Der zerbrochene Engel

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Joana
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Der zerbrochene Engel

von Joana (18.06.2007, 00:41)
Der zerbrochene Engel


Wie in jeder der vergangenen drei Vollmondnächten saß er auch in dieser Nacht auf dem dunklen Stein des Mausoleums in der Ecke des Friedhofes und starrte auf den weißen Marmorengel hinüber.
Seine Gestalt faszinierte ihn, die Reinheit im Gesichtsausdruck forderte seine Fantasie heraus.


Der Mond wurde nun teilweise von vorbeiziehenden dunklen Wolken verdeckt und die Schatten wurden dichter.

Er wußte, es waren nur noch einige Minuten bis Mitternacht und dann war es soweit. Vom nahen Kirchturm tönten die zwölf Schläge in die Nacht. Der Engel bewegte sich plötzlich und senkte die Arme, die sonst immer wie schützend über dem Grab unter ihm ausgestreckt waren. Es war eine Skulptur aus Marmor, mit langem gelockten Haar und einem wallenden, faltigen Umhang.

Der Engel setzte sich auf die Grabumrandung und schlang seine Hände um die Knie, als würde er sich ausruhen wollen.

Aus der dunklen Ecke rechts glitt der dunkle Schatten heraus und positionierte sich hinter ihm.

Seine linke Hand reckte sich aus dem schwarzen, rot ausgeschlagenen Umhang hervor und berührte den Engel an der Schulter. Dieser sprang auf und starrte mit weit aufgerissenen Augen in die Dunkelheit.
Die Gestalt hinter ihm verschmolz fast mit den Schatten der Grabsteine und des Baumes, der dahinter seine Zweige ausbreitete.

„Wer ist da?“ Die Stimme war ängstlich, belegt und ein wenig schrill.

„Nur ich, ein Freund, habe keine Angst!“ Durch das Ausbreiten seiner beiden Hände wurde der Umhang geöffnet und das blutrote Futter leuchtete fast drohend. Dieses Rot war beängstigend, es war am Friedhof ungewohnt.

„Nein, laß mich los, ich kenne dich gar nicht, sah dich hier noch nie!“

„Ich bin jede Nacht hier, ich sitze da drüben“, er deutete in die dunkle Ecke neben dem Mausoleum, „und bewundere dich jede Nacht. Ich liebe die Art, wie du deine Haare trägst, ich bewundere deine zarte Gestalt, wie sie sich durch den in Marmor gemeißelten Faltenwurf durchdrückt, als würdest du atmen!“

„Höre auf, ich will das gar nicht hören“, der Engel streckte beide Arme abweisend nach vorne.

Doch die dunkle Gestalt wich keinen Zentimeter zurück. Er wußte was er wollte. Er wollte diesen wunderschönen Engel nie wieder an den kalten Marmor verlieren, er mußte diese Stunde nutzen, ihn in seine Welt herüber zu retten.
Diese Stunde, Mitternacht am Gottesacker, lockte nicht nur den Engel aus der Erstarrung, es waren auch andere dunkle Gestalten unterwegs, die sie beobachteten, um sie herum schlichen. Man hörte leises Flüstern, hüsteln aus dunklen Umhängen, bleiche Gesichter und lange dünne Finger, die diese Umhänge hielten. Gierige Augen bohrten sich in die weiße unschuldige Gestalt, als wollten sie sie aufsaugen.

Er stelle sich hoch aufgerichtet vor den verängstigten Engel, seine Arme waren nach rückwärts gerichtet, als wollte er die Gestalt an sich pressen und verdecken.

Inzwischen hatte sich der Engel ganz bis zu dem Grabstein zurück gezogen und kauerte erschrocken am Kopfende des Grabes.

Viele dunklen Gestalten umringten die beiden und es drangen Zischlaute, höhnisches Lachen und drohendes Gemurmel herüber. Die schwarzen Vögel des Friedhofes krächzten erschrocken und mancher flog tief, quer über die gespenstige Szene

„Geht weg, verschwindet!“ Er schrie es laut und mit hoher Stimme.
Der Engel begriff nicht, was geschah. Doch es machte sich das trügerische Gefühl in ihm breit, dass er von dieser hohen, dunklen Gestalt, die ihm vorher Furcht eingeflößt hatte, nun beschützt wurde.
Er richtete sich auf und suchte hinter dem breiten Umhang des vor ihm stehenden, Schutz.

Das Gefühl die ihm die hinter ihm zitternde Engelsfigur vermittelte, der mit fliegendem Atem an ihn gepreßter Körper, gab ihm Kraft und mit einer raschen, wilden Bewegung verscheuchte er die dunklen schwebenden Gestalten rund um sie und drehte sich rasch um.

Nun blickten sie sich direkt in die Augen, der weiße Engel und der Vampir mit seinen brennenden Augen in den dunklen Höhlen.
Seine schlanken, fast dünnen Finger glitten in die herabfallenden Haare, zogen das Gesicht ganz nah heran und bevor der Engel begriff was geschah, neigte der Vampir seinen, in der Kapuze fast verschwundenden Kopf und glitt zu dem weißen Hals, der sich ihm nun offen dar bot.

Es war nur ein kurzer Schmerz, dem ein wohliges Gefühl folgte. So fühlte es sich an, wenn ein wenig warmes Blut langsam am Hals entlang herabfließt. Es waren jene Tropfen, die sein gieriger Mund nicht auffangen konnte.
Der Engel konnte sich kaum bewegen, nicht verhindern, dass der Lebenssaft aus ihm heraus lief.
Seine Seele, die nur für diese eine Stunde erwachen sollte, löste sich von ihm und ging über in schwarze Schleier, die sich zu einer durchsichtigen dunklen Gestalt formten.
Als die nahe Kirchturmuhr Ein Uhr schlug, war die Symbiose abgeschlossen, triumphierendes Lachen der dunklen Gestalt weit in die Nacht zu hören.

Er ließ die marmorne, steinerne Gestalt los. Sie fiel zu Boden und zerschellte in viele Stücke.

****

Als die Menschen am nächsten Morgen den zerbrochenen Engel fanden, konnten sie sich nicht erklären, wie das passieren konnte.
Erst die kleinen Dinge erfreuen die Seele

Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (18.06.2007, 12:29)
Hallo Joana,

Deine Geschichte gefällt mir. Du hast Fantasie.
Schreibe weiter, ich werde es lesen.

Gruß Rita

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Joana
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Der zerbrochene Engel

von Joana (18.06.2007, 13:33)
Danke, ich schreibe gerne.

LG
Joana
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franziska rechperg
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Re:

von franziska rechperg (26.06.2007, 22:21)
Waoh! 8) Das ist nach meinem Geschmack! :evil: Solche Geschichten kannst Du noch öfters schreiben!
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Joana
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Der zerbrochene Engel

von Joana (27.06.2007, 00:33)
Liebe Franziska, ich habe einige solcher softigen Vampirgeschichten.
Habe auch schon die eine oder andere hier herein gestellt. Doch wenn Du wirklich großes Interesse hast, lass es mich wissen, ich schicke dir die restlichen per Mail als zip-datei. Ich denke, dass eben dieses Genre nicht alle hier interessiert.
LG Joana
Erst die kleinen Dinge erfreuen die Seele

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Re:

von franziska rechperg (28.06.2007, 19:59)
Hallo Joana,
wenn es Dir nicht allzuviel Mühe macht, würde ich mich freuen, wenn Du mir die Geschichten schicken würdest. Ich habe mich zwar nicht direkt auf Vampirgeschichten, sondern eher auf schaurig-schöne, magisch-mystische Geschichten spezialisiert und bin im Augenblick dabei, etliche Kurzgeschichten dieser Art zu verfassen. Außerdem bin ich in der Endphase meines ersten Romans, der ebenfalls in diese Richtung geht. Im Gegenzug zu Deinen Geschichten kann ich Dir, wenn Du willst, die erste Kurzgeschichte, die ich gerade abgeschlossen habe, gelegentlich mal schicken.
Natürlich interessiert so etwas nicht Alle. Aber damit kann man leben.
Viele Grüße
Franziska
Franziska Rechperg

www.franziskas-buchwelt.de

besucher

ich hätte etwas daraus gemacht.

von besucher (01.07.2007, 12:13)
BZ. Engel faszinieren immer, nicht nur gewaschen oder ungewaschen.
ob im Mondschein oder von dunklen Wolken verdeckt.
Der Engel setzte sich auf die Grabumrandung und schlang seine Hände um die Knie, als würde er sich ausruhen wollen.
wer würde das nicht wollen, wenn man Wochen und Monatelang wie ein Ölgötze steif durchhalten muss. nicht nur drei Vollmondnächte lang. ein mitternachtspäusschen machen darf.

Wer aber zum Teufel, ist der sitzt, und sieht das aus der anderen Ecke von rechts, ein dunkler Schatten sich hinter ihm positioniert?
Da hätte ich mir sicher in die Hose gemacht und nichts mehr weiter beobachten Wollen.
So eine linke Hand sich aus dem schwarzen, rot ausgeschlagenen Umhang hervor gereckt hätte, wieso berührt die jetzt den Engel. ich und wer hinter mir positionierte fünf Meter abstand sitzen? Wie kann man weit aufgerissenen Augen in die Dunkelheit sehen.
Wenn die Gestalt hinter mir fast mit den Schatten der Grabsteine und des Baumes Zweige ausbreitet verschmolz.

„Wer ist da?“ Die Stimme war ängstlich, belegt und ein wenig schrill. Aber, aber lieber Schreiber, Die Stimme eines Steinengels würde ich eher fest und scheppernd einstufen.
Wenn überhaupt.
„Nur ich, ein Freund, habe keine Angst!“ Durch das Ausbreiten seiner beiden Hände wurde der Umhang geöffnet und das blutrote Futter leuchtete fast drohend. Dieses Rot war beängstigend, es war am Friedhof ungewohnt.
abgesehen von all den Roten Blumen und Schmuckbänder auf den Grabkränzen, na ja ist ja auch logisch das Rot auf dem Friedhof leuchtet ja nicht!

„Nein, laß mich los, ich kenne dich gar nicht, sah dich hier noch nie!“ Mein Gott Walter, mit wem hat der Engel mit der nicht steinharten Stimme sonst noch Umgang?

„Ich bin jede Nacht hier, ich sitze da drüben“, er deutete in die dunkle Ecke neben dem Mausoleum: klar da war er ja von rechts hinter mir positioniert worden, habe ich jetzt kein Mitspracherecht außer einen Roten Lappen von dem jetzt Süßholz zu raspelnden Spinner, über mich wedeln zu lassen.
ich hör mein Schwein Pfeifen, wenn ich das lese ….. „und bewundere dich jede Nacht. Ich liebe die Art, wie du deine Haare trägst, ich bewundere deine zarte Gestalt, wie sie sich durch den in Marmor gemeißelten Faltenwurf durchdrückt, als würdest du atmen!“
„Höre auf, ich will das gar nicht hören“, der Engel streckte beide Arme abweisend nach vorne.
vor was hat ein Steinengel Angst? Dass die dunkle gestallt sie b***** will. Oder wat?
dummer Engel, so was abzulehnen wenn er wieder wochenlang ohne göttliche Bewegung sein muß.
Doch die dunkle Gestalt wich keinen Zentimeter zurück. Er wußte was er wollte. Er wollte diesen wunderschönen Engel nie wieder an den kalten Marmor verlieren, um nicht wieder die nächste Volmondnacht warten zu zu müssen, wollte diese Stunde nutzen, ihn in seine Welt herüber zu retten.
Diese Stunde, Mitternacht am Gottesacker, lockte nicht nur den Engel aus der Erstarrung, es waren auch andere dunkle Gestalten unterwegs, die sie beobachteten, um sie herum schlichen. Man hörte leises Flüstern, hüsteln aus dunklen Umhängen, bleiche Gesichter und lange dünne Finger, die Umhänge hielten. Gierige Augen bohrten sich in die weiße unschuldige Gestalt, als wollten sie sie aufsaugen.
Wie war noch der Song, vom Blauen Enkel,…“ Und Schatten umschwärmen mich, wie Motten das Licht, wenn sie verbrennen dafür kann ich nicht“.
Naja, geht auch nur bei blauen Engel

Er stelle sich hoch aufgerichtet vor den verängstigten Engel, seine Arme waren nach rückwärts gerichtet, als wollte er die Gestalt an sich pressen und verdecken.
da war der Beobachter sicher froh, dass das Lappengewedel nicht mehr hinter ihm stattfand.
Sondern gut sichtbar vor ihm.

Inzwischen hatte sich der Engel ganz auf den Grabstein zurück gezogen und kauerte erschrocken am Kopfende des Grabes.
Viele dunklen Gestalten umringten die beiden und es drangen Zischlaute, höhnisches Lachen und drohendes Gemurmel zu mir herüber. Die schwarzen Vögel des Friedhofes krächzten erschrocken und mancher flog tief, und quer über die gespenstige Szene
und mancher wer, Vogel oder zischelnde Gestallt?

„Geht weg, verschwindet!“ Er schrie es laut und mit hoher Stimme.
Mein Gott auch das noch, mit hoher Stimme eines Transvestit?
Der Engel begriff nicht, was geschah. Doch es machte sich das trügerische Gefühl in ihm breit, dass er von dieser hohen, Piepsender Gestalt, die ihm vorher Furcht eingeflößt hatte, nun beschützt wurde.
Er? der Engel ist jetzt ein Mann, der sich auf richtete und hinter dem breiten Umhang des vor ihm stehenden, Schutz sucht.
Aber was sucht der Engel jetzt mit seinen Händen unter dem Vorhang? Verzeihung Umhang.

Das Gefühl die ihm die hinter ihm zitternde Engelsfigur unter dem Umhang vermittelte, der fliegende Atem, den ihn die an ihm gepreßter Körper in den Nacken blies, verschaffte ihm eine Errektion, gab ihm Kraft und mit einer raschen, wilden Bewegung verscheuchte er die dunklen schwebenden Mitbewerber rund um sie und drehte sich rasch um.

Nun blickten sie sich direkt in die Augen, der weiße Engel und der Vampir mit seinen brennenden Augen in den dunklen Höhlen.
Seine schlanken, fast dünnen Finger glitten in die herabfallenden Haare, zogen das Gesicht
Bei nur dünnen Finger wären die Haare auch fasst nicht abgefallen…. ganz nah heran und bevor der Engel begriff was geschah, neigte der Vampir seinen, in der Kapuze fast verschwundenden Kopf und glitt? Ich hätte ihn eher in seinen Arsch glitten Lassen, so beugte er nur seinenkopf auf seinen weißen Hals, der sich ihm nun offen dar bot.
Ja musste auch sagen, dass der schon kaputt ist.

Es war nur ein kurzer Schmerz, dem ein wohliges Gefühl folgte. So fühlte es sich an, wenn ein wenig warmes Blut langsam am Hals entlang herabfließt. Es waren jene Tropfen, die sein gieriger Mund nicht auffangen konnte.
Der Engel konnte sich kaum bewegen, nicht verhindern, dass der Lebenssaft aus ihm heraus lief. Und einen ganz, ganz, ganz kleinen Orgasmus erlebte.
Seine Seele, die nur für diese einen moment erwachen sollte, löste sich von ihm und ging über in schwarze Schleier die vor seinen Augen wabten, die sich zu einer durchsichtigen dunklen Gestalt formten.
ich habe jetzt nur ein Materialproplem, zwischen Seele und Lappen, als die nahe Kirchturmuhr Ein Uhr schlug, war die Symbiose abgeschlossen, triumphierendes Lachen der dunklen Gestalt weit in die Nacht zu hören.

Er ließ die marmorne, steinerne Gestalt los. Sie fiel zu Boden und zerschellte in viele Stücke.
Als die Menschen am nächsten Morgen den zerbrochenen Engel fanden, konnten sie sich nicht erklären, wie das passieren konnte. ich auch nicht, echt ich auch nicht!?
Die Polizei fand lediglich Spermaspuren eines Unbekannten auf den Steintrümmer des Hermaengeln .

Besucher

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Der zerbrochene Engel

von Joana (02.07.2007, 20:20)
Hallo, anonymer Besucher,


Bist wohl ein Zyniker? lach

Ich verleihe dir hiermit den Hosenbandorden:

Honni soit qui mal y pense

LG JOana
Erst die kleinen Dinge erfreuen die Seele

danysahne

Re:

von danysahne (02.07.2007, 20:44)
Man kann durch derbe Sprache und persönliche (perverse) Fantasien alles kaputtmachen... :evil: . Naja, wem es gefällt. :wink:

g.c.roth

Re:

von g.c.roth (02.07.2007, 21:45)
Hallo Besucher,
stell uns mal einen Text von Dir vor!

Gruß Grete

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Der zerbrochene Engel

von Joana (02.07.2007, 21:57)
Ja, liebe Grete,
das wäre doch sicher interessant, lach

LG Joana
Erst die kleinen Dinge erfreuen die Seele

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