Die Depression und der Fünfte

Präsentiert euren Roman, Thriller, Fantasy-, Science-Fiction-, Romance-Titel oder euer Kinderbuch.


Benutzeravatar
SamanthaCapule
Beiträge: 103
Registriert: 14.09.2009, 14:06

Die Depression und der Fünfte

von SamanthaCapule (27.01.2010, 16:39)
Die Depression und der Fünfte

Sie schlug die Augen auf, schon wieder.
Mühsam setzte sie sich auf, draußen fiel der Regen dicht zu Boden. Der Himmel war grau und leer. Ein Tag wie jeder andere, dachte sie sich, als sie lustlos aufstand. Am liebsten wäre sie liegen geblieben, nicht das sie müde war. Vielmehr war es eine Trägheit die sie überkam und der sie sich gerne hingegeben hätte. Es war lediglich ihr Freund, der schlafend neben ihr lag, der den Ausschlag gab. Sie wollte ihn nicht enttäuschen.
Schnell ging sie ins Bad. 6.30 Uhr, schon wieder zu spät. Der Blick in den Spiegel lohnte nicht, nur schnell etwas übergeworfen und schon ging es los. Draußen war es kalt und nass, sie war sicher dass sie nicht auf Arbeit ankommen würde. Trotzdem stieg sie ins Auto ein, vielleicht würde es ja heute passieren. Sie trat das Gas voll durch und während sie die Straße entlang fuhr malte sie sich in Gedanken aus wie sie einen Unfall hätte. Vor ihrem geistigen Auge konnte sie die Leute trauern sehen, dann verwarf sie den Gedanken wieder. Es würde wohl kaum jemand trauern. Plötzlich erinnerte sie sich an ihren Freund, was wenn ihm etwas geschehen würde?
Sie war sich sicher das sie das nicht überleben würde, sie würde ihm folgen. Während sie noch im Kopf alles haargenau durchging parkte sie ein. Schnell stieg sie aus und ging zu der Schule in der sie ihre Ausbildung machte. Eine halbe Stunde zu früh!
Als es dann endlich losging tuschelten mal wieder alle, als ob sie das nicht mitbekommen würde. Sie versuchte ihre Haare zu richten, in dem Moment lachte jemand aus den hinteren Reihen. Man konnte förmlich ihre Gedanken hören „Wie die Lizz aussieht, wie von der Straße!“. Der einzige Gedanke in ihr blieb die Flucht, der sie den ganzen Tag über quälen sollte. Es war als würde ein kleines Wesen in ihrem Kopf sitzen der ihr immer zuflüsterte „Du bist nicht gut genug!“ oder „ Du bist hässlich.“. Als es endlich zum Schulende abklingelte stürzte sie aus dem Klassenraum. Sie konnte die hämischen Blicke nicht länger ertragen. Während sie nach Hause fuhr drehte sie sich immer wieder um, es schien ihr als würde sie verfolgt werden. Doch sie kam gesund zu Hause an und schnell verkroch sie sich im Bett. Dort blieb sie bis der Hunger sie nach draußen trieb. Im Kühlschrank war längst nichts mehr. Wie willenlos kaufte sie viele verschiedene Sachen, um sie dann in einer wahren Fressorgie in sich hinein zu befördern. Als ihr Freund von der Arbeit nach Hause kam setzte er sich vor den Computer, er hatte zu tun. Wie gern hätte sie ihm erzählt was passiert war, doch niemand schien da zu sein um es zu hören. 20.00 Uhr, sie machte sich auf ins Bett.
Noch beim Umziehen entdeckte sie ein vergrößertes Muttermal, sie hatte Krebs. Da war sie sich sicher. Den ganzen Tag über hatte sie es geahnt, es ging zu ende. Sie legte sich ins Bett und fragte sich stumm warum ausgerechnet sie von Gott dermaßen bestraft wurde. Es war etwas persönliches, da war sie sich sicher. Dann verfiel sie in einen unruhigen Schlaf.

Lizz sollte ihren 20 Geburtstag nicht mehr erleben. Zwei Tage vorher nahm sie sich das Leben. Ihr Freund gab sich an ihrem Tod die Schuld und verfiel selbst in tiefe Depressionen, aus denen er bis zu seinem Ende nicht mehr herausfand.

In Deutschland ist jeder Fünfte schon einmal depressiv gewesen, tendenziell steigend. Das heißt, wenn man die Eltern der Eltern einrechnet, erkrankt Minimum ein Familienmitglied an Depressionen. Das reicht von einer kleinen Kurzdepression bis hin zu schweren, chronisch verlaufenden Depressionen. Jeder Fünfte, das könnte ich sein oder der Mann/ die Frau im Bus neben mir.
Wie Lizz kämpfen die Betroffenen hilflos gegen diese Erkrankung an, die unter Experten bereits Volkskrankheit genannt wird. Ebenfalls wie für Lizz wird es für die Betroffenen jeden Tag regnen, obwohl in Wirklichkeit die Sonne scheint. Was für andere alltäglich ist wird für Depressive zu einer täglichen Belastungs- und Zerreißprobe. Nicht selten erkennen die Angehörigen und die Freunde die Symptome nicht und neigen zu einer schnellen Kategorisierung des Betroffenen, Schubladendenken. Automatisch wird der Erkrankte damit aus der Gesellschaft ausgeschlossen und immer weiter in die Depression gedrängt. Sie können sich niemanden anvertrauen, weil das was passiert für sie so real erscheint das sie es als ihre Realität anerkennen. Sie erleben ihre Depression jeden Tag, immer und immer wieder. So kann ein freundliches Lächeln zu einer hämischen Grimasse werden, eine helfende Geste zu einem persönlichen Angriff.
Selbstfürsorge scheint immer weniger wichtig zu sein, bis es letztendlich ganz aus dem Blickfeld der Betroffenen verschwindet. Das kann bis zur extensiellen Gefährdung der Person gesteigert werden. So verstrickt der Kranke sich immer weiter in ein Netz aus gesellschaftlichen Zwängen und wahnhaften Gedanken.
Erkennen Angehörige und Freunde die Problematik, wird der Betroffene entweder verurteilt oder übersorgt. Das Thema Depression wird in unserer Gesellschaft schon längst als psychischer Knacks verlacht. Ein Tabuthema, wo es keine Grenzen geben sollte. Unwissenheit und Intoleranz bringen immer mehr Menschen an den Rand der Verzweiflung und zwingen sie zu Ausnahmetaten. Die andere Seite, die Überversorgung der Kranken, führt zu einer fortlaufenden Förderung des Krankheitsbildes. Es ist wie mit einem Beinbruch. Wenn man die Betroffenen nicht irgendwann wieder im Laufen motiviert, können sie irreparable Schäden erleiden.
Was bleibt also zu tun?
Hier scheiden sich die Geister. Es gibt keine Patentlösung die uns zeigt wie wir mit diesem Massenphänomän umgehen können. Denn es ist eine individuelle Krankheit, so einzigartig wie der Mensch den es befällt. Einige werden zu Antidepressiva raten, zu einer starken Behandlungform.
Andere wiederum nur zu einer Theraphie. Doch selten wird Depression als das gesehen was es wirklich ist, als eine Krankheit mit einer relativ hohen Sterblichkeitsrate.
Jeder fünfte, das könnten wir sein.
Manchmal reicht es Mitgefühl zu zeigen, fünf Minuten zu opfern in denen man zuhört, um zu entdecken was nicht immer offensichtlich ist. Den, auch wenn nicht alle Fälle tödlich enden müssen, Leben die Betroffenen in einer andauernden Hilflosigkeit, Verzweiflung und Angst. In unserer Verantwortung liegt es zu helfen, im Rahmen unserer Möglichkeit ohne den Erkrankten dabei zu entmündigen.
Manchmal würde es schon reichen wenn wir einfach Mensch wären.
Selbst in der tiefsten Dunkelheit gibt es irgendwo ein funken Licht, die Kunst ist genau hinzusehen wenn er aufleuchtet.

Titus

Re:

von Titus (01.02.2010, 02:41)
Hallöle Sam,

jetzt habe ich endlich mal eine Kurzgeschichte von dir vorliegen und werde erstmal was zur Form sagen.
In der Mitte des Textes ist es sehr gängig geschrieben und auch schön zu lesen. Den Anfang dagegen finde ich ein bisschen zu Emotionsgeladen an dieser Stelle. Das zieht die Einleitung so lang. Grau und leer? Finde ich persönlich als Widerspruch. Bewölkt ist nicht gleich leer, aber das kann man natürlich auch als Stilmittel einsetzen. Grau, das Leben, die Welt ist nicht schwarz, die Welt ist nicht weiß, sie ist grau. Und mit Leere ist das Leben gemeint. Ich denke trotzdem, dass du am Anfang etwas kürzen solltest.

Deine Kurzgeschichte verbindet viele Themen miteinander und eine Message: Sich menschlich zu verhalten.
Neben Depressionen im Einklang mit der Partnerschaft des freundes, dort wo eigentlich Liebe sein sollte, ist kein Herz zu sehen. Dieser Beziehungsbund der trotzdem herrscht. Wenn ich mich umbringe gehts dir schlecht, dieses Bewusstsein, was wie eine Voraussicht scheint.
Mobbing in der Klasse (ich als Schüler bin selber davon betroffen) glaubt man als Außenstehender gar nciht, dass mit 19 Jahren es sowas immer noch gibt. Okay, ich habe meine doofen Sprüche zur Abwehr.

Walters Serner, Manifest dar dar, E 25, erotik, sexualersatz, der instinkt ist heiß, das knie bleibt kalt...

okay, in derrichtigen Situation gegen einige Mädchen hat es gewirkt!

Und nciht zu vergessen der Suizid, womit niemand gerechnet hat. Nur der Leser und er könnte den Freund verdreschen.
Wie du selbst in deinem Nachwort schreibst, gibt es viele Depressive, die einfach in die Ecke gestellt werden.
Ich schreibe selber gern über Suizid. "Jährlich sterben ijn Deutschland zwischen 11.000 bis 12.000 Menschen durch Suizid. Jede 4 Minuten wird ein Suizidversuch gemacht, jede 47. geht einer tödlich aus..."
daher ist dein Thema für mich inhlatlich total ansprechend, sodass ich auch längere Texte von dir gerne lese.
Das Problem hier: Viele Lesen es einfach nciht, weil es eine riesige Masse Text ist (hier auch noch mit Nachwort scheint er noch größer).
Ein guter Rat: Versuche zu kürzen, wo es geht.
Der Leser sollte selbst dazu animiert werden zu interpretieren. Hier schreibst du etwas und klärtst den Leser auf. Dein Nachwort hätte dies ganz automatisch schon getan. Der Tod des Mädchens kam nicht überraschend, sollte vielleicht auch so sein, okay.

Ich finde schön was du schreibst weiter so. Aber probiere mal wirklich KURZ-Prosa zu schreiben, ich dachte so an ein drittel von dem jetzigen Text.

PS. Ich schaue hin und wieder mal in youtube rein, wenn ich gefühlsmäßig mich besser fühlen möchte. Schaue mir Suizidvideos an, die andere depressiv machen.
Was für andere krass klingt, entdecke ich immer für mich meine eigene Welt zur Beruhigung.
http://www.youtube.com/watch?v=BNzCXuVn2A8


Nur mit Anmeldung
http://www.youtube.com/watch?v=G5eKJ1g5zqw

Mit lieben Grüßen ,-)

Titus

...oh meinem Smilie fehlt ein Auge! ;-) So ist es besser!!!!

Titus

Re:

von Titus (01.02.2010, 02:47)
Ach ja, und die Überschrift: der Fünfte habe ich nicht verstanden. Wahrscheinlich ein Insider.

LG Titus

Zurück zu „Buchvorstellung: Belletristik“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.