Bauchschreiben, oder Planen

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Hanna
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Bauchschreiben, oder Planen

von Hanna (15.02.2009, 12:39)
Diese drei Fragen brennen mir schon lange unter der Zunge:

1. Wer von Euch ist Bauchschreiber?
2. Wer schreibt nach Plan.
3. Was stimmt für Euch?

Selber zähle ich mich zu den Bauchschreibern. Nachdem sich die Idee in meinem Kopf eingenistet hat , beginne ich mit Schreiben und bin dann oft selber überrascht, was sich daraus entwickelt.

Freue mich auf Eure Meinungen
Herzliche Grüsse
Hanna
www.hanna-steinegger.ch

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Bärentante
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Re:

von Bärentante (15.02.2009, 12:48)
Ich bin planender Bauchschreiber. :lol:

Nein, ich denke, man kann Deine Frage so nicht beantworten. Es kommt jeweils auf den Einzelfall an. Ein 500-Seiten-Krimi ohne Plan wird wohl in einem Chaos enden. Auch für Sach-, Fachbücher und Ratgeber liegt der Schwerpunkt auf der Planung. Bei Kurzgeschichten und vor allem Lyrik ist sicher die Bauchschreiberei vordergründig, dann aber die Theorie, wie bringe ich die Worte zu einer Pointe, in eine richtige Versform, usw.
Liebe Grüße
Christel

Richymuc
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Re:

von Richymuc (15.02.2009, 12:52)
Hallo Hanna,

ich denke das Grundgerüst sollte schon stehen.
So war es zumindest bei mir, zwischendurch kommen natürlich noch viele Einfälle dazu, die in das Buch einfließen..

Gruß Richard
www.richymuc.de
Der Satirische Kreuzfahrt-Flüsterer ISBN 978-3-8370-9816-7
Feindschaftsbuch ISBN 978-3-8370-9803-7
Das erotische Freundschaftsbuch ISBN 978-3-8391-0037-0
NEU: http://www.youtube.com/watch?v=t25CNmrKaZ4

büchernarr

Re:

von büchernarr (15.02.2009, 12:52)
Hallo Hanna,
ich habe einmal ein Buch nach Planung geschrieben und es kam nur Mist dabei heraus. Gewöhnlich schreibe ich, wenn ich eine Idee habe nach Bauch. Das geht so vonstatten: mein Laptop steht auf dem Tisch und ich döse auf der Couch vor mich hin. Plötzlich fällt mir etwas ein und ich schreibe drauflos. Manchmal in einer Nacht ein halbes Buch. Nach Überarbeitung ist etwas Brauchbares dabei herausgekommen. Ich denke, das "Bauchschreiben" ist, zumindest für mich, die bessere Variante.
Grüße
Bernd

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (15.02.2009, 13:18)
Bin auch eher Bauchschreiber.
Manchmal habe ich nur eine einzelne Szene im Kopf, nur eine Idee. Und dann schreibe ich einfach.

Gruß
Hakket

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (15.02.2009, 13:24)
Ich auch ... Wie man (manchmal) sieht :-)

Babs

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (15.02.2009, 13:39)
Was ist Bauchschreiben? Was ist Planschreiben? Wo endet das eine und wo beginnt das andere?

Meine Meinung dazu:
Je umfangreicher der Text ist, desto notwendiger wird die Planung. Wer einen Roman von 300, 500 oder 800 Seiten schreiben will, der sollte sich vorher eine Reihe von Gedanken dazu machen, wohin der Roman gehen soll.

Für einen Roman reicht es - nach meiner Meinung - eben nicht, die eine gute Szene oder die eine gute Idee zu haben, sondern man braucht eine gute Geschichte. Wer mit einer guten Idee oder einer guten Anfangsszene ausgestattet sich in das Schreiben eines Romanes stürzt, der muss entweder ein untrügliches Gefühl dafür haben, dass die Idee auch tatsächlich über die Dauer des Romans trägt - meist hingegen wird teures Lehrgeld gezahlt und der Roman gerät nach 40 oder 60 Seiten ins Stocken und bleibt letztlich ein Fragment.

Wenn man nun diese eine gute Geschichte gefunden hat, dann sollte man - auch dies ist meine ganz persönliche Meinung - so viel wie möglich über die Handlung wissen, über seine Figuren, über die Handlungsorte, über alle wichtigen Bausteine der Geschichte.

Jede Frage eines Dritten zum Roman, zu einer der Figuren müsste der Autor aus dem Handgelenk beantworten können - gerade jene Autoren, die sich beim Schreiben auf das Abenteuer der völlig freien Entwicklung ihres Romanes einlassen. Eine Frage wie "Welches Verhältnis hat die Hauptfigur zum anderen Geschlecht" sollte daher nicht mit "keine Ahnung" oder "so eine Krisensituation ist in der Handlung nicht vorgesehen" beantwortet werden, weil ersteres von mangelhaftem Verständnis des Autors über seine Hauptfigur zeugt, zweiteres die Aussage konterkariert, die Handlung würde sich schon irgendwie entwickeln (was also, wenn die Hauptfigur doch in eine entsprechende Situation gerät? Erst dann das Problem angehen mit dem Risiko, dass das vorherige Handeln nicht mehr stimmig ist?).

Ebenso sehe ich viel konzeptionelle Arbeit bei bestimmten Genres. Wer einen Krimi schreibt oder einen Thriller, der wird um eine höchst saubere Planung nicht herum kommen. Nichts ist für einen Autor peinlicher als die Reaktion eines Lesers, dass die Auflösung des Falles am Ende einfach nicht stimmen kann, weil weiter vorne im Buch die Abläufe völlig falsch sind (gleiches gilt für Thriller).

Wer Science Fiction schreibt oder Fantasy, der bekommt noch ein zusätzliches Problem, da er hier nicht nur Figuren erschaffen muss, die in ihrer Art und ihrem Handeln glaubwürdig sein müssen, sondern auch das ganze Drumherum, die ganze Welt also, muss entsprechend nachvollziehbar erschaffen worden sein. Das fängt beim Werte-Kodex einer Gesellschaft an und setzt sich über Technologie und Religion fort. Hier sind Weltenbauer gefragt - und Weltenbau aus dem Bauch heraus? Nun ja ...

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Was ist Bauchschreiben, was ist Planschreiben und wo fängt das eine an und hört das andere auf?

Und wie schreibt man 200 Seiten Krimi oder 800 Seiten Fantasy ohne konzeptionelle Ausarbeitungen?

LG
Siegfried

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (15.02.2009, 13:49)
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es durchaus funktionieren kann, "planlos" an einen Roman heranzugehen - allerdings musste ich beim und nach dem "Bauchschreiben" dann die Planung oft Stück für Stück nachholen, so dass es ingesamt über vier Jahre gedauert hat, bis der Roman fertig war ...

Ich glaube auch, dass bei längeren Texten ein gewisses Maß an Struktur unerlässlich ist - Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Gruß, B.

LOFI

Re:

von LOFI (15.02.2009, 13:55)
Hi,

ich bin bei aktuell 230 Seiten; und ohne eine Planung wären die Abläufe der Handlung kaum möglich gewesen, geordnet darzustellen. Allein die Anordnung der Zeitsegmente bedurfte einer Grundstruktur, sonst hätte ich mich darin bestimmt vermasselt. Da mein Roman zu einem bestimmten Datum enden soll, musste das Vorher schon strukturiert werden.

Es gibt Leute, die aufs gerade Wohl intuitiv eine Handlung verfassen (Respekt), die dann auch noch passt. Aber solche Schreiber werden im Nachhinein beim Korrekturlesen bestimmt auch auf die ein oder andere Ungereimtheit stossen, könnte ich mir vorstellen. macht ja nichts, wenn man es dann wieder geraderücken kann.

VG
Lofi

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (15.02.2009, 13:58)
Hi Siggi,

wenn man neue "Welten" erschafft, gebe ich dir völlig recht. Da sollte man einen Plan haben. Je größer und weitläufiger die Sache wird, desto eher verläuft man sich, wenn man einfach nur drauflos schreibt. Umso schneller hebelt man die Logik aus. Was nicht gerade ein Vorteil ist.

Vielleicht ist es auch nicht so einfach zu erklären, wieviel man plant und wieviel beim Schreiben passiert.
Ich würde auch sagen, dass ich "so grob" schon weiß, wo ich mit einer Geschichte hin will.
ALLES genau zu planen würde mir aber wohl auch einen Teil des Spaßes nehmen.

Ich muss zugeben, dass ich selbst nur eine Art "Couchautor" bin. blink3
Ich schreibe keine Geschichten, für die man lange und umfangreich recherchieren muss. Liegt mir einfach nicht. Mein Fehler. :cry:
Auf der andere Seite "kann" ich eher Geschichten schreiben, bei denen es nur um zwei-drei Leute geht, die in einem Fahrstuhl sitzen. cheezygrin
Nun gut, ob ich das "kann" sollen andere bewerten.
Ich halte meine Storys lieber "klein" und überschaubar - lege mehr Wert auf die Charaktere. Und auch bei der Anzahl der Charaktere versuche ich mich zu beschränken.
Sollte ich zu meinen Charakteren berfragt werden, kann ich mir durchaus vorstellen, die Fragen genau zu beantworten.

Allerdings habe ich auch schon festgestellt, dass ein bisschen mehr Planung meinen Zeugs guttun würde.

Man lernt halt immer dazu.

Gruß
Hakket

Hanna
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Re:

von Hanna (15.02.2009, 14:03)
Wenn man nun diese eine gute Geschichte gefunden hat, dann sollte man - auch dies ist meine ganz persönliche Meinung - so viel wie möglich über die Handlung wissen, über seine Figuren, über die Handlungsorte, über alle wichtigen Bausteine der Geschichte.

Hallo Siegfried
In dieser Hinsicht gehe ich absolut einig mit Dir. Die Figuren müssen vertraut sein. Ihre Beziehungen untereinander klar.
Bei meinem ersten Roman hatte ich zuerst ein Gebäude erschaffen. Und dieses dann stückweise "möbliert".
Mit den Personen habe ich mich dann so intensiv befasst, dass ich letztlich das Gefühl hatte, sie persönlich zu kennen. Das heisst, sie existierten für mich real.
Der zweite Roman (der übrigens lausig läuft, obwohl ich ihn besser finde als den ersten) kam dann sozusagen aus dem Bauch heraus. Am Schluss hatte ich aber die gleiche persönliche Beziehung zu den Figuren, wie beim ersten Buch.
So gesehen, müsste ich mich vermutlich zu den "Stimmungs-Schreibern" zählen, und nicht zu den Bauchschreibern.
Wie Du sagst, kommt es sicher darauf an, WAS man schreibt. Eine Autobiografie ist anders, als eine erfundene Herz-Schmerz-Geschichte, weil sie ja schon existiert.
Danke für Deine ausführliche und spannende Stellungnahme.
Herzliche Grüsse

Hanna

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LOFI

Re:

von LOFI (15.02.2009, 14:08)
Hanna hat geschrieben:
Die Figuren müssen vertraut sein. Ihre Beziehungen untereinander klar.


Finde ich enorm wichtig. bei mir hat das den Effekt, dass sich die Biographien der Personen scheinbar wie von selbst weiter entwickeln. Eins kommt zum andern. Schließlich ist es so, dass man teilweise das innerlich erlebt, was die Protagonisten erleben, mit den entsprechenden emotionalen Effekten.
cry:: :D

Hanna
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Re:

von Hanna (15.02.2009, 14:09)
Finde ich enorm wichtig. bei mir hat das den Effekt, dass sich die Biographien der Personen scheinbar wie von selbst weiter entwickeln. Eins kommt zum andern. Schließlich ist es so, dass man teilweise das innerlich erlebt, was die Protagonisten erleben, mit den entsprechenden emotionalen Effekten.
cry:: :D


Treffend ausgedrückt!
Herzliche Grüsse

Hanna

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Judith
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Re:

von Judith (16.02.2009, 00:13)
Ich bin eigentlich auch Bauchschreiberin. Beim letzten Buch (allerdings nur ein Mädchenroman von knapp 160 Seiten) hätte ich vor dem Schreiben gerade mal eine Zusammenfassung von drei Sätzen machen können. Trotzdem ist das Manuskript, finde ich, vom Aufbau und der Spannung recht gut geworden. Ich hatte damit keine Probleme, weil ich vier Wochen lang täglich daran geschrieben habe, also in der Welt meines Buches leben konnte.

Beim derzeitigen Manuskript - wieder ein Mädchenroman von ähnlicher Länge - hänge ich fest, obwohl ich eine A4-Seite Aufbau (Gliederung in mögliche Kapitel) geschrieben habe, bevor eine Zeile stand. Die Protagonisten habe ich allerdings dummerweise nicht ausführlich genug beschrieben, nur ein paar Äußerlichkeiten und wenige Charaktereigenschaften. Teilweise dachte ich, sie seien mir bekannt, weil sie bereits in meinem Tanzroman auftauchten, aber da waren sie eher Nebenfiguren. Nun musste ich - nach hundert Seiten - feststellen, dass mir da noch etwas Tiefe fehlt. Heute hatte ich Zeit und habe das ganze bisherige Manuskript nochmal durchgearbeitet, nachdem ich mir gestern schon einige Gedanken dazu gemacht habe. So wurden einige Kleinigkeiten abgeändert und ein paar Sätze und Abschnitte zugefügt, um vor allem der Protagonistin mehr "Gesicht" zu geben.

Außerdem hänge ich auch ein wenig in der Handlung fest. Schreiben neben meinem Vollzeitjob ist für mich wirklich hart. Letztes Wochenende waren wir zudem verreist, so konnte ich seit zwei Wochen nichts dran arbeiten. Man muss erst wieder in die Geschichte hineinfinden. Außerdem schreibe ich diesmal - entgegen meiner Gewohnheit - direkt in den Computer, was mir nicht so liegt. Mit Block und Bleistift lebt meine Schreiberei eher.

Nun ja, was ich sagen will: Wenn ich dranbleiben kann, dann klappt es prima mit Bauchschreiberei, wobei ich häufig nach zwei Dritteln einiges an Planung nachhole. Wenn ich zwischen der Brötchenarbeit schreiben soll (was ich bisher nie gemacht habe, von kleinen Geschichten abgesehen), dann muss ich offensichtlich mehr im Voraus planen, um nicht den Faden zu verlieren.

Grüßle,
Judith
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Dalma Lee
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Re:

von Dalma Lee (16.02.2009, 00:55)
Ich zähle mich auch zu den Bauchschreibern :)
Allerdings lege ich einen großen "Fahrplan" fest, genauere Planungen bringen bei mir aber wenig und führen eher zum "Dead End".

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