Warum an seiner Schreibe arbeiten?

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Siegfried
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Warum an seiner Schreibe arbeiten?

von Siegfried (14.09.2009, 12:32)
Ein paar Artikel, warum man an seinen eigenen Schreibfähigkeiten arbeiten soll (alle Hervorhebungen in den Quellen von mir - und Achtung, dieser Beitrag enthält außerhalb der Zitate etwas ... :twisted: ):

Aus einem Interview mit der Lektorats-Agentur Lektoren.ch
»Dann muss das Handwerkliche stimmen«, so Meininger weiter, und meint damit den lektorierten Text. »Wir greifen nicht in die künstlerische Arbeit des Autors ein, sind aber ein besonders kritischer erster Leser, der nicht nur Rechtschreibfehler korrigiert, sondern klar seine Beobachtungen schildert«. Das bedeutet, auch die Überschriftenhierarchien werden überprüft, die Logik des Texts unter die Lupe genommen und Daten und Fakten recherchiert. Die Vorschläge kann dann der Autor annehmen oder ablehnen, sodass er keine Angst haben braucht, dass in seinem Manuskript wahllos herumgestrichen wird. »Ein handwerklich sauberes Manuskript ist unbedingt Voraussetzung für ein ernstzunehmendes Verlagsengagement«.


Ein besonders kritischer erster Leser.
Schade, dass es solche besonders kritische erste Leser in diesem Forum so schwer haben.
Und schade, dass das handwerklich saubere Schreiben hier so gering geschätzt wird.

Aus einem Interview mit Matthias Bischoff, Lektor beim Eichborn-Verlag
Matthias Bischoff: [...] Aber ich will ehrlich sein: Was natürlich eine Rolle spielt, ist auch die sprachliche Form. Wenn schon im Anschreiben Orthographie und Kommata locker gehandhabt werden, dazu noch Stilblüten wuchern, was kann ich dann vom Text erwarten? Meist lese ich ein paar Seiten und sehe meine schlimmsten Erwartungen bestätigt: Keine Sprache, nur Schulaufsatzniveau, peinliche Patzer in jedem zweiten Satz. Weg damit! [...]
In der Regel stehen sich Autoren bei der schonungslosen Selbsterkenntnis im Weg. Vielleicht muss das so sein, um die ungeheuerlichen Strapazen des Schreibens über vielleicht Monate, ja Jahre zu ertragen. Außerdem gibt es ja leider keine Wahrheit. Vielleicht kann ein Autor nicht anders erzählen, und vielleicht muss er so erzählen. Ob andere das dann auch lesen wollen, steht auf einem anderen Blatt. Bloß: Ich habe zu entscheiden, was sich - meiner Einschätzung nach - verkauft. Und da ist es wirklich so, dass ich allergisch auf allzu viele Schnörkel und Erzählverhinderungsgesten reagiere. Ich deute das in der Regel bloß an, sage, dass zuviel "behauptet, nicht erzählt" ist. Dagegen kann man dann als Autor nur eins tun: Erzählen, Geschichten spinnen, Figuren leben lassen, Charaktere entwickeln. Wie das geht, weiß ich auch nicht - sonst wäre ich ja selbst Autor. Aber: Ich weiß, wie's auf keinen Fall geht, und da schreite ich ein!


Offenbar macht es doch Sinn, über gut ausgeprägte Basics wie Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik zu verfügen. Trotz aller Rede von künstlerischer Freiheit.

Und Autoren stehen sich selbst bei der schonungslosen Selbsterkenntnis im Weg - wie kann das sein?


Artikel aus der Berliner Zeitung
Der Erfolg als Schriftsteller muß meist hart erarbeitet werden

Deutschen Autoren fehlen Möglichkeiten zur Weiterbildung

Es sei das Erbe von Thomas Mann, daß in Deutschland jeder Autor meint, er müsse mit seinem Buch einen Geniestreich produzieren, so begründete Maria Gazzetti, Leiterin des Literaturhauses in Frankfurt a.M., letzten Monat die Erfolglosigkeit deutscher Romane im Ausland. Für Jahre zieht der Autor sich in sein stilles Kämmerlein zurück. Irgendwann liegt der Roman fertig in der Schublade, doch von den Verlagen regnet es Absagen.

Im Gegensatz zu Amerika, wo fast jede Universität Kurse für "Kreatives Schreiben" anbietet, ist der Autor in Deutschland meist Autodidakt. Doch gerade wenn die Möglichkeit zur Weiterbildung fehlt, ist es wichtig, einen Kreis Gleichgesinnter zu finden. Jeder Autor könne von der Reaktion seiner Leser nur profitieren, sagt Christiane Schmidt vom Luchterhand-Verlag. Kommt es schließlich zur Kontaktaufnahme mit einem Verlag, könne man die Empfehlung eines Lesers das kann ein Journalist, ein anderer Autor oder auch nur ein Freund sein beilegen.

Eichborn-Verleger Wolfgang Ferchl setzt demgegenüber gleich auf die berufsmäßig Zuständigen: Wer, wenn nicht ein Verlags-Lektor, könne dem Autor Ratschläge erteilen? Statt dem Verlag ein "sakrosanktes Werk von 53 Seiten" zuzuschicken, könne es bisweilen reichen, auf zwei bis drei Seiten eine Geschichte zu skizzieren. Frühzeitig könnten so Fehler wie etwa die Einführung zu vieler Personen oder Handlungsorte ausgemerzt werden. Desirèe von Trotha, die mit ihrem 300 Seiten starken Manuskript der "Lebensbilder aus dem Land der Tuareg" bei Frederking und Thaler Anklang fand, bezeichnet die Zusammenarbeit mit ihrer Lektorin sogar als "kostenlosen Fortbildungskurs".

Was aber sind die Regeln für einen handwerklich guten Roman? Die Ratschläge von Wolfgang Ferchl an den Autor klingen ganz einfach: Er solle prüfen, was an dem Text Spaß macht. Ist es die Sprache, die Wortwahl? Ist die Geschichte skurril oder die Figur so spannend? Die Theaterarbeit sei für den Bau eines Romans eine gute Voraussetzung, sagt Ferchl. Wie der Romanautor muß auch der Theaterschreiber sein Publikum gewinnen und durch den Höhepunkt verzögernde und beschleunigende Momente bei der Stange halten.

Welche Themen Erfolg versprechen, ist ebenfalls einzugrenzen. Christiane Schmidt warnt vor der "ewigen Selbstbespiegelung". Auch Ingoh Brux, Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus, setzt ein "relevantes Thema" voraus, daß "jemand was zu sagen hat, daß er eine eigene Sicht auf die Dinge und sich selbst gegenüber eine Offenheit" habe. Das Stück "Zerbombt" von Sarah Kane etwa thematisiert den Krieg in Bosnien, das in Düsseldorf sehr erfolgreiche "Top dogs" handelt von arbeitslosen Managern.

Im Gegensatz zum Eichborn-Verlag entscheiden die meisten anderen Verlage noch immer aufgrund fertiger Manuskripte. Diese sollten nicht zu lang sein, so der Wunsch von Christiane Schmidt und nennt einen Umfang von 150 bis 500 Seiten, auf jeden Fall aber unter 800. Disketten seien nicht akzeptabel. Ein Brief, in dem etwas zur Person des Autors stehe, sowie ein kurzes Exposè erleichtern den Zugang. Anrufe hoffnungsvoller Autoren, die die Gepflogenheiten des jeweiligen Verlages erfragen, sind nicht gerne gesehen. Für denjenigen, der ohne Agenten auskommen muß, sind sie aber doch sinnvoll.

Auch telefonisch avisierte Manuskripte gelten als "unaufgefordert eingesandt". So Tituliertes landet eventuell nur auf dem Schreibtisch des unbezahlten Lektorats-Praktikanten, kann aber ein unerwarteter Erfolg werden, wie Marlene Farau "Frauen, die Prosecco trinken" beweist. Auch die Journalistin Sibylle Berg gelangte so als Autorin ins Programm von Hoffmann und Campe. Lektoren fahnden ihrerseits in angesagten Frauenzeitschriften nach Jung-Autoren. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Journalisten, die bereits einen Namen beim Publikum haben. Wie etwa Amelie Fried sollen sie möglichst schon bekannt sein, bevor ihr Buch veröffentlicht wird.

In zehn Jahren haben diese Bücher unterhaltender Jungautoren wohl keine Gültigkeit mehr. Sie sind eher Ware als Kulturgut. Doch ist es dieser "Amerikanisierung" deutscher Literatur zu verdanken, daß die Honorare der Autoren steigen.


Hmm... Da ist die Rede von Weiterbildung. Bedeutet dies nicht, sein Geschriebenes immer wieder in Frage zu stellen und eben nicht den Lobpreisungen anderer zu glauben?

Reaktionen der Leser werden dem Autor als Gradmesser empfohlen. Jede Reaktion eines Lesers. Wenn nun aber ein Leser - wie es Kritikern immer wieder vorgeworfen wird - kein gutes Haar am Text läßt, soll diese Reaktion dann unter den Teppich gekehrt werden?


Der Deutsche Literaturfonds e.V. meldet
Werkstatttage des Wiener Burgtheaters finden dieses Jahr nicht statt

Überfo(e)rdert

Wien/Darmstadt, 9. September 2009. Die für November geplanten und gemeinsam mit dem Deutschen Literaturfonds veranstalteten Werkstatttage für junge Dramatiker am Burgtheater Wien werden im Jahr 2009 erstmalig ausgesetzt. Die Jury begründet ihre Entscheidung mit einem Mangel an qualifizierten Bewerbungen.

Anhand eines fertigen Stückes und einer Arbeitsprobe sollten acht AutorInnen unter 35 Jahren ausgewählt werden, um ihre Texte an der Burg weiterzuentwickeln. Obwohl zu den Bewerbungsvoraussetzungen entweder die Teilnahme an einem Studiengang des Szenischen Schreibens oder eine Verlagsanbindung oder die persönliche Empfehlung von zwei Persönlichkeiten des Theaterlebens gehört, fand sich unter den Einsendungen keine ausreichende Anzahl von Bewerbungen mit erkennbarem Entwicklungspotential.

Bei fast allen eingereichten Stücken vermisste die Jury neben der fehlenden Dringlichkeit der verhandelten Themen szenische Phantasie und sprachliche Eigenständigkeit. Zudem stellte die Jury eklatante handwerkliche Schwächen fest. Der Jury gehörten die Dramaturgin Britta Kampert, die Journalistin Petra Kohse, der Dramaturg Erik Altorfer und der Literaturwissenschaftler Gunther Nickel an.


Eigentlich eine logische Folge: Mangelnde Qualität, eklatante handwerkliche Schwächen - das sind die hinreichenden Gründe der Jury, die Literaturwerkstatttage in Wien abzusagen. Eigentlich nur folgerichtig. Denn handwerkliche Aus- und Weiterbildung ist nicht unbedingt angesagt, da dies erstens mit massiver Kritik am Text und zweitens mit harter Arbeit in Form von zum dritten, vierten, fünften Male neu schreiben verbunden ist.

Wie sieht die Realität aus? Etwa: Hinsetzen, schreiben, für gut befinden?

Was sagt Matthias Bischoff vom Eichborn-Verlag dazu?
"Keine Sprache, nur Schulaufsatzniveau, peinliche Patzer in jedem zweiten Satz. Weg damit!"

Und wir wundern uns, warum On-Demand-Bücher bei Buchhändlern so schlecht angesehen sind.

Grüße
Siegfried
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hawepe
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Re:

von hawepe (14.09.2009, 12:50)
Hallo Siegfried,

deine Zitate bringen leider überhaupt nichts. Solange es um die hehre Theorie geht, werden dir die meisten zustimmen.

Ich kann mich nicht entsinnen, dass hier im Forum schon jemals ein Text mit der Aufforderung zur Diskussion gestellt wurde, ihn bitte kritisch zu kommentieren. Erst wenn diese kritischen Kommentare kommen, stellt sich dann heraus, dass genau das Gegenteil gewünscht war.

So wird hier auch niemand sagen, dass es nicht nötig sei, besser zu werden. In der DDR gab es die Formulierung "noch besser". Die DDR gibt es nicht mehr, aber deren Geist ist lebeindiger denn je. Jeder will "noch besser" werden, was natürlich impliziert, dass er schon sehr gut ist.

Damit sind dann natürlich auch die Texte ganz toll, obwohl natürlich immer Verbesserungen möglich wären - wenn sich denn ein solches Genie fände, diesen Text "noch besser" zu machen.

Und als letzte Rettung bleibt dann eben immer noch die Kreativität, mit der sich jeder Mangel nicht nur verteidigen, sondern sogar noch zu einer Stärke des Textes erklären lässt.

Mit Weiterbildung erreicht man leider immer nur eine kleine Minderheit. Vor kurzem habe ich im Rundfunk gehört, dass sich im Durchschnitt jedes Jahr jeder dritte Berliner Lehrer weiterbildet. Tatsächlich nehme allerdings nicht einmal jeder zehnte Lehrer an einer Fortbildung teil, die allerdings gleich an mehreren.

Beste Grüße,

Heinz.

büchernarr

Re:

von büchernarr (14.09.2009, 12:51)
*****

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (14.09.2009, 13:14)
hawepe hat geschrieben:
deine Zitate bringen leider überhaupt nichts. Solange es um die hehre Theorie geht, werden dir die meisten zustimmen.


thumbbup

Was aber wieder meine These stützt:
"Sobald es in Arbeit mündet, will keiner mehr was damit zu tun haben."

cheezygrin

Grüße
Siegfried
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skipteuse
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Re:

von skipteuse (14.09.2009, 13:56)
wirklich sehr inteerssant zusammengetragen ...

Mich würde noch interessieren, wie es mit dem "viel lesen kann schreiben helfen" steht. Ich versuche mich seit dem Uniabschluss autodidaktisch weiterzubilden, indem ich sehr viel (quantitativ) querbeet lese/ auch teilweise zu analysieren versuche: Sog. "Weltliteratur", Zeitgenössisches, v.a. auch prämierte (qualitativ) Bücher (wie die Mittagsfrau, den Turm etc. ...)?
Ich weiß, ein Thema tausend Meinungen ... ;-)

Gruß, Barbara

Apollonia
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Re:

von Apollonia (14.09.2009, 14:20)
Hallo Siegfried,
ich bin auch der Meinung, Schreiben ist ein Handwerk, das man lernen kann.
Doch wie kann ich dazulernen ohne Kritik von Profis?
Da mein Schreibstil noch nicht der beste ist, habe ich mit einem einfachen Ratgeber (Verkauf auf Flohmärkten) angefangen und lektorieren lassen.
Jetzt versuche ich verzweifelt mich weiterzubilden. Doch auch in workshops für Schreiberlinge bekommt man nur aufmunternde Worte.
Wo finde ich Lehrer oder Kurse, die mich weiterbringen?

lg
Apollonia
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www.marie-luise-schoenleben.de

Ursula Prem (Moderator)

Re:

von Ursula Prem (Moderator) (14.09.2009, 14:40)
Hallo Siegfried,

grundsätzlich ist festzustellen, dass ein Streben nach ständiger Selbstverbesserung eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Meistens ergibt sie sich aus der Arbeit und den damit gesammelten Erfahrungen, wenn man nicht gerade mit einem Brett vor dem Kopf durch die Welt läuft.

Die Frage ist nun: Auf welche Weise kann man diesen Prozess beschleunigen? Wie kann man es bewerkstelligen, aus den früher begangenen Fehlern anderer zu lernen, ohne in jede Falle selbst hineintappen zu müssen?

Vordergründig scheint die Frage leicht zu beantworten: Lege Deine Texte jemandem zur Kritik vor, der Dir überlegen ist.
So weit, so gut.

Doch hier nun beginnt schon das Problem.
Überlegen in welcher Hinsicht? Handwerklich? Künstlerisch? Überlegen in Hinsicht darauf, was er zu sagen hat?
Nehmen wir nun an, ein hoffnungsvoller Autor hätte solch eine Person gefunden.
Dann gilt es, die Frage zu beantworten: Ist diese Person auch objektiv? Aus welcher Motivation heraus unterzieht sie sich dieser doch manchmal immensen Arbeit?
Um einem Nachwuchsautor einen Schubs auf den richtigen Weg zu geben? Um den Nektar aus eigenem Überlegenheitsgefühl zu saugen?
Gerade die letzten Fragen sind sehr schwer zu beantworten. Nicht selten kommt es doch vor, dass ganz andere Motive sich hinter altruistischem Handeln verbergen, als selbst der Helfende es von sich selbst vermutet.

Sind solche Fragen schon von Angesicht zu Angesicht nur schwer zu beantworten: in einem Internetforum erweist sich ihre Lösung als faktisch unmöglich.
Hier kommt noch erschwerend hinzu, dass durch die zwangsläufig hergestellte Öffentlichkeit Kritik ungleich verletzender wirken kann, als unter vier Augen vorgetragen.

Ich persönlich würde mir sehr gut überlegen, wem ich einen unfertigen Text präsentieren würde. Und ich würde vorher abwägen, wieviel mir die Meinung des Betreffenden bedeutet bzw. ob ich davon profitieren kann.
Ein Werk vor der eigentlichen Fertigstellung in einem öffentlichen Forum zu präsentieren, das würde ich tunlichst vermeiden.
Im Entstehen begriffene Texte sind wie Babys: Die würde man auch nicht in einer belebten Fußgängerzone einfach so ihrem Schicksal überlassen.

LG,

Ursula

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hawepe
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Re:

von hawepe (14.09.2009, 15:03)
Hallo Ursula,

Ursula Prem (Moderator) hat geschrieben:
Überlegen in welcher Hinsicht? Handwerklich? Künstlerisch?


Alles egal cheezygrin

Von jemandem, der handwerklich besser ist, versuche ich Handwerkliches zu lernen, von jemandem, der künstlerisch weiter ist, künstlerisches.

Dabei muss es auch gar nicht darum gehen, grundsätzlich alles kritiklos zu übernehmen. Wichtiger ist meiner Meinung vielmehr, sich kritisch mit Anregungen auseinanderzusetzen und die Gedankengänge des Gegenüber nachzuvollziehen.

Zugegebenermaßen ist das anstrengender als ein simples JA oder NEIN.

Dann gilt es, die Frage zu beantworten: Ist diese Person auch objektiv? Aus welcher Motivation heraus unterzieht sie sich dieser doch manchmal immensen Arbeit?


Es gibt keine objektiven Menschen, Menschen sind vielmehr immer subjektiv. Und die Motivation? Ist sie nicht eigentlich egal? Okay, wer mir feindlich gegenübersteht, ist meistens nicht ein leichter Gesprächspartner, aber warum sollen hier freundlich gesonnene Menschen bessere Berater als lektorierende Freunde und Familienangehörige? Dass sie dafür leichter zu handhaben sind, ist klar.

Gerade die letzten Fragen sind sehr schwer zu beantworten. Nicht selten kommt es doch vor, dass ganz andere Motive sich hinter altruistischem Handeln verbergen, als selbst der Helfende es von sich selbst vermutet.


Na und? Ich bin da sehr egoistisch. Ich will lernen. Und wenn er mir dabei helfen kann, dann nutze ich die Gelegenheit. Wenn er mich nicht mag, ist das sein Problem.

Beste Grüße,

Heinz.

Ursula Prem (Moderator)

Re:

von Ursula Prem (Moderator) (14.09.2009, 18:03)
hawepe hat geschrieben:
Na und? Ich bin da sehr egoistisch. Ich will lernen. Und wenn er mir dabei helfen kann, dann nutze ich die Gelegenheit. Wenn er mich nicht mag, ist das sein Problem.


Hallo hawepe,

wenn ich dasselbe Spiel nicht schon in meinem früheren Berufsleben kennengelernt hätte, würde ich Dir ohne Einschränkung zustimmen. So läuft es aber leider nicht immer.

Ich habe Fälle beobachtet, da waren manche eigentlich fähigen Leute faktisch arbeitsunfähig, weil sie sich jeden Schuh angezogen haben, den ihnen irgendein Besserwisser vor die Füße geknallt hat.
Ja, ich habe Situationen gesehen, in welchen selbst Lehrer, (ich meine damit: Leute, die vom Staat dafür bezahlt werden, Fachwissen zu vermitteln!) Schüler, die ihnen zu begabt erschienen, mittels ganz subtil einfließendem Psychogift vom Weg abgebracht haben. Und das im vollen Bewusstsein darüber, was sie da tun.

Nein, es ist nicht einerlei, aus welcher Motivation heraus jemand einem anderen seine Hilfe anbietet. Der RATschlag eines Wohlwollenden hat eine durchweg andere Wirkung, als der ratSCHLAG eines, der es auf Zerstörung abgesehen hat.

Nie und nimmer könnte man dies in einem anonymen Forum mit Sicherheit unterscheiden. Das merkt einer manchmal erst, wenn es zu spät ist. Wenn er sich beispielsweise dann verstärkt vom Schreiben dem Kiffen zuwendet, oder, worst case: selbst in die Riege der Kritiker wechselt.
Besonders im Jugendforum sollte dies niemand vergessen, finde ich!

LG,

Ursula

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (14.09.2009, 18:11)
@ skipteuse

ich denke, durch Lesen kann man sich tatsächlich alles zum Schreiben Notwendige aneignen - wenn man nicht nur bequem konsumiert, sondern auch über das Gelesene reflektiert.

Grüsse,

Ch.

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (14.09.2009, 18:15)
Hallo Ursula!

Man sollte aber auch im Jugendforum darauf hinweisen dürfen, dass Schreiben und Veröffentlichen zwei paar Stiefel sind.
Das ist wie mtit dem therapeutischen Schreiben, das ja eine ungeheuer wichtige Funktion erfüllen kann, aber mit literarischem Schreiben absolut nichts zu tun hat.
Ich zitiere aus einem Posting von mir, das ich gerade im Jugendforum gemacht habe:

Aber wenn es ans Veröffentlichen geht, ist der "Welpenschutz" zuende.
Da musst Du Dich mit den Erwachsenen messen lassen.
Auch musikalische Wunderkinder müssen richtig spielen, handwerklich perfekt sein.
Sobald Du aus Deinem Manuskript ein Buch machst, gilt die gleiche Messlatte wie für andere Autoren.
Bedenke:
Ein Meter ist immer ein Meter, auch wenn Du ein Zwerg oder ein Riese bist!

LG Sesh (Gerd)

Apollonia
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Re:

von Apollonia (14.09.2009, 18:17)
Die Frage ist nur: was soll man lesen? Ich habe mich über alte Klassiker hergemacht oder aktuelle Bestseller. Dort findet man auch Fehler und Ungereimtheiten. Wonach sollte man sich orientieren?

lg
Apollonia
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chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (14.09.2009, 18:28)
@ Apollonia

Ich denke, man sollte grundsätzlich lesen, was einem "gefällt" - ohne darauf zu achten, ob es sich um "ernste" Literatur oder "Unterhaltungs"-Literatur handelt.

Will man selbst schreiben, liest man am besten Bücher dieses Genres, in welchem man schreiben will - diese Bücher studiert man dann genauer.
Zuletzt geändert von chnuppesaager am 14.09.2009, 18:29, insgesamt 1-mal geändert.

Ursula Prem (Moderator)

Re:

von Ursula Prem (Moderator) (14.09.2009, 18:28)
Apollonia hat geschrieben:
Die Frage ist nur: was soll man lesen? Ich habe mich über alte Klassiker hergemacht oder aktuelle Bestseller. Dort findet man auch Fehler und Ungereimtheiten. Wonach sollte man sich orientieren?

lg
Apollonia


Hallo Apollonia,

ausschließlich an sich selbst! Vieles Lesen ist natürlich eine Grundvoraussetzung, um den Brunnen zu füllen, aus dem man schöpfen möchte.
Mich interessiert bei jedem weiteren Buch aber nur eine Frage: Ist es besser als das Vorherige oder nicht?
Was kann man mehr tun, als sich bei jedem neuen Buch um eine Steigerung zu bemühen?

LG,
Ursula

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (14.09.2009, 18:33)
Apollonia hat geschrieben:
Die Frage ist nur: was soll man lesen? Ich habe mich über alte Klassiker hergemacht oder aktuelle Bestseller. Dort findet man auch Fehler und Ungereimtheiten. Wonach sollte man sich orientieren?

Wobei in den Klassikern oder in der aktuellen Literatur, ich spreche lieber nicht von Bestsellern, die Zahl der Fehler und Ungereimtheiten pro Quadratzentimeter wesentlich geringer ist, als bei durchschnittlichen Hobbyautoren.
Du dürftest bei Heinrich Heine, Thomas Mann oder Oskar Wilde kaum noch literarische Fehler finden.

Lesen sollte man nicht, um "auch Fehler zu suchen", sondern um zu erkennen, wie man mit Sprache umgehen kann, wie man eine Handlung aufbaut usw.

Generell sorgfältiger mit der Sprache umzugehen könnte etwas sein, woran (nicht "wonach") man sich orientieren könnte.

LG Sesh (Gerd)

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