeschlafen (gab ja eine Stunde mehr diese Nacht). Wenn du meine Kritik am Text als "krass" ansiehst - okay, kein Problem. Es wäre für mich aber interessant zu wissen, wo ich deiner Meinung nach über das Ziel hinaus geschossen bin und wie du aus deiner Sicht irgend einen Kritikpunkt widerlegen kannst:

Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler?
Zeit und Ort der Handlung?
Ungünstiger Anfang?
Unsympathische Hauptfigur?
Kneipenszene so nicht sonderlich brauchbar?
Schlechte Sprecherverben?
Fehler in den geographischen Angaben?
Falsches Geschlecht für den Autonamen?
Unklare Situation um die junge Frau bzw. unklares Verhalten der Hauptfigur?
Leicht erkennbares Ende der Geschichte (siehe auch Kritik am Spannungsbogen)?
Wechsel im Erzähltempus?
Silistische/sprachliche Mängel?

Woran machst du dein "krass" fest? Rein interessehalber ...

LG
Siegfried

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (26.10.2008, 15:18)
Hallo Siegfried,

Kotzi hatte ja schon geschrieben, dass er um die Rechtschreibfehler weiß und er bat um Statements zur Story. Von daher wäre es sehr freundlich gewesen, wenn du den Kommenar zur Rechtschreibung unterlassen hättest.

Vielleicht hast du die Geschichte nicht richtig gelesen oder verstanden. Ich bin ja erst auch über die junge Frau mit dem in Dünkirchen zu Tode gekommenen Vater gestolpert. Die Erklärung folgt später, unter "1964" - da passt es dann wieder; wenngleich ich insgesamt wenig mit der Geschichte anfangen kann, eben wegen der "Gespenster".

Was mit bei deinem Kommentar fehlt, ist einfach ein etwas empathischer Ton.

Schönen Gruß
Haifischfrau

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (26.10.2008, 18:41)
Haifischfrau hat geschrieben:
Vielleicht hast du die Geschichte nicht richtig gelesen oder verstanden. Ich bin ja erst auch über die junge Frau mit dem in Dünkirchen zu Tode gekommenen Vater gestolpert. Die Erklärung folgt später, unter "1964" - da passt es dann wieder; wenngleich ich insgesamt wenig mit der Geschichte anfangen kann, eben wegen der "Gespenster".


Es passt eben nicht mit der jungen Frau.

Nehmen wir an, die Geschichte spielt im Jetzt, also im Jahre 2008. Da steht eine junge Frau vor mir (23 oder 24 Jahre alt). Dann erzählt mir der Begleiter dieser jungen Frau, sie wäre nicht so gut auf Deutsche zu sprechen, weil ihr Vater bei dem Kämpfen um Dünkirchen von Deutschen getötet worden wäre. Wie würde man auf so etwas reagieren? Bestimmt nicht mit "Ach so, ja, ja, das ist natürlich verständlich".

Ich würde den Kerl ziemlich genau anschauen und ihm ein "Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?" an den Kopf ballern. Eine 24jährige Frau verliert ihren Vater in der Schlacht bei Dünkirchen (1940!!!) und sieht aus wie 24 - im Jahre 2008? Entweder - das würde mir zumindest durch den Kopf gehen - spinnt der Kerl, oder ich ticke nicht mehr sauber. Aber weder das eine noch das andere passiert bei der Hauptfigur, dem Ich-Erzähler. Da hakt es für mich in der Geschichte. Da wird der Ich-Erzähler unglaubwürdig. Und damit kippt die ganze Geschichte.

Was die fehlende Empathie angeht - wie soll so etwas aussehen? Ich wurde um eine Meinung zu dem Text gefragt und die habe ich abgebenen. Nach meiner Ansicht ist der Text gescheitert, und das in mehreren Belangen, die ich dann auch aufgeführt habe. Wie erklärt man z.B. logische Fehler in der Handlung empathisch, wie die falsche oder nicht ausreichend erläuterte Fahrdistanz von Antwerpen nach Charleroi, oder das falsche Geschlecht der Automarke? Muss ich jedes Mal eine Entschuldigung vorausschicken, wenn ich einen Fehler gefunden habe?

Ich denke nicht, dass ich den Verfasser mit meiner Kritik irgendwie, irgendwo persönlich angegriffen habe. Kritik am Text - und ausschließlich am Text - heißt immer harte und klare Kritik am Text. Mit Kritiken nach dem Muster "ich will dir nicht wehtun, deshalb verklausuliere ich meine Kritik in Schlagworten wie 'ganz nett zu lesen' oder 'war doch recht unterhaltsam'" kommt der Autor nicht voran. Das hilft ihm nicht.

Ich kenne z.B. aus dem semi-professionellen Bereich folgendes Bewertungsmuster für Texte: das Bewertungs-ABC

a) Thema interessant?
b) Thema getroffen?
c) Interessante Umsetzung?
d) Zu viele Rückblenden/Nebenhandlungen/Personen?
e) Namen und Setting gut gewählt?
f) Überschrift treffend, ohne zu viel zu verraten?
g) gute Eröffnung, um den Leser in die Geschichte zu ziehen?
h) Zentraler Konflikt vorhanden?
i) Gibt es zum Protagonisten einen gleichwertigen Antagonisten?
j) gute Auflösung des Konfliktes am Ende?
k) Handlungsablauf glaubwürdig?
l) klare Struktur, die die Handlung voran treibt?
m) Nebenhandlungen sinnvoll?
n) Erzähltempo angemessen?
o) klarer Satzbau, genaue Formulierungen?
p) Umgebung und Zeit lebendig?
q) Charaktere lebensecht, dreidimensional?
r) Dialoge lebensnah, interessant, sinnvoll, individuell?
s) Sachverhalte gezeigt und nicht behauptet?
t) verändert sich der Protagonist durch die Handlung?
u) Prämisse vorhanden?
v) Text formal sauber strukturiert (z.B. Sprecherwechsel)?
w) Grammatik, Zeichensetzung, Rechtschreibung ok?
x) Schreibstil flüssig und gut lesbar?
y) keine Klischees vorhanden?
z) treffende Wortwahl, korrekte Bilder, gute Atmosphäre?

Man kann sicher darüber diskutieren, ob man belletristische Texte nach diesen Vorgaben untersucht. Mir persönlich ist ein klares und eindeutiges Wort, das ganz klar den Mangel im Text aufzeigt, allemal lieber als ein "ganz nett", das vielleicht weniger weh tut.

LG
Siegfried

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Conny
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Re:

von Conny (26.10.2008, 18:44)
Lieber Siegfried!
Mit "krass" meinte ich, dass ich nicht so viel an der Story auszusetzen habe wie Du.
Im Gegensatz zu Deiner Meinung finde ich die Hauptperson nicht unsymathisch.
Die Kneipenszene wird zwar nicht "gebraucht", aber trotzdem finde ich sie nicht blöd.
Dass das Ende leicht vorhersehbar ist, finde ich auch nicht. Natürlich hat man beim Lesen eine Ahnung, wie in vielen anderen Krimis z.B. auch. Aber das stört mich eigentlich nicht weiter, der Weg ist das Ziel. Gut, ich muss dazu noch schreiben, dass ich kein großer Krimi- Fan bin, aber in diesem Fall finde ich das mit dem vielleicht vorhersehbaren Ende in Ordnung.
Meiner Meinung nach ist diese Story eine Art "Rohentwurf", an dem LordKotz einfach noch ein bißchen feilen muss.
Natürlich hilft ihm Kritik dabei. Nur meiner Meinung nach fehlt Deiner Kritik, wie Haifischfrau bereits geschrieben hat, der empathische Ton. Als ich Deine Kritik gelesen habe, fand ich die Worte einfach etwas hart gewählt. Kannst mich ja als Weichei titulieren, aber meiner Meinung macht der Ton die Musik.

LG, Conny
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Johanna
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Re:

von Johanna (26.10.2008, 19:15)
Hallo Siegfried,

ich verstehe das so:

Siegfried hat geschrieben:
Nehmen wir an, die Geschichte spielt im Jetzt, also im Jahre 2008. Da steht eine junge Frau vor mir (23 oder 24 Jahre alt). Dann erzählt mir der Begleiter dieser jungen Frau, sie wäre nicht so gut auf Deutsche zu sprechen, weil ihr Vater bei dem Kämpfen um Dünkirchen von Deutschen getötet worden wäre. ..... Eine 24jährige Frau verliert ihren Vater in der Schlacht bei Dünkirchen (1940!!!) und sieht aus wie 24 - im Jahre 2008? Siegfried


LordKotz hat geschrieben:
gönnte sich einen Nagelneuen Alpine 1300 (Anm.: Baujahr 1964!).


Sie war 1964 genau 24 Jahre alt, als sie verunglückte, d.h. sie wurde nach dem Tod ihres Vaters geboren, der 1940 gefallen ist.

Allerdings hast du Recht, der Protagonist müsste merken, dass aus seiner Sicht an dieser Zeitrechnung etwas nicht stimmt (er weiß ja noch nicht, dass sie ein Geist ist.). Vielleicht guckt sie ja so giftig, dass er das weitere Nachfragen lässt.

Schöne Grüße Johanna

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LordKotz
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Re:

von LordKotz (26.10.2008, 19:58)
Huih! Hier ist ja was los !

Also, spontan bedanke ich mich bei euch allen! Ebenso bei Sigfried.
Richtig! Es ging mir um die ungereimtheiten, manche sind mir selbst aufgefallen, im nachhinein, andere wiederum hab ich gar nicht bemerkt!

So seht es mir nach wenn ich nur kurz auf die Statements eingehe, dazu werd ich mich morgen ausführlicher melden.

Kurz:
Die Idee zu dem Text entstand nachdem mir mehrere "Urbane Legenden" bzw. Geister und Spukgeschichten eingefallen sind die man sich doch recht häufig erzählt. Dabei wollte ich zwei dieser Geschichten unter dem Gesichtspunkt verbinden, das der Hauptprotagonist (unsympatisch oder nicht) bis zum Schluß zweifelt.
Wenn Du es mit selbstherrlichen Arroganzlingen zu tun hast, lächle einfach in dem Wissen, dass Arroganz die Karikatur des Stolzes ist.

www.oliver-wehse.de

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