Text für eine detaillierte Kritik

Stellt euren Text vor und holt euch Feedback der BoD Community.


Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5870
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Text für eine detaillierte Kritik

von Siegfried (17.09.2009, 13:42)
Hi!

Der nachfolgende Text, den ich hier zur Diskussion stelle, soll die Arbeitsgrundlage für eine detaillierte Textkritik sein, wie sie von einer ganzen Reihe von Forummitgliedern gewünscht wird, was aber immer wieder zu heftigen Diskussionen führt.

Den Text kritisieren, kann, darf und soll jeder. Ganz besonders aber jene, die sich tief verstrickt haben in den Diskussionen, ob eine Kritik in einem anderen Thread den Autor bzw. die Autorin niedermacht, verletzt, persönlich angreift.

Oder im Klartext: Dort Kritik an der Kritik geäußert? Dann hier Butter bei die Fische!

Was ich nicht erwarte:
- Dreizeiler, die mir erzählen, der Text sei gut oder er hätte gefallen
- positive Kritiken, wo dann ein oder zwei Stellen herausgepickt werden, was doch nicht so gut ist
- Kritiken, die irgend etwas an dem Text als gut oder schlecht bezeichnen, aber nicht sagen, warum (wenn jemand eine Meinung zum Text hat, sollte er sie auch begründen können)

Was ich auch nicht erwarte: Tagelanges Schweigen.

Was ich erwarte: Eine echte Textkritik, die mir als Autor genau sagt, wo was nicht stimmt und warum - und dies runter bis in jeden einzelnen Satz, wenn es sein muss, bis ins einzelne Wort. Und die Form dieser Textkritik soll Vorbildcharakter haben für zukünftige Textkritiken.

Hier nun der Text:

    Es war Herbst geworden. Die Tage begannen später und endeten früher. Und sie wurden kälter. Keine gute Zeit zum Spazieren gehen.
    Bernd blieb abrupt vor der gelben, halbrunden Pizzabude stehen. Seine Augen wanderten über die grelle, flackernde Lichtreklame zum großen, eng beschrifteten Menüplakat hinein in die mit grauen, glänzenden Plastiktischen und einfachen roten Metallstühlen eingerichtete Pizzeria. Für einen kurzen Moment glaubte er zu träumen, doch als er sich in den Unterarm gezwickt hatte und der Mann am Ofen noch immer zu sehen war, musste er sich eingestehen, dass der Pizzabäcker real war.
    "Martin!", rief er erstaunt.
    Bernd lief zur Pizzabude hinüber. Der Mann am Ofen drehte sich um. Er war gerade dabei, einer Banane die fleckige, mit schwarzen Stellen überzogene Schale abzuziehen und sich die weiche, süße Frucht in den Mund zu stecken. Während er zu kauen begann, wanderten seine Augenbrauen um Daumenbreite in die Höhe.
    Bernd erreichte den Verkaufstresen. "Martin. Ich bin's, Bernd", grinste Bernd laut vernehmlich.
    Die Kaubewegung beim Pizzabäcker erstarb. Plötzlich riss er die kleine, rotgefasste Tür auf, stürmte aus seiner dampfenden Bude und rannte über die Straße. "Hey!", brüllte Bernd ihm hinterher. "Was ist los?"
    Er zögerte eine Sekunde, dann folgte er dem Pizzabäcker. Nach gut fünfzig Meter bekam er den Mann an seiner weißen Jacken zu fassen. Er packte fest zu. "Martin! Was zum Teufel ist los?"
    Der Pizzabäcker starrte ihn aus weit aufgerissenen Augen an. Er schwankte zwischen Panik und Entsetzten. Dann brachen seine Gefühle aus ihm heraus. Er schrie. Er brüllte aus Leibeskräften. Und schlug zu. Auf Bernds Arme, auf die Schultern, in sein Gesicht. Bernd ließ los, und noch immer laut brüllend stürmte der Pizzabäcker davon.


Ich bin gespannt! cheezygrin

Grüße
Siegfried

P.S.: Wer Probleme damit hat, dass dieser Text von mir kommt, der soll einfach so tun, als stamme der Text von "Zacharias Zebulon", einem Neuling hier im Forum.
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
Valerie J. Long
Beiträge: 777
Registriert: 19.11.2008, 16:20
Wohnort: Wiesbaden

Re:

von Valerie J. Long (17.09.2009, 14:01)
Also, damit ich nicht tagelang schweige, hier schon einmal ein Zwischenbescheid: ich habe schon beim ersten Lesen viel Verbesserungspotenzial entdeckt und werde eine ausführliche Kritik vorbereiten. Okay?

Benutzeravatar
Seshmosis
Beiträge: 644
Registriert: 09.10.2007, 20:49
Wohnort: Binzwangen

Re:

von Seshmosis (17.09.2009, 14:18)
Hallo Siegfried!

Diesen Text zu kritisieren grenzt an Leichenschändung.

Mir wäre ein "echter Siegfried" lieber, das könnte eine Herausforderung sein.
Im Gegensatz zu dem von Dir eingestellten Verriß-Spielmaterial für Taubblinde.

Grüße Gerd

Benutzeravatar
Valerie J. Long
Beiträge: 777
Registriert: 19.11.2008, 16:20
Wohnort: Wiesbaden

Re:

von Valerie J. Long (17.09.2009, 14:21)
Hallo, Siegfried!
Siegfried hat geschrieben:
Was ich erwarte: Eine echte Textkritik, die mir als Autor genau sagt, wo was nicht stimmt und warum - und dies runter bis in jeden einzelnen Satz, wenn es sein muss, bis ins einzelne Wort. Und die Form dieser Textkritik soll Vorbildcharakter haben für zukünftige Textkritiken.
Das könnte dir so passen. Dann schreibe ich lieber gleich eine neue Geschichte. Aber ich übe gern mal das Kritisieren, dir zuliebe. cheezygrin

Hier nun der Text:

Es war Herbst geworden. Plusquamperfekt: vermeiden. Hier ist es nicht nötig.
Die Tage begannen später und endeten früher. Und sie wurden kälter. Als Beginn eines humoristischen Texts ein witziger Einstieg. Für eine richtige Geschichte sind diese Erkenntnisse zu selbstverständlich. Umformulieren. Keine gute Zeit zum Spazieren gehen.
Bernd blieb abrupt vor der gelben, halbrunden Pizzabude stehen. Seine Augen wanderten über die grelle, flackernde Lichtreklame zum großen, eng beschrifteten Menüplakat hinein in die mit grauen, glänzenden Plastiktischen und einfachen roten Metallstühlen eingerichtete Pizzeria. Für einen kurzen Moment glaubte er zu träumen, doch als er sich in den Unterarm gezwickt hatte und der Mann am Ofen noch immer zu sehen war, musste er sich eingestehen, dass der Pizzabäcker real war. Als Leser bin ich nicht überrascht, in einer Pizzeria einen realen Pizzabäcker zu finden. "dass der Pizzabäcker aussah wie sein alter Freund" wäre eine Alternative.
"Martin!", rief er erstaunt.
Bernd lief zur Pizzabude hinüber. Er stand doch schon davor? "Bernd betrat die Pizzabude" wäre schlüssiger. Der Mann am Ofen drehte sich um. Er war gerade dabei, einer Banane die fleckige, mit schwarzen Stellen überzogene Schale abzuziehen und sich die weiche, süße Frucht in den Mund zu stecken. Während er zu kauen begann, wanderten seine Augenbrauen um Daumenbreite in die Höhe.
Bernd erreichte den Verkaufstresen. "Martin. Ich bin's, Bernd", grinste Bernd laut vernehmlich. "Laut grinsen" geht nicht. "sagte Bernd grinsend" wäre eine Alternative.
Die Kaubewegung beim Pizzabäcker erstarb. Plötzlich riss er die kleine, rotgefasste Tür auf, stürmte aus seiner dampfenden Bude Dampft die ganze Bude oder nur der Ofen? Alternativ: "aus seiner dampferfüllten Bude"? und rannte über die Straße. "Hey!", brüllte Bernd ihm hinterher. "Was ist los?"
Er zögerte eine Sekunde, dann folgte er dem Pizzabäcker. Nach gut fünfzig Meter Tippfehler: Metern bekam er den Mann an seiner weißen Jacken Tippfehler - hier singular: Jacke zu fassen. Er packte fest zu. "Martin! Was zum Teufel ist los?"
Der Pizzabäcker starrte ihn aus weit aufgerissenen Augen an. Er schwankte zwischen Panik und Entsetzten Tippfehler: Entsetzen. Dann brachen seine Gefühle aus ihm heraus. Hier wird bestimmt ein Kommentar zu "Show, don't tell" erwartet, aber das Erzählen folgt ja gleich: Er schrie. Er brüllte "schrie" und "brüllte" ist redundant aus Leibeskräften. Und schlug zu. Auf Bernds Arme, auf die Schultern, in sein Gesicht. Bernd ließ los, und noch immer laut brüllend stürmte der Pizzabäcker davon.
Alle grün markierten Stellen mit doppelter Attributierung sollten auf das treffendere Adjektiv gekürzt werden

So. Und nun kannst du üben, mir die Kritik vorbildhaft um die Ohren zu hauen. Dafür hast du ja genug Anschauungsmaterial sammeln dürfen (müssen). :wink:

snats
Beiträge: 122
Registriert: 03.08.2009, 14:43

Re:

von snats (17.09.2009, 14:47)
Vielleicht was Grundsätzliches: Ich würde über die Eigennamen nachdenken. "Bernd" klingt nicht besonders prickelnd.
Wenn es in Deutschland spielt, kann es naturgemäß ein deutscher Name sein, aber ein bißchen mehr Unverwechselbarkeit.
Wenn man sich angloamerikanische Filme anschaut, dann kriegen deutsche Personen häufig Namen wie "Peter Müller". Als deutschem Zuschauer fällt einem das sofort auf. Das meine ich damit: Ein Name, der einprägsam ist und vielleicht auch schon etwas über den Charakter, Herkunft o. ä. aussagt.
Siegmund Natschke: Politik und Jugendarbeitslosigkeit - Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Deutschland im Vergleich.
ISBN: 384233544X
www.jugenderwerbslosigkeit.de

Benutzeravatar
Taraxa
Beiträge: 175
Registriert: 07.08.2009, 22:45

Re:

von Taraxa (17.09.2009, 15:10)
Gut, dann will ich mal versuchen meine Eindrücke zu dem Text zu sagen.
Ich nehme grundsätzlich niemand die Arbeit ab, etwas anders zu formulieren.
Also sind meine Hinweise bestenfalls als Anregung zu sehen. Letztendlich, was mir nicht gefällt, kann jemand anderes gefallen.
Im Übrigen halte ich mich bewusst nicht an Schreibfehlern auf ;)

Es war Herbst geworden. Die Tage begannen später und endeten früher. Und sie wurden kälter. Keine gute Zeit zum Spazieren gehen.


Warum so allgemein? Welches Wetter ist an diesem Tag, an dem Bernd spazieren geht? Kalt, regnerisch, neblig oder sonnig, oder gar schon der erste Schnee? Fände ich als Leser hilfreicher zu erfahren, wie die Tatsache, dass im Herbst die Tage kürzer werden….Dies, so behaupte ich einmal, wissen wir alle.
Warum empfindet Bernd den Tag als kein guter Tag, keine gute Zeit, zum Spazieren gehen.

Bernd blieb abrupt vor der gelben, halbrunden Pizzabude stehen. Seine Augen wanderten über die grelle, flackernde Lichtreklame zum großen, eng beschrifteten Menüplakat hinein in die mit grauen, glänzenden Plastiktischen und einfachen roten Metallstühlen eingerichtete Pizzeria.


Irgendwie erschlägt mich der Text. Unglaublich viele Details in einem einzigen Satz gepackt.
Hier würde ich ganz klar abspecken.
Diese so detailreiche Beschreibung empfinde ich als Ablenkung von dem eigentlichen Thema.

Für einen kurzen Moment glaubte er zu träumen, doch als er sich in den Unterarm gezwickt hatte und der Mann am Ofen noch immer zu sehen war, musste er sich eingestehen, dass der Pizzabäcker real war.
"Martin!", rief er erstaunt.


Hast du eine Liebe zu verschachtelten Sätze? Es ist eine Kunst, solche Schreiben. Wer das beherrscht, mein Kompliment. Für viele Menschen leider ermüdend, diese zu lesen. Ich würde deine Sätze, die sich durch den ganzen Text ziehen, vereinfachen. Lieber zwei kürzere als ein langer.

Bernd lief zur Pizzabude hinüber. Der Mann am Ofen drehte sich um. Er war gerade dabei, einer Banane die fleckige, mit schwarzen Stellen überzogene Schale abzuziehen und sich die weiche, süße Frucht in den Mund zu stecken.


Auch hier, zuviel Information in einem Satz. Er erschlägt mich.
Er war gerade dabei, sich ein Stück Banane in den Mund zu stecken. <<< als Beispiel. Musst du natürlich so nicht genauso übernehmen.

Während er zu kauen begann, wanderten seine Augenbrauen um Daumenbreite in die Höhe.
Bernd erreichte den Verkaufstresen. "Martin. Ich bin's, Bernd", grinste Bernd laut vernehmlich.


Grinsen ist eine eher lautlose Angelegenheit. Eine Geste, klar und deutlich. Lachen hingegen könnte laut sein.

Die Kaubewegung beim Pizzabäcker erstarb. Plötzlich riss er die kleine, rotgefasste Tür auf, stürmte aus seiner dampfenden Bude und rannte über die Straße. "Hey!", brüllte Bernd ihm hinterher. "Was ist los?"

Wo ist denn die Tür? Ein Hinterausgang? Oder müsste er erst an Bernd vorbei?
„Die kleine… Tür“…assoziiert in mir das Empfinden, Martin könnte Probleme haben, da durch zu passen. Warum legst du Wert auf das klein? Weil man sie übersehen könnte? Weil sich Martin ducken muss, um durchzuschlüpfen? Ansonsten würde die Farbe bereits genügen, wobei ich selbst die an der Stelle, als unnötige Information ersehe.

Er zögerte eine Sekunde, dann folgte er dem Pizzabäcker. Nach gut fünfzig Meter bekam er den Mann an seiner weißen Jacken zu fassen. Er packte fest zu. "Martin! Was zum Teufel ist los?"
Der Pizzabäcker starrte ihn aus weit aufgerissenen Augen an. Er schwankte zwischen Panik und Entsetzten. Dann brachen seine Gefühle aus ihm heraus. Er schrie. Er brüllte aus Leibeskräften.


Du beschreibst, er schwankt zwischen seinen Gefühlen. „Dann brachen seine Gefühle aus ihm heraus.“ Ist dann als Folgesatz eigentlich unnütz. Denn du hast sie ja bereits genannt.
Er schrie oder er brüllte. Einer der beiden Sätze würde hier ausreichen.

Und schlug zu. Auf Bernds Arme, auf die Schultern, in sein Gesicht. Bernd ließ los, und noch immer laut brüllend stürmte der Pizzabäcker davon.


Ich würde „wahllos“ einfügen, bei dem Satz…“Und schlug zu….“
Hier fehlt mir persönlich, was Bernd empfindet.
Martin verprügelt ihn, rennt brüllend weg. Bernd läst wirklich nur los? Was geht in ihm vor?

Ich hoffe das dir das ein wenig hilft, deinen Text zu überarbeiten. ;)
Ansonsten wäre ich neugierig zu erfahren, warum Martin so austickt.
Das aber dürfte wohl erst später als Erklärung in deinem Text kommen.

Unterstreichen möchte ich noch einmal, deine ellenlange Sätze ein wenig kürzen, oder den Inhalt in mehrere kürzere Sätze zu packen.
Deine Informationsfülle mag hilfreich sein ein Bild aufbauen, mich erschlägt sie an den Stellen allerdings eher. Meine persönliche Meinung.
Ich bin neugierig, was du aus deinem Text noch zauberst :D
Lass es uns wissen!
Zuletzt geändert von Taraxa am 17.09.2009, 15:17, insgesamt 1-mal geändert.
Homepage: http://erwaehlt.jimdo.com/

Buch: Erwählt ISBN 978-3-8370-9769-6, Paperback, 636 Seiten hier bei BoD !

Video: http://www.youtube.com/watch?v=_OwDFMt7l88

Blog: http://erwaehlt.blogspot.com/

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (17.09.2009, 15:15)
Ja, hier wieder ein Besipiel für einen Text, der eigentlich gar keine Zuwendung verdient. Ich weiss, ich weiss. Konstruktive Detail-Kritik ist gefordert ... Mir egal. Der Text lohnt die Mühe nicht.

Benutzeravatar
SamanthaCapule
Beiträge: 103
Registriert: 14.09.2009, 14:06

Re:

von SamanthaCapule (17.09.2009, 15:21)
Hallo Siegfried :wink:

Da ich noch recht neu bin hoffe ich dass ich mit meiner Antwort hier niemanden auf den Fuß trete. Sollte es doch der Fall sein tut es mir leid, ist aber nicht zu ändern.
Ich habe nicht vor den Text in jedes einzelne Wort zu zerlegen, da ich finde dass es dem Text die Individualität nimmt, die uns alle voneinander unterscheidet.
Ich kann euch nur sagen wie ich mit Texten umgehe die ich beurteilen soll und kann euch meine Meinung darüber vermitteln, nicht mehr und nicht weniger. Fraglich ist und bleibt jedoch, ob andere meine Meinung teilen, also spreche ich nur für mich allein. angle:

Punkt 1: Der Inhalt

Nach gründlichem, mehrmaligem Durchlesen des Textes, kam ich nicht umhin mir eine grundlegende Frage zu stellen:
Was möchte dieser Text vermitteln? Welches Ziel verfolgt der Autor mit seiner Erzählung?
Grob umrissen geht es hier um einen Jungen/ Mann der auf seinem Spazierweg an einer Pizzabude vorbeikommt. In dieser erkennt er, in dem Pizzabäcker seinen alten Freund Martin, wieder. Dieser ergreift jedoch im Augenblick des Erkennens die Flucht vor ihm.
Hierbei vermittelst du dem Leser einzig und allein den Grund für das Dasein deiner Personen. Einmal für Bernd, der einen Spaziergang macht. Das andere Mal für Martin, der in der Pizzeria arbeitet. Dennoch gibst du keine Gründe/ Motive an warum beispielsweise Bernd ausgerechnet durch das Fenster der Pizzabude schaut. Weiterhin ist dem Leser nicht erschließbar warum Martin sich bei dem zusammentreffen mit Bernd so verhält, wie er es tut. Mir als Leser wird das hineinfühlen in die Personen dadurch erheblich erschwert bzw. eigentlich unmöglich gemacht. Daher kann mich der Inhalt nicht fesseln oder zum weiterlesen Motivieren.

Punkt 2: sprachliche Umsetzung

Du beginnst deinen Text mit vielen kurzen Sätzen. Damit treibst du den Leser förmlich in den Text hinein und verbreitest eine unnötig hektische Stimmung, die nicht zum folgenden Text passt.

Bsp.: „Es war Herbst geworden. Die Tage begannen später und endeten früher.
Und sie wurden kälter. Keine gute Zeit zum Spazieren gehen.“ [Z. 1-2]

Gerade am Anfang hat ein Autor die Gelegenheit den Leser in einen Text hineinzuführen und dafür zu begeistern. Die ersten Sätze entscheiden meistens darüber ob der Leser das Buch/ Text wieder in die Ecke zum verstauben legt oder ob er seine Zeit weiterhin damit verbringt. Deshalb solltest du gerade am Anfang eine passende Atmosphäre aufbauen, die im guten Bezug zu dem Inhalt deines Textes steht. Besonders in diesem Falle wäre eine Ausschmückung der Situation durch Adjektive gut geeignet. Kein Leser wird einen für ihn uninteressanten Text mehr Zeit schenken als er muss, deshalb sollte man seine Chance als Autor in diesen Sätzen unter keinen umständen vertun.

Gänzlich gegensätzlich arbeitest du dann den Mittelteil des Textes aus. Hier vertiefst du dich zu sehr in die Beschreibung der Situation, obwohl der Leser längst da ist. In diesem Moment gilt es, meines Erachtens, nicht mehr den Leser mit Details in den Bann zu ziehen. Besonders bei so kurzen Texten, wie es bei diesem der Fall ist, lähmst du den Leser und läufst Gefahr ihn zu langweilen. Daher wäre es besser sich etwas kürzerer Sätze zu bedienen und dabei mehr Informationen an den Leser zu vermitteln. Hauptsächlich liegt gerade auf dem Mittelteil die Aufgabe eine Situation zu schaffen, die der Leser nachfühlen kann. Damit du am Ende zu einer Aussage gelangen kannst, die dem Leser auch nach dem Lesen deines Textes in Erinnerung bleibt.

Bsp.: „Seine Augen wanderten über die grelle, flackernde Lichtreklame zum großen,
eng beschrifteten Menüplakat hinein in die mit grauen, glänzenden Plastiktischen
und einfachen roten Metallstühlen eingerichtete Pizzeria.“ [Z. 3-6]

Dein gewählter Abschluss des Textes wirkt für mich unvollständig und unverständlich. Die Reaktion des Pizzabäckers ist nicht nachvollziehbar und basiert scheinbar auf früheren Ereignissen die sich dem Leser nicht erschließen. Damit irritierst du den Leser, schaffst es jedoch nicht zum Nachdenken anzuregen. Um diese, eventuell, gewünschte Reaktion herbei zu führen ist die Situation zu sehr aus der Luft gegriffen und zu unverständlich für den Leser.
Es bleibt keine Aussage die man aus diesem Text mitnehmen könnte oder die Diskussionsfähig ist. Deshalb wird, mir persönlich, dieser Text auch nicht in Erinnerung bleiben. Als abschließende Sprachliche Anmerkung, du solltest vielleicht die Wortvielfalt etwas mehr ausschöpfen. So sind Satzanfänge wie „Und“ nicht unbedingt gut zu lesen. Weiterhin gibt es sicher Wörter die vergleichbar mit dem Wort „Brüllen“ sind, um Wortwiederholungen zu vermeiden.

Letztendlich bleibt mir zu sagen:

Dieser Text kann mich weder sprachlich, noch inhaltlich überzeugen. Der fehlende Inhaltliche Zusammenhang und der Mangel an Informationen, erschweren dem Leser das Einfühlen in Text, Situation und Personen. Bis zum Ende hin erhält der Text keinerlei Bedeutung oder Sinn und wird somit uninteressant für den Leser. Ebenfalls kann er sprachlich nicht glänzen und ist daher mühsame und anstrengende Lektüre.

LG Sam

P.S: Für Fehler und Schrift haftet der Stift! thumbbup Ich mochte die namen so sehr ich hab sie einfach verfälscht, hier korrigiert und mit entschuldigung angle:
Selbst in der tiefsten Dunkelheit gibt es irgendwo ein funken Licht, die Kunst ist genau hinzusehen wenn er aufleuchtet.

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5870
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (17.09.2009, 15:35)
Valerie J. Long hat geschrieben:
So. Und nun kannst du üben, mir die Kritik vorbildhaft um die Ohren zu hauen. Dafür hast du ja genug Anschauungsmaterial sammeln dürfen (müssen). :wink:


So, und nun haue ich dir deine Kritik vorbildhaft um die Ohren:

thumbbup thumbbup thumbbup

Genau so hätte ich es auch gemacht. cheezygrin

Von anderen würdest du jetzt - vermutlich - Prügel beziehen:
"Wie kannst du den Zacharias Zebulon so in Grund und Boden kritisieren! Du hast ja nicht ein gutes Haar am Text gelassen. So etwas ist keine konstruktive Kritik!"

Und? Wie fühlt sich das an? :twisted:

Grüße
Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5870
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (17.09.2009, 15:40)
Hallo Sam!
SamanthaCapule hat geschrieben:
Letztendlich bleibt mir zu sagen:

Dieser Text kann mich weder sprachlich, noch inhaltlich überzeugen. Der fehlende Inhaltliche Zusammenhang und der Mangel an Informationen, erschweren dem Leser das Einfühlen in Text, Situation und Personen. Bis zum Ende hin erhält der Text keinerlei Bedeutung oder Sinn und wird somit uninteressant für den Leser. Ebenfalls kann er sprachlich nicht glänzen und ist daher mühsame und anstrengende Lektüre.

LG Sam


Sehr gut gemacht, deine Textkritik! thumbbup thumbbup thumbbup

Vielleicht zum Verständnis, weil du es mehrfach angesprochen hast: Der Text ist kein abgeschlossener Text, sondern eine einzelne Szene. Daher kann der Leser, der nur diesen Teil vorgesetzt bekommt, die Motivation des Pizzabäckers nicht kennen. Ist aber auch nicht so wichtig. Mir ging es nicht um die Beurteilung und Probleme des Textes, sondern wie ein schlechter Text von Lesern kritisiert wird.

Danke für deine Mühe! Das war ein sehr wertvoller Beitrag von dir, weil deine Art zu kritisieren einen ganz anderen Ansatz verfolgt.

Grüße
Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Bello
Beiträge: 103
Registriert: 16.09.2009, 20:51

Re:

von Bello (17.09.2009, 16:19)
Hier ein paar Vorschläge von mir. Da dies der erste Beitrag von mir ist, könnten bei dieser Mitteilung evtl. Fehler auftreten, die ich zu entschuldigen bitte.


Es war ein kalter Tag im Herbst, der nicht zum Spazieren einlud. [(1.) Die Streichungen im Originaltext erfolgten, weil sie etwas Selbstverständliches wiedergeben. (2.) Der Vorschlag für eine Einleitung überzeugt mich selbst noch nicht - leider. Ich vermute, mit dem ersten Absatz im Originaltext sollte eine düstere Stimmung erzeugt werden. Falls diese Annahme zutreffen sollte, müsste der neue Absatz um ein oder zwei Sätze ergänzt werden, die dies besser zum Ausdruck bringen.]
[Hinweis: Der Übergang von der Einleitung zur Handlung erfolgt sehr unvermittelt.] Bernd blieb abrupt [besser ein deutsches Wort wie „plötzlich“ verwenden.] vor der [gelben, halbrunden: gestrichen. Unnötige Präzision. Es besteht bei dem Text die Gefahr, dass eine Beschreibung eines Sachverhalts entsteht. Die Kunst besteht darin, eine Geschichte zu erzählen und nicht lediglich zu beschreiben] Pizzabude stehen. Seine Augen wanderten über die [grelle: gestrichen. Unnötige Präzision] flackernde Lichtreklame zu dem großen [eng beschriftete: gestrichen] Menüplakat hinein in die mit [grauen, glänzende: gestrichen] Plastiktischen und [einfachen roten: gestrichen] Metallstühlen eingerichtete Pizzeria. Für einen kurzen Moment glaubte er zu träumen. Der Mann am Ofen sah seinem Freund zum Verwechseln ähnlich [besser einfache, kurze Sätze]. Er zwickte sich in den Unterarm, aber der Mann war noch immer zu sehen.
"Martin!", rief er überrascht. [statt erstaunt: bringt das „Plötzliche“ hoffentlich besser zum Ausdruck].
Bernd betrat aufgeregt die Pizzabude [Begründung wie J. Long]. Der Mann am Ofen drehte sich, eine Banane in der Hand haltend, um. Er war gerade damit beschäftigt, die fleckige, mit schwarzen Stellen überzogene Schale abzuziehen und sich die süße Frucht in den Mund zu stecken Während er zu kauen anfing, wanderten seine Augenbrauen in die Höhe.
Bernd erreichte den Verkaufstresen. "Martin. Ich bin's, Bernd", grinste Bernd.
Die Kaubewegung [beim Pizzabäcker] erstarb. [Ur]plötzlich riss er eine [die] kleine, rotgefasste Tür auf, stürmte aus der [seiner] dampfenden Bude [und rannte: gestrichen, weil zu stürmen genügen sollte] über die Straße. "Hey!", rief [brüllte: sehr starker Ausdruck] Bernd ihm hinterher. "Was ist los?"
Eine Sekunde zögerte er [Satz umgestellt, um die Dramatik zu erhöhen], dann eilte/jagte er dem Pizzabäcker nach. [Nach gut: gestrichen, es dürfte nicht darauf ankommen ob es ein paar Meter mehr oder weniger sind.] Fünfzig Meter bekam er den Mann an seiner [weißen: unnötiges Detail] Jacke zu fassen. Er packte fest zu. "Martin! Was zum Teufel ist los?"
Der[ Pizzabäcker: der Beruf sollte hier keine Rolle spielen] Mann starrte ihn aus weit aufgerissenen Augen an. Er schwankte zwischen Panik und Entsetzen [fraglich, ob einem Menschen diese Gemütsregungen anzusehen sind - aber im Moment keine bessere Formulierung]. [Dann brachen seine Gefühle aus ihm heraus: gestrichen, wieso sollte es hier einen Gefühlsausbruch geben? Der Mann handelt augenscheinlich, wenn auch völlig unerwartet.] Völlig unerwartet fing er zu schreien und wild um sich zu schlagen an.[ Er brüllte aus Leibeskräften: gestrichen, da redundant]. [Und schlug zu: gestrichen, da redundant]. Auf Bernds Arme,[auf seine Schultern und in sein Gesicht. Bernd ließ los, und noch immer laut [brüllend: besser schreiend] stürmte der Pizzabäcker davon.

Benutzeravatar
Siegfried
Beiträge: 5870
Registriert: 09.07.2008, 01:14
Wohnort: e-mail: dbs@digibuchservice.de

Re:

von Siegfried (17.09.2009, 17:42)
Hallo Taraxa!

Auch dir vielen Dank für deine umfangreiche Kritik. Genau so habe ich mir das vorgestellt. thumbbup

Taraxa hat geschrieben:

Es war Herbst geworden. Die Tage begannen später und endeten früher. Und sie wurden kälter. Keine gute Zeit zum Spazieren gehen.


Warum so allgemein? Welches Wetter ist an diesem Tag, an dem Bernd spazieren geht? Kalt, regnerisch, neblig oder sonnig, oder gar schon der erste Schnee? Fände ich als Leser hilfreicher zu erfahren, wie die Tatsache, dass im Herbst die Tage kürzer werden….Dies, so behaupte ich einmal, wissen wir alle.


Nur ganz kurz, warum diese zwei Zeilen zu Beginn des Textes stehen:

Sehr viele Autoren hier, die Texte vorstellen, beginnen mit einem "Wetterbericht" (so nenne ich das immer). Meine Vermutung: Das ist die einfachste Methode, um sich in einen Text hinein zu schreiben (um warm zu werden). Deshalb habe ich auch einen "Wetterbericht" an den Anfang gestellt. cheezygrin

Aber schön, dass das bereits als Murks gesehen wird! thumbbup

Grüße
Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // zzgl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 16 % USt. (bis Jahresende 2020) // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

Benutzeravatar
Kris. K.
Beiträge: 538
Registriert: 15.03.2009, 18:13

Re:

von Kris. K. (17.09.2009, 19:48)
Ich denke nicht der wetterbericht an sich wird negativ bewertet sondern die art des wetterberichtes- wer schreiben kann (hauptsächlich vom inhalt her) der kann auch klassisch beginnen ohne das es schlecht bewertet wird. blink3

Benutzeravatar
Valerie J. Long
Beiträge: 777
Registriert: 19.11.2008, 16:20
Wohnort: Wiesbaden

Re:

von Valerie J. Long (17.09.2009, 19:55)
Siegfried hat geschrieben:
Genau so hätte ich es auch gemacht. cheezygrin

Rat mal, bei wem ich mir das abgeschaut habe :wink:

Siegfried hat geschrieben:
Von anderen würdest du jetzt - vermutlich - Prügel beziehen:
"Wie kannst du den Zacharias Zebulon so in Grund und Boden kritisieren! Du hast ja nicht ein gutes Haar am Text gelassen. So etwas ist keine konstruktive Kritik!"
Und? Wie fühlt sich das an?
blink3 Prügel? He, wer austeilt, muss auch einstecken können, kein Problem.
cheezygrin

Klaus D. Klimke

Re:

von Klaus D. Klimke (17.09.2009, 20:17)
gelöscht
Zuletzt geändert von Klaus D. Klimke am 30.11.2010, 09:12, insgesamt 1-mal geändert.

Zurück zu „Textfeedback“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.