Was würdet ihr mir raten? (Thema Depressionen)

Euer Forum für Diskussionen zum Thema Self-Publishing und Buchveröffentlichung.


Benutzeravatar
Silvia Kirschner
Beiträge: 186
Registriert: 21.01.2009, 09:12
Wohnort: Oberösterreich

Was würdet ihr mir raten? (Thema Depressionen)

von Silvia Kirschner (22.01.2009, 18:25)
Hallo ihr Lieben!

Da ich ja erst ein paar Tage "hier drin bin", kann ich gleich mal testen, ob ich hier guten Rat finde ;o)

Ich habe in meinem im Herbst 2008 erschienenen Buch "Die Geschichte eines Mädchens" die Leidensgeschichte einer sehr guten Freundin von mir niedergeschrieben, die schon als Kind unter Depressionen litt, welche dann im Jugendalter vollständig zum Ausbruch kamen. Sie durchlebte unvorstellbar schwere Zeiten, machte Erfahrungen mit Psychotherapie, Antidepressiva, Homöopathie uvm., um diese schwerwiegende Krankheit nach beinahe 7 Jahren überwinden zu können und die immer wiederkehrenden Selbstverletzungen zu vermeiden.

Nun hatte ich schon länger den Gedanken, auf www.youtube.com eine Videosequenz mit einer "Leseprobe" einzustellen. Als ich mich dann heute an die Arbeit machen wollte, war ich mir plötzlich sehr unsicher: ich wollte einen spannenden Ausschnitt "vorlesen", bei dem sich die Protagonistin in ihrer Verzweiflung zum ersten mal selbst verletzt.
Und da kamen bei mir plötzlich Überlegungen und Zweifel...
Schließlich will ich ja nicht, dass Zeilen über Selbstverletzung, die sich zB. Jugendliche (womöglich durch zufälliges Anklicken) anhören, zu einer "dummen" Tat animieren. :shock::
Ich weiß gar nicht, wie ich es richtig formulieren soll...

blink3 Würdet ihr sagen, es ist zu gewagt, genau eine Stelle aus dem Buch zu bringen, an der sich jemand selbst verletzt? Sollte ich besser was anderes nehmen?

Ich brenne auf eure Meinungen - dann kann ich mir bestimmt ein besseres Urteil drüber machen...

Liebe Grüße,

Silvia

M-F Hakket
Beiträge: 1580
Registriert: 20.08.2009, 13:37

Re:

von M-F Hakket (22.01.2009, 18:34)
Hi Silvia,

ob das, was man zeigt, dazu anleiten kann, es nachzumachen ... darüber streiten sich wohl die Gelehrten.
Ich persönlich würde dazu tendieren, dass nur diejenigen auf den Gedanken kommen, sich selbst zu verletzen, wenn sie ohnehin ein Problem mit sich haben. Sicherlich kann dein Film dann der "Auslöser"sein. "Schuld" wirst du nicht haben.

Auf der anderen Seite geht es um Marketing. Und das darf fast alles. Ich würde mich vielleicht an deiner Stelle nicht einfach vor die Kamera setzen und vorlesen, ich würde vielleicht eine kleine Filmsequenz machen, in dem - nur das Gesicht - der Hauptprotagonisten gezeigt wird. Man könnte es so aussehen lassen, dass sie dabei zuschaut, wie sie sich selbt verletzt. Wenn du eine gute Schauspielerin bekommst, die die Schmerzen und gleichzeitig die "Erlösung (?) mimisch rüberbringt und du quasi aus dem Off den betreffenden Teil aus dem Buch vorliest, könnte das schon heftig sein.

Klar, es wird mit Sicherheit von irgendwoher eine Moralkeule kommen ... aber das ist eben Marketing. Man wird ggf. drüber sprechen und evtl. sogar sehr kontrovers. Das ist letztlich das beste, was dir passieren kann.

Ich persönlich bin der Meinung, dass, wenn man auf etwas aufmerksam machen will, was landläufig unter dem Deckmantel von was auch immer haust, man bewusst schocken sollte.
Erst wenn es "weh tut", schauen die Menschen hin.


Gruß
Hakket

LOFI

Re: Was würdet ihr mir raten? (Thema Depressionen)

von LOFI (22.01.2009, 18:42)
Silvia Kirschner hat geschrieben:
Würdet ihr sagen, es ist zu gewagt, genau eine Stelle aus dem Buch zu bringen, an der sich jemand selbst verletzt? Sollte ich besser was anderes nehmen?


Ehrlich?

ich würde das so nicht über Youtube "rausjubeln".

Ich persönlich würde eine Stelle lesen, wo die innere Verzweiflung gut deutlich wird.
Das mit der Selbstverletzung finde ich wichtig, zu beschreiben, dass jeder Leser für sich ein Bild davon machen kann. Auch in einer Lesung mit "kontrolliertem interessierten Publikum" würde das durchaus die Dramatik der Erkrankung verdeutlichen.
Aber so allgemein unkontrolliert in die Masse würde ich eine solche sensible Stelle nicht schicken.

VG
Lofi

Gerhard
Beiträge: 913
Registriert: 07.12.2007, 00:28

Re:

von Gerhard (22.01.2009, 19:23)
Also ich würde auch nicht unbedingt den Teil reinsetzen, wo sich jemand verletzt. Aber nicht, weil es vielleicht andere Teenies nachahmen könnten, sondern weil es auch Depressionen gibt, die nicht zu einer Selbstverletzung führen. Insofern würde ich nur so etwas bringen, was bei jeder Depression zu finden ist ... unendliche Traurigkeit und Verzweiflung.
Herzliche Grüße
Gerhard

_________________________________

Die Welt ist anders, als sie uns erscheint. "Auf der Suche nach der Realität" , ISBN 978-3833493294

www.GerhardPhilipp.de

Benutzeravatar
Cornelia
Beiträge: 1702
Registriert: 22.06.2008, 18:48
Wohnort: Bielefeld

Re:

von Cornelia (22.01.2009, 21:24)
Hallo,

kurz gesagt bzw. geschrieben: ich schließe mich LOFI und Gerhard an.

Viele Grüße
Cornelia

Benutzeravatar
Conny
Beiträge: 1149
Registriert: 07.10.2008, 17:01
Wohnort: Eifel

Re:

von Conny (22.01.2009, 21:30)
Cornelia hat geschrieben:
Hallo,

kurz gesagt bzw. geschrieben: ich schließe mich LOFI und Gerhard an.

Viele Grüße
Cornelia


Jepp, ich auch!

LG, Conny
"Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann."
Antoine de Saint- Exupéry

www.kundenkoller.over-blog.de

Benutzeravatar
Bärentante
Beiträge: 1778
Registriert: 30.05.2007, 10:36
Wohnort: bei Frankfurt/M.

Re:

von Bärentante (23.01.2009, 00:53)
Meine Meinung: Auf keinen Fall solch eine Szene lesen. Ich verstehe Dein Buch als Ratgeber bzw. Mutmacher, dass man es schaffen kann. Dazu passt eine schockierende oder aufreißerische Werbung absolut nicht.
Liebe Grüße
Christel

rbader
Beiträge: 219
Registriert: 17.12.2008, 10:23

Re:

von rbader (23.01.2009, 01:45)
Hallo Silvia

Ich verstehe die Reaktionen der andere Autoren gut, aber ich habe dennoch eine andere Meinung.

Ich denke mal, dass es einen Grund geben wird, warum dir gerade dieser Ausschnitt als möglicher Schwerpunkt für dein Video in den Sinn gekommen ist. Durch deine kurze Beschreibung ist ja schonmal klar, dass es sich um eine Schlüsselszene handelt.

Ob es dir gelingen kann, gerade diese Szene auf für dich vertretbare und für die Zuschauer interessante Art auf YouTube zu präsentieren, das hängt aus meiner Sicht vor allem davon ab, wie du das entsprechende Video gestaltest. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, vor und nach Videosequenzen Text einzublenden, der dem Vorgetragenen den geeigneten Rahmen verleihen und auf die Gesamtwirkung Einfluss nehmen kann.

Ich sehe insofern eine gewisse Parallele in der Wahl unserer Themenfelder, als wir damit bei verschiedenen Leuten sehr unterschiedliche spontane Reaktionen auslösen werden. Die einen werden (womöglich auch hier im Forum) sofort denken: "Hör mir auf damit, von so was will ich wirklich nichts hören." Am anderen Ende des Spektrums sind die, die gleich sehr offen reagieren: "Toll, erzähl mir mehr davon, das interessiert mich." Die eine und die andere Reaktion hat natürlich viel mehr mit der individuellen Vorgeschichte zu tun als mit unserer Wahl des Themas. Und zwischen diesen beiden Extremen der Reaktionen liegt dann die breite Mitte derer, die denken: "Mmh, ich weiß nicht, na ja, vielleicht."

Meiner Meinung nach ist es hauptsächlich dieser mittlere Teil des Spektrums, den es zu gewinnen gilt. Und für diese Leute müsste dein Video (gleich welchen Inhalts) ausgewogen, aber nicht die Brisanz des Themas vertuschend gestaltet werden.

So oder so wünsche ich dir viel Erfolg mit deinem Vorhaben.

Schönen Gruß
Ruth

Benutzeravatar
Zeitl0ch
Beiträge: 473
Registriert: 21.06.2008, 11:50
Wohnort: Neuss

Re:

von Zeitl0ch (23.01.2009, 10:15)
Nun ja, ich finde das auch ein bisschen zweifelhaft.
Es gibt bei Jugendlichen diese sogenannte Emo-Szene, wo es fast schon Trend zu sein scheint, sich selbst zu verletzen, soweit ich das mitbekommen habe. Vielleicht habe ich da auch nicht den richtigen Einblick.
Seltsam ist, dass etwas, was eigentlich Symptom der Borderline-Störung ist, auf einmal zu einer Jugenkultur zu gehören scheint.
Ich glaube, gerade solche Jugendliche würden sich leicht durch so etwas beeinflussen lassen.
Ich fände es auf keinen Fall sinnvoll, junge Leute weiter darin zu bestärken, Borderline sei so etwas wie cool oder ganz normal.
Ich würde lieber etwas einfühlsames, mitfühlendes vorlesen als eine so drastische Szene.
Die Idee einer Leseprobe über YouTube hatte ich auch schonmal, habe sie dann aber nicht umgesetzt, finde ich aber gut.
Grüße,
Zeitl0ch

Hanna
Beiträge: 470
Registriert: 22.11.2008, 11:11

Re:

von Hanna (23.01.2009, 10:32)
Hallo Stefan
Depressionen sind eine Krankheit. Meine Mutter leidet seit Jahren darunter. Bevor Du etwas in dieser Richtung veröffentlichst, würde ich eine Fachperson (Arzt, Psychologe, Therapeut) konsultieren und mich erkundigen, was zumutbar ist und was nicht. Womit man gut gemeinten Schaden anrichtet und wo nicht.
Meiner Meinung nach gehört das Thema in einen medizinischen Bereich. Einem depressiv kranken Menschen helfen zu wollen, ist sehr heikel, wenn man die fachliche Ausbildung nicht hat. Ob Du sie hast weiss ich nicht. Wenn nicht, rate ich Dir eher zur Zurückhaltung.
L.G. Hanna

LOFI

Re:

von LOFI (23.01.2009, 10:41)
Hanna hat geschrieben:
Hallo Stefan
Depressionen sind eine Krankheit. Meine Mutter leidet seit Jahren darunter. Bevor Du etwas in dieser Richtung veröffentlichst, würde ich eine Fachperson (Arzt, Psychologe, Therapeut) konsultieren und mich erkundigen, was zumutbar ist und was nicht. Womit man gut gemeinten Schaden anrichtet und wo nicht.
Meiner Meinung nach gehört das Thema in einen medizinischen Bereich. Einem depressiv kranken Menschen helfen zu wollen, ist sehr heikel, wenn man die fachliche Ausbildung nicht hat. Ob Du sie hast weiss ich nicht. Wenn nicht, rate ich Dir eher zur Zurückhaltung.
L.G. Hanna


Hi,
hier geht es um die Darstellung aus Sicht der Betroffenen. Und obwohl es ein klinisch-psychologisches Fachthema darstellt, sind solche Bücher schon für die breite Öffentlichkeit, auch zur Brechung mit Tabus geeignet. Aber man sollte dies sensibel tun. Nicht mit der Tür ins Haus fallen. Damit alle verstehen, worum es eigentlich geht, nutzt es meiner Meinung nach nichts, eines der krassesten Symptome herauszugreifen und in den Markt zu schreien. Ich würde etwas vorlesen, was zum allgemeinen Kern der Depression gehört. Damit macht man sich letztendlich verständlicher, als wenn man eine Selbstverletzungsszene vorliest. Denn letztere gibt es aus unterschiedlichen Gründen. Solche eine Darstellung aus dem gesamtzusammenhang gerissen weckt die Sensationslust eher, als das sich Beschäftigen mit der Grundthematik.

Es gibt, auch, wenn man mit Tabus bricht, noch eine gewisse Intimität der Krankheit. Dabei wäre das einfache Nennen der Selbstverletzung in dieser Lesung ja OK, aber die Art und Beschreibung, insbesondere, wenn es sich genau so biographisch zugetragen hat, ist zu intim um ziellos zu verbreiten. Wenn "INTERESSIERTE" Leser, und um die geht es letztendlich das Buch zu Hause lesen, bleibt diese Intimität im Buch und äussert sich nur dem, der es wirklich lesen will. Es ist einfach persönlicher.

VG
Lofi
Zuletzt geändert von LOFI am 23.01.2009, 10:55, insgesamt 4-mal geändert.

Hanna
Beiträge: 470
Registriert: 22.11.2008, 11:11

Re:

von Hanna (23.01.2009, 10:49)
Solche eine Darstellung aus dem gesamtzusammenhang gerissen weckt die Sensationslust eher, als das sich Beschäftigen mit der Grundthematik.

VG
Lofi

Der Satz trifft exakt zu.

rbader
Beiträge: 219
Registriert: 17.12.2008, 10:23

Re:

von rbader (23.01.2009, 11:00)
Hallo Autoren

LOFI (Moderator) hat geschrieben:
Solche eine Darstellung aus dem gesamtzusammenhang gerissen weckt die Sensationslust eher, als das sich Beschäftigen mit der Grundthematik.


Ich habe mir Silvias HP nach ihrer Vorstellung gestern oder vorgestern genau angeschaut, weil mich das Thema Depressionen auch interessiert.

Aus meiner Sicht verdeutlichen die zur Verfügung gestellten Informationen, und ganz besonders die überaus positiven Rückmeldungen, die sie von Fachleuten zu ihrer Publikation erhalten hat, dass sie ein Talent dafür besitzt, diese Thematik einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Daher würde ich ihr auch vertrauen bzw zutrauen, eine genauso ansprechende, verantwortungsvolle Vorstellung von Aspekten ihres Buchs für das Video zu gestalten.

Was mich an manchen der Reaktionen zu ihrer Frage wundert, ist, dass irgendwie sehr davon ausgegangen zu werden scheint, dass Silvia das Video ohne jeden Gesamtzusammenhang und/oder ohne Sensibilität und/oder ohne akzeptable Kenntnisse der Materie in die Welt (=YouTube) stellen könnte. Ich kann mir nicht erklären, woher diese Vermutung kommt.

Schönen Gruß
Ruth

LOFI

Re:

von LOFI (23.01.2009, 11:05)
rbader hat geschrieben:
Was mich an manchen der Reaktionen zu ihrer Frage wundert, ist, dass irgendwie sehr davon ausgegangen zu werden scheint, dass Silvia das Video ohne jeden Gesamtzusammenhang und/oder ohne Sensibilität und/oder ohne akzeptable Kenntnisse der Materie in die Welt (=YouTube) stellen könnte. Ich kann mir nicht erklären, woher diese Vermutung kommt.


Davon gehen die meisten nicht aus, glaube ich.
Es hat etwas mit der Überschreitung einer gewissen Intimität zu tun, die ich persönlich nicht dem undurchsichtigsten Medium Internet anvertrauen würde.

VG
Lofi

PS: ich bin selbst vom fach und weiß, welche psychologischen Effekte bestimmte Beschreibungen in der Masse auslösen können. Positiv wie negativ.
Aber gut, sie muss das entscheiden, sie steckt in ihrer Haut und kennt die eigene Geschichte besser als wir. Wie gesagt, nur meine Meinung.

Benutzeravatar
skipteuse
Beiträge: 5041
Registriert: 30.05.2007, 14:52
Wohnort: Potsdam

Re:

von skipteuse (23.01.2009, 11:29)
silvia, ich find es spannend, es so aufzubereiten, hätte aber ebenfalls evtl. bedenken, auch wgeen der angesprochenen "emo-szene". allerdings kenn ich mich auch viel zu wenig mit der thematik aus ...vielleicht wirklich noch ein paar verschiedene (fach-)meinungen einholen ...?

Hm, drück dir die daumen!

Zurück zu „Self-Publishing“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.