Titus

Stellt euch im BoD Autorenpool vor und knüpft Kontakte.


Titus

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von Titus (31.12.2009, 21:58)
Hallo liebe AutorInnen,

endlich habe ich es auch geschafft – Mein eigenes Buch ist draußen, wobei ich mich immer gefragt habe, ob BoD der geeignete Verlag für eine Buchveröffentlichung ist. Habe bis vor einem Jahr nie etwas von diesem Verlag gehört, dabei bin ich jemand, der permanent in der Buchhandlung schnüffelt, da habe ich mich schon gefragt, ob das der richtige Weg ist.

Entschuldigung, ich stelle mich erstmal vor.
Mein Name ist Titus, eigentlich Maxi (ist ein Doppelname), bin 19 Jahre und komme aus der Harzstadt Goslar. Ich habe mit 15 Jahren angefangen meine erste Kurzgeschichte zu schreiben, hatte dann eine zweijährige Auszeit und habe 2007 wieder angefangen, diesmal mit Gedichten, Briefen etc. .
Von Anfang an hatte ich gehofft mal ein Buch rauszubringen, wahrscheinlich der große Wunsch, für jeden von uns, der sich hiermit auch erfüllt hat. Letztlich hatte ich mehrere Projekte, über die ich schrieb, darunter auch zwei Romane.
Von meinem Vater habe ich dann letztes Jahr einen Buchgutschein geschenkt bekommen, sodass es mir heute möglich ist eurem Autorenkreis beizutreten.
Ob meine Gedichte und Kurzgeschichten wirklich gut sind, dass werde ich wahrscheinlich im Laufe der Zeit erfahren, wisst Ihr, wenn man etwas der Familie vorliest, dann loben sie einen für Sachen, die es nicht zu loben gilt.

Sodann – guten Rutsch ins neue Jahr und LG

Titus

Postskriptum: Mein Buch heißt „Menschheitsirrtum: Menschlichkeit“  bei Interesse könnt ihr Euch ja mal den Klappentext durchlesen. Ist eben erst raus gekommen, habe noch selber kein Exemplar.

julia07
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Re: Titus

von julia07 (31.12.2009, 22:32)
Titus hat geschrieben:
... endlich habe ich es auch geschafft – Mein eigenes Buch ist draußen, ...

Dazu erst einmal Gratulation!

wobei ich mich immer gefragt habe, ob BoD der geeignete Verlag für eine Buchveröffentlichung ist.

Naja, es ist ja auch kein wirklicher Verlag, sondern eher ein Druckdienstleister :wink:

Habe bis vor einem Jahr nie etwas von diesem Verlag gehört, dabei bin ich jemand, der permanent in der Buchhandlung schnüffelt, da habe ich mich schon gefragt, ob das der richtige Weg ist.

Das ist ja die Crux - es gibt nur wenige Buchhandlungen, die sich BOD-Bücher in die Regale stellen, weil sie auf Bestseller angewiesen sind. Auf "unsere" BOD-Bücher muss man deswegen ganz massiv auf anderen Wegen aufmerksam machen :lol:

Entschuldigung, ich stelle mich erstmal vor.
Mein Name ist Titus, eigentlich Maxi (ist ein Doppelname), bin 19 Jahre und komme aus der Harzstadt Goslar.

Ach ja, ein herzliches Willkommen hier im Forum!
Einen schönen Gruß nach Goslar und Bad Harzburg, wo ich früher sehr oft war.

Sodann – guten Rutsch ins neue Jahr und LG

Dir auch!

Postskriptum: Mein Buch heißt „Menschheitsirrtum: Menschlichkeit“  bei Interesse könnt ihr Euch ja mal den Klappentext durchlesen. Ist eben erst raus gekommen, habe noch selber kein Exemplar.

Kannst Du es nicht hier unter Buchvorstellungen einstellen?

LG, Julia

Titus

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von Titus (01.01.2010, 00:56)
An alle erstmal PROST-Neujahr!!!

Danke Julia, gute Idee!

Also mein Werk "Menschheitsirrtum: Menschlichkeit - Ein Buch für uns und die anderen..." könnte man sicherlich wie die meisten Bücher mit tausend neuen Texten umschreiben. Den, den ich vorgestern als Klappentext BoD geschrieben habe finde ich trotzdem noch am besten, sodass ich ihn hier einfach mal zitiere:

"Jährlich sterben in Deutschland 11.000 bis 12.000 Menschen durch Suizid.
800 davon sind Kinder. Damit ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen. Jede 4 Minuten wird ein Suizidversuch unternommen, jede 47. Minute geht einer tödlich aus.
Zu den Fakten: Im Jahre 2006 gab es in Deutschland 5.107 Verkehrstote. Es sterben also pro Jahr in Deutschland doppelt so viele Menschen durch Selbstmord wie durch den Straßenverkehr. Während die Gesellschaft die Selbstmordrate in den vergangenen Jahren durch erweiterte Therapiemethoden senken konnte, bleiben Ursache und Wirkung für die Betroffenen nach wie vor unberührt. Gegen Kummer helfen keine Pillen, kein Alkohol, keine Klingen, nicht die zurückgezogene Einsamkeit in unseren Herzen – und genau in diese Richtung drängt Ihr uns.
Wenn es keinen Ausweg mehr zu scheinen gibt und Ihr Euch wundert, lustig macht und das soziale Bild des Bedauerns nach außen tragt, dann wenn Ihr unter Eures gleichen seid. Und nichts könne eine größere Lüge sein, als sich dem „Schwachsinn“ dieses Buches zu entziehen und zu trauern.

Verfehlt diese Beschreibung den Inhalt meines Buches? – Ich denke nicht.
In Form von Kurzgeschichten, Briefen, Gedichten (...) wird über das alltägliche Leben berichtet, über Schicksalsschläge, die nicht so kühl und distanziert sind, wie sie zunächst scheinen. Gefühlswandlungen und Erlebnisse, die einen selbst an das untergehende Leben fesseln und doch viel normaler wirken, als es zunächst den Anschein hat.
Kinder, Kinder klein und bunt / rennen vergnügt, der ganze Spund / spielen mit dem Ball, der ist rund / Achtung, Kinder, da kommt der Hund (…) Teils amüsant und heiter, im nächsten Moment zynisch und makaber spricht die Muse von Poesie. Vom klassischen Gehirntumor über „Borderlinchen“ bis hin zu „[m]einem Wort, das sich Liebe nennt“.
Suizid, Krieg, Liebe, Missbrauch,...
Was auch immer ich von den Nächten meines Schreibens habe auftreiben können, veröffentliche ich hier in meinem Erstlingswerk „Menschheitsirrtum: Menschlichkeit – Ein Buch für uns und die anderen...“.
ISBN 978-3-8391-4882-2, Paperback, 148 Seiten "

Wie oben steht hat dieses Buch 148 Seiten, deshalb wollte ich auch nicht mit Wucherpreisen beginnen. Zwar erhalte ich beim Verkauf des Buches grad mal einen Anteil von 26 Cent, aber wer von uns veröffentlicht Bücher nur wegen dem Geld?
Ladenpreis: 7,90 €

Allen nochmal ein doppeltes PROST-Neujahr!!!

LG Titus

julia07
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Re:

von julia07 (01.01.2010, 08:27)
Danke, Titus!

Hast Du schon gesehen, dass wir hier ein Unterforum "Publikationen" haben?
Dort brauchst Du nur die richtige Kategorie auszuwählen und dann auf "Neuen Beitrag" klicken. Dann öffnet sich eine fertige Eingabemaske, in deren Felder Du nur Deine Buchdaten reinkopieren musst. :wink:

LG, Julia

julia07
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Re:

von julia07 (01.01.2010, 08:44)
So, und nun zum Buch:

Da schneidest Du ein Thema an, das mich seit Enkes Freitod aus zwei ganz verschiedenen Gründen sehr beschäftigt hat:
Zum einen, weil ich es unsinnig finde, dass sich (eigentlich) gesunde Menschen umbringen. Zum anderen, weil ich eine Mutter bin, die ihr Kind zur Adoption hat freigeben müssen. Wenn ich dann sehe, was Herr Enke seinem winzigen Adoptivmädchen mit seinem Tod angetan hat (Frau Enke: "... und er hatte Angst, dass man uns Leila wieder wegnimmt ..."), denn dieses Kind wird die Umstände des Todes "seines Vaters" ja erfahren und irgendwie auf sich beziehen, dann werde ich regelrecht wütend.

Am Dienstag hat sich ein Mann aus meiner Stadt auf der A7 bei Illertissen als Falschfahrer das Leben genommen. Dabei hat ist er absichtlich frontal in einen anderen Wagen gerast, in welchem ein Vater mit seinen beiden Söhnen saß. Der Vater war tot, die beiden Jungs liegen im Krankenhaus. Der Mann hatte sein Vorhaben zuvor angekündigt(!), aber die Polizei konnte ihn nicht mehr stoppen.

Probleme hin, Probleme her - darf man derart egoistisch sein, dass man das Leben Dritter derart bewußt schädigt oder gar auslöscht? Ich möchte niemandem seinen Suizid verbieten, aber ich frage mich ernsthaft, warum es ein einsamer Alleebaum oder eine Betonmauer in einem Industriegebiet nicht auch tun würde?

Wie hast Du das Thema inhaltlich in Deinem Buch behandelt?

Gruß, Julia

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (01.01.2010, 13:00)
julia07 hat geschrieben:
Probleme hin, Probleme her - darf man derart egoistisch sein, dass man das Leben Dritter derart bewußt schädigt oder gar auslöscht? Ich möchte niemandem seinen Suizid verbieten, aber ich frage mich ernsthaft, warum es ein einsamer Alleebaum oder eine Betonmauer in einem Industriegebiet nicht auch tun würde?


Abgesehen davon, dass ich eine grundandere Meinung zum Tod von Enke habe ...

... nenn mir eine einzige Art von Selbstmord, die nicht das Leben Dritter schädigt.

Weißt du, wie ein Selbstmörder aussieht, der aus dem 20 Stockwerk eines Hochhauses gesprungen ist und unten auf einem Betonboden aufschlägt?

Was wird aus jenen Menschen, die jemanden an einem Alleebaum am Ende eines Stricks aufgehängt finden?

Wie stark geschädigt sind Familienangehörige, Freund, Arbeitskollegen, wenn sie einen Selbstmörder auffinden - oder auch nur daovn erfahren, dass gestern Abend sich XYZ eine Kugel durch den Kopf gejagt oder eine Monsterpackung Schlaftabletten eingeworfen hat?

Jeder Tod - egal ob Selbstmord, Mord oder natürliche Ursache - wirkt sich auf andere Menschen aus. Von daher ist der Tod in gewisser Weise immer "egoistisch". Am besten also, man stirbt gar nicht.

Grüße
Siegfried

P.S. @ Titus:

Der Trick ist gut!
Titus hat geschrieben:
Jährlich sterben in Deutschland 11.000 bis 12.000 Menschen durch Suizid.
800 davon sind Kinder. Damit ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen. Jede 4 Minuten wird ein Suizidversuch unternommen, jede 47. Minute geht einer tödlich aus.

Der Aufbau dieses Textes suggeriert, dass alle 47 Minuten sich ein Jugendlicher tötet. Ich habe nachgerechnet: 525.600 Minuten (ein Jahr) geteilt durch 47 Minuten = 11182 Fälle - der gedankliche Sprung vom Jugendlichen-Selbstmord zur Gesamtzahl der Selbstmorde findet nur im Kopf des Autors statt, nicht bei den Lesern. Clevere Verkaufsmethode! cheezygrin
Korrektorat: 1,- Euro zzgl. 19 % USt. pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (01.01.2010, 13:12)
julia07 hat geschrieben:
So, und nun zum Buch:

...
Zum einen, weil ich es unsinnig finde, dass sich (eigentlich) gesunde Menschen umbringen. Zum anderen, weil ich eine Mutter bin, die ihr Kind zur Adoption hat freigeben müssen. Wenn ich dann sehe, was Herr Enke seinem winzigen Adoptivmädchen mit seinem Tod angetan hat (ntal in einen anderen Wagen gerast, in welchem ein Vater mit seinen ...

Probleme hin, Probleme her - darf man derart egoistisch sein, dass man das Leben Dritter derart bewußt schädigt oder gar auslöscht? Ich möchte niemandem seinen Suizid verbieten, aber ich frage mich ernsthaft, warum es ein einsamer Alleebaum oder eine Betonmauer in einem Industriegebiet nicht auch tun würde?

Wie hast Du das Thema inhaltlich in Deinem Buch behandelt?

Gruß, Julia



Hi Julia07

Enke hatte Depressionen, das ist eine psychische Krankheit. Ziehe in Betracht, dass ein solcher Mensch in einem Krankheitsschub nicht "normal" denkt und handelt, sondern vielmehr von Impulsen getrieben agiert. Demzufolge ist verantwortungsbewusstes Verhalten in einem akuten Krankheitsschub nicht möglich.

Viele Grüße,

Ch.

julia07
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Re:

von julia07 (01.01.2010, 13:54)
chnuppesaager hat geschrieben:
Enke hatte Depressionen, das ist eine psychische Krankheit. Ziehe in Betracht, dass ein solcher Mensch in einem Krankheitsschub nicht "normal" denkt und handelt, sondern vielmehr von Impulsen getrieben agiert. Demzufolge ist verantwortungsbewusstes Verhalten in einem akuten Krankheitsschub nicht möglich.

Ich gebe Dir bedingt Recht und ich weiß auch, warum Du so denkest. Das ist ja nicht "verkehrt". Ich möchte aber nicht akzeptieren, dass jemand von seiner Krankheit weiß und sich trotzdem beharrlich jahrelang gegen Hilfe wehrt. Genau das werfe ich E. vor. Von jedem Suchtkranken erwartet/verlangt man, dass er/sie sich selbst an der Heilung beteiligt. Tut er das nicht, wird umgehend die weitere Hilfe gestrichen. Keine Sorge, mich betrifft das nicht, aber eine Bekannte von mir.
Enkes gesamte Familie wusste von seiner Krankheit und hat ihn offenbar (schweigend duldend) wie einen Gesunden behandelt. Wie kann man es sich sonst erklären, dass die beiden sich zu ihren (nicht bewältigten) Problemen sogar noch die Verantwortung für ein fremdes Kind aufgelastet haben?

Ich habe großes Verständnis für kranke Menschen, bin selbst beinahe täglich mit Schwerstkranken zusammen, aber als reinen Schicksalsschlag kann ich es nicht betrachten, wenn völlig Unschuldige ums Leben kommen müssen, wenn Kranke ihre Krankheit pflegen. Es gibt genug Depressive, die sich in eine jahrelange Behandlung begeben, damit sie eben nicht derart entgleisen. Auch so eine Frau kenne ich, die Zwillingsschwester meiner ehemals besten Freundin.

@ Siegfried
Natürlich ist das sachlich richtig was Du sagst, denn jeder, der mit einem Suizid direkt in Berührung kommt, ist mehr oder weniger geschädigt - jeder. Meinst Du aber nicht auch, dass im reinen Verzeihen oder gar moralischen Akzeptieren derart spektakulärer Suizide eine gewisse "Normalität" daraus gemacht wird? Erklären wir nicht viel zuviel mit Krankheit, anstatt dieser Gesellschaft einmal ernsthaft einen Spiegel vorzuhalten?
Mit Grausen habe ich mir heute einmal alle Selbst- und Fremdtötungsdelikte dieser Feiertage angesehen, die wohl alle auf psychische Krankheit im weitesten Sinne zurückzuführen sind. Ganz "normel" Weihnachten?

LG, Julia

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (01.01.2010, 15:08)
julia07 hat geschrieben:
chnuppesaager hat geschrieben:
Enke hatte Depressionen, das ist eine psychische Krankheit. Ziehe in Betracht, dass ein solcher Mensch in einem Krankheitsschub nicht "normal" denkt und handelt, sondern vielmehr von Impulsen getrieben agiert. Demzufolge ist verantwortungsbewusstes Verhalten in einem akuten Krankheitsschub nicht möglich.

Ich gebe Dir bedingt Recht und ich weiß auch, warum Du so denkest. Das ist ja nicht "verkehrt". Ich möchte aber nicht akzeptieren, dass jemand von seiner Krankheit weiß und sich trotzdem beharrlich jahrelang gegen Hilfe wehrt. Genau das werfe ich E. vor. Von jedem Suchtkranken erwartet/verlangt man, dass er/sie sich selbst an der Heilung beteiligt. Tut er das nicht, wird umgehend die weitere Hilfe gestrichen. Keine Sorge, mich betrifft das nicht, aber eine Bekannte von mir.
Enkes gesamte Familie wusste von seiner Krankheit und hat ihn offenbar (schweigend duldend) wie einen Gesunden behandelt. Wie kann man es sich sonst erklären, dass die beiden sich zu ihren (nicht bewältigten) Problemen sogar noch die Verantwortung für ein fremdes Kind aufgelastet haben?

Ich habe großes Verständnis für kranke Menschen, bin selbst beinahe täglich mit Schwerstkranken zusammen, aber als reinen Schicksalsschlag kann ich es nicht betrachten, wenn völlig Unschuldige ums Leben kommen müssen, wenn Kranke ihre Krankheit pflegen. Es gibt genug Depressive, die sich in eine jahrelange Behandlung begeben, damit sie eben nicht derart entgleisen. Auch so eine Frau kenne ich, die Zwillingsschwester meiner ehemals besten Freundin.




Ja, da hast Du völlig Recht. Stimmt, er hat sich der Behandlung verweigert, und offensichtlich hat seine Frau ihn auch nicht genügend dazu gedrängt. Vor diesem Hintergrund ist die Sache mit dem Adoptivkind tatsächlich ein heftiges Versagen.
LG

Ch.
Zuletzt geändert von chnuppesaager am 01.01.2010, 20:18, insgesamt 1-mal geändert.

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Re:

von Siegfried (01.01.2010, 15:52)
julia07 hat geschrieben:
@ Siegfried
Natürlich ist das sachlich richtig was Du sagst, denn jeder, der mit einem Suizid direkt in Berührung kommt, ist mehr oder weniger geschädigt - jeder. Meinst Du aber nicht auch, dass im reinen Verzeihen oder gar moralischen Akzeptieren derart spektakulärer Suizide eine gewisse "Normalität" daraus gemacht wird? Erklären wir nicht viel zuviel mit Krankheit, anstatt dieser Gesellschaft einmal ernsthaft einen Spiegel vorzuhalten?


Es geht mir nicht um das Verzeihen, es geht mir vor allem darum, diesen Menschen nicht auch noch Schuldkomplexe ein- bzw. nachzureden.

Schauen wir uns mal einfach mal dem Fall Enke an:

Da leidet jemand an massiven Depressionsschüben. Innerhalb der Familie (Eltern, Ehepartner) sowie beim betreuenden Arzt ist diese Krankheit bekannt. Alle aus der Familie kümmern sich um den Kranken. Und es scheint so, als wäre der Kranke auf dem Weg der Besserung.

Der Kranke steht in der Öffentlichkeit und wird jeden Tag durch die Medien beobachtet. Jeden Furz, den er lässt, wird von Reportern kommentiert. Wenn er schlechte Leistungen bringt, schlägt die breite Öffentlichkeit auf ihn ein. Wenn er ein falsches WOrt sagt, wird er virtuell unter Prügeln durchs "Medien-Dorf" getrieben.

Der Arzt behandelt ihn, durch Gespräche, durch Psychopharmaka. Der Kranke ist halbwegs stabil. Da kommt die Meldung, sein einziges Kind leidet an einem Herzfehler. Eine Operation ist notwendig. Das einzige Kind dieses Kranken stirbt. Die Depression ist wieder da.

Jetzt soll dieser Mensch in die Öffentlichkeit gehen und gestehen, dass er seit Jahren an Depressionen leidet. Wie wird die Öffentlichkeit reagieren? Wie wird die Konkurrenz reagieren? "Weichei!" "Versager!" "Du bist zu schwach!" - auf dem Fußballplatz, insbesondere wenn es um große Summen geht, herrscht ein gnadenloses Klima. Nicht nur dort, auch bei anderen Sportarten. Warum wird im Profisport so massiv Doping betrieben? Weil es Spaß macht? Oder vielleicht doch, weil da ein unerbittlicher Leistungsdruck herrscht?

Aber egal: Du sagst, Enke hätte sich mit seinen Depressionen outen müssen (müssen!). Was dann geschieht, zeigt der Fall Sebastian Deisler. Du wirst so schnell aus deinem Beruf gemobbt, so schnell kannst du gar nicht schauen (das Gleiche gilt übrigens auch für das Mobbing am Büro-Arbeitsplatz).

Wenn du anderen, die dich fertigmachen wollen, eine Angriffsstelle bietest, wird du fertiggemacht. Ich kenne aus früheren Jobs einige Alkoholiker, die nach einer sechsmonatigen Therapie wieder in ihren alten Job zurückkehren konnten und denen andere missliebige Kollegen nichts eiligeres antun konnten, als auf einer Betriebsfeuer Schnaps in den Orangensaft zu kippen. Was das für einen trockenen Alkoholiker bedeutet, kannst du dir vielleicht selbst ausmalen.

Aber kehren wir zurück zum Fall Enke: Nehmen wir an, er hätte deinem Vorschlag folgend der Öffenltichkeit eingestanden, der würde an schweren Depressionen leiden - was wäre dann geschehen? Die Medien wären über ihn hergefallen, von den Rängen wären Sprechchöre "Heulsuse! Weichei! Spasti!" gekommen, und die Konkurrenz (sprich: andere Fußballer= hätten ihn bei jedem Spiel verbal attackiert.

Es gibt genug Beispiele dazu. So hat ein Fußballer seinen Gegenspieler in einem Spiel andauernd provoziert, indem er ihn gefragt hat, ob er wüsste, wo sich seine Ehefrau gerade aufhält. Der Grund: Es gab massive Gerüchte, die Ehefrau würde fremdgehen. Der Gegenspieler ist nach zehn Minuten ausgerastet und hat zugeschlagen - Folge: Platzverweis, mehrere Spiele Sperre.

Bei Enke wäre die Folge das Ende der Karriere gewesen (siehe Fall Deisler). Zudem hätte durchaus die Wahrscheinlichkeit bestand, das adoptierte Kind zu verlieren. Die Adoptionsregeln in Deutschland sind knallhart. Mit 40 gilt man z. B. bereits als zu alt für eine Adoption. Ein Elternteil, das an Depressionen leidet, kann man dort ein Kind unterbringen? Vermutlich nicht. Enke hätte also zum zweiten Mal in seinem Leben ein Kind verloren.

Deine Forderung, sich zu outen, hätte zur Folge, dass Enke nicht nur seinen Job, sondern auch sein Adoptivkind verloren hätte. Seine Zukunft im Bereich des Fußballs nach seinem Karrierende gibt es auch nicht mehr - ein Manager oder Trainer mit Depressionen? Auch das wäre vorbei. Alles nur wegen des Outings.

In einem neuen Depressionsschub, wo Menschen sich alles andere als rational verhalten, stellt er sich auf die Gleise und will sich überrollen lassen. Doch jetzt kommt der Retter und schubst Enke von den Gleisen. Der Selbstmordversuch wird bekannt - und was ist die deiner Meinung korrekte Reaktion der Öffentlichkeit darauf? Schwerste Vorwürfe! Wie kann man nur! Und auch noch, wo er Familie hat! Der psychischen Last, die bereits auf Enke liegt, wird gemäß deiner Vorstellung noch ordentlich eins draufgesattelt. "Wie, dir geht es so dreckig, dass du am liebsten Schluss machen möchtest? Wenn das so ist, dann bist du erst recht ein Versager, Nichtsnutz, Weichei!" ist das die Haltung, wie wir mit möglichen Selbstmördern umgehen wollen?

Ich frage mich bei Selbstmördern nicht, was sie mir oder anderen Menschen angetan haben, sondern was wir ihnen angetan haben, und warum wir die Notlage dieser Menschen nicht früher erkannt haben. Bei einem gescheiterten Selbstmordversuch noch hinterherzutreten oder auf dem Menschen noch herumzutrampeln - ich weiß nicht, ob dass diesen Menschen wirklich hilft.

Grüße
Siegfried

P.S. Im Profifussball der 1. und 2. Bundesliga gibt es 36 Vereine. Das sind etwa 750 Männer. Wenn die Karriere eines Profifußballers etwa 10 Jahre dauert, sind in den letzten vier Jahrzehnten etwa 3.000 Männer aktiv gewesen. Bislang hat sich kein einziger von ihnen als schwul geoutet. Warum wohl nicht?
Oh, sorry, ich habe einen vergessen.
Sein Name war Justin Fashanu. Er spielte in England bei Manchester City und West Ham United und ist bis heute der einzige Profi-Fußballer, der sich während seiner aktiven Zeit als schwul geoutet hat. Die Folge war ein Echo in den Medien ohnegleichen. Der Rufmord ging so weit, dass ihm die Vergewaltigung eines Jungen angehängt wurde. Presse und Fernsehen berichteten, und obwohl die Anklage fallen gelassen wurde, blieben die Schlagzeilen. Justin Fashanu hat sich mit 37 in seiner Garage aufgehängt.
Jetzt darfst du ihm Vorwürfe machen! :twisted:
Korrektorat: 1,- Euro zzgl. 19 % USt. pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

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Re:

von Siegfried (01.01.2010, 15:56)
chnuppesaager hat geschrieben:
Ja, da hast Du völlig Recht. Stimmt, er hat sich der Behandlung verweigert, und offensichtlich hat seine Frau ihn auch nicht genügend dazu gedrängt.


Sorry, Chnuppesaager, das stimmt nicht.
Enke war in Behandlung bei einem entsprechenden Arzt. Doch diese Behandlung reichte offenbar nicht oder nicht mehr aus. Es wäre eine stationäre Behandlung über Monate notwendig geworden, wodurch Enkes Depressionen der Öffentlichkeit bekannt geworden wären - und das wollte Enke auf jeden Fall verhindern.

Gerade von dir hätte ich nicht erwartet, so leichtfertig und ungeprüft solche Informationen weiterzugeben.

Grüße
Siegfried
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Tanzmaus
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Re:

von Tanzmaus (01.01.2010, 16:01)
Hallo

und ein herzliches Willkommen!
Ich hoffe du fühlst dich hier wohl :wink:

Viel Spaß hier
und Glückwunsch zu deinem Buch!

LG

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (01.01.2010, 16:09)
@ Siegfried

Ja, diese Sache mit Deisler hatte ich damals im Thread von Klaasen, in dem wir schon einmal über Enke gesprochen haben, auch vorgebracht. Ich sehe es im Grunde auch so wie Du schilderst. Die Diagnose der schweren Depression vor den anderen Fussballprofis und der Öffentlichkeit geheimzuhalten, finde ich nur zu verständlich.

Etwas anderes ist aber die Adoption eines Kindes: da hätte er es nicht geheimhalten dürfen; er hat es aber getan, und zwar mit Unterstützung seiner Frau. Das ist das einzige, was ich ihm da ankreide. Er wusste um seine Diagnose, hat sie aber verschwiegen, weil er wusste, dass er ansonsten kein Kind adoptieren kann.

Grüße.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (01.01.2010, 16:17)
@ Siegfried


Ich hatte damals (ich glaube in Zeit-online, weiss aber nicht mehr welcher Artikel) gelesen, dass die Sache mit seinen Depressionen erst nach dem Selbstmord ans Tageslicht kam. Ebenso stand dort, dass er sich der Berhandlung verweigert hätte. Wobei ich das (wie im Klaasen-Thread bereits geschrieben) vor dem Hintergrund seines Fussballer-Daseins verstehen kann.

Sollte es nicht zutreffen, dass er sich der Behandlung verweigert hat, hat er sich natürlich angesichts seiner Erkrankung verantwortungsvoll verhalten. Aber wie gesagt, im damaligen Artikel stand nur, er hätte sich der Behandlung verweigert.

Trotzdem ist es doch so, dass man kein Adoptivkind bekommt, wenn man an psychischen Krankheiten leidet. Ob man sich nun in Behandlung gibt oder nicht. Oder irre ich mich da?



Viele Grüße.
Zuletzt geändert von chnuppesaager am 01.01.2010, 20:34, insgesamt 1-mal geändert.

chnuppesaager

Re:

von chnuppesaager (01.01.2010, 16:46)
Nachtrag-

Hier ist die Sache mit der Adoptivtochter:

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitges ... depression

Ich erinnere mich, als ich vor 15 Jahren eine Katze aus dem Tierheim wollte, hatte ich einen riesigen Fragebogen vorgelegt bekommen.
Unter anderem wurde dort gefragt, ob man an psychischen Krankheiten leidet ...

Ich denke, wie wird erst geprüft werden, wenn es um die Adoption eines Kindes geht?

Grüße.

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