Denksätze und wörtliche Rede

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laruna
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Denksätze und wörtliche Rede

von laruna (28.03.2010, 13:08)
HAllo ihr,
also: Wörtliche Rede schreibt man ja so: "Hallo Mr. Bauer", rief er.
Und Denksätze wie: Was für ein schöner Tag heute, dachte er.
Hab aber schon folgende Varianten gelesen:
1. >Was für ein schöner Tag<, dachte er
2. ,Was für ein schöner Tag´, dacht er.
3. )Was für ein schöner TAg(, dachte er.
4. -Was für eon schöner Tag-, dachte er
oder, so wie ich es gerne mache, ohne jedes Zeichen:
5. Was für ein schöner Tag, dachte er.

Manche schreiben Gedachtes auch kursiv.
Scheinbar kann man das so machen wie man will. Zählt wohl unter künstlerische Freiheit.
Was meint ihr und wie macht ihr das?
Gruß, Tobi

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Nicolas Fayé
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Re: Denksätze und wörtliche Rede

von Nicolas Fayé (28.03.2010, 14:04)
laruna hat geschrieben:
HAllo ihr,
also: Wörtliche Rede schreibt man ja so: "Hallo Mr. Bauer", rief er.


Sorry, aber wenn Anführungszeichen, dann: „Hallo Mr. Bauer.“ 8)

Für Gedachtes tendiere ich persönlich zu Variante 2 (aber nicht mit Komma und '). Wenn man Guillemets wie in Variante 1 verwendet, muß man diese auch in der kompletten wörtlichen Rede anwenden.
Viele Grüße von Nicolas

Geduld ist eine Tugend
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Beckinsale
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Re:

von Beckinsale (28.03.2010, 18:46)
» « für die wörtliche Rede.
› ‹ für Gedanken, für Zitate und die Wiedergabe anderer wörtlicher Rede innerhalb wörtlicher Rede.
Kursivschrift für Eigennamen (auf keinen Fall Versaliengebrüll!).

My.,
der die deutschen Anführungen nicht mag -

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laruna
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Re:

von laruna (28.03.2010, 18:56)
Ok. Super soweit. Aber woran liegts, daß in vielen Büchern das gemacht wird wie man gerade lustig ist und somit kein Schema erkennbar ist???
Gruß, Tobi

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (28.03.2010, 19:11)
laruna hat geschrieben:
Ok. Super soweit. Aber woran liegts, daß in vielen Büchern das gemacht wird wie man gerade lustig ist und somit kein Schema erkennbar ist???
Gruß, Tobi


Nenn mal ein paar Beispiele ...

Grüße
Siegfried

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Abeille
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Re:

von Abeille (28.03.2010, 19:16)
Hallo,

also die Varianten 1, 3 und 4 habe ich noch nie gesehen.
Vielleicht lese ich das Falsche?

Variante 2 habe ich selber in meinem Buch verwendet, dann aber wieder verworfen und Nr. 5 den Vorrang gegeben, weil mich am Ende der Zeichenwirrwarr gestört hat.

Ansonsten bin ich ein Kursivmissbraucher, aber nur, weil in meinem Buch gedankliche Gespräche stattfinden, die ich von der ausgesprochenen Rede abgrenzen und nicht immer "forderte ich ihn in Gedanken auf" schreiben wollte.

LG
Gesine

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laruna
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Re:

von laruna (28.03.2010, 19:52)
Siegfried hat geschrieben:
laruna hat geschrieben:
Ok. Super soweit. Aber woran liegts, daß in vielen Büchern das gemacht wird wie man gerade lustig ist und somit kein Schema erkennbar ist???
Gruß, Tobi


Nenn mal ein paar Beispiele ...

Grüße
Siegfried


Na ja:
Ohne jegliche Zeichen: Isaac Asimov: Wenn der Wind sich dreht - 2004: Er dachte: Gleich muß ein Engel kommen und mich abholen

Auch ohne Zeichen: Dan Milman: Der Pfad des friedvollen Kriegers- 2004:O Socrates, dachte ich, welch billiger Trick!

Wieder ohne Zeichen: Pirsig: Zen und die kunst ein Motorrad zu warten-1999: Auch gut, dachte ich.

Mit Zeichen der wörtlichen Rede: Anthologie Novum VErlag Der Teddybär von Isabell Switill-2008Als es endlich so weit war dachte sich der kleine Teddybär: "Es ist schön hier, hier will ich bleiben!"

Und viele mehr.

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hawepe
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Re: Denksätze und wörtliche Rede

von hawepe (29.03.2010, 07:45)
Hallo Tobi,

laruna hat geschrieben:
also: Wörtliche Rede schreibt man ja so: "Hallo Mr. Bauer", rief er.


Also mal unterstellt, dass du typographische Anführungszeichen meinst und nicht Zollzeichen, ist das eine Möglichkeit, die vor allem in Fachbüchern, aber seltener in der Belletristik verwendet wird. In der Belletristik überwiegen inzwischen doch die Guillemets.

Und Denksätze wie: Was für ein schöner Tag heute, dachte er.


Eine Variante, die vom Autor sehr sorgfältiges Arbeiten erfordert, damit wirklich immer zu erkennen ist, dass gedacht wird, auch wenn die Floskel "er/sie dachte" fehlt.

1. >Was für ein schöner Tag<, dachte er


Wenn Guillemets verwendet werden, ist das eine Möglichkeit. Allerdings sollten dann Verschachtelungen von Zitatebenen unterbleiben.

2. ,Was für ein schöner Tag´, dacht er.


Wenn typographische Anführungszeichen verwendet, ist das okay. Auch hier gilt natürlich, dass verschachtelte Zitatebenen zu vermeiden sind.

3. )Was für ein schöner TAg(, dachte er.


Habe ich noch nie gesehen. Klammern haben aber eine andere Funktion. Aber vielleicht möchte man ja die Leser vom Lesen des Buches abhalten cheezygrin

4. -Was für eon schöner Tag-, dachte er


Habe ich ebenfalls noch nicht gesehen. Ist genauso irritierend wie die Klammern.

oder, so wie ich es gerne mache, ohne jedes Zeichen:
5. Was für ein schöner Tag, dachte er.


Halte ich insgesamt für die beste Lösung.

Manche schreiben Gedachtes auch kursiv.


Eigentlich widersinnig, denn Kursive sollen etwas hervorheben. Aber warum Gedachtes hervorheben? Weil es wichtiger als Gesagtes oder Erzähltes ist? Zudem liest sich kursiver Text schwerer. Bei einzelnen Worten oder kurzen Sätzen stört das nicht, aber längere Passagen in kuris vsollten vermieden werden.

Scheinbar kann man das so machen wie man will. Zählt wohl unter künstlerische Freiheit.


Typographie soll das Erfassen von Text erleichtern. Von daher darf man natürlich auch zu ungewohnten Lösungen greifen, wenn der Zweck die Mittel heiligt. Bloß sollte man dabei nicht vergessen, dass es kulturelle Traditionen gibt. Von daher muss man eben immer abwägen.

Beste Grüße,

Heinz.

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hawepe
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Re:

von hawepe (29.03.2010, 07:49)
Hallo,

Beckinsale hat geschrieben:
Kursivschrift für Eigennamen (auf keinen Fall Versaliengebrüll!).


In der Belletristik? Eher unüblich.

In Fachbüchern? Völlig unüblich, weil die Kursive praktisch immer für andere Auszeichnungszwecke gebraucht wird. Namen werden deshalb häufig in Kapitälchen gesetzt.

Beste Grüße,

Heinz.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (29.03.2010, 11:41)
hawepe hat geschrieben:
Hallo,

Beckinsale hat geschrieben:
Kursivschrift für Eigennamen (auf keinen Fall Versaliengebrüll!).


In der Belletristik? Eher unüblich.



Ich tu es ungern, aber ich muss dir hier widersprechen. angle:

In der Belletristik ist es durchaus üblich, Eigennamen kursiv zu setzen - allerdings handelt es sich dabei um Eigennamen von Gegenständen, wie etwa Schiffsnamen.

Das Buch "Jagd auf Roter Oktober" von Tom Clancy ist ein Beispiel dafür. Sobald der Name des U-Bootes "Roter Oktober" auftaucht, wird er in kursiv gesetzt; das gleiche gilt für das amerikanische Jagd-U-Boot "Dallas", für das Passagierschiff "Queen Elizabeth", für die Bezeichnungen diverser U-Boot-Klassen ("Golf-Klasse") oder für andere in dem Buch auftretende Schiffsnamen.

Ein Beispiel aus dem Taschenbuch (Goldmann, Ausgabe 9/88, Seite 73):

Ryan studierte die Vergrößerungen. «Donnerwetter! Kirow, Moskwa, Kiew, drei Karas, fünf Krestas, vier Kriwaks, acht Udalojs und fünf Sowremennijs


Was die Versalien angeht, da tobt sich Clancy bei den NATO-Strukturen aus. Alles, was eine Kommandostruktur der NATO bzw. des amerikanischen Militärs darstellt, wird in dem Buch in Versalien dargestellt.

Grüße
Siegfried

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hawepe
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Re:

von hawepe (29.03.2010, 11:57)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Ich tu es ungern, aber ich muss dir hier widersprechen. angle:


Endlich mal. Wird ja sonst langweilig cheezygrin

In der Belletristik ist es durchaus üblich, Eigennamen kursiv zu setzen - allerdings handelt es sich dabei um Eigennamen von Gegenständen, wie etwa Schiffsnamen.


Stimmt. Ich klebte so an den Beispielen, dass ich gar nicht daran gedacht habe, dass Eigennamen ja nicht unbedingt Personennamen sein müssen.

Auf Versalien sollte man allerdings immer verzichtet. Kapitälchen stellen doch eine sehr viel bessere Alternative dar.

Beste Grüße,

Heinz.

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Beckinsale
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Re:

von Beckinsale (29.03.2010, 12:35)
@ Hawepe: Siehe Siegfried. Das meinte ich mit Eigennamen. Natürlich nicht die der Protagonisten o.ä., sondern durchaus solche: Schiffsnamen, Organisationen, Parteien usw. usf.

@ Iaruna:

Ich denke, einerseits liegt evtl. Inkonsequenz in dem Bereich an inkonsequentem Handeln im Satz. Ich gehe mal davon aus, daß ein großer Verlag bzw. ein großer mit Satz betrauter Dienstleister eine Policy hat; oder eher noch der Verlag eine Policy hat, die er an den Setzer weitergibt. Ich vermute, hier kommt es am ehesten zu Schwächen, weil das Ganze vielleicht nicht ernst genug genommen wird.

Ansonsten ist es durchaus auch möglich, ohne diese "Anführungen" zu arbeiten. Im Falle von "Gedanken" ist das okay, wenn es sich aus dem Textzusammenhang ergibt. Es wird dann schwierig, wenn häufig innerhalb gesprochener Worte, ergo wörtlicher Rede wörtliche Rede Dritter zitiert wird, denn da ergäbe sich dann unter Umständen eine optisch erkennbare Diskrepanz. (So empfände ich es jedenfalls.)
Die Extremform ist das, was ich Ende der 80er erstmals bei Marianne Gruber in ihren SF-Werken vorfand und als "indirekte wörtliche Rede" bezeichnete, der völlige Verzicht nicht nur auf Anführungszeichen jeglicher Art, sondern auch auf Satzzeichen aller Art, außer dem Punkt, dem Komma und dem Semikolon (also vor allem Verzicht auf ? und !). Ihre damalige Argumentation - die ich auch heute noch nicht nur nachvollziehen kann, sondern selbst gern umsetze - war, daß sich der Charakter einer Frage aus der Formulierung ergibt.
Aber diese "indirekte wörtliche Rede" ist m.E. ein Stilmittel, während der grundsätzliche und dann konsequente Einsatz von Satzzeichen vor allem eine Freundlichkeit gegenüber dem Leser ist :)

My.

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (31.03.2010, 14:16)
Bei meinem Verlag gibt es hierfür eine Hausregel - Gedachtes wird kursiv gesetzt. Ich gehe mal davon aus, dass jeder Verlag seine eigene Hausregel definiert.

Lennet

Re:

von Lennet (31.03.2010, 14:23)
Ich glaube bei Stephen King Gedachtes immer kursiv gelesen zu haben. So mache ich das auch in meinen Geschichten. Das erspart ein sich ständig wiederholendes "dachte er".

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