Songtext im Roman erlaubt?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


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Aston Martini
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Songtext im Roman erlaubt?

von Aston Martini (07.01.2009, 23:46)
Hallo alle zusammen!

Ich bin gerade dabei, mein erstes Buchprojekt bei bod "einzuspielen". Dabei ist mir eine Sache aufgefallen, über die ich mir vorher keine weiteren Gedanken gemacht habe:

In meinem Roman gebe ich an einer Stelle einen Teil des Songtextes von "Y.M.C.A." von den Village People wider (Refrain - 1. Strophe - Refrain). Ist dies rechtlich überhaupt zulässig (Stichwort: Urheberrecht)? Wäre nämlich echt ärgerlich wenn nicht, da es sich um eine Schlüsselszene in der Geschichte handelt.

Vielen Dank schon mal für eure Hilfe!

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hawepe
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Re: Songtext im Roman erlaubt?

von hawepe (08.01.2009, 08:31)
Hallo,

Aston Martini hat geschrieben:
In meinem Roman gebe ich an einer Stelle einen Teil des Songtextes von "Y.M.C.A." von den Village People wider (Refrain - 1. Strophe - Refrain). Ist dies rechtlich überhaupt zulässig (Stichwort: Urheberrecht)?


Warum sollte es erlaubt sein?

Natürlich sind auch Songs urheberrechtlich geschützt.

Wäre nämlich echt ärgerlich wenn nicht, da es sich um eine Schlüsselszene in der Geschichte handelt.


D.h. du versuchst aus der Bekanntheit dieser Gruppe und des Songs Kapital zu schlagen.

Ich bin zwar kein Jurist, gehe aber davon aus, dass es für dich teuer werden könnte. Oder du hoffst, dass niemand das Buch liest ;-)

Beste Grüße,

Heinz.

Tom
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Re:

von Tom (08.01.2009, 08:42)
Wikipedia meint: (Zitiat)

"Zitate stellen einen Unterfall der urheberrechtlichen Schranken dar. Die Verwendung von Zitaten ist durch das Urheberrecht geregelt und unter bestimmten Voraussetzungen gestattet, ohne dass eine Erlaubnis des Urhebers eingeholt oder diesem eine Vergütung gezahlt werden müsste (§ 51 UrhG in Deutschland, siehe unten)."

Mehr dazu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Zitat

Zur Sicherheit würde ich dennoch lieber einen Anwalt für Medienrecht fragen. Bei einer so kurzen und präzisen Frage dürfte die Beratung nicht allzu teuer sein, kann aber von Schaden bewahren.
Neid ist eine häßliche, aber zumindest sehr aufrichtige Art der Anerkennung.

Viele Grüße vom Tom

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hawepe
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Re:

von hawepe (08.01.2009, 08:48)
Hallo Tom,

Tom hat geschrieben:
"Zitate stellen einen Unterfall der urheberrechtlichen Schranken dar.


Nur dürfte es sich in diesem Fall um kein Zitat handeln. Zitiert werden darf, weil man sich mit einem Werk auseinandersetzt und das Zitat als Beleg für eine Meinung oder Wertung anführt. Zitiert werden darf nur in dem unbedingt gebotenen Umfang.

Zitiert man ein Werk, um sein eigenes Werk gestalten zu können, ist das meiner Meinung nach nicht mehr vom Zitatrecht gedeckt.

Da man als book on demand veröffentlichender Autor ohne Rückendeckung durch einen Verlag dasteht, wäre ich sehr zurückhaltend.

Beste Grüße,

Heinz.

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (08.01.2009, 08:50)
Hallo Aston,
über diese Frage bin ich auch gestolpert.

Grundsätzlich könnte man versuchen, das Zitat "mit freundlicher Genehmigung" des Rechteinhabers zu verwenden. Ich bin bei dem Versuch, dafür eine Ansprechstelle zu finden, jedoch gescheitert.

Keine explizite Genehmigung braucht man für Zitate im Rahmen des Zitatrechts. Da ich auch kein Jurist bin und zudem die Internet-Quellen nahelegen, dass es hier keine mathematisch präzisen Regeln gibt, kann ich nur Anhaltspunkte geben:
- Das Zitat muss so kurz wie möglich sein.
- Der Text muss sich mit dem Zitat auseinandersetzen.
- Die Quelle muss angegeben werden.


Ich vermute, niemand kann einen Autor belangen, weil in seinem Text steht: "Die Jukebox spielte gerade 'YMCA'." Oder so etwas wie:
Während die Gespräche wie vom Blitz getroffen verstummten, brüllte Brian Johnsons Stimme aus der Jukebox „Thunder!“


Rechtssicherheit zu bekommen, dürfte für unsereinen unmöglich sein. Ich habe nach langer Recherche meine Textstellen massiv zusammengestrichen - auf eben genau das, was die Geschichte braucht.
2x Refrain und eine ganze Strophe scheint mir unnötig. Oder man muss anschließend jede Zeile der Strophe auseinandernehmen und schildern, warum sie für den Protagonisten von Bedeutung ist, dann findet die im Zitatrecht geforderte Auseinandersetzung mit dem Inhalt statt.

Gruß Valerie


[edit]@Heinz: Hui, da war ich noch am Tippen... ja klar, ohne Verlag im Rücken steigt das Risiko. Andererseits gilt nach wie vor: wo kein Kläger, da kein Richter.
Zuletzt geändert von Valerie J. Long am 08.01.2009, 08:54, insgesamt 1-mal geändert.

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Gigger
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Re:

von Gigger (08.01.2009, 08:51)

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hawepe
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Re:

von hawepe (08.01.2009, 09:20)
Hallo Valerie,

Valerie J. Long hat geschrieben:
Ich vermute, niemand kann einen Autor belangen, weil in seinem Text steht: "Die Jukebox spielte gerade 'YMCA'." Oder so etwas wie:
Während die Gespräche wie vom Blitz getroffen verstummten, brüllte Brian Johnsons Stimme aus der Jukebox „Thunder!“


Hier handelt es sich auch nicht um Zitate.

Rechtssicherheit zu bekommen, dürfte für unsereinen unmöglich sein.


Rechtssicherheit gibt es natürlich nie, weil es immer auf den Einzelfall ankommt und jeder natürlich wegen allem klagen kann. Aber die Regelungen des Zitatrechts sind eigentlich sehr deutlich.

Und sonst braucht man sich eigentlich immer nur die Frage zu stellen, zitiere ich jemanden, weil ich für mein Werk davon profitiere oder es gar erst dadurch möglich wird. Wenn da auch nur ein Hauch von "ja" erscheint, sollte man hellhörig werden.


Andererseits gilt nach wie vor: wo kein Kläger, da kein Richter.


Deshalb schrieb ich ja auch: "Oder du hoffst, dass niemand das Buch liest." Aber dann könnte man eigentlich auch auf die Veröffentlichung verzichten.

Beste Grüße,

Heinz.

Hanna
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Re:

von Hanna (08.01.2009, 09:41)
Hoppla!
Danke Heinz! Eben habe ich wieder etwas gelernt! Bisher dachte ich, dass Songtexte in Romanen Werbung sind für die Interpreten. Von der rechtlichen Seite her habe ich das nie betrachtet.
L.G. Hanna

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (08.01.2009, 09:41)
Hallo Heinz!
hawepe hat geschrieben:
Hallo Valerie,
...
Und sonst braucht man sich eigentlich immer nur die Frage zu stellen, zitiere ich jemanden, weil ich für mein Werk davon profitiere oder es gar erst dadurch möglich wird. Wenn da auch nur ein Hauch von "ja" erscheint, sollte man hellhörig werden.


Ich sehe es so: zur Abrundung der Atmosphäre oder der Motivation der Handelnden ist es künstlerische Freiheit. Der Text würde ohne das Zitat vielleicht an Stimmung verlieren, aber der Plot funktioniert noch.

Einen Text um ein Musikstück herum zu schreiben: auch okay, aber für Liedpassaden gilt immer noch die Auseinandersetzung.

Einfach 'reinkopieren: No go.

Eine gute Rechtsschutzversicherung dürfte empfehlenswert sein...

(Ich habe a.a.O. auch mal eine ganze Zeile zitiert. Mit gutem Gewissen.)

Grüße,
Valerie

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (08.01.2009, 09:45)
Hanna hat geschrieben:
Hoppla!
Danke Heinz! Eben habe ich wieder etwas gelernt! Bisher dachte ich, dass Songtexte in Romanen Werbung sind für die Interpreten. Von der rechtlichen Seite her habe ich das nie betrachtet.
L.G. Hanna


Hallo Hanna,
das mit der Werbung kann ja sein, aber der Rechteinhaber darf trotzdem entscheiden, wann und wo er beworben werden möchte.

Beispiel: Enya war überhaupt nicht glücklich, als man ihr Musikstück zur Unterlegung der brennenden Wolkenkratzer vom 9.11. benutzt hat. Diese Art von Werbung ist nicht willkommen.

Und wer weiß? Manch ein Künstler möchte vielleicht nicht in einem Buch vorkommen, in dem ein politisch unkorrekter Hauptdarsteller mit schlechten Manieren und mangelhafter Orthografie böse Dinge tut... :wink:

Gruß Valerie

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ChrisK
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Re:

von ChrisK (08.01.2009, 10:30)
Stephen King verwendet gerne die verschiedensten Lyrics, um Atmosphäre zu schaffen. Und das geschieht immer "mit freundlicher Genehmigung von...".
Gruß
Chris

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (08.01.2009, 10:43)
Ich habe in "Wie eine Feder im Wind" ein Zitat aus dem kleinen Prinzen unter die Widmung gesetzt. Dazu habe ich vorher die Genehmigung des Verlags eingeholt, ich musste das Zitat genau benennen (exakte Textstellen), den
Verlag, bei dem ich veröffentliche (also bod), die Seitenzahl des Buches und die Auflage angeben; das Zitatrecht wurde mir gegen Zahlung eines Betrags und Einreichung eines Belegexemplars (fertiges Buch) eingeräumt.

Denselben Weg beschreite ich jetzt für mein neues Buch, für das als wissenschaftliches Werk andere Regeln gelten.

Gruß
Maryanne
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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Aston Martini
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Re:

von Aston Martini (08.01.2009, 12:25)
Na, zum Glück bin ich noch rechtzeitig auf diesen Punkt aufmerksam geworden, da es ja doch etwas brenzliger zu sein scheint, als ich angenommen habe.

Obwohl es der Geschichte etwas Dynamik rauben wird, werde ich den Songtitel nur noch nennen, statt einen Teil daraus zu zitieren. Sicher ist sicher.

Wie gestaltet es sich denn mit bekannten Unternehmensnamen? Ist es rechtlich einwandfrei, diese als Schauplätze einer Handlung zu nennen (z.B. Szene im McDonald's) und noch interessanter: Darf die Romanfigur ihre Meinung über ein Unternehmen oder eine bekannte Person (z.B. Dieter Bohlen) äußern bzw. diese "durch den Kakao ziehen"?

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ChrisK
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Re:

von ChrisK (08.01.2009, 12:35)
Aston Martini hat geschrieben:
Wie gestaltet es sich denn mit bekannten Unternehmensnamen? Ist es rechtlich einwandfrei, diese als Schauplätze einer Handlung zu nennen (z.B. Szene im McDonald's) und noch interessanter: Darf die Romanfigur ihre Meinung über ein Unternehmen oder eine bekannte Person (z.B. Dieter Bohlen) äußern bzw. diese "durch den Kakao ziehen"?

Das hatten wir schon mal. Die Suchfunktion sollte dich weiterbringen.
Gruß
Chris

Hanna
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Re:

von Hanna (08.01.2009, 14:58)
das mit der Werbung kann ja sein, aber der Rechteinhaber darf trotzdem entscheiden, wann und wo er beworben werden möchte.

Hallo Valerie
Hallo Heinz
In meinen beiden Erstlingen kommen Strophen von Songtexten vor. Liegt das nun in meiner - oder in der Verantwortung des Verlags, auch wenn ich das Risiko selber trage(dkzv)? Die Bücher wurden im Verlag lektoriert. Beim zweiten Buch hat mir das Lektorat sogar den Anfang eines Liedes als Titel vorgeschlagen, was ich aber abgelehnt habe.
Bin jetzt doch leicht verunsichert.

L.G. Hanna

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