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Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


chnuppesaager

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von chnuppesaager (19.11.2009, 17:05)
Hi,

Meine sehr dringende Frage lautet, wie es aussieht mit Namen von Romanhelden/heldinnen.

Also ich meine, es gibt kaum eine Vor- und Nachnamen Kombination, die sich nicht googeln lässt. Ist das ein Problem?

Ich meine, kann ich einen Helden beispielsweise "Dieter Bohlen" nennen?

Vom Gefühl her sagt mein Feeling: NÖ, darfst nicht.

Ok, aber was ist mit Namen von Nicht-Promis?

Wenn meine Heldin Tanja Müller heisst, kann die ECHTE, sicherlich existierende Tanja Müller, mich nerven? Also ich meine: ernsthaft nerven, weil ich ihren Namen verwendet habe?

So juristisch nerven?

Wäre superdankbar für Antwort.

Grüße,

Ch.

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T.Tharun
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Re:

von T.Tharun (19.11.2009, 17:16)
Ohne mich jetzt zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, glaube ich, dass es wie bei Buchtiteln eine Ermessensfrage ist, wie wahrscheinlich es ist, dass du die spezielle Tanja Müller meinst. Wenn du eine kennst und diese Person negativ darstellst im Buch und vielleicht sogar Charakterzüge übernimmst, weil du die die reale Person nicht magst, dann könnte es problematisch sein, ansonsten nicht denke ich. Man kann von einem Autor nicht erwarten, seine Personen Szheakebe Gahenzenm oder Isööjurmj Ghaaregwh zu nennen, wer will denn so was lesen?
Und Dieter Bohlen als handelnde Person würde ich vermeiden, aber wenn er im Fernsehen auftritt (also in deinem Plot) und vielleicht irgendwelche Leute fertig macht dann ginge das sogar, wenn du es nicht übertreibst, weil er eine Person öffentlichen Interesses ist.

Soweit eine unfachkundige Meinung, liebe Grüße,
Tim
Zuletzt geändert von T.Tharun am 19.11.2009, 17:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Heiner
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Re:

von Heiner (19.11.2009, 17:16)
Hallo,

eine verlässliche Antwort habe ich nicht, mir fällt nur gerade dieser Spruch ein, welchen man überall liest: Ähnlichkeiten oder Übereinstimmungen sind rein zufällig und haben nichts mit real existierenden Personen zu tun.

Schaden kann ein deratiger Hinweis sicher nicht. Trotzdem würde ich meine Hauptperson nicht Dieter Bohlen nennen ;-)

Grüße

Heiner

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (19.11.2009, 17:34)
Okay, Danke @ Tharun und Heiner.

Klar, ich würde niemals einen Helden "Dieter Bohlen" nennen. Und was ich auch nicht tun würde: eine Exfreundin namens Tanja Müller im Roman verwenden. Das ist klar, und hab ich mir auch gedacht.

Und der Gesetzgeber kann, wie Tharun sagte, von einem Schriftsteller nicht erwarten, seinen Helden Igor Xyzettkowski nennen; klar das ist idiotisch.

Trotzdem: Mein Held/Heldin wird (fast) immer einen Namen tragen, der irgendjemandem gehört.

Und dieser "Irgendjemand" hat doch eigentlich dasselbe Recht wie Dieter Bohlen. Also, wisst ihr was ich meine?

(Bin mir nicht sicher, ob ich das verständlich ausgedrückt habe)

Viele Grüße,

Ch.

EDIT: Kann sein, dass mit dem Spruch "Ähnlichkeiten oder Übereinstimmungen sind rein zufällig und haben nichts mit real existierenden Personen zu tun." sich der Schreiber abgesichert hat - Ja, so muss es sein. Ich hoffe es.
Zuletzt geändert von chnuppesaager am 19.11.2009, 17:40, insgesamt 1-mal geändert.

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T.Tharun
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Re:

von T.Tharun (19.11.2009, 17:38)
Ich meine mal gehört zu haben, dass derjenige dann die Beweislast trägt und einen direkten Bezug zwischen der Person in deinem Buch, sich selbst und dir herstellen muss. Es reicht nicht, wenn nur der Name gleich ist, da müssten schon viele andere Dinge wie Augenfarbe oder Alter oder sowas zusammenkommen, damit so eine Verbindung nachweisbar ist. Mach dir da keine Gedanken, sondern wähle die Namen so, dass sie zum Charakter passen, nicht so, dass sie juristisch unanfechtbar sind, das ist nicht Sinn der Literatur.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (19.11.2009, 17:44)
Okay. 1000 Dank Tharun.

Das klingt sehr plausibel mit der Beweislast, ja, so muss es sein.

Ansonsten dürfte man ja praktisch keine Namen mehr verwenden-

thumbbup

super, eine Sorge weniger.

Dank Dir,

LG,

Ch.

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Siegfried
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Re: Hilfe.

von Siegfried (19.11.2009, 18:48)
chnuppesaager hat geschrieben:
Ich meine, kann ich einen Helden beispielsweise "Dieter Bohlen" nennen?


Warum denn nicht? Was oder wer sollte dich daran hindern?

Nicht der Name einer Person ist ausschlaggebend, sondern die Figurenzeichnung. Wenn du einen "Stanislaw Komorowski" durch deinen Roman hetzt, ihn aber mit Charaktereigenschaften ausstattest, die jedem Leser mehr als deutlich machen, dass es sich hier um den Musikproduzenten Dieter Bohlen handelt, dann hast du vermutlich ein Problem.

Schau dir "Mephisto" von Klaus Mann an. Es ist unschwer zu erkennen, dass sich hinter der Romanhauptfigur Hendrik Höfgen ein gewisser Herr Gustaf Gründgens versteckt.

Anders herum: Du schreibst einen Roman mit einer Hauptfigur namens Dieter Bohlen. Diese Figur ist charakterlich aber grundsätzlich anders angelegt, als der echte Dieter Bohlen. Die Romanfigur läuft ständig auf Probleme, weil sie - in der Romanhandlung - andauernd mit dem Musikproduzenten verwechselt wird. Warum soll das Schreiben eines solchen Romanes verboten sein?

Wenn es tatsächlich so wäre, dass ein "Werner Müller" Rechte an seinem Namen hält, dann dürfte es ja keinen zweiten "Werner Müller" geben - der würde ja gegen diese Unikat-Stellung verstoßen.

Grüße
Siegfried
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chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (19.11.2009, 19:09)
Ja, verstehe Siegfried.

Trotzdem, habe neulich gelesen, dass es dieses Namensproblem durchaus gibt. Alles negative, was mit einem Namen in Verbindung gebracht wird, kann zu einem Problem werden; ist anscheinend für Krimiautoren besonders heftig.

Ein Mord, der im Tierheim stattfindet?

Ok, richte Dich auf einen langjährigen Prozess ein ...

Ein Mord in einer tatsächlich existierenden Kleinstadt im Süden Deutschlands?

Okay Junge, bereite dich darauf vor, von einem Lynchmob des Städtchens am nächsten Baum aufgeknüpft zu werden ...

Grüße,

Ch.

holz

Re:

von holz (19.11.2009, 19:54)
einfach einen Namen generieren lassen, Generatoren gibts genug:

http://www.lowchensaustralia.com/names/generators.htm

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (20.11.2009, 09:46)
@ holz

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streng vertraulich
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Re:

von streng vertraulich (20.11.2009, 17:24)
ich denke in einem Roman kannst du jeden nennen wie du willst.
die bezeichnung roman impliziert das die geschichte nichts mit der ealität zu tun hat.
wenn du ihn dieter bohlen nennst und vorne rein schreibst : "das ist eine wahre geschichte" dann könnte herr bohlen klagen.
wenn du vorne reinschreibst: "alle änlichkeiten zu real existierenden personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt" dann könnte keiner klagen. aber du darfst dann hinterher auch nicht müdlich behaupten die geschichte sei wahr.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (25.11.2009, 09:23)

julia07
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Re:

von julia07 (25.11.2009, 09:35)
Das Biller-Urteil kann man sehen wie man will.
Tatsache ist, dass das Buch weiterhin Veröffentlichungsverbot "genießt", was beide Frauen durch ihre Klage erwirkt haben. Ich mein zu Recht, denn Biller wollte sich mit seinem Werk wohl tatsächlich an seiner Ex rächen und da ging er eben einen kleinen Schritt zu weit.

Abgewehrt wurde "nur" das geforderte Schmerzensgeld. Das von seiner Ex-Schwiegermutter sogar in ersten Instanz, wenn ich mich noch richtig erinnere.

Die künstlerische Freiheit ist eine Sache, das Persönlichkeitsrecht eine andere.

LG, Julia

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (25.11.2009, 09:50)
Eben, Veröffentlichungsverbot ist ja schon ziemlich weitgehend.

Aber eigentlich wäre es logisch, wenn die beiden Klägerinnen auch noch
Schadensersatz bekämen, einfach aus dem Grund, weil das Buch ja ein Weilchen erhältlich war - sicher ist der Text auch im Internet erhältlich, nehme ich an.

Na, sei´s drum.

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