Bandwurmsatz oder lieber kurz und knackig?

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Peyton
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Bandwurmsatz oder lieber kurz und knackig?

von Peyton (15.12.2009, 09:37)
Hallo zusammen,
mich würde einmal interessieren, welche Satzbildung Euch eher gefällt:

Hauptsatz + mehrere Nebensätze oder

Nur Hauptsatz + maximal 1 Nebensatz?

Mir sind beim Lesen verschiedener Genres u. Autoren sehr unterschiedliche Varianten aufgefallen. Ich für meinen Teil bevorzuge eher die kurzen Sätze.

Was mögt Ihr lieber Lesen bzw. Schreiben?

LG
Peyton
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SonjaG
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Re:

von SonjaG (15.12.2009, 10:07)
Hallo Peyton,

also ich mag die kurzen knackigen Sätze. Langatmige und verschachtelte Sätze sind nicht so mein Ding, es sei denn sie sind sehr spannend geschrieben bzw. bauen Spannung auf. So können mehrere kurze Nebensätze einen Rhythmus erzeugen bzw. Geschwindigkeit erzeugen die in etwas hineienführt und fesselt. ...verstehst Du was ich meine? Ich glaube es kommt einfach darauf an, was ich will und ob ich es "schreiberisch" verstehe diesen Stil zum Vorteil zu nutzen.

Bandwurmsatz habe ich auch noch nie gehört...man lernt immer dazu :D

Viele Grüße
Sonja
"Zeitbandriss: Geschichten",
ISBN-13: 978-3837093551


Meine Homepage: http://sonjamariag.jimdo.com/

hwg
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Re:

von hwg (15.12.2009, 11:06)
Nun ja, e i n e "Lösung" gibt es da sicher nicht.

Thomas Bernhard hat beispielsweise mit seinen
Werken, die sich durch "Bandwurmsätze" geradezu
"auszeichnen", posthum großen Erfolg (selbstver-
ständlich auch mit seinen Theaterstücken, die
vor langen Monologen oft nur so strotzen).

Eine vielfach angewandte Regel bei vielen Autoren
und vor allem Journalisten ist: Kein Satz soll mehr
als höchstens zwölf Wörter umfassen. Nebensätze
seien zu vermeiden.

Als Leser neige ich zur zweiten Variante, als Autor
gelingt mir sie jedoch nicht immer... :lol: Da täte
mir mehr "Selbstbeherrschung" beim Formulieren
sicher gut.
Neu im JBL-Literaturverlag: H. W. Grössinger, "Fallweise heiter, manchmal bewölkt" - Glossen, Feuilletons und Kurzgeschichten, die zum Schmunzeln verleiten und mitunter zum Nachdenken anregen wollen. Auch über Amazon erhältlich!

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hawepe
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Re: Bandwurmsatz oder lieber kurz und knackig?

von hawepe (15.12.2009, 11:36)
Hallo Peyton,

Peyton hat geschrieben:
Mir sind beim Lesen verschiedener Genres u. Autoren sehr unterschiedliche Varianten aufgefallen.


Eben, es gibt keine wirkliche Regel. Es hängt vielmehr von der gewünschten Zielgruppe ab.

Was mögt Ihr lieber Lesen bzw. Schreiben?


Beim Lesen ist es mir egal. Niemand zwingt mich schließlich, Bücher mit vor allem kurzen Sätzen zu lesen. Wenn der Autor meint, dass Sätze im Regelfall nicht mehr als acht, neun, zehn Worte zählen sollten, muss er eben auf mich verzichten.

Bücher müssen einen Klang wie Kompositionen entwickeln. Und dazu sind nun einmal auch viele längere oder lange Sätze notwendig. Ein wirklich meisterhaft über eine ganze Seite komponierter Satz ist einfach ein Genuss.

Etwas anderes sind natürlich wahllos zu einem Bandwurmsatz aneinandergereihte Sätze. Die zeugen nur davon, dass der Autor nicht schreiben kann.

Beste Grüße,

Heinz.

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Peyton
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Re:

von Peyton (15.12.2009, 18:27)
Super, Danke für Eure Meinungen!

LG
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elisa
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Re:

von elisa (16.12.2009, 11:57)
Für mich ergibt sich die Antwort aus dem Fluss der Geschichte und meiner Gedanken. Ich sehe das wie einen Film. An manchen Stellen braucht man eine lange ruhige Kameraeinstellung, an anderen eine rasante Kamerafahrt. Kurze Sätze unterbrechen den Fluss, erzeugen also aneiandergereiht ein höheres Tempo, eine Art Stromschnellen der Wörter.
Die Kunst liegt glaube ich darin harmonisch beides zu verbinden.
LG
Elisa
Zuletzt geändert von elisa am 16.12.2009, 20:36, insgesamt 1-mal geändert.
Paco de Lucia konnte keine Noten

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Bärentante
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Re:

von Bärentante (16.12.2009, 11:57)
Wenn mich ein Buch fesselt, achte ich auf diese Dinge nicht. Veranlasst durch diesen Thread habe ich mal in dem Monsterwerk nachgeschaut, das ich - total süchtig danach - heute Nacht bzw. heute Morgen ausgelesen habe. Es gibt darin seeehr lange Sätze, dazwischen aber auch extrem kurze. Ich denke mal, die Mischung macht's.
Liebe Grüße
Christel

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (16.12.2009, 12:58)
@Elisa: Ich denke, das trifft es. Die Sprache muss auch Stimmungen transportieren.

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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (16.12.2009, 13:49)
Ich würde sagen, ideal ist es, wenn man Beides gezielt zum richtigen Zeitpunkt einsetzen kann - ein Ideal, dass ich nicht unbedingt immer verwirklicht habe. Also, in meinen Prosatexten findet man zumeist etwas zwischen den beiden Extremen. Ich benutze gerade Nebensätze oftmals auf ganz bestimmte Art, wenn es um bestimmte Inhalte geht. Die dürften dann nicht komplett fehlen.
Als Extrembeispiel fällt mir "Minotaurus" von Friedrich Dürrenmatt ein, eine komplette Erzählung über zig Seiten in nur einem einzigen Satz. Das ist natürlich eine experimentelle Form abseits des Mainstream. Sehr interessant zu lesen jedenfalls, und man kann dem Inhalt überraschenderweise ohne weiteres folgen. Zufällig ist das einer meiner Lieblingstexte der Weltliteratur.
Nur kurze Hauptsätze allein können einerseits sehr sachlich wirken, aber vielleicht auch ein bisschen stupide und verblödet oder ungelenk, denke ich. Ich hatte aber als Jugendlicher mal ein Jugendbuch, das fast so geschrieben war. Für einen Elf- Zwölfjährigen durchaus recht angenehm zu lesen, bevor man dann bereit war für etwas ausschweifendere Abenteuer- und Fantasyliteratur.
Literarischen Kennern darf man aber ohne weiteres ein paar elegante Nebensätze zumuten. Oder ist das durch Bohlens Einfluss schon nicht mehr so?

P.S.: Dieter Bohlen mag sogar privat ein ganz netter Kerl sein, aber er ist für mich einfach Gallionsfigur des Verblödungszusammenhangs.

P.P.S.: Ich hab seinerzeit an der Uni auch Grundlagen der zeitgenössischen Sprachwissenschaft gelernt. Danach kann man, gesunde Sprachkompetenz vorausgesetzt, davon ausgehen, dass z.B. "Minotaurus" vom Leser verstanden wird. Aber kann man gesunde Sprachkompetenz noch voraussetzen? Man sollte, denn wenn man sie nicht voraussetzt, kann man auch nicht aktiv ihre Entwicklung vom Leser fordern.
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ricochet
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Re:

von ricochet (16.12.2009, 14:57)
Aus der Hirnforschung weiss man, dass Sätze mit etwa 15 Wörtern dem menschlichen Gehirn am meisten entgegenkommen.
book: Ludwig Reiners plädiert in seiner "Stilfibel" (dtv) für Sätze mit einer Maximallänge von 20 Wörtern. Hemingway war auch ein Verfechter kurzer Sätze. Er hat gemeint, man solle Autoren zwingen mit einem Stehpult zu arbeiten, dann würden sie von selbst kurze Sätze schreiben.
Joseph Pulitzer (1847 - 1911), ja genau der mit dem berühtmen Preis, hat gesagt:
"Schreibe kurz – und sie werden es lesen
Schreibe klar – und sie werden es verstehen
Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten."
Persönlich bin ich der Meinung, dass man im Interesse sowohl der Abwechslung als auch der Ästhetik mischen sollte. Nur kurze Sätze bedingen eine eigenartige, für mein persönliches Empfinden häßliche Sprache. Überlange Sätze machen einen Text weitschweifig und (meist unnötig!) schwer leserlich. Ich verfolge den Grundsatz, alles was wirklich wichtig ist, in eine möglichst knappe sprachliche Form zu bringen. Das wirkt wuchtiger.
Und zu Thomas Bernhard: Da habe ich doch vor Jahren "Die Ursache" (dtv) angefangen Schon auf der ersten Seite des Haupttextes begegnete mir ein Satz über 38 Zeilen. Ich habe nicht mehr weitergelesen. :twisted:
Es ist mir völlig wurscht, wie der Mensch heißt, der das verbrochen hat. Ein Fehler wird nicht besser, nur weil ein erlauchter Name daruntersteht.
Irgendwer hat gesagt: "Man kann Fehler korrigieren oder kultivieren." Berhand zählt eben zu denen, die es sich erlaubern können, ihre Fehler zu kultivieren. Das macht sie um keinen Deut besser.


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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (16.12.2009, 15:14)
Zu Thomas Bernhard: Manche Leute freuen sich, wenn sie Unterhaltung bekommen, die sie nicht intellektuell unterfordert. Bei Bernhard-Aufführungen wird lange, laut und hezhaft gelacht von einem verständigen Publikum. Mario Barth nervt und langweilt mich dagegen zu Tode.

Zur Ästhetik der Kürzungen: Sicher kann auf diese Art etwas Großartiges entstehen. Man sollte aber dabei nicht vergessen, mit wie viel Kunstfertigkeit etwa Hemingway oder Bukowski ihre knapp gehaltenen Werke gefüllt haben. Das Knappe allein ist noch nicht die Kunst. Außerdem ist es mir zuwider, wenn versucht wird, Dogmen für alle Kunstschaffenden festzulegen. Das riecht mir zu sehr nach Totalitarismus.
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AmberStuart
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Re:

von AmberStuart (16.12.2009, 15:56)
Einspruch, @Zeitlüch, was die Randbemerkung
zu Dieter Bohlen betrifft.
Er hat uns vorgemacht, wie man durch Fleiß,
Durchhaltevermögen und gesundem Ehrgeiz
ganz hoch auf die Erfolgsleiter klettern kann,
ohne reiche oder prominente Eltern und ohne
Vitamin B.
Sein Humor mag zwar bissig und manchmal etwas
einfältig klingen, lässt aber satirisches Talent und
den Hang zu spontanen Wortspielereien und Pointen
erkennen. Und, was für Großverdiener gar nicht
so selbstverständlich ist, er versteuert seine
selbstverdienten Millionen hier in Deutschland!

Dieter Bohlen trifft den Nerv und Geschmack
der Zeit, schaut dem Volk genau auf's Maul und
hält vielen sogenannten Intellektuellen einen klaren
Spiegel vor das beschlagene Gesicht.

LG, Amber

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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (16.12.2009, 16:53)
@AmberStuart

Das Problem ist auch nicht so sehr, dass Dieter Bohlen erfolgreich ist. Das Problem ist, dass daneben fast nichts mehr von den Medien zur Verfügung gestellt wird, was zur Persönlichkeitsentwicklung etwa durch Katharsiseffekte, tiefere Satire, Verwendung von Archetypen etc. beim Publikum beitragen könnte.
Die Folge ist eine allgemeine Verblödung, die sich diese Gesellschaft angesichts von Klimawandel und Wirtschaftskrise nicht mehr leisten kann.
Natürlich sind auch viele Leute, die Potenzial hätten, an ihrer eigenen Verblödung mitschuldig, wenn sie sich dem hemmunglsosen Konsum von Cannabis, Kokain, Alkohol etc. hingeben, was vor Jahren plötzlich zum Massenphänomen wurde.
Dieter Bohlen trägt selbst mit dazu bei, dass man ihn als Symbolfigur für etwas versteht. Noch mal deutlich: Ich wollte ihn damit nicht als Person angreifen.
Ich empfehle zu diesem Thema den Film "Free Rainer". Ich finde es wirklich nicht mehr auszuhalten! Ich bin nicht der Einzige, der die Produkte der derzeitigen Medienschaffenden einfach zum Kotzen und noch viel schlimmer LANGWEILIG findet.
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Zeitl0ch
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Re:

von Zeitl0ch (16.12.2009, 17:16)
Ein Hit meiner Jugendbewegung: http://www.youtube.com/watch?v=qiSkyEyBczU
Wir leben noch, und wenn das so weitergeht mit eurer Plastikscheiße, machen wir ernst!
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Maro
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Re:

von Maro (16.12.2009, 17:32)
Hallöle.

Um wieder zum Ursprungsthema zurückzukehren: :twisted:
Ich lese gerne beides, das kommt auch einfach auf die Geschichte und auf den Autoren an. Ich lese die Romane von Stephen King, die in der Regel kaum sehr lange Sätze beinhalten sehr gerne, genauso aber auch die Erzählungen von Kafka, die teilweise vor Bandwurmsätzen strotzen (z.B. Der Proceß).
Ich weiß nicht, ob es bestimmte Zielgruppen mal für kurze oder mal für relativ lange Sätze gibt; ich denke, solange das eine oder das andere Extrem nicht zu oft auftreten ist das noch keine Frage des Gefallens oder Nichtgefallens, weil es nicht auffällt.

Ich als Schreiberling tendiere aber auf jeden Fall und viel zu oft zu langen, kompliziert konstruierten Bandwurmsätzen mit einem Nachklapp am Ende der sich ursprünglich auf den Hauptsatz ganz am Anfang bezieht und von dem durch zwei Nebensätze getrennt wird. :roll: :cry:

So sehe ich das =)

Maro

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