Wie geht ihr um mit negativer Kritik?

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Hanna
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Wie geht ihr um mit negativer Kritik?

von Hanna (07.12.2008, 12:10)
Hallo
Ich möchte eine Frage in den Raum stellen, die mir schon lange auf der Zunge brennt: Wie geht Ihr mit Verrissen um? Oder mit negativer Kritik?
Versucht Ihr daraus zu lernen? Oder lasst Ihr Euch in die Knie zwingen und reagiert mit Verleider?


Als vor eineinhalb Jahren mein Roman "Endlich frei von dir" erschien, geriet er in die Fänge eines Liebesromanforums, wo er von selbsternannten Literaturkritikerinnen von A - Z vernichtet wurde.
Das kostete mich zwei schlaflose Nächte mit erhöhten Pulsfrequenzen, bis ich mich davon erholte und mir schliesslich suggerierte, dass Kritiken immer subjektiv sind. Aber eingefahren war es mir damals schon. Mittlerweile habe ich dort, wo man mich böse treffen kann, eine Schicht Hornhaut entwickelt. smart2

Bin gespannt auf Eure Erfahrungen
Grüessli Hanna

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (07.12.2008, 12:29)
Hi Hanna,
zuerst: Es wird immer Leute geben, die deine Bücher mögen und solche, die sie nicht mögen. Dieses Phänomen hast du sogar bei Bestsellern.
Es nennt sich wohl "Geschmack" cheezygrin .
Man weiß als Autor halt nicht, was der Klappentext, das Cover oder die ersten paar Sätze das Buches beim potenziellen Leser für Erwartungen auslösen. Werden die Erwartungen dann enttäuscht, wird der Leser das Buch eher schlecht finden, obwohl es ihm - hätte er andere Erwartungen gehabt - vielleicht gefallen hätte.

Solange du auch gute Kritikern bekommst (Achtung: Freunde und Bekannte sein keine ernstzunehmende Kritiker!!!), solltest du dir keinen Kopf machen. Du kannst es nicht jedem recht machen.

Die Sache mit dem Liebesromanforum ...
Vielleicht passt dein Roman nicht in dieses Genre? Vielleicht hast du bei BOD oder Ähnlichen verlegt und das Forum lehnt solche Bücher grundsätzlich ab, egal was drin steht?
Überhaupt ist es bei manchen Foren so, dass die "Kritiker" immer alles besser wissen. Du könntest denen auch was von Ghoete oder so vorlegen, und die würden immer noch meckern.

Andererseits - war es eine Kritik, die du nachvollziehen konntest? War es Kritrik, bei der du sagen könntest: "Naja, ganz falsch ist das nicht, was da gesagt wird."?
(Z.B.
Kritik, die was bringt: "Dieser Teil ist unlogisch. Person A stirbt. Zehn Seiten später ist sie wieder am Leben"
Oder: "Die Grammatik ist so schlecht, dass man den Text kaum lesen kann."
Kritik, die fürn A... ist: "Ich kann Person A überhaupt nicht leiden. Die ist voll doof. Darum ist das ganze Buch auch doof."
Oder: "Oh neee, wieso macht denn jetzt Person B sowas? Das ist voll doof. Sch... Buch!"
Sind natürlich übertriebene Extremfälle. Aber das eine lässt sich eher nachvollziehen, während das andere eher Geschmack ist.)

Dann versuche daraus zu lernen - benutze die Kritik, um deine Schwächen aufzudecken und zu vermindern.

Kritik kann ausgesprochen hilfreich sein. Aber es ist schwer, vernünftige Kritik (!) zu erkennen.

Also nochmal: Solange du auch positive Kritik bekommst, mach dir keinen Kopf. Auch wenn die negative nervt. Benutze die negative, fundierte Kritik um besser zu werden.

(Bei mir ist es so: Ich WEIß, dass es ein paar Menschen da draußen gibt, die mein Buch "Die Katze von Frau Wagner" ganz gut fanden. Ich WEIß aber auch, dass es ein paar gibt, die es schlecht fanden. So what? So ist das halt. Man kann nicht immer einer Meinung sein.
Außrerdem, wie besch... wäre es, wenn alle alles gut finden würden, was du schreibst? Dann müsstest du dich ja gar nicht anstrengen.
cheezygrin

(Ein "guter" Kritiker würde wahrscheinlich bei jedem Buch positives und negatives finden.)
Gruß
Hakket

LOFI

Re:

von LOFI (07.12.2008, 12:38)
Hi,

damit müssen alle Autoren leben. Die Frage ist nur, welche Kritik man sich selbst geben lassen möchte. Kritiker aus Foren sind, wie du schon selbst sagst oftmals selbstherrlich und scheinbar besonders allwissend. Deswegen stelle ich meine Romantexte dort auch nie vor. Mir sind die Kritiken von Lesern "wie du und ich" am liebsten. Du weißt ja nie wirklich, welche Typen dahinter stecken und was du auf das, was die so von sich geben, stimmen muß. Besonders gerne wird dabei oft auf soggenannter miserabler Schreibtechnik herumgeritten, die komischerweise bei anderen gar nicht aufstößt.

kritik ist objektiv, wenn es sich um sichtbare Mängel der deutschen Sprache und des Ausdrucks handelt. Alles andere ist zunächstmal Geschmacksache.
Und da kannst du dir eben alles von "mieß" bis "super" einfangen. Aus Kritik, die dir augenscheinlich klar ist, kannst du nur lernen, und versuche es positiv zu sehen, denn Fehler kann man korrigieren.
kritik, die nicht offensichtliche Mängel heraushebt, und die andere anders sehen, kannst du getrost ignorieren, denn was da kritisiert wird, ist dir oft zu eigen und entspricht eben deinem Stil.

Fazit: lernen daraus, was dir einleuchtet, was nicht, machst du nach deinem Gusto. Soange es Leute gibt, denen dein Buch gefällt, kann es so schlecht nicht sein.

VG

lorenz

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Judith
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Re:

von Judith (07.12.2008, 13:20)
Hallo Hanna,

ich habe für meinen Tanzroman schon einige Fachkritiken bekommen, die auch ein paar Mängel aufzeigten. Darüber habe ich mich gefreut. Aber zum Glück war der Tenor insgesamt eher positiv. Einen totalen Verriss hätte ich ganz sicher nicht leicht weggesteckt, sondern ein paar schlaflose Nächte gehabt!

Grüßle,
Judith
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noteingang
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Re:

von noteingang (07.12.2008, 13:28)
Also gerechtfertigte Kritik nehme ich gut auf und lerne im Idealfall daran. Das bereitet mir auch keinerlei Kopfschmerzen.

Und in bestimmten Bereichen bin ich sogar Kritikresistent. Z.B. die Story meiner jetzigen Geschichte. Habe nun sechs ernsthafte Probeleser (loktorverschnitt) und einen Haufen andere, die es auch durchgelesen haben.

Von total scheiße, weil....bis super, weil ist da alles dabei aber ich lasse mich nur in ganz speziellen Bereichen überhaupt Kritik an mich heran.

Also hinter den Chrakteren oder der Story z.b. sollte man schon bedingungslos stehen und akzeptieren, dass Kritiker eben auch nur eine subjektive Meinung vertreten. Andererseits sollte man sich Kritik zu Sprachbild, Formulierungen, logischen Fehlern etc sehr genau durchlesen und eventuell davon lernen.

Und ich denke, sollte man sich mit seinem Werk an die Öffentlichkeit wenden, dann muss es klar sein, dass niemals alle Menschen es gut finden werden.
Es gibt sogar Verachter und Hasser eines so zeitlosen Werkes wie "der kleine Prinz", und dann glaubt man als kleiner Neuautor, werden alle gleich nur lieben?

Mund abputzen und weiter, Kritik gehört zum "Geschäft"..

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hawepe
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Re: Wie geht ihr um mit negativer Kritik?

von hawepe (07.12.2008, 13:30)
Hallo Hanna,

Hanna hat geschrieben:
wo er von selbsternannten Literaturkritikerinnen


Was wären denn für dich kompetente Kritikerinnen gewesen?

Bei mir schrillen jedenfalls bei Formulierungen wie "selbsternannt" immer die Alarmglocken.

Beste Grüße,

Heinz.

Hanna
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Re:

von Hanna (07.12.2008, 15:26)
Hallo an alle
Danke für Eure Kommentare.
Mir ist klar, dass man über Geschmack nicht streiten soll.
Mir ist auch klar, dass mein Buch Mängel aufweist. Es ist ja mein erster Roman. Mag sein, dass das Wort "selbsternannt* daneben ist. Ich empfand es halt so.
Das Buch hat ein paar Helvetismen drin *lach", die scharf kritisiert wurden. Deshalb wurde das Lektorat angeprangert, weil man sie durchliess. Am Ende kam noch der Verlag dran. Es entstand eine Diskussion, man stellte sich die Frage, ob man Novumbücher überhaupt beurteilen soll. Das hat mir zugesetzt. Die Wunde heilte, als ein paar positive Rezis folgten.

Eine ältere Autorin machte mir etwas später eine Buchbesprechung, die übrigens immer noch für alle lesbar ist. Obwohl es vom Genre nicht ihre Art Literatrur ist, blieb sie doch sachlich wenn auch kritisch und ich lernte daraus und freute mich.
Wenn ich eine Buchbesprechung mache, versuche ich nicht nur destruktiv zu urteilen, sondern auch konstruktiv. Im Übrigen kann ich längst darüber lächeln.

Liebe Grüsse Hanna

Hanna
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Re:

von Hanna (07.12.2008, 16:38)
Salü Heinz
Dir mute ich durchaus zu, Bücher neutral zu beurteilen, da du vom Fach bist. Hie und da erscheinst Du mir zwar etwas unverblümt, aber ich glaube Du bist fair!

Grüesse Hanna

julia07
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Re:

von julia07 (07.12.2008, 16:49)
Hanna hat geschrieben:
... erscheinst Du mir zwar etwas unverblümt, ...

Was meinst Du denn damit? "Unverblümt" ist doch nichts Negatives. Es heißt doch nur, dass derjenige offen und ehrlich seine Meinung sagt, anstatt durch die Blume oder um den heißen Brei herum zu labern.

Hanna hat geschrieben:
... aber ich glaube Du bist fair!

Du glaubst es - ich weiß es, denn ich genieße diese "fachmännische Fairness" nun schon eine lange Zeit thumbbup

LG,
Julia

hwg
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Re:

von hwg (07.12.2008, 17:37)
Kritik ist in jedem Fall begrüßenswert.

Sie ist immerhin ein Beweis, dass sich der
Leser mit dem Text befasst hat.

Nur Lob oder nur Häme ohne Begründung
ist ja keine Kritik. bestenfalls eine ( manchmal
unnötig erscheinende) Meinungsäußerung.

Da ich denke, mein Leserpublikum einigermaßen
einschätzen zu können (selbstverständlich ge-
meinsam mit dem Verleger), weiß ich auch, dass
sich etliche Kritiker mit der von mir produzierten Art
von Lesestoff auch nie anfreunden werden.

Doch ich arbeite für "meine" Redaktionen und
Auftraggeber und damit auch für den diesen Produkten
zugeneigten Leser. Gute Kritik freut mich, weniger
gute bis total 'vernichtende' nehme ich gerne zur
Kenntnis. Darüber sich zu ärgern, habe ich mir
längst abgewöhnt... :lol:

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hawepe
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Re:

von hawepe (07.12.2008, 17:45)
Hallo Hanna,

Hanna hat geschrieben:
Hie und da erscheinst Du mir zwar etwas unverblümt, aber ich glaube Du bist fair!


Ich versuche es jedenfalls. Aber manchmal liege ich natürlich trotzdem daneben, und dann ist eine Entschuldigung fällig. Kein Mensch ist unfehlbar.

Meine Frage rührte einfach aus der Erfahrung, dass es den meisten Menschen schwer fällt, mit Kritik umzugehen. Und dann wird gerne die Kompetenz des Kritikers angezweifelt.

Übrigens nehme ich mich gar nicht aus. Auch ich schlucke natürlich erst einmal, wenn meine tolle Idee auf Kritik stößt. Meinen ersten Coverentwurf für den Autorenratgeber hatte ich in einem Typo-Forum zur Diskussion gestellt. Um es kurz zu machen, er fiel komplett durch :-(

Beste Grüße,

Heinz.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (07.12.2008, 18:06)
Ich nehme gleich den von Heinz gesponnenen Faden auf: Mein Cover hatte ich einigen KollegInnen zur Beurteilung gegeben. Ich war nicht ganz zufrieden damit, wusste aber nicht, wie ich es anders machen sollte.

Die Kritiken die kamen - ich bezeichne sie hier mal als negativ, weil mir gesagt wurde, dass einiges geändert werden sollte - waren alle sehr freundschaftlich und für mich äußerst hilfreich. Ich war und bin froh und dankbar, dass diese KollegInnen offen und ehrlichg ihre Bewertung abgegeben haben. Ohne sie wäre "Wie eine Feder im Wind" nicht mit einem so schönen Titelbild versehen (und ich hoffe, dass das Buch dann auch wirklich so aussieht - ich habe die Kleinauflage noch nicht!).
Übrigens war Heinz einer der hilfreichen "Kritiker".

Zwischen "negativer Kritik" und Verriss liegen m.E. Welten.

Haifischfrau

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hawepe
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Re:

von hawepe (07.12.2008, 18:14)
Hallo Maryanne,

Haifischfrau hat geschrieben:
Übrigens war Heinz einer der hilfreichen "Kritiker".


Danke :-)

Zwischen "negativer Kritik" und Verriss liegen m.E. Welten.


Das stimmt natürlich. Aber ich versuche im Zweifelsfall immer, den Kritikern zugute zu halten, dass sie es gar nicht so gemeint haben. Manchmal bin auch ich überrascht, wie Bemerkungen von mir rüberkommen.

Liebe Grüße,

Heinz.

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JessM
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Re: Wie geht ihr um mit negativer Kritik?

von JessM (07.12.2008, 18:54)
Hanna hat geschrieben:
Hallo
Ich möchte eine Frage in den Raum stellen, die mir schon lange auf der Zunge brennt: Wie geht Ihr mit Verrissen um? Oder mit negativer Kritik?
Versucht Ihr daraus zu lernen? Oder lasst Ihr Euch in die Knie zwingen und reagiert mit Verleider?


Mm...
Wie gehe ich mit schlechter Kritik um.
Ich glaube, ich würde erst einmal schlucken und schlucken, dann mich bei einer Freundin ausschnauzen oder Zocken, schließlich tief durchatmen und mir die Kritik noch einmal in Ruhe anschauen.

Erst einmal schaue ich, ob die Kritik auch objektiv gemeint ist, das bedeutet für mich, sie beinhaltet auch Verbesserungsvorschläge.
Eine Kritik ala "Das ist alles scheiße." aber keine Begründung warum, hake ich sofort als subjektiv ab und nehme die dann auch nicht mehr ernst.

Beim zweiten Mal durchlesen, sehe ich dann diese "negative Kritik", auch nicht mehr als negativ, sondern einfach als lieb gemeinter Rat, setze mich hin und schaue, was ich davon verwenden kann.


Aber da ich ein sehr temperamentvoller Mensch bin, tobe ich mal kurz, um mir so Luft zu machen, jedoch trifft das auf jede Lebenslage bei mir zu. (haha)
Aber so ungefähr gehe ich mit Kritik um. cheezygrin

Andreas T.
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Re:

von Andreas T. (09.12.2008, 11:43)
Goodbye!
Zuletzt geändert von Andreas T. am 30.07.2009, 10:48, insgesamt 2-mal geändert.

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