"Echter" Verlag um jeden Preis?

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Tom
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"Echter" Verlag um jeden Preis?

von Tom (08.01.2009, 08:30)
Hallo liebe Autoren,

seid gewarnt, jetzt kommen viele Fragen! cheezygrin Da ich mit dem Gedanken spiele eventuell irgendwann mal ein Buch zu veröffentlichen, bin ich vorab mal auf allgemeiner Informationssuche zu diesem Thema. Einige Seiten und Foren die sich mit dem Schreiben und der Verlagssuche beschäftigen habe ich schon durchstöbert.

Meine Frage mag seltsam klingen, ist aber ernst gemeint: Warum sind Autoren allgemein so wild darauf ihr Werk bei einem “echten” Verlag unterzubringen?

Folgende Punkte bewegen mich zu dieser Frage:

1.) Autoren wird oft zur absoluten Demut gegenüber den Verlagen geraten. Aussagen wie: “Vergessen Sie niemals, dass SIE etwas vom Verlag wollen, dieser aber leicht auf den unbekannten Neuling verzichten kann, dessen Erfolg auch bei noch so positiven Prognosen keineswegs gesichert ist.“, findet man häufig unter den Ratschlägen.

Bescheidenheit ist eine Tugend, das ist klar. Aber mir stellt sich angesichts solcher Autorentipps die Frage: Verdient nicht auch der Verlag, wenn er Bücher verkauft? Klar, er hat Vorlaufkosten. Aber wenn er sein Handwerk versteht, sollte er die Chancen doch so realistisch einschätzen können, dass sein Risiko überschaubar bleibt. Der Autor erhält ja schließlich auch keine Garantie darüber, dass der Erfolg gesichert ist, nur weil ein klangvoller Verlagsname auf dem Cover abgedruckt ist. Nicht zuletzt investiert der Autor ja auch, indem er die Rechte für seine Buchidee und sein (in viele Arbeitsstunden entstandenes) Manuskript an den Verlag abtritt.

2.) Die Tantieme für Autoren scheinen bei den „echten“ Verlagen (nachdem was ich so gelesen habe) üblicherweise bei ca. 5-8%, max. 10% zu liegen. Bei einem Buchpreis von... Nehmen wir einfach mal 10,- Euro als Beispiel, erhält der Autor also 50 Cent pro Buch, maximal 1 Euro. Dafür tritt er aber i.d.R. auch alle Rechte an den Verlag ab.

Bei 50 Cent Marge muss man ja schon einige Tausend Exemplare verkaufen, um ungefähr auf den Stundenlohn eines Hilfsarbeiters zu kommen, wenn man mal zusammenrechnet, wie lange man (mit Korrektur und allem drum und dran, ggf. noch Illustration) an einem ordentlichen Manuskript sitzt.

3.) Vergleiche ich nun die Vertragskonditionen mal mit verschiedenen Print on Demand Anbietern, sieht es m. E. hier schon autorenfreundlicher aus. Bei annehmbaren Buchpreisen kommen lt. Kalkulator annehmbare Tantiemen zustande, die Rechte verbleiben beim Autor, der Autor kann sein Buchprojekt nach seinen Vorstellungen umsetzen.

Klar, der Autor muss sich bei POD mehr um das Marketing kümmern, aber muss er da bei “echten Verlagen” nicht auch? An verschiedenen Stellen habe ich gelesen, dass Autoren von ihren Verlagen zu Lesungen geschickt werden, und für die Kosten dieser Lesungen selbst aufkommen müssen. (Zieht man solche Kosten noch von den ohnehin schon mageren Tantiemen ab, muss man wohl noch einige Tausend Exemplare mehr an den Mann bringen, um auf den Stundenlohn eines Hilfsarbeiters zu kommen....

4.) Nach den Informationen und Erfahrungsberichten, die ich bisher gelesen habe, scheint mit POD für Autoren lukrativer zu sein, als ein “echter Verlag”. Dennoch lese ich nun auch in diesem Forum immer wieder, dass die Mehrheit der POD Autoren davon zu träumen scheint, einen “echten” Verlag zu finden.

Ich frage mich: Warum eigentlich? :shock::

Mal ehrlich: Geht es vorrangig ums Prestige?

Oder verspricht man sich vom “echten” Verlag die Chance auf den Sprung in die Bestsellerlisten? Leisten “echte” Verlage (für einen Newcomer Autor ohne Promi-Namen) tatsächlich so viel mehr an Marketing, als man es selbst könnte?

Kosten und Zeitaufwand, den man mit der Verlagssuche verbringt, (Recherche, ob der Titel ins Verlagsprogramm passt, Manuskripte ausdrucken, versenden etc.) sind ja auch nicht zu unterschätzen. Wenn man diese Zeit u. Geld ins Marketing des POD Projekts stecken würde, käme es dann nicht ungefähr aufs Gleiche raus? Viele Fragen, auf die ich hoffentlich viele Antworten von euch bekomme.

Verratet ihr mir, was euch zu der Bereitschaft treibt mehr Rechte abzugeben, dabei gleichzeitig geringere Margen zu akzeptieren und die bei “echten” Verlagen üblichen langen Wartezeiten für die Prüfung eines Manuskripts in Kauf zu nehmen? Oder seht ihr die ganze Sache völlig anders?
Neid ist eine häßliche, aber zumindest sehr aufrichtige Art der Anerkennung.

Viele Grüße vom Tom

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (08.01.2009, 08:37)
Hallo, Tom!

Ja, ein Buch zu schreiben, macht viel Arbeit. Es in vernünftiger Form per BOD zu veröffentlichen, macht noch viel mehr Arbeit für Korrektur, (Selbst-) Lektorat, Layout und Satz, Umschlaggestaltung etc.
Wenn man nicht gerade den nächsten Harry Potter schreibt, wird man damit nicht reich.

Mit BOD kann man die Marge selbst wählen, richtig. Aber dann wird das Buch auch teurer als vergleichbar dicke konventionell publizierte Werke.

Welchen Vorteil bietet also der Verlag? Bessere (aktive!) Buchhandelsanbindung, Buchmessen, Marketing - nach wie vor gehen viele Leser in den Buchladen und stöbern. Einige richten sich nach Empfehlungen bei Amazon. Und wer kauft einen unbekannten BOD-Titel? Richtig, der Autor selbst.

Gruß Valerie

powbase
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Re:

von powbase (08.01.2009, 09:13)
... und nicht zu vergessen: Ein Verlag bietet ERFAHRUNG.
Mir ging es im Vorfelde aber ähnlich wie Dir, allerdings habe ich dann bei einem Verlag unterschrieben und bin bisher völlig zufrieden. Mein Buch erscheint voraussichtlich zum Herbst dieses Jahres in einer Auflagenhöhe von 5000 Stück. Ich gebe rechtzeitig vorher bescheid.

Viele Grüße und Erfolg

Tom
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Re:

von Tom (08.01.2009, 09:55)
Valerie J. Long hat geschrieben:
Hallo, Tom!

Welchen Vorteil bietet also der Verlag? Bessere (aktive!) Buchhandelsanbindung, Buchmessen, Marketing - nach wie vor gehen viele Leser in den Buchladen und stöbern. Einige richten sich nach Empfehlungen bei Amazon.
Gruß Valerie


Hallo Valerie,

aktivere Buchhandelanbindung ist ein Argument, aber was wird bei Amazon und in Buchhandungen promotet?

1. Übersetzungen von ausländischen Bestsellern

2. Promi-Bücher, oder solche die sich durch extreme Provokation hervorheben

3. Neuerscheinungen von Autoren, die schon sehr bekannt sind

Ich habe bisher werden bei Amazon, noch in Buchhandlungen feststellen können, dass Bücher von Newcomern großartig beworben oder gut plaziert werden.

Nach meinen Beobachtungen werden Bücher von Newcomer-Autoren auch dann in den hintersten Ecken versteckt (oder müssen bestellt werden), wenn sie bei großen Verlagen erscheinen. Jedenfalls habe ich das festgestellt, nachdem ich mal gezielt drauf geachtet habe. (Autorenlisten der großen Verlage gewälzt, die Namen der neuen, weniger bekannten Autoren notiert und dann mal gezielt danach gesucht.) Das die Neuerscheinungen der weniger bekannten Autoren auffällig beworben wurden habe ich nirgendwo feststellen können. (Sofern sie nicht zu den o.g. Sonderfällen zählen.)

Darum frage ich mich, ob man sich allgemein nicht doch zu viel von den "echten" Verlagen verspricht? Das man beim "echten" Verlag reich wird, sofern es nicht gerade der nächste Harry Potter ist, wage ich ehrlich gesagt auch zu bezweifeln.

@powbase: Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg! thumbbup 5000 ist ja schon was. Respekt! Dann kannst du ja demnächst aus deiner Erfahrung berichten. Würde mich sehr interessieren. Was ist es denn für ein Buch und bei welchem Verlag kommt es raus?
Zuletzt geändert von Tom am 08.01.2009, 10:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (08.01.2009, 10:27)
Hallo, Tom,
genau das wollte ich damit sagen: niemand braucht zu hoffen, BOD plus Amazon (eben die No-Invest-Variante) würde sich zum Selbstläufer entwickeln. Wenn man nicht in der Promotion landet, bleibt nur der Platz im Buchhandelsregal als Werbefläche.
Gruß, Valerie


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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (08.01.2009, 10:56)
Hallo,
5-10% mögen niedrig klingen, aber wenn man die Kosten,
vor allem für PR einmal zusammenrechnet, die %, die der Buchhandel bekommt,
dann schwinden von den 100 % nur so die %chen, so dass man froh sein kann,
wenn 5-10% übrigbleiben.
Ein großer Verlag macht eine Mischkalkulation,
da ist es klar, dass sie lieber mit bekannten Größen werben
und das Verlagslogo für Unbekanntere dann ein guter Werbeträger ist ...
ich halte es mal mit den Indianern und den Mokassins und den 3 Tagen...
und bin dabei weiterhin Bücher im Selbstverlag 'weltweit' bekannt zu machen.
Gruß aus Füchtorf
Birgit Fabich
Mimi und der große Brand
Geschichten für ....
www.blix-derneueselbstverlag.de
www.geschichtenfuer.blogspot.com

Tom
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Re:

von Tom (08.01.2009, 10:58)
Hallo Valerie,

nach meinen Beobachtungen werden Bücher von Newcomer-Autoren aber auch dann in den hintersten Ecken versteckt (oder müssen bestellt werden), wenn sie bei großen Verlagen erscheinen.

Ich habe mir spaßhalber mal die Mühe gemacht Autorenlisten der großen Verlage zu wälzen, die Namen der neuen, weniger bekannten Autoren notiert und dann mal gezielt danach gesucht. Die Neuerscheinungen der Newcomer Autoren von "echten" Verlagen wurden genau so wenig beworben, wie POD Bücher. In Buchhandlungen waren sie kaum zu finden, oder mussten auch bestellt werden. Im Amazon Ranking dümpeln sie auch irgendwo unter "ferner liefen". Also auch nicht gerade die besten Voraussetzungen, um sich zum "Selbstläufer" zu entwickeln...

Genau darum frage ich mich ja, ob es nicht sinnvoller wäre, das Geld und die Zeit, die man in die Verlagssuche steckt doch eher für Marketing einer Print-on-Demand Produktion zu stecken? Oder ob es zmindest ungefähr gleich käme.

Aber ich fürchte, das kann wahrscheinlich nur jemand genau beantworten, der schon Erfahrungen mit beiden Wegen unter 2 verschiedenen Autorennamen gemacht hat. :?
Neid ist eine häßliche, aber zumindest sehr aufrichtige Art der Anerkennung.



Viele Grüße vom Tom

Tom
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Re:

von Tom (08.01.2009, 11:33)
Birgit Fabich hat geschrieben:
und das Verlagslogo für Unbekanntere dann ein guter Werbeträger ist ...


Hallo Birgit,

ist das wirklich so? Eine spannende Frage, finde ich.

Wenn ich mal zurückblicke, habe ich nie persönlich ein Buch nach dem Verlagslogo gekauft, sondern nach seinem Inhalt / Thema / Aufmachung und dem Klappentext.

Zugegeben, von groß angelegter PR habe ich mich auch schon zum Buchkauf verleiten lassen, aber ich bin auch schon von manchem hochgelobten Beststeller derbe enttäuscht worden. Im Gegenzug habe ich schon Bücher von unbekannten Autoren gelesen, die mich nachhaltig beeindruckt haben.

Welches Verlagslogo auf dem Buch ist, darauf habe ich aber ehrlich gesang noch nie geachtet. Achtet ihr darauf, bzw. beinflusst das eure Kaufentscheidung? :roll:

PS: Wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Selbstverlag.
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Viele Grüße vom Tom

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (08.01.2009, 11:45)
Moin Tom,
die Auflistung, die du hier gebracht hast, sollten sich viele (Hobbyautoren) hinter den Spiegel klemmen.
Irgendwie scheint es immer noch das Luftschloss zu geben, dass man mit Büchern-schreiben reich und berühmt wird. Ich unterhalte mich oft mit Leuten, die schreiben. Was da manchmal für Vorstellungen vorherrschen ... :shock:: Wobei man ihnen auch keinen Vorwurf machen kann. Das ganze Buchgewerbe ist nicht leicht zu durchschauen, und warum sollte sich ein Autor mit der Vermarktung und dem ganzen drum und dran beschäftigen, wenn er schreibt?
Ein Mensch setzt sich hin, tippt kleine, lustige Buchstaben in einen grauen Kasten. Er hat davon gehört, dass Verlage dann diese Ansammlung von Buchstaben kaufen/weiterverkaufen und den Schreiber dafür bezahlen. Aber woher soll der Tippser wissen, wie ein Verlag auswählt, was er auswählt, dass er auswählt, und was der Tippser dafür bekommt, wenn er was bekommt, sofern er ausgewählt wurde?
Der Tippser hört was von Rowling und Terry Popper und davon, dass die Frau steinreich ist, und vergleicht das nun mit sich selbst. ("Dann muss ich ja auch steinreich werden. Denn Popper und mein Buch bestehen beide aus Papier und Buchstaben.")
Im Ernst - teilweise wird so gedacht.

Okay - berühmt kann man werden. Reich - eher nicht. Und wenn, dann wird man es in der Regel auch nicht durch ein einziges Buch, sondern dadurch, dass man sich mit dem ersten Buch eine Fangemeinde erarbeitet, die die Nachfolgebücher auch kaufen. Dann kann nach und nach tatsächlich ein bisschen Geld hängenbleiben. Aber das wollen viele halt auch nicht wissen: Dass man wirklich einen harten Job machen muss. Vom Schreiben leben ist EIN JOB, und er ist sicherlich härter, als sich 8 Stunden ins Büro zu setzen und da was zu tippsen. Die Vorstellung, hobbymäßig mal was zu schreiben, ein paar tausend € dafür zu bekommen und sich dann aufs Sofa zu legen ist halt falsch.

Ja, ich glaube auch, dass es ums Prestige geht. (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). Viele glauben ja, dass es mit dem Schreiben eines Buches schon getan sei. Viele glauben, dass es mit der Unterzeichnung eines Vertrages bei einem normalen Verlag schon getan sei.
Eben nicht.

Wir oft hört man das: "Ich hab ein Buch geschrieben. Jetzt erwarte ich, dass ich Geld dafür kriege." Und auf Verlagsdienstleister wird geschimpft und gemeckert, weil die den "Autoren ja nur das Geld aus der Tasche ziehen". Verlag kommt von vorlegen ... blablabla. Ist ja richtig und okay, kann man - wenn man will - so sagen. Aber drehen wir das doch mal um. Da schreibt jemand einen eher unterdurchschnittlichen Text oder über ein Thema, das nur ihn interessiert und erwartet, dass der Verlag ihn finanziert. Ist das dann okay? Ich halte das für das gleiche Ding.

Ich schreibe, weil mir schreiben Spaß macht. Ich mache das als Hobby. Kann ich erwarten, dass ich für die Ausübung meinses Hobbys Geld bekomme? Wohl nicht. In der Regel werde ich für die Ausübung eines Hobbys Geld bezahlen. Warum (verdammichtundzugenäht) soll das in der Literatur ausgerechnet anders sein?

Ich habe schon öfters gehört, dass sich selbst große Verlage tatsächlich nur über eine Handvoll Autoren finanzieren. Also mit nur sehr wenig Autoren verdienen die ihr echtes Geld. Bei den anderen Autoren können die Verlage schon glücklich sein, wenn sie bei plus minus Null herauskommen.

Warum also dafür bezahlen, dass das eigene Buch veröffentlicht wird? Weil man es veröffentlichen will. Ganz einfach. Wenn niemand bereit ist, das Buch zu finanzieren, muss man es eben selbst finanzieren - sofern man es veröffentlichen will.
Das ist völlig logisch - oder irre ich mich?

Gruß
Hakket

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (08.01.2009, 11:54)
Tom hat geschrieben:
Aber ich fürchte, das kann wahrscheinlich nur jemand genau beantworten, der schon Erfahrungen mit beiden Wegen unter 2 verschiedenen Autorennamen gemacht hat. :?


Hallo Tom,

ich bin einer jener, die beide (eigentlich drei) Wege beschreiten.
Allerdings nicht unter zwei verschiedenen Namen, aber eben als "Selbstvermarkter", über Kleinverlage und über einen großen Verlag.

Ich hatte bei BoD Norderstedt meinen Roman "Der Nomadengott" herausgebracht, der dann 2004 mit dem BoD AutorenAward ausgezeichnet wurde und seit 2006 im Heyne Verlag erscheint.
2007 und 2008 kamen weitere Romane bei Heyne hinzu.

Unabhängig davon habe ich derzeit 2 BoD-Titel und plane auch weitere, habe einen Gedichtband bei Shaker Media gemacht und publiziere bibliophile Lyrik bei einer kleinen österreichischen Handpresse.

Ich habe bei BoD mit meinem "Nomadengott" ganz gut verdient (ca. 1600 verkaufte Exemplare). Für mich und meine Marketingmittel war der Markt ausgeschöpft und so war ich sehr froh, dass "ein Großer" eingestiegen ist. Allein die Buchhandelspräsenz bringt schon eine Menge.

Der Vorteil eines großen Verlages ist das Garantiehonorar. Damit arbeitest du nicht "ins Blaue", sondern du bekommst vorher und bei Veröffentlichungen Geld und du weißt, dass dein Buch veröffentlicht wird.
Das ist ja schon mal eine gute Voraussetzung für einen Autor ... :lol:

Ich lebe vom Schreiben, allerdings nicht allein von meinen Büchern!!!
Da kommen Vorträge, Lesungen und Vorlesungen dazu, Auftragsarbeiten usw.

Gerade habe ich ein Theaterstück fertig gestellt, das eine Auftragsarbeit für das Theater Ansbach ist. Bringt auch Geld ... :wink:
Zuletzt geändert von Seshmosis am 08.01.2009, 12:15, insgesamt 1-mal geändert.

Hanna
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Re:

von Hanna (08.01.2009, 12:06)
Pragmatisch und vernünftig dargestellt. Kompliment Hakket.
Dienstleister sind nicht einfach Dienstleister. Da existieren sicherlich Unterschiede. Ein Dienstleister, der wahllos Autoren annimmt, ohne konkretes Programm und sich dabei mit der Masse eine goldene Nase verdient, ist in meinen Augen unseriös.
Ein Dienstleister, der sich die Autoren auf Grund seiner klar definierten Themenrichtung(en) aussucht und mit ihnen einen beidseitig zufriedenstellenden Deal aushandelt, ist für mich seriös.

Liebe Grüsse Hanna

Tom
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Re:

von Tom (08.01.2009, 12:41)
Hallo Seshmosis,

zunächst: Hut ab! thumbbup Wenn du vom Schreiben lesen kannst, verdient das schon Respekt.

Da es nun aber erst richtig spannend wird, muss ich dich leider noch mit weiteren Fragen löchern. :lol:

Seshmosis hat geschrieben:

Ich hatte bei BoD Norderstedt meinen Roman "Der Nomadengott" herausgebracht, der dann 2004 mit dem BoD AutorenAward ausgezeichnet wurde und seit 2006 im Heyne Verlag erscheint.
2007 und 2008 kamen weitere Romane bei Heyne hinzu.

Unabhängig davon habe ich derzeit 2 BoD-Titel und plane auch weitere, habe einen Gedichtband bei Shaker Media gemacht und publiziere bibliophile Lyrik bei einer kleinen österreichischen Handpresse.


Kann ich das (frei interpretiert) als eine Art Bestätigung meiner "Theorie" ansehen?

Bist du also auch eher der Meinung, wenn ein gutes und passendes Angebot von einem großen Verlag kommt ist das toll, aber bevor man zu Kreuze kriecht und um jeden Preis versucht einen "echten" Verlag zu finden, sollte man die Zeit, das Geld und de Energie lieber in die Selbstvermarktung über Print on Demand stecken, statt den Verlagen die Tür einzurennen?

Und noch eine neugierige Frage: Ist der Heyne Verlag dann auf dich zugekommen, oder hast du dort angefragt?


@ Hakket: Vielen Dank auch an die für die ausführlichen Ausführungen. Klingt einleuchtend. Ich denke auch, dass viele mit sehr illusorischen Vorstellungen an die Sache herangehen. Dienstleister und Print on Demand Anbieter, die ihre Leistungen klar und offen darlegen sollte man meiner Meinung nach auch nicht in einen Topf werfen mit den Zuschussverlagen, die Autoren mit unrealistischen Versprechungen locken. Da stimme ich dir zu.
Neid ist eine häßliche, aber zumindest sehr aufrichtige Art der Anerkennung.



Viele Grüße vom Tom

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Judith
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Re:

von Judith (08.01.2009, 12:52)
Hallo Tom,

ich gehöre auch zu "denen". Sogar zu jenen, die sich erhoffen, bis in einigen Jahren zumindest die Hälfte des Lebensunterhalts mit der Schreiberei und dem was dazugehört (Lesungen etc.) bestreiten zu können.

Meine BoD-Bücher laufen nicht direkt schlecht, aber ich müsste von den drei Büchern, um sämtliche Unkosten incl. meiner minimalen Werbung (wenn man von Leipzig letztes Jahr absieht, das war etwas teuerer) zusammengerechnet mindestens 650 Bücher verkaufen, um auf Null zu kommen. Das sind also etwa 220 Exemplare pro Buch. Bei "Hannahs Nachtgeschichten" habe ich das bald geschafft, nach eineinviertel Jahren, bei den anderen wird's eher eng. Nun gut, im Laufe der fünf Jahre Vertragsbindung werde ich meine Kosten reinkriegen.
Mehr Werbung bedeutet aber mehr Geldausgaben, dadurch muss man wieder mehr Bücher verkaufen. Die Presse ist mir wohlgesonnen, aber das bringt auch nicht hunderte Bücher verkauft.

Letztes Jahr war ich bei einem großen Kinderbuchverlag schon nahe dran, ein Manuskript veröffentlicht zu bekommen. Einer von zwei Punkten, die dagegen sprachen, war meine fehlende Veröffentlichung (BoD wurde mir weder als Vor- noch als Nachteil angerechnet). Mir wurde bestätigt, dass es besser wäre, wenn ich zumindest bei einem Kleinverlag schon veröffentlicht hätte.

Nun bin ich also bei einem eher kleinen Verlag gelandet. Dort bekomme ich für das Taschenbuch die üblichen (niedrigen) Prozente. Ich zahle dafür keinen cent, bekomme aber für jedes verkaufte Buch ein Honorar. Möglicherweise werde ich für dieses Buch nur auf 500 Euro kommen, aber das ist für mich ein guter Anfang. Außerdem habe ich den Roman in 4 Wochen geschrieben, incl. Korrekturen sicher nicht mehr als 150 Stunden damit verbracht und ihn nur an wenige Verlage geschickt. Mit dem Stundenlohn von drei Euro irgendwas kann ich mich abfinden.

Wie gesagt würde ich gerne - zumindest teilweise - meinen Lebensunterhalt mit der Schreiberei bestreiten zu können. Sollte mich ein großer Verlag unter Vertrag nehmen, besser zwei (für zwei unterschiedliche Bereiche), dann wäre das gut möglich. Das würde bedeuten, ich müsste pro Jahr z.B. 6 - 8 Erstlesebücher und zwei Jugendromane schreiben. Diese müssten innerhalb von gewissen Vorgaben geschrieben werden, was Thematik, Zeichenzahl, Stil etc. betrifft. Dazu muss man bereit sein. Wenn man nicht gerade außergewöhnliche Literatur schreibt, die auch noch ein Bestseller wird, dann ist die Schreiberei eine Arbeit wie viele andere auch. Ähnlich meiner jetzigen als Tanzpädagogin, wo ich mich mit meinen Choreographien auch am Alter, Niveau und Schrittmaterial meiner Schüler und deren sowie dem Geschmack des Publikums orientieren muss. Ich sehe den Job nicht durch die rosarote Brille. Aber vielleicht rechne ich mir gerade deshalb relativ gute Chancen aus, mein Ziel zu erreichen. Und auch wenn es "nur" ein Job ist, ich würde ihn tausendmal dem der Bäckereiverkäuferin oder Supermarktkassiererin vorziehen.

Ach, noch etwas ist nicht zu vergessen: Ich war schon immer ein Autodidakt. Das heißt, ich habe mir selbst das Schreibmaschineschreiben beigebracht, neben der Arbeit Websites gemacht, Spanisch gelernt usw. Das heißt, ich verfüge über die notwendige Disziplin, auch ohne äußere Zwänge wie feste Arbeitszeiten ein Pensum zu erfüllen. Das ist sicher auch ein nicht ganz unwesentlicher Teil für den kommerziellen Erfolg als Autor. Auch dazu muss man in der Lage sein.

Will man schreiben, was man will, wie man will und wann man will, ohne den Drang, damit Geld zu verdienen, dann kann BoD o.ä. die bessere Möglichkeit sein.

Grüßle,
Judith
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Tom
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Re:

von Tom (08.01.2009, 13:05)
Judith hat geschrieben:
Außerdem habe ich den Roman in 4 Wochen geschrieben, incl. Korrekturen sicher nicht mehr als 150 Stunden damit verbracht


:shock:: Du bist aber schnell! Von vielen (bekannten) Autoren habe ich gelesen, dass sie im Schnitt etwa ein Jahr an einem Roman normalen Umfangs schreiben. 4 Wochen incl. Korrekturen scheinen da im Vergleich echt rekordverdächtig!
Zuletzt geändert von Tom am 08.01.2009, 13:10, insgesamt 1-mal geändert.
Neid ist eine häßliche, aber zumindest sehr aufrichtige Art der Anerkennung.



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