Tauwetter

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skipteuse
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Tauwetter

von skipteuse (09.01.2010, 22:30)
Liebe Kollegen,

ich bin mir bei meinem aktuellen Kurzgeschichtenentwurf unsicher, ob ich den allerletzten Satz, die einizige wörtliche Rede im gesamten Text, stehen lassen oder wegnehmen soll.

Über eure Meinungen (auch generell und/ oder zu anderen Aspekten) dazu würde ich mich freuen. Danke sehr!

Barbara

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Ich fand Spuren im Schnee. Abdrücke von Absätzen. Energisch in den hart gebackenen Schnee gebohrt.

Es hatte wieder geschneit. Feine leichte Flocken fielen aus den Wolken. Ein Schneemannrest bat auf der Wiese um Asyl. Schneeberge türmten sich am Rand wie Grabsteine.

Die tiefen Einkerbungen auf dem Weg zeigten die Richtung zur Bushaltestelle an. Hufeisenförmig waren sie, oben gerade geschlossen. Leicht nach außen gestellt. In gleichmäßigen Abständen, doch nur auf den ersten Blick. Mich faszinierten diese Spuren. Ich schaute genauer hin und entdeckte, dass diese unbekannte Person nur vermeintlich immer die gleiche Schrittlänge nahm. Sie variierte, kaum merklich, aber ich konnte es sehen. Ich habe ein gutes Auge … Ich liebkoste diese gerade deutliche Spur 30 Tage lang. Ich verlor sie immer vorn an der Ecke, wo ich links abbiegen musste.

Der graue Himmel kühlte den von tausend Schritten festgestampften Schnee. Ihre Spuren sehe ich sofort. Noch nach Stunden kann ich sie auf einen Blick ausmachen. Sie sind unverwechselbar. Ich fühle sie. Sogar im Dunkeln. Ich habe es ausprobiert.

Eines Tages wartete ich hinter einem Baum. Ich erkannte sie schon von weitem. An ihrem Gang, hart federnd. Anders kann ich das stoßweise Aufsetzen der Füße und das darauf folgende harmonische Hinübergleiten des Körpers auf die andere Seite nicht beschreiben. Sie war schön. Ich konnte nicht viel erkennen. Doch ich wusste, sie war schön. Auch ihr schwarzer taillierter Mantel, der schwarze Männerhut auf dem blonden Haar, der ihrem Auftreten eine kecke Note verlieh, und die hohen schwarzen Lederstiefel mit den kleinen halbrunden Absätzen waren schön. Aber das war es nicht. Da war etwas anderes. Wie sie sich bewegte. Nein, das war es auch nicht … Die Luft. Es war die Luft, die sie umgab. Sie schien zu vibrieren. Trotz der frostigen Temperaturen schien sie eine Hitze auszustrahlen, die die Luft flimmern ließ. Ich sah ihr lange nach. Als meine Hände wieder kalt wurden, folgte ich unauffällig ihren Spuren.

Ich stand vor einer Tür aus Milchglas. Eine Arztpraxis. Ich musste den Kopf heben, denn hier endete ihre Spur. Ich atmete einen Augenblick, dann drehte ich mich um.

Am nächsten Tag kam sie im gleichen Tempo heran, wie am Tag zuvor. Sie trug Mantel, Hut und Stiefel, doch ihre Schritte schienen heute schneller aufeinander zu folgen. Ich fühlte den Hauch von Sommerhitze, als sie vorbeiging. Hart grub sie die Stiefelansätze in den weißen Untergrund. Nicht einmal der Schnee wagte unter ihren Füßen zu knirschen. Trotzig deklarierte sie ihre Existenzberechtigung, ihr Recht, hier und jetzt durch diesen Schnee zu gehen.

Ich wartete vor der Praxis. Eine Straßenbahnhaltestelle ermöglichte mir unauffälliges Ausharren in der Nähe des Eingangs. Sie kam erst gegen Mittag wieder heraus, trug den Mantel nachlässig gebunden und sah auf den Boden: Es musste etwas Ernstes sein. Eisige Gedanken betäubten mein Gehirn. Wahrscheinlich hatte sie Krebs. Wie meine Mutter. Da hatten sie auch zuerst lange nichts gemerkt, und dann ging es ganz schnell. Ich schabte unruhig im braunen Schneematsch unter meinen Sohlen. Sie sollte nicht sterben. Sie war viel zu jung. Und viel zu schön. Wenngleich ich noch niemals ihr Gesicht gesehen hatte. Nur als Schatten unter der Hutkrempe. Aber ihre Gestalt, die war schön.

Ich lese ihre Spuren wie ein Buch – ernst und voller Hingabe.

Sie lief nach Hause. Unsicher war ihr Schritt, ihre Spur unsauber. Ich war mir sicher, dass sie ihr heute, gerade eben die schreckliche Nachricht überbracht hatten. Dass sie bald sterben musste. Unter Schmerzen. Allein. Am Ende ist man immer allein, hatte meine Mutter gesagt, als ich ihr Blumen bringen wollte. Sie hat den Strauß Margeriten in den Mülleimer geworfen und mich aus dem Zimmer gejagt. Allein.

Morgen würde sie wiederkommen. Sie musste jetzt sicher jeden Tag zur Behandlung in die Praxis gehen. Sich Injektionen verabreichen lassen, Tabletten holen. Würden sie wohl ambulant mit der Strahlentherapie beginnen? Ich glaube nicht. Und doch: Unter ihrem schwarzen Hut würde der Wegfall des Blondhaares gar nicht auffallen. So lange es Winter war, würde sie schön sein.

Ich legte ihr Blumen vor die Tür. Die Tür der Praxis. Weiße Margeriten. Doch als sie am späten Vormittag die Praxis verließ, erschöpft ließ sie die Schultern hängen, trat ihr linker Lederstiefel auf den Strauß. Achtlos trat sie die Blumen in den schneeigen Rinnstein – und ging. Ich folgte ihren Spuren.

Am Morgen waren ihre Schritte energiegeladen, stets scharf und genau die Abdrücke ihrer Absätze im Schnee. Wenn sie von den anstrengenden Arztbesuchen nach Hause kam, schienen ihre Spuren genauso deutlich. Doch das waren sie nicht. Ich konnte an der Art wie sie lief, erkennen, wie es ihr ging. Sie wirkte dann mutlos und fahrig. Zwar spannte sie die Schultern, doch ihr Schritt wurde kraftlos.
Verzweifelt folgte ich den Spuren ihrer Existenz.

Am letzten Tag: Das Weiß des Schnees stach mir ins Weiß meiner Augen. Dennoch las ich ihre Spuren wie ein Jäger. Ich kniete nieder und aß den Schnee, der unter ihren Schuhen geklebt, sie indirekt berührt hatte. Intim. Der Schnee wird in meinem Mund zu Wasser. Ich habe nie etwas Köstlicheres geschmeckt. Eiskristalle, die auf Lippen und Zunge zergehen, ein Teil von mir werden.
Doch ihre Spuren auf dem inzwischen ausgetretenen Pfad waren blass und ungewöhnlich undeutlich. Als hätten sich ihre Füße schon auf den Weg gemacht, die Erde zu verlassen. Ich musste zu ihr.

Lange versuchte ich durch die Milchglasscheibe im Türrahmen zu spähen.

Ich betrat die Praxis. Sie saß hinter dem Empfangstresen und lächelte mir zu.
„Sie wünschen?“

(B. Schilling, 2010)
Zuletzt geändert von skipteuse am 10.01.2010, 11:00, insgesamt 1-mal geändert.

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Lisa_Sonnenblume
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Re:

von Lisa_Sonnenblume (09.01.2010, 23:06)
Hallo Barbara,

Willst du die Geschichte so beenden und wenn ja warum?

Darf man Kurzgeschichten, die man später für Wettbewerbe einreichen will, schon vorher posten? Wenn ja, will ich auch eine Kurzgeschichte posten :oops:
LG,

Lisa

malschaun
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Re: Tauwetter

von malschaun (10.01.2010, 07:53)
skipteuse hat geschrieben:
[i]...
ich bin mir bei meinem aktuellen Kurzgeschichtenentwurf unsicher, ob ich den allerletzten Satz, die einizige wörtliche Rede im gesamten Text, stehen lassen oder wegnehmen soll.


Hallo skipteuse,

zu Deiner Hauptfrage: Ja, die wörtliche Rede ganz am Ende passt! Sie drückt das Unerwartete hart aus, erschlägt den Leser aber nicht.
Die Geschichte gefällt mir, allerdings wirkt es irgendwann ab Textmitte etwas "übertrieben / aufgesetzt". Der Leser darf ja eine tödliche Krankheit vermuten, aber ich würde sie nicht beim Namen nennen, keine Vermutung aussprechen; das sollte der Leser tun.

"Ich erkannte sie schon weitem." - da fehlt was

Viele Grüße

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (10.01.2010, 11:06)
Vielen Dank für eure Kommentare. Der Aspekt bzgl. Nennung der Krankheit gibt mir zu denken - ebenso die "zunehmende Konstruiertheit"...
Der "Fehl-Fehler" ist korrigiert, danke. smart2

Ja Lisa, du kannst deine Geschichten posten, allerdings steht bei vielen Kurzgeschichtenwettbewerben, dass sie nicht vorher veröffentlicht werden dürfen, dazu zählt häufig auch das www.

Diese Geschichte habe ich vorläufig nur "für mich" (und die Leser natürlich) geschrieben. Ob ich sie, ggf. überarbeitet, jemals irgendwo einreichen werde, weiß ich noch nicht. :D

Herzliche Wochenendgrüße,
Barbara


PS. Über weitere kritische Meinungen/ Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen!

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (10.01.2010, 11:20)
Sehr angetan von der Lektüre. Die direkte Rede am Schluss ist die einzig richtige Lösung. Dieser Schluss verweist so auf das Hauptthema des Textes, die verborgenen Wünsche und Ängste der Ich-Erzählerin.

Im Übrigen scheue ich mich, an einem insgesamt guten Text Details zu bekritteln. In einem Fall wie diesem ist der Autor nach meiner Erfahrung selbst am besten geeignet, hier und da noch minimale Verbesserungen zu erreichen. Nur eines: Das Niederlegen des Blumenstraußes vor der Praxis kam mir persönlich eine Spur unwahrscheinlich vor.

Arno Abendschön
Geschichten werden niemals richtig erlebt, nur manchmal, sehr selten, richtig erzählt. (Alfred Polgar)

Weitere Werke als eBooks unter http://www.bookrix.de/-arno.abendschoen gratis lesen und herunterladen!

chnuppesaager

Re: Tauwetter

von chnuppesaager (10.01.2010, 11:37)
Hallo Barbara,

skipteuse hat geschrieben:
Es hatte wieder geschneit. Feine leichte Flocken fielen aus den Wolken.


Hier ist mir aufgefallen: "Es HATTE wieder geschneit", also Plusquamperfekt; der Schneefall müsste abgeschlossen sein, aber: "Feine leichte Flocken fielen aus den Wolken" - es schneit also immer noch, das wiederspricht dem Gebrauch des vorigen Plusquamperfekt; finde ich jedenfalls.

skipteuse hat geschrieben:
Schneeberge türmten sich am Rand wie Grabsteine


Bei den Skylines amerikanischer Großstädte muss ich manchmal an Grabsteine/Gräberfelder denken, aber nie bei Schneebergen, die sehen ja eher kegelförmig aus.


skipteuse hat geschrieben:
Ich betrat die Praxis. Sie saß hinter dem Empfangstresen und lächelte mir zu.
„Sie wünschen?“


Ich finde das „Sie wünschen?“ total unpassend, dieser banale Satz zerstört die vorher aufgebaute Stimmung. Kommt mir völlig daneben vor - aber klar: reine Geschmacksache ...

Viele Grüße

EDIT: Ansonsten find ich´s klasse - jetzt hätte ich fast das Lob vergessen ... :wink:

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (10.01.2010, 13:25)
Vielen Dank für eure hilfreichen Anmerkungen (und das Lob natürlich! Freu)...

Einzig beim Schluss zeichnen sich - wie geahnt - komplett unterschiedliche Meinungen ab. Aber es ist nun einmal, Gott sei Dank, so, dass kein Leser wie der andere ist ...

Hm, vielleicht melden sich weitere Kollegen zu Wort?

Ich bin noch immer "schlussunentschlossen" ... angle:

B.

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Bärentante
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Re: Tauwetter

von Bärentante (10.01.2010, 13:43)
skipteuse hat geschrieben:
Auch ihr schwarzer taillierter Mantel, der schwarze Männerhut auf dem blonden Haar, der ihrem Auftreten eine kecke Note verlieh, und die hohen schwarzen Lederstiefel ...

Das ist mir etwas zu viel "schwarz".

Es war die Luft, die sie umgab. Sie schien zu vibrieren. Trotz der frostigen Temperaturen schien sie eine Hitze auszustrahlen, die die Luft flimmern ließ. Ich sah ihr lange nach. Als meine Hände wieder kalt wurden, folgte ich unauffällig ihren Spuren.

Warum nur die Hände?

Ich atmete einen Augenblick, dann drehte ich mich um.

Eigentlich atmet man immer. :wink:

Sich Injektionen verabreichen lassen, Tabletten holen. Würden sie wohl ambulant mit der Strahlentherapie beginnen? Ich glaube nicht. Und doch: Unter ihrem schwarzen Hut würde der Wegfall des Blondhaares gar nicht auffallen.

Falscher Rückbezug. Die Haare fallen nicht von der Bestrahlung aus, sondern der Chemo.

Am letzten Tag:

Das gefällt mir nicht, kann aber nicht genau sagen, warum das so ist. Vielleicht, weil es das eigentlich offene Ende der Geschichte damit bereits vorzeitig endgültig beendet?

Ich betrat die Praxis. Sie saß hinter dem Empfangstresen und lächelte mir zu.
„Sie wünschen?“

Die wörtliche Rede am Ende finde ich gut, bin allerdings im Zweifel, ob dies die "richtigen" Worte sind. "Kann ich Ihnen helfen?" wäre eine Möglichkeit. Oder ein ganz neutrales: "Haben Sie einen Termin?"
Liebe Grüße
Christel

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (10.01.2010, 16:08)
Danke Christel,

die drei ersten Anmerkungen: Diese Formulierungen/ Wiederholungen hab ich bewusst als Stilmittel eingesetzt. Ob das gelungen ist, bleibt dahingestellt/ muss der Leser für sich entscheiden.

Chemo - hab ich vermerkt ...

Und die Frage nach alternativen Worte am Schluss ist natürlich sehr spannend ...
(Wobei ich die Frage "Haben Sie einen Termin?" nicht so passend fände. Da fänd ich das "Kann ich Ihnen helfen?" noch als vermeintliche Umkehrung der Zustände raffinierter und doppeldeutiger.)

Grübel, grübel ... smart2

hwg
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Re:

von hwg (10.01.2010, 16:37)
Guten Abend Barbara!

Zuallerst - die Idee zum Text ist gut. Und der letzte
Satz gibt der eigentlich traurigen Geschichte eine
positive Wendung. Ich würde den "Termin" belassen.
Passt besser zu einer Arztpraxis.

Nicht zurecht komme ich mit den unterschiedlichen
Zeiten - Mitvergangenheit, Vergangenheit, Gegen-
wart. Diese Mixtur erscheint mir nicht nur unlogisch,
sondern auch grammatikalisch unkorrekt.

Andere Änderungsvorschläge sind ja schon vorhanden und
werden von Dir - so wie ich gelesen habe - bereits
berücksichtigt.

Einfacher wäre es, den Verlauf der Handlung in die
Gegenwart zu verlegen und die Rückblicke in die
Vergangenheit (wie bei uns eher üblich) bzw.
Mitvergangenheit (so wie es die Nord- und Ostdeut-
schen meistens handhaben).

Vielleicht helfen Dir meine Überlegungen bei der
Überarbeitung.

Liebe Grüße!
Hans
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skipteuse
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Re:

von skipteuse (10.01.2010, 17:17)
Danke Hans,

mit den Zeiten habe ich experimentiert, um die geistige Orientierungslosigkeit - auch die Vermischung von Personeneindrücken (fremde Frau und verlorene Mutter), von Wahrnehmungsverzerrungen und atmosphärischer Verdichtung, ja Absurdität darzustellen. Das zumindest war meine Intention ... ;-)
(Da ich damit grammatikalische Grenzen überschreite, und es einige Leser zu stören scheint, muss ich wohl schauen, ob das "künstlerisch" vertretbar ist ...)

Barbara book:

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (10.01.2010, 18:42)
Hi Babs,
es ist ja schon (fast) alles gesagt!
Mein Kommentar:
Plusquamperfekt auf jeden Fall! Ja: es HATTE geschneit.
Die Idee mit dem Krebs gefällt mir - ich halte es für realistischer, dass jemand, der einer ihm unbekannten Person etwas andichtet, eher ein bestimmtes Krankheitsbild fantasiert als ein diffuses.
Der Schluss gefällt mir sehr gut. Weil der Leser dann immer noch nicht sicher weiß, ob die Verfolgte ihre Verfolgerin schon lange bemerkt hat und nun am längeren Hebel sitzt, oder ob diese Arzthelferin immer in dieser Form fragt so fragt. (Schließlich fragt in Berlin die Verkäuferin an der Kästheke nicht "darf es sonst noch etwas sein, gnädige Frau"? sondern sie fragt: "Alles???"
lg
maryanne

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (11.01.2010, 10:54)
Liebe Maryanne,

danke für deinen Kommentar.

Ok, ok - Plusquamperfekt - ich beuge mich ... :-)

Beim Krebs schwanke ich noch.

Schön, dass dir das Ende so gefällt.

Bis später,
die Babs

chnuppesaager

Re: Tauwetter

von chnuppesaager (11.01.2010, 12:23)
Hi, ich bin´s nochmal.

Ich habe an sich nichts gegen das Plusquamperfekt einzuwenden; nur ist es meines Wissens doch so, dass die Anwendung des Plusquamperfekts bedeutet, dass eine Aktion (also der Schneefall) zum Erzählzeitpunkt (hier: Präteritum) bereits abgeschlossen ist. Der Wiederspruch besteht für mich also nur darin, dass es zum Erzählzeitpunkt schneit, obwohl der Schneefall doch durch die Anwendung des PQP als abgeschlossen definiert wurde.

Ok zugegeben, solche Grammatikspitzfindigkeiten sind normalerweise nicht sooo Meins ... cheezygrin



Dann nochmal zum Schlusssatz "Sie wünschen?":

skipteuse hat geschrieben:
Ich betrat die Praxis. Sie saß hinter dem Empfangstresen und lächelte mir zu.


Ich finde, mit diesem vorletzten Satz ist doch die Sache bereits klar ... das ist der Grund, warum ich den Schlusssatz "Sie wünschen?" banal finde, eben weil die Sache schon vorher klar ist. "Sie wünschen?" ist nichts als ein Zusatz, der etwas, was vorher schon klar war, nochmal bestätigt. Ich finde, das nimmt dem Text etwas, es nimmt dem Leser Raum.


Wenn ich die Führerscheinprüfung ablege, und der Fahrprüfer sagt: "Sie haben bestanden!", und er drückt mir darauf en Lappen in die Hand, kann ich mich natürlich schon rückversichern: "Habe ich wirklich, also - ich mein so wirklich wirklich- wirklich bestanden?"

Klar, kann ich. Muss es aber nicht. :P

Na, wie auch immer. Ich würde aber sagen: Ob der letzte Satz da ist oder nicht, PQP oder nicht: der Text ist sowieso klasse.

Grüße.

A.

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (11.01.2010, 15:30)
Ihr seid klasse!

So eine differenzierte Diskussion über den Text habe ich mir gewünscht ... :lol:
Verschiedene nachvollziehbar begründete Einwände: PRO und CONTRA.

:D

Barbara

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