Wir Männer sind immer die Dummen...

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HeinzB.
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Wir Männer sind immer die Dummen...

von HeinzB. (18.07.2007, 12:20)
Heinz Benzenstadler

Wir Männer
sind immer
die Dummen

Trampelpfade über
allgemeine Plätze

Von der Wiege bis zum Grabe
(Roman - Einleitungskapitel)


Sie wollte mehr mit dem Computer machen, nicht nur spielen, herunter fahren und abstauben. Also ging ich in die Fachbuchhandlung und verlangte ein gutes Buch zur Beherrschung der Grundlagen dieses Gerätes, für meine Frau. „Da gibt es etwas Hervorragendes, speziell auf die Bedürfnisse der Frau abgestimmt.“ ‚Computer Basics’ hieß der empfohlene Band, schien übersichtlich zu sein und zeigte in Farbbildern Frauen am PC, fröhlich und gepflegt, die Frauen. Eine solche stand auch mir gegenüber und strahlte mich an. Eigentlich könnte ich mir auch so etwas zulegen, fachlich kompetent und außerdem zum Nachschlagen geeignet. In diese Richtung fragte ich die PC – Fee, sie dachte kurz nach, verschwand und brachte einen Band an, extra für Männer. Er heißt ‚Computer für Dummis’, gleich zu Beginn mit vielen kindischen Zeichnungen versehen und damit sind wir auch schon beim Thema.
Dummis, das sind wir. Nicht nur handelsüblich, sondern auch allgemein, volksempfunden und überhaupt. Eine Frau ist höchstens ein ‚Dummerl’ und das auch nur im Bezug auf fehlende Erfahrung mit Männern. Das frühere ‚Tschapperl’ mutierte zum ‚Dummerl’, entscheidend abgehoben von der ‚Blondine’, welche nur einen Hilfeschrei der Männlichkeit darstellt. Dieses Vorkommnis mit dem PC-Buch wurde in einer Frauengruppe erzählt, die sich gelangweilt dem Erzähler zuwendete und mit „Na und?“ quittierte. Gleich war er wieder da, nicht nur als Dummi, sondern ganz einfach auch als ‚der Dumme’. Ganz dumm kommt man sich vor und denkt ‚hätte ich doch den Mund gehalten’.
Bei jedem Neugeborenen erlebt man das gleiche Drama. Ist es ein Bub, deutsch Boy, Kid mit Zupferl (früher ‚Knabe’), stolziert zwar der Vater so stolz umher, als ob er etwas für das Geschlecht dieses zerknitterten, nasenlosen Geschöpfes dazu getan hätte. ,Ganz der Papa’ hört er stolz an allen Orten und kommt nicht auf die Idee, dass er in der Gestalt des Stammhalters sehr lächerlich aus den Pupillen schauen würde. Frisch Geschlüpfte sehen niemandem ähnlich, höchstens sich selbst, dem Proletennachbarn oder dem Inuitbaby. Das neugeborene Mädchen wird da schon anders empfangen. Sie sind lieb, zart, entzückend und man kann sie ja so süß anziehen. Natürlich ist sie auch ganz die Mutter, das ist jedenfalls schon verständlicher. Wie kann auch der Nachkomme einem Mann ähneln, unrasiert, mit Schnauzbart und Hofratsecken. Letztere stimmen zur Not noch, aber damit hat es sich schon. Bald wird auch diese Übereinstimmung verschwunden sein. Das Weiblein erhält sofort seine rosa Mascherl und Schlaufen, Berge von Spitzen und Fransen. Allgemeines Bedauern und Nachfragen herrscht, sobald der armselige Tüllberg wegen der Unmengen an Staub und Milben hustet. Getraut sich das der Kleine in der blauen Strickstrumpfhose, kümmert das keinen. ‚Ganz der Papa’ heißt es schon wieder, ‚der hat auch immer zur Unzeit den Mund offen’. Da sind sie wieder, die Bosheiten der Schwiegermutter und besonders der Schwägerin, die den Dummi viel lieber für sich selbst gehabt hätte. Das wird er ein Leben lang zu spüren bekommen, hat sie sich vorgenommen. Früher entstanden daraus die alten Jungfern, heute nennt man sie Emanzen. Aber das ist ja schon ein Ehrentitel, während Männer weiterhin die Dummen sind.
Als wir Älteren geboren wurden, zumeist im heißen Sommer des großen Krieges, in einem hoffenden Aufbäumen, oft schon gezeugt in der Verzweiflung eines letzten Urlaubes, ins Leben gestellt zum Teil als Halbwaisen, da waren es wieder die Männer. Denn die hatten nicht aufgepasst, ausgerechnet jetzt, in den letzten Zuckungen eines Menschen verachtenden Abschlachtens, hatten sie die Frauen ‚angetitscht’, wie der Hahn die Henne. Diese wiederum wurden zu Heldenmüttern und Heroinen, die Herrn Väter und Soldaten waren die Blöden. Das Mutterkreuz, ‚Der Deutschen Mutter’, verliehen für oftmaliges Werfen, schuf Hochachtung und Respekt, Orden der Kämpfer sanken unter dem Hohn der Bevölkerung zum ‚Klempnerladen’ herab.
Und wir kleinsten Überlebenden bekamen die Mutterbrust, Ausschläge, Hungerödeme, Läuse und Diphtherie. Noch viel später fuhren uns die Mütter mit ihren schwieligen Händen über das Haar. „Ja, den Scharlach hat er g’habt und Lungenentzündung sowieso, das, was der ihrige g’habt hat, war ja schon viel früher bei uns. Ja, ja, die Cholera auch, und die Läuse und Krätzen, dabei hab ich ihn jeden Tag gewaschen, ja, auch mit Petroleum, und eine Glatze hat er gekriegt, wegen der Viecher. Ganz sauber waren wir, nur genutzt hat’s nichts!“ An jeder Ecke trafen sie sich und hoben ihre Leistungen hervor und das Glück, dass wir Gfraster noch leben durften. Über die Mädchen wurde kein solches Brimborium gemacht. Die trugen Kopftücher wegen der Lausglatze und hielten den Mund. Wir Buben zogen das Unglück an und machten dabei auch nur Blödsinn. Wir waren schon damals die Dummen, so oder so. Nie wird uns verziehen werden, dass wir die Ernährerin in die Brust gebissen haben. „Ich hab ihn ja noch stillen müssen, da hat er schon Zähne gehabt! Sonst war ja nichts da!“ Stolz erzählen sich die Mütter ihre Heldentaten, am liebsten würden sie ihre Bissnarben vorweisen, aber das geht Gott sei Dank dann doch nicht.
Nach vierzig Jahren stehen wir immer noch dumm daneben, wenn die Mütter von ihren Heldentaten berichten. Unserem Nachwuchs wird es nicht anders ergehen und das bringt eine gewisse Befriedigung. Sie sind ja so gescheit, die Herren Buben dieser neuen Zeit, bilden sich etwas darauf ein, dass sie die Kindweiblein oder ‚Girls’ reihenweise flachlegen und kommen Tränen überströmt zur Mama, wenn sie bei einer richtigen Frau ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Es ist gut, dass sie das Gleiche hören wie wir: „Lass doch den Sex, wir haben ihn nicht gebraucht und dein Vater hat das auch nicht richtig verstanden. Wenn dir eine Frau den Laufpass gibt, denk dir, dass du zu gut für sie bist!“ Aber die Angesprochenen hören den triefenden Hohn heraus, sich an den Männern so richtig abputzen zu können, sie in ihre Schranken zu weisen. Es geht ja nicht um den Einen, es geht um die Summe der Individuen, welche von der Mutter Natur so reich beschenkt wurden, während die armen Frauen...
Damit wir wieder zum Thema kommen: Es gibt nicht nur hübsche Mädchen und schiache Buam, nein, Mädchen sind immer brav und Buben böse, Mädchen gescheit und Buben dumm. Das wird schon in die Wiege gelegt und dagegen hilft kein Auflehnen, kein Protest. Wer achtete schon bei den Boys der Schöpfung auf die schlanke Linie. Sollen sich doch anfressen, blöd und gebläht durch das Leben kugeln. Bei Mädchen wird wohl Wert auf schlanke Linien und zarte Gliedmaßen gelegt. Gelingt das nicht, ist auch wenig verloren. So bald sie schwanger ist, wird sie sowieso dick und kann nachher in Ruhe abnehmen. Kaum kommt es jemandem in den Sinn, den Rabauken mit den X- und O-Beinen in eine Ballettschule zu schicken. Buben lernen nie Putzen oder Kochen und bekommen ein Leben lang vorgehalten, dass sie schlampig und unordentlich sind und ohne weiblicher Hilfe verhungern würden. Niemand bringt ihnen Wäsche waschen und Bügeln bei und alle amüsieren sich dann darüber, wie dumm er sich anstellt, wenn er - allein gelassen und ohne weibliche Fürsorge - sich abmüht. Kann ein Mann wirklich diese Dinge, kocht, bügelt und näht sogar Knöpfe selber an, ist er sowieso blöd und wird sofort in ein warmes Eck geschubst, welches anrüchig und dubios erscheint. Er ist und bleibt eben der Dumme!

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