Ich hab da grad mal ein bisschen Zweifel

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anja
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Ich hab da grad mal ein bisschen Zweifel

von anja (24.02.2009, 11:53)
Hallo!

Ihr kennt vielleicht dieses Gefühl des Zweifels auch.
Ich bin seit Oktober mehr oder weniger zielstrebig dabei, einen Roman zu verfassen. Während des Schreibens hatte ich schon wunderbare Erfahrungen und einen guten Fluß gehabt. Ich war also so richtig drin im Thema und in den Personen dozey:
Und nun hatte ich leider eine Pause von 3 Wochen machen müssen. Jetzt bin ich raus und komm nicht wieder rein - dazu kommt die Selbstkritik, ob das überhaupt alles so toll ist, was ich da mache und ob das überhaupt jemand lesen will.
Mann, das ist ja furchtbar, wo kommt denn das plötzlich her?
(Jetzt weiß ich auch gar nicht, ob ich meine schon geschriebenen 100 Seiten erstmal wieder durchlesen (und auch schon korrigieren) soll, um wieder reinzukommen, oder ob ich bei Seite 101 einfach auf Teufel komm raus weiterschreiben soll. Hach!? :? )
Vielleicht habt Ihr ja den Tipp für mich?!

VG Anja

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (24.02.2009, 11:57)
Lies mal bei "Bauchschreiben"...
http://www.autorenpool.info/bauchschreiben-oder-planen-t5857.html
... und überlege, was dir liegt.

Eine grobe Skizze der weiteren Handlung schreiben?
Ein paar kommende Schlüsselszenen schreiben und eventuelle Lücken später schließen?
Oder tatsächlich: von vorn lesen und dann aufsetzen?

Gruß Valerie

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (24.02.2009, 11:59)
Hi Anja,
so eine lange Pause kann auch Wunder wirken.
Ich würde dir empfehlen, die 100 Seiten zu überarbeiten und genau zu lesen, damit du wieder in die Story reinkommst.

Zumindest ist das bei mir so, dass, wenn ich das Geschriebene wieder durchgehe, automatisch Ideen für den weiteren Verlauf kommen.

Du musst ja auch nicht die kompletten 100 Seiten lesen, aber einen guten Schritt zurück würde ich schon gehen.

Gruß
Hakket

Cutie
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Re:

von Cutie (24.02.2009, 15:03)
Hi,

ich kann mich Hakket da nur anschließen. Wenn man die letzten X Seiten nochmal liest kommt man viel schneller wieder in das Gefühl rein, dass man vermitteln will. Die Charaktere beginnen wieder zu leben und es flutscht wieder wie von alleine...

Also Kopf nicht hängen lassen, sondern nach vorn schauen.

Liebe Grüße
Cutie

Andreas T.
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Re:

von Andreas T. (24.02.2009, 15:20)
Goodbye!
Zuletzt geändert von Andreas T. am 30.07.2009, 10:25, insgesamt 1-mal geändert.

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Felix16
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Re:

von Felix16 (24.02.2009, 15:37)
Das kann ich alles blind unterschreiben. Die Pause ist heilsam. Allerdings solltest Du beim Wiederlesen einen Trick anwenden: Gehe mit der Neugier eines künftigen Lesers an den Text heran. Lass Dich von Deinem eigenen Text überraschen, indem Du gedanklich diesen großen Abstand schaffst.
Bei mir kommt dann die nötige Motivation und Lust zum Weiterschreiben.

Gruss

Felix
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http://www.felixbooks.info

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Siegfried
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Re: Ich hab da grad mal ein bisschen Zweifel

von Siegfried (24.02.2009, 18:05)
anja hat geschrieben:
Und nun hatte ich leider eine Pause von 3 Wochen machen müssen. Jetzt bin ich raus und komm nicht wieder rein - dazu kommt die Selbstkritik, ob das überhaupt alles so toll ist, was ich da mache und ob das überhaupt jemand lesen will.


Ich hätte da eine Frage an dich: Weißt du, warum du nicht mehr in die Geschichte hinein kommst bzw. dich jetzt derart stark die Selbstkritik überkommt? Kannst du das an irgend etwas festmachen?

LG
Siegfried

anja
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Re:

von anja (24.02.2009, 20:00)
Vielen Dank für Eure guten Tipps. Ich werde mich erstmal wieder reinlesen und nur die "groben Zinken" korrigieren - sonst verliere ich mich wieder im korrigieren und nicht im weiterschreiben. Ich denke, so mach ich es erstmal.

An Siegfried:
Das ist eine längere Geschichte. Ich habe mich bis vor kurzem noch nicht so richtig als Autorin ernst genommen.
Ich schreibe aber schon seit dem 16. Lebensjahr. Doch leider ist es in meiner Ursprungsfamilie nicht gern gesehen worden, sich mit "solch brotloser Kunst" zu beschäftigen - das nagt schon am Selbstwert, wenn man selbst in einer vertrauensvollen Umgebung belächelt wird.
Mit meinem weiteren Freundeskreis verlief es ähnlich. Viel Neid scheint unter den Menschen - kann auch sein, dass ich die "falschen" Freunde hatte.
Jetzt erst, mit Mitte dreissig, scheint sich das alles etwas zu verändern. Ins Positive. Aber trotzdem kommen dann eben auch Phasen des Zweifels. Ich denke, das ist die Ursache.

VG Anja

Wahrscheinlich habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (24.02.2009, 20:34)
anja hat geschrieben:
Das ist eine längere Geschichte. Ich habe mich bis vor kurzem noch nicht so richtig als Autorin ernst genommen.
Ich schreibe aber schon seit dem 16. Lebensjahr. Doch leider ist es in meiner Ursprungsfamilie nicht gern gesehen worden, sich mit "solch brotloser Kunst" zu beschäftigen - das nagt schon am Selbstwert, wenn man selbst in einer vertrauensvollen Umgebung belächelt wird.
Mit meinem weiteren Freundeskreis verlief es ähnlich. Viel Neid scheint unter den Menschen - kann auch sein, dass ich die "falschen" Freunde hatte.
Jetzt erst, mit Mitte dreissig, scheint sich das alles etwas zu verändern. Ins Positive. Aber trotzdem kommen dann eben auch Phasen des Zweifels. Ich denke, das ist die Ursache.


So umfassend wollte ich das gar nicht wissen. :wink:
Mir ging es eigentlich mehr um die aktuelle und konkrete Situation. Ist es der generelle innere Zensor, der dich am Weiterschreiben hindert? Oder ist es ein bestimmter Bestandteil deines Romanes, wo es hakt? Oder ist dir einfach das Ziel deines Romanes abhanden gekommen?

anja hat geschrieben:
Wahrscheinlich habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?


Für mich kann ich da ein klares Nein setzen. Weil ich der festen Auffassung bin, dass es so etwas wie "Schreibblockade" nicht gibt.

LG
Siegfried

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greatK
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Re:

von greatK (24.02.2009, 21:10)
Hab mich auch öfters erwischt, dass ich mich zu sehr mit Korrektur beschäftige habe statt einfach weiterzuschreiben.

Meistens mache ich zeitliche Blocks, in denen ich entweder nur schreibe oder nur korrigiere, um mich auf eine Sache zu konzentrieren. In der Korrekturphase achte ich dann darauf, alle Storyfäden mitgeführt zu haben und dass nichts widersprüchlich ist. Auch neue Ideen kommen meistens beim vielfachen Lesen (also der Fehlersuche) auf, die dann beim nächsten Schreibblock verwertet werden. (Daher arbeite ich beim Korrigieren in gewisser Weise doch an der Geschichte weiter.)

Schreibblockaden im Sinne, dass ich nicht mehr weiterschreiben konnte oder wollte hatte ich bei meinem letzten Manuskript zum Glück keine. Beim ersten Buch schon eher. Da war es aber mehr der Selbstzweifel, der mich stoppen wollte. -Ohne Erfolg, versteht sich ; )

frangsen
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Re:

von frangsen (24.02.2009, 23:17)
Hallo Siegfried,

warum soll es eine Schreibblockade nicht geben? Allerdings ist sie vermutlich Wirkung und nicht Ursache.

Je weniger deutlich man weiß, was man sagen möchte, desto schwieriger dürfte es sein, die Motivation zu finden, um sich ans Werk zu machen. (An welches denn auch?) Das dürfte der maßgebliche Gesichtspunkt sein. Und deshalb ist wohl auch und vor allem aller Anfang kompliziert.

Vermutlich ist man erst dann richtig motiviert, wenn man den Kerngedanken, von dem man überzeugt ist, oder ein entsprechendes Gesamtkonzept gefunden hat. Wenn das steht, entdeckt man leichter Zusammenhänge und ob bzw. wie und wo man Einzelheiten einbauen kann. Solange man aber noch kein Gesamtkonzept gefunden hat, sondern nur Einzelheiten, dürfte die Motivation noch nicht so ausgeprägt sein. Das ist jedenfalls mein Eindruck.

VGe
Frangsen

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (24.02.2009, 23:35)
frangsen hat geschrieben:
warum soll es eine Schreibblockade nicht geben? Allerdings ist sie vermutlich Wirkung und nicht Ursache.


Ich stell mir bei dem Wort "Schreibblockade" immer folgende Szene vor:

Ein Mann sitzt vor seinem PC und soll ein Computerprogramm herstellen. Also Programmieren. Plötzlich steht er auf, geht zu seinem Chef und sagt dem: "Ich kann heute nicht programmieren, ich habe eine Programmierblockade." Was würde der Chef wohl dazu sagen? cheezygrin

Oder ein Architekt soll für einen Auftraggeber dessen neues Haus entwerfen. Toskanisches Landhaus. Der Architekt fängt an zu zeichnen und zu rechnen, wirft plötzlich seinen Stift zur Seite und gesteht dem Auftraggeber: "Ich kann das Haus nicht zeichnen, ich habe eine Planungsblockade." cheezygrin

Genau so denke ich über Schreibblockaden. Irgendwie haben sie für mich etwas von Ausreden oder Entschuldigungen vor sich selbst. Schreiben ist - genau so wie Programmieren oder Bauzeichnen - harte Arbeit. Arbeit, zu der man sich eben manchmal zwingen muss.

Mein Ratschlag für Leute mit Schreibblockade: Einfach weiterschreiben. Egal was, egal wie. Aber weiterschreiben. Korrigieren und Umschreiben kann man dann später immer noch.

Nein, ich bin weiterhin der Auffassung, dass es Schreibblockaden nicht gibt. cheezygrin

Oder wie ein Autor mal schrieb: Autoren schreiben - alle anderen machen Ausflüchte.

LG
Siegfried

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Judith
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Re:

von Judith (25.02.2009, 00:53)
Hallo Siegfried,

da muss ich dir absolut recht geben. Als Tanzpädagogin ist es auch so, dass ich meine Choreographien machen muss. Es kommt allerdings hin und wieder vor (jedoch wirklich äußerst selten), dass ich an einer Acht in der Musik "hänge" und dann meine Schüler um Hilfe bitte. Es ist ähnlich, als wenn man in einer bestimmten Szene keine gute Überleitung findet und vielleicht mit anderen darüber spricht.

Es gibt auch immer kreativere und weniger kreative Tage. Wenn ich neues Unterrichtsprogramm vorbereiten muss (in den Ferien) und merke, an einem Tag läuft es nicht so gut, dann höre ich nach vier Stunden auf und mache was im Büro o.ä. Am nächsten Tag habe ich meist mehr Ideen und arbeite vielleicht sieben Stunden dran.
Wenn es beim Manuskript nicht so läuft, dann mache ich Korrekturen. Am nächsten Tag schreibe ich dafür fünf Seiten mehr.

Ich bin gerade zum ersten Mal in der Situation, einen Vertrag zu haben, ohne fertigen Roman. Ich hatte nur zwanzig Seiten und eine Kurzbeschreibung, das hatte für den Vertrag ausgereicht. Der späteste Abgabetermin ist im April, aber da muss es druckreif sein, also Ende März. Da hat man dann - wenn man nur Wochenende schreibt - nicht viel Zeit für Schreibblockaden. Nun, ich hatte "Glück", dieses Wochenende und über die Fasnetstage lief es wie am Schnürchen, ich habe an einem Tag mal weit über zwanzig Seiten geschrieben (normal bei mir 6 - 12 Seiten), seit gestern Abend bin ich "fertig". Jetzt bin ich dabei, zu überarbeiten.

Grüßle,
Judith
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anja
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Re:

von anja (25.02.2009, 11:21)
Hallo Siegfried!

So umfassend wollte ich das gar nicht wissen. Wink


ich musste es mal loswerden! :D

Konkret ist da tatsächlich das Thema, das nun etwas schwieriger geworden ist.
Der Roman spielt in der Zeit des Nationalsozialismus und im engeren Sinne um die Euthanasie, wodurch die Protagonistin für ihr weiteres Leben geprägt sein wird, welches wiederum Auswirkungen auf ihr familiäres Umfeld haben wird.
Ich finde es teilweise sehr schwer, weil ich gerne die Graustufen beschreiben möchte und nicht nur Schwarz und Weiß (also Gute und Böse).
Ich hoffe, Du verstehst, was ich meine.

Ich hatte Hoffnung, im Sommer fertig zu werden,
aber wahrscheinlich braucht so ein Thema, in das man sich besonders intensiv hineinfühlen muss, doch viel mehr Zeit, als ich dachte.


Ach, übrigens, mit den "ähnlichen Erfahrungen" meinte ich, die Reaktion der Mitmenschen (Freunde, Familie, Verwandte...) auf unsere Arbeit

VG Anja

frangsen
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Re:

von frangsen (25.02.2009, 14:35)
Hallo Siegfried,

"selber cheezygrin !"

Wenn ich zB grippebedingt außer Gefecht gesetzt bin, liegt eine Schreibblockade vor. Also gibt es Schreibblockaden. cool5

Vermutlich reden wir von verschiedenen Dingen bzw. von einer unterschiedlichen Betonung zweier Dinge, die durchaus zusammenhängen. Du meinst in erster Linie ein handwerkliches Vorgehen, ich spreche vorrangig von einem kreativen/explorativen. Zwischen den Bereichen gibt es Überschneidungen, weshalb sie nicht ganz deutlich zu trennen sind. Das heißt aber nicht, dass man sie gar nicht auseinanderhalten könnte. Wenn jemand einen klaren Auftrag vorgibt, zB, dass die Kirche in der Stadt beschrieben werden soll, dann ist das so konkret, dass kaum Raum für kreative und explorative Eigenarten verbleibt. Mit dem Auftrag steht das Konzept auch schon. Anders dürfte dies dagegen bei einem Forschungsvorhaben sein, aber auch bei einem Roman.

VGe
Frangsen

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