Mitteilungen einer Pubertierenden

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Detlef Schumacher
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Registriert: 01.09.2008, 21:15

Mitteilungen einer Pubertierenden

von Detlef Schumacher (24.01.2009, 23:10)
Disco
Von Mama und Papa erhielt ich endlich die Erlaubnis, eine Disco besuchen zu dürfen. Das war ihr Dank dafür, weil ich innerhalb von zwei Nachmittagen sämtliche Him- und Stachelbeeren im Garten gepflückt hatte. Eine Scheiß-Arbeit, wenn man bedenkt, dass einem dabei ganz schnell die Lust vergehen kann. Welcher vernünftige Mensch pflückt heute noch Beeren? Die kann man doch Büchsenweise im Supermarkt kaufen.
Ich war jedenfalls voll happy, weil ich nun endlich durfte, was andere Mädchen längst durften. Krass geil, als ich mir vorstellte, wie meine Freundin staunen würde.
Mama und Papa hatten jedoch angeordnet, dass ich punkt 22 Uhr zu Hause sein müsse. Innerlich dachte ich mir, dass ich diesem Befehl nur nachkommen kann, wenn mein Lover mich rechtzeitig aus seinen Armen entlässt. Man weiß ja, dass verliebte junge Menschen anders ticken als die Alten.
Oma zeigte Verständnis, obwohl ihre Jugendzeit anders verlaufen war. Als sie mir von dieser erzählte, wunderte ich mich über den damaligen Rückschritt. Die Boys mussten eine Verbeugung machen, wenn sie ein Girl zu einem Hopsassa-Tanz aufforderten. Wie anstrengend. Heutzutage fragt man kurz und bündig: „Willste?“, und wenn er will, dann begibt man sich paarungsbereit auf die Tanzfläche. Oftmals muss man den Lockruf aber brüllen, weil der DJ voll aufgedreht hat. Da in unserer modernen Zeit die Geschlechter gleichberechtigt sind, fordern die Mädchen zum Tanz auf. Das müssen sie, weil die Kerle wie nasse Säcke rumhängen. Wenn schließlich mehrere Typen einen gewissen Bewegungsdrang verspüren, hüpfen sie locker und lässig von einem Bein auf das andere, wobei sie manchmal aufsehen, um festzustellen, ob noch der gleiche Tanzpartner gegenüber zappelt.
Anfassen oder Umarmung ist nicht und Tanz nach Tanzschritten sowieso nicht. Das ginge bei unseren heutigen Hip-Hop-Hits gar nicht, weil für sie keine Tanzschritte vorgeschrieben sind. Wenn es die gäbe, müsste man sie erlernen, und das wäre natürlich zuviel verlangt. Schule ist Stress genug. Die meisten Boys sind sowieso tanzunfähig, weil sie bis zum Koma saufen.
Als Oma jung war, warf sie sich vor jedem Tanzabend in beste Schale. Jeans, Markenklamotten und Turnschuhe kannten die damals nicht. Entsetzlich, wenn ich mir vorstelle, dass die jungen Männer in gebügelter Hose erschienen, die weder ein Loch in der Kniegegend noch einen Flicken im Arschbereich hatte. Die müssen ja schlimm ausgesehen haben. Die reinste Faschingskostümierung, wenn sie auch noch einen Schlips umgeknotet hatten.
Zu Mamas Discozeit ging es nicht mehr so reaktionär zu. Da gab es Mädchen, die auf ihren Minirock „OS“ gestickt hatten. Das war die Abkürzung für „Ohne Schlüpfer“. Kein Wunder, dass zu dieser Zeit mehr Kinder hergestellt wurden als heute. Auch die Musik war etwas musikalischer geworden, wenngleich ich mir nicht vorstellen kann, dass man nach dem Gejaule der Beatles oder Rolling Stones tanzen konnte.
Zu Papas letztem Geburtstag, als alle Gäste blau waren, kam Mama auf die Idee, mal wieder Twist zu tanzen. Papa schob eine Oldie-CD in den Recorder und hast du nicht gesehen, wackelten die Leute mit dem Popo und gingen dabei langsam in die Knie. Erstaunlich, welche Verrenkungen Papa vollführte, der doch ständig über Kreuzschmerzen klagt, wenn er sich körperlich betätigen soll.
Als die Stimmung dem Höhepunkt zustrebte und die keuchenden Tanzpaare vor Erschöpfung fast umfielen, humpelte Opa in die Mitte des Wohnzimmers und verlangte, eine CD mit Gesängen von Elvis Presley in den Recorder zu schieben. Die Masse johlte vor Begeisterung, denn Opa kündigte an, mit Oma einen Rock and Roll tanzen zu wollen. Er werde sie auch über die Schulter werfen.
Aus dieser Show wurde allerdings nichts, weil Oma wieder mal im Rollstuhl saß. Opa war darüber eigentlich froh, prahlte aber, dass er mit seinen zahlreichen Lenzen noch jede Frau durch die Luft wirbeln könne. Als ich ihn fragte, ob er es mit mir versuchen wolle, klagte er plötzlich über Gelenkschmerzen. Es gebe anderes Wetter, meinte er.

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Detlef Schumacher

Albert Ulrich
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Re:

von Albert Ulrich (25.01.2009, 15:50)
Welche Pubertierende sagt noch "boys" und "girls"? Ich empfände "Wichser" und "Schlampen" als angemessener.

julia07
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Re:

von julia07 (25.01.2009, 16:52)
Hallo Detlef,

es wäre hilfreich, wenn Du einmal sagen würdest, wozu dieser Text dienen soll. Ist das ein Teil von einem Roman?
Leider habe ich keine Ahnung wie alt Du bist, deswegen fällt mir ein Kommentar nicht ganz leicht.
Mein Eindruck ist, dass Du Deiner Protagonistin zwar ein paar lockere/coole Sprüche und Wörter in den Mund legst, ihre Denkart für eine Pubertierende aber eher untypisch ist. Welches junge Mädchen, das gerade so sehr happy ist, weil sie endlich auch in die Disco darf, hat bereits einen Lover, der sie höchstwahrscheinlich nicht pünktlich zu Hause abliefern wird? :shock:: Sorry, aber wenn sie derart "erfahren" oder gar abgebrüht ist, wird sie sich kaum durch Himbeerenpflücken ihre Liebeserlebnisse "erkaufen".

Die Art, wie Du z. B. das Balzgehabe auf der Tanzfläche beschreibst, klingt eher wie Zynismus eines Erwachsenen und nicht wie die Gedanken einer verliebten Göre.

Wie gesagt, eigentlich fehlen mir ein paar Erklärungen und vielleicht bin ich mit meinen 57 einfach nur zu alt zu "schnallen", was Du meinst :wink:

LG,
Julia

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (25.01.2009, 18:10)
Albert Ulrich hat geschrieben:
Welche Pubertierende sagt noch "boys" und "girls"? Ich empfände "Wichser" und "Schlampen" als angemessener.


Hallo Albert - ich fürchte, du bist nicht auf dem Laufenden :roll:
die von dir angeführten Bezeichnungen sind voll ätzend und werden auch von den jungen Leuten heute nicht synonym zu "boys" und "girls" benutzt.

Maryanne
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

Detlef Schumacher
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Re:

von Detlef Schumacher (26.01.2009, 10:51)
Hallo, liebe Julia, Du hast vollkommen recht, die Sprachgewalt der Himbeerpflückerin kann natürlich nicht die einer Pubertierenden sein. Auch wenn man ihr zugute halten will, dass sie mehr kann und weiß als ein junger Mensch mit heutigen Denk- und Verhaltensweisen (Ausnahmen gibt es wohl), ist sie nicht das typische, also glaubhafte Beispiel.
Mit Deinen 57 Lenzen, liebe Julia, hast Du noch mehr Frische in den Adern als ich. Es wäre wohl besser gewesen, wenn ich meine junge Dame in ein älteres Lebensalter transportiert hätte. Auch mit 25 kann man noch Himbeeren pflücken, von Mama und Papa sprechen und wild auf einen Lover in einer Disco sein.
Ergo: Eins zu Null für Dich, Julia.

Mit besten Grüßen, Detlef

Albert Ulrich
Beiträge: 219
Registriert: 05.07.2008, 18:50
Wohnort: Landshut

Re:

von Albert Ulrich (27.01.2009, 10:18)
Haifischfrau hat geschrieben:
Albert Ulrich hat geschrieben:
Welche Pubertierende sagt noch "boys" und "girls"? Ich empfände "Wichser" und "Schlampen" als angemessener.


Hallo Albert - ich fürchte, du bist nicht auf dem Laufenden :roll:
die von dir angeführten Bezeichnungen sind voll ätzend und werden auch von den jungen Leuten heute nicht synonym zu "boys" und "girls" benutzt.

Maryanne


Hallo Maryanne,

in meiner Wohngegend sind das durchaus übliche Bezeichnungen. cool1
Alternativ zu Schlampe hört man auch öfters bitch.

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