Verlagsgründung

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Siegfried
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Re: Ein paar Rückfragen...

von Siegfried (27.05.2010, 12:05)
Poet78 hat geschrieben:
1. Derzeit betreibe ich eine kleine private Homepage, die sich jedoch etabliert und einige regelmäßige Leser hat. Ließe sich jene auch für einen Verlag nutzen, oder könnte der Web-Anbieter (in diesem Falle Strato) etwas dagegen haben? Ändert sich da etwas, wenn ich plötzlich "Geschäftsmann" bin?


Ja.
Strato unterscheidet zwischen "Privatkunde" und "Geschäftskunde" (kann man bereits auf der Homepage von Strato nachlesen).
Mit etwas Glück fällt man bei Strato nicht als "Geschäftskunde" auf (wenn Firmenkennzeichen wie "GmbH" oder "oHG" fehlen) und man kann die Tarife des "Privatkunden" weiter nutzen. Allerdings gibt es dann bei Strato Obergrenzen bzgl. der Datentransfermengen ("traffic") und des zur Verfügung stehenden Datenspeichers.
Genaues kannst du nur von Strato erfahren

Poet78 hat geschrieben:
2. Die Krankenkasse. Als Selbstständiger würde sich ja auch in diesem Bereich etwas ändern. Hat da jemand Daten, wie hoch die Beiträge bei einem Kleinstverlag sind, der ja sicherlich in den ersten Jahren kaum Gewinn machen wird?


Als Selbstständiger zahlst du den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil in die Krankenversicherung (gleiches auch für die Pflegeversicherung). Die genaue Höhe musst du bei deiner Krankenkasse erfragen. Meines Wissens liegt der Mindestbeitrag für die KV bei 281 Euro monatlich. Alternativ kannst du als Selbstständiger in die Private Krankenkasse wechseln, wo du individuell alle Leistungen auf ein Minimum herunterfahren kannst, dann aber Selbstbeteiligungen im Krankheitsfall zahlen musst.

Was nicht erwähnt wurde:

Freiwillige Beiträge zur Arbeitslosenversicherung (geht auch bei Selbstständigen), wenn die ganze Aktion scheitern sollte und man sich wieder bei der AA melden muss

Freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung, damit Unternehmer beim Übergang in den Ruhestand nicht ohne Altersbezüge dastehen. Die Deutsche Rentenversicherung Berlin empfiehlt einen Mindestbeitrag von monatlich 250 Euro.

Poet78 hat geschrieben:
3. Im Beitrag vor mir wurden "Gründungsausgaben" genannt. Lassen sich diese Ausgaben nicht zeitlich "aufsplitten"? Die Gebühren beim Gewerbeamt müssen ja als erstes geleistet werden, damit man mit dem Verlagsnamen auftreten und Autoren gewinnen kann. Wenn man einige interessante Werke aufgetrieben hat (was ja durchaus lange dauern kann), muss man die ISBN-Nummern kaufen. Der Eintrag ins VLB jedoch muss m.E. aber ja erst beantragt und bezahlt werden, wenn die Werke erschienen sind und man Kunden finden möchte. Sehe ich das richtig? Somit wären die 550 Euro, die genannt wurden, ja eventuell auf etwa 1 Jahr verteilt - und dann schon keine so große Summe mehr.


Gründungskosten sind in deinem Fall vermutlich recht gering. Du brauchst einen Gewerbeschein (kostet im Normalfall so um die 30 Euro) und - falls gewünscht - einen Eintrag in Handelsregister (Notar- und Gerichtskosten etwa um die 100 Euro - variiert von Stadt zu Stadt). Wenn du das Handelsregister wählst, bist du automatisch auch Mitglied der IHK (weitere 140 Euro p.a.)

Was du auch brauchst, ist eine vernünftige Buchführung. Entweder machst du das selbst (kostet aber viel Zeit) oder du legst dir einen guten Steuerberater zu (da musst du mit mehreren Hundert Euro im Jahr rechnen).

Poet78 hat geschrieben:
4. Wie günstig sind diese bekannten Onlinedruckfirmen für Visitenkarten und Flyer? Man bekommt ja ständig Werbung mit so Gratisaktionen (meistens Visitenkarten). Lohnt es sich, dort auch Flyer oder sonstiges Werbematerial herstellen zu lassen oder sind herkömmliche Druckereien vor Ort i.d.R. sinnvoller?


Visitenkarten und Flyer kriegst du heute fast geschenkt. Visitenkarten sind ein Muss - Flyer grenzwertig, weil die Rücklaufquote bei Flyern ausgesprochen gering ist. Ansonsten gilt hier: Die Anbieter bei Preis und Leistung miteinander vergleichen.

Poet78 hat geschrieben:
5. Sind die im vorigen Beitrag genannten 60 Euro nicht statt einer ISBN-Gebühr vielmehr die VLB-Gebühr?


Keine Ahnung, was da diskutiert wurde.
Die ISBN gibt es zentral bei einer Vergabeagentur (je mehr ISBN geordert werden, desto günstiger die einzelne). Für die Meldung ans VLB zeichnet m. W. BoD verantwortlich. Müsstest du aber mal in den Bedingungen von BoD bei den Dienstleistungen für Verlage nachlesen.

Poet78 hat geschrieben:
6. Steigern sich nicht die Gründungsausgaben noch deutlich durch die Pflichtexemplare? Sobald ich ein nennenswertes Verlagsprogramm von sagen wir mal 20 Bücher (dann hätte man die 60 Euro VLB ausgeschöpft) erreicht hat, müsste man 60 Belegexemplare versenden - das ergibt bestimmt 1000 Euro Kosten!


Das hat einerseits nichts mit Gründungskosten zu tun, das sind laufende Kosten. Du musst von jedem Buch drei Exemplare als Beleg abliefern: Eines an deine Landesbibliothek, zwei an die Deutsche Nationalbibliothek. Bei den genannten 20 Titeln müsstest du von jedem Titel also drei Exemplare verschicken. Macht 60 Bücher. Die kannst du einzeln verschicken, oder im Paket. Protomäßig kommst du da auf weniger als 100 Euro. Dazu kommen die Herstellungskosten für die 60 Bücher.

Wenn du laufende Kosten für einen Gewerbebetrieb scheust, solltest du die Finger von der Selbsständigkeit lassen. cheezygrin

Poet78 hat geschrieben:
7. Habe ich noch finanzielle Aspekte vergessen?


Klar. Die entscheidenden Kosten! cheezygrin

Wenn du Verleger spielen willst, musst du in Vorlage treten - genau das ist der inhaltlich Begriff von "Verleger". Im Klartext: Du musst Bücher vorfinanzieren - wenn du nicht zum Druckkostenzuschussverlag mutieren willst.

Geh also davon aus, dass du für jeden Titel in finanzielle Vorlage treten musst. Das ist das unternehmerische Risiko, was du eingehst.

Davon abgesehen: Wenn du Einzelunternehmer bist, stehst du mit deinem gesamten Privatvermögen haftend hinter dem Unternehmen. Das sollte man nicht vergessen.

Grüße
Siegfried

malschaun
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Re: Ein paar Rückfragen...

von malschaun (27.05.2010, 12:56)
Siegfried hat geschrieben:
Poet78 hat geschrieben:
1. Derzeit betreibe ich eine kleine private Homepage, die sich jedoch etabliert und einige regelmäßige Leser hat. Ließe sich jene auch für einen Verlag nutzen, oder könnte der Web-Anbieter (in diesem Falle Strato) etwas dagegen haben? Ändert sich da etwas, wenn ich plötzlich "Geschäftsmann" bin?


Ja.
Strato unterscheidet zwischen "Privatkunde" und "Geschäftskunde" (kann man bereits auf der Homepage von Strato nachlesen).
Mit etwas Glück fällt man bei Strato nicht als "Geschäftskunde" auf (wenn Firmenkennzeichen wie "GmbH" oder "oHG" fehlen) und man kann die Tarife des "Privatkunden" weiter nutzen. Allerdings gibt es dann bei Strato Obergrenzen bzgl. der Datentransfermengen ("traffic") und des zur Verfügung stehenden Datenspeichers.
Genaues kannst du nur von Strato erfahren



Nein, das spielt keine Rolle. Strato interessiert das nicht!
Es kommt nur auf den Traffic an; falls der zu groß wird – was ich nicht glaube, da der freie Traffic selbst bei kleinsten Paketen hoch angesetzt ist – kannst Du ja immer noch in ein höheres Paket wechseln.
Als Geschäftskunde würdest Du eher weniger bezahlen müssen; also ist das Strato eher egal :wink:

Grüße

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Re: Ein paar Rückfragen...

von Poet78 (27.05.2010, 16:40)
Lieber Siegfried,
zunächst einmal danke ich Dir für Deine sachlichen und ausführlichen Antworten, die für mich sehr hilfreich waren.
Ein paar Gedanken zu Deinen Zeilen:

Siegfried hat geschrieben:
Strato unterscheidet zwischen "Privatkunde" und "Geschäftskunde" (kann man bereits auf der Homepage von Strato nachlesen).
Mit etwas Glück fällt man bei Strato nicht als "Geschäftskunde" auf (wenn Firmenkennzeichen wie "GmbH" oder "oHG" fehlen) und man kann die Tarife des "Privatkunden" weiter nutzen. Allerdings gibt es dann bei Strato Obergrenzen bzgl. der Datentransfermengen ("traffic") und des zur Verfügung stehenden Datenspeichers.
Genaues kannst du nur von Strato erfahren

Diese Unterscheidung, die man auf der Strato-Homepage findet, bezieht sich glaube ich eher auf die Art der Angebote, nicht so sehr darauf, ob man eine Web-Visitenkarte, die man als Privatmann angelegt, auch geschäftlich nutzen kann. Ich bin aber auch erst auf diese Unterscheidung reingefallen. Wie mein Vorredner denke auch ich inzwischen, dass es Strato egal ist. In der Strato-FAQ gibt es einen Passus, der derartig klingt.

Siegfried hat geschrieben:
Meines Wissens liegt der Mindestbeitrag für die KV bei 281 Euro monatlich.

Das ist der bisher stichhaltigste Grund GEGEN eine Verlagsgründung, der hier genannt wurde. Interessant, dass er so selten genannt wird.

Siegfried hat geschrieben:
Wenn du Verleger spielen willst, musst du in Vorlage treten - genau das ist der inhaltlich Begriff von "Verleger". Im Klartext: Du musst Bücher vorfinanzieren - wenn du nicht zum Druckkostenzuschussverlag mutieren willst.
Geh also davon aus, dass du für jeden Titel in finanzielle Vorlage treten musst. Das ist das unternehmerische Risiko, was du eingehst.

Was genau bedeutet denn bei Print-on-Demand "vorfinanzieren"? Ich würde ja keine Auflage drucken lassen. Also können nur Werbungskosten gemeint sein - wobei man da sicherlich nicht von einem "nur" sprechen sollte...

Nochmals danke für die guten Antworten!

Poet78
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Re:

von Poet78 (27.05.2010, 16:44)
SandraR hat geschrieben:
Ich bin eine Buchreihe

:lol:
SandraR hat geschrieben:
Willkommen im 21 Jahrhundert! Wenn Du nicht weißt wie Du gefunden wirst als Verlag, lass die Finger davon! Und mich findet man, wenn man entsprechend sucht, mach dir nicht um uns sorgen!

Du hast meine Frage nicht richtig verstanden. Sie lautete nicht: "Wie schafft man es als Verlag, dass man gefunden wird?", sondern: "Wie finden Dich die ganzen Leuten mit ihren schlechten Manuskripten?". Das ist ein gravierender Unterschied. Natürlich weiß ich, welche Schritte ich unternehmen würde, um bei den Menschen, die als Autoren für meinen Verlag infrage kommen, bekannt zu werden. Aber das wären alles Personen, von denen keine schlechten Texte zu erwarten sind. Von daher bleibt meine Frage bestehen, wie es sein kann, dass auch Verfasser schlechter Texte auf einen aufmerksam werden.

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Re: Ein paar Rückfragen...

von Poet78 (27.05.2010, 16:46)
julia07 hat geschrieben:
Poet78 hat geschrieben:
1. Derzeit betreibe ich eine kleine private Homepage, die sich jedoch etabliert und einige regelmäßige Leser hat. Ließe sich jene auch für einen Verlag nutzen, oder könnte der Web-Anbieter (in diesem Falle Strato) etwas dagegen haben? Ändert sich da etwas, wenn ich plötzlich "Geschäftsmann" bin?

und dann:
Poet78 hat geschrieben:
Ich möchte gar keinen "Erfolg" haben. Ich bin kein Kapitalist, ich habe lediglich ein paar simple Fragen gestellt...

Aha - interessanter Gedankengang :shock::

Man kann einen Verlag auch aus anderen Gründen in die Welt setzen, als ausgerechnet aus dem, damit Geld zu verdienen. In bestimmten Wissenschaftlerkreisen z.B. ist eine Verlagsstruktur durchaus hilfreich, um schneller und einfacher Output zu produzieren. Da es sich dabei um sehr spezielle Themen handelt, ist dabei eh kein Gewinn zu erwarten. Deshalb stand der "Geschäftsmann" auch in Anführungsstrichen...

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SandraR
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Re:

von SandraR (27.05.2010, 17:10)
Sorry, aber alle Leute die ich zB. bei Cern kenne sind des googelns fähig und würden sich leicht selber ein Bild über Preise von Onlinedruckshops für Visitenkarten machen können!
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

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SandraR
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Re:

von SandraR (27.05.2010, 17:24)
Poet78 hat geschrieben:
Von daher bleibt meine Frage bestehen, wie es sein kann, dass auch Verfasser schlechter Texte auf einen aufmerksam werden.
Auch Verfasser schlechter Texte googeln oder sind in Sozialen Netzwerken unterwegs:) schlecht schreiben heißt nicht, nicht lesen können cheezygrin
http://russland-buecher.ru und http://twitter.com/russlandbuecher und bei Facebook, XING und Brainguide Sandra Ravioli

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Re:

von Poet78 (27.05.2010, 17:44)
SandraR hat geschrieben:
Sorry, aber alle Leute die ich zB. bei Cern kenne sind des googelns fähig und würden sich leicht selber ein Bild über Preise von Onlinedruckshops für Visitenkarten machen können!

Aber nicht über die Qualität. "Günstig" beinhaltet ja nicht nur den reinen Kaufpreis. Vielleicht nutzen viele Onlinevertreiber minderwertiges Papier oder eine schlechte Beschichtung im Vergleich zu einer Druckerei vor Ort. Dann wäre jene nämlich der sinnvollere Weg, auch, wenn sie vielleicht ein paar Cent teurer ist.
Mir ging es nur darum, Erfahrungsberichte zu bekommen von Menschen, die derartige Dinge bereits getan haben.

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Re:

von Poet78 (27.05.2010, 17:45)
SandraR hat geschrieben:
Poet78 hat geschrieben:
Von daher bleibt meine Frage bestehen, wie es sein kann, dass auch Verfasser schlechter Texte auf einen aufmerksam werden.
Auch Verfasser schlechter Texte googeln oder sind in Sozialen Netzwerken unterwegs:) schlecht schreiben heißt nicht, nicht lesen können cheezygrin

Gut, wenn Du angeblich also lesen kannst, dann beantworte mir doch einfach mal meine Frage. Davor drückst Du Dich ja nun schon einige Beiträge lang. Oder weißt Du die Antwort selbst nicht?

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mtg
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Re:

von mtg (27.05.2010, 18:19)
Lieber poet78,

irgendwie schließen sich ja Dein Nick und der Hinweis auf den wissenschaftlichen Verlag geradezu klassischerweise aus. Aber trotzdem:

Schlechte Manuskripte finden ihren Weg überall hin. Selbst ich – als Nebenbei-Autor – habe schon Anfragen dazu bekommen. Also komm mal wieder ein bisschen runter ...

Auch wenn Du Deine Idee aus anderen Gründen als andere Menschen umsetzen möchtest (nein, um Himmelswillen kein Geld verdienen), darfst Du Dich nicht wundern, wenn Du mit den »üblichen« Maßstäben gemessen wirst. Schließlich hast Du ja in Deinem Eingangsposting nichts über die Hintergründe geschrieben ... und bekanntermaßen kann nur das beantwortet werden, was sich aus der Frage ergibt. Und manche Antworten sind ohne Hintergrundwissen schlechterdings unmöglich.

Übrigens ist es schlechter Stil, sich über etwas zu mokieren, das man selber anwendet. Aber das nur nebenbei ...

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Siegfried
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Re: Ein paar Rückfragen...

von Siegfried (27.05.2010, 18:28)
Poet78 hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
Meines Wissens liegt der Mindestbeitrag für die KV bei 281 Euro monatlich.

Das ist der bisher stichhaltigste Grund GEGEN eine Verlagsgründung, der hier genannt wurde. Interessant, dass er so selten genannt wird.


Was spricht gegen eine Verlagsgründung mit nebenberuflichem Hntergrund?

Wenn du einen ganz normalen sozialversicherungspflichtigen Job hast, dann hat sich die Sache mit den Mindestbeiträgen zur Sozialversicherung von ganz allein erledigt.

In einer Machbarkeits-Analyse müsstest du ermitteln, wie hoch dein Zeitaufwand für den Verlag ist. Das hängt davon ab, welche Aufgaben du als Verlagsleiter übernimmst. Geht es dir um Qualität, musst du jedes Manuskript lesen, bewerten und mit dem Autor besprechen. Geht es nur um Auflagenschinderei, veröffentlichst du alles, was in deinem Briefkasten landet - und zwar so, wie es in deinem Briefkasten landet!

Wer macht bei dir das Buchblock-Layout und die Umschlaggestaltung? Das kann (!) pro Buch mehrere Wochen dauern, aber auch innerhalb weniger Tage erledigt sein. Dann kommt das ganze Thema Werbung und Öffentlichkeitsarbeit - denn ohne Rauchzeichen Richtung Öffentlichkeit kauft kein Mensch das Buch, und erst dann rollt der Rubel. Wer macht das, welcher Zeit- und Geldaufwand steht dahinter?

Wenn du Verleger als Voll-Job betreiben willst, solltest du eine genaue Aufstellung deiner Kosten haben, und dazu gehören auch deine privaten Lebenshaltungskosten (Essen, Trinken, Kleidung, Miete, Auto, Strom, Wasser, Heizung usw.). Kommst du mit 1.500 Euro über die Runden? Wenn ja, wie viele Bücher musst du im Monat verkaufen, um die 1.500 Euro zu erzielen? Und wie lange reicht deine Finanzdecke, um die Startphase zu überstehen? kannst du dir zwei Jahre Verlust durch deine unternehmerische Tätigkeit leisten?

Und zum Schluss die wichtigste aller Fragen: Was hebt deinen Verlag so weit hervor, dass du damit die Konkurrenz überflügeln kannst? Hast du auch nur ein einziges Alleinstellungsmerkmal für deinen Verlag? Wenn nicht, wird der Konkurrenzkampf für dich verdammt hart!

Grüße
Siegfried

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Re: Ein paar Rückfragen...

von mtg (27.05.2010, 18:33)
Poet78 hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
Meines Wissens liegt der Mindestbeitrag für die KV bei 281 Euro monatlich.

Das ist der bisher stichhaltigste Grund GEGEN eine Verlagsgründung, der hier genannt wurde. Interessant, dass er so selten genannt wird.

Nach dem Motto: Wir scheuen keine Mühen, aber alle Kosten ...

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SandraR
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Re:

von SandraR (27.05.2010, 19:15)
Poet ich habe deine Frage beantwortet und zwar ganz klar "wer schreiben kann egal ob gut oder schlecht, kann googeln und Webseiten lesen"

Was Papierqualitaet anbelangt, jede Hinterhofdruckerei im Internet gibt dir diverse Papiersorten an! Auch hier hilft "lesen"!

Und wenn Du mit Angaben zu diversen Papiersorten nichts anfangen kannst, dann mach keinen Verlag, auch keinen sozialistischen:) .
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Re:

von Poet78 (27.05.2010, 22:33)
mtg hat geschrieben:
Lieber poet78,

irgendwie schließen sich ja Dein Nick und der Hinweis auf den wissenschaftlichen Verlag geradezu klassischerweise aus.

Meine literarischen Werke veröffentliche ich lieber bei großen Verlagen, das möchte ich nicht selbst machen. Aber ab und an mal Forschungsergebnisse von sich und anderen schnell raushauen zu können und sich dadurch ein Profil aufzubauen - das kann ja nicht schaden...

mtg hat geschrieben:
Schlechte Manuskripte finden ihren Weg überall hin. Selbst ich – als Nebenbei-Autor – habe schon Anfragen dazu bekommen. Also komm mal wieder ein bisschen runter ...

Waren das dann Leser Deiner Werke? Oder hast Du dazu keine Infos?

mtg hat geschrieben:
Auch wenn Du Deine Idee aus anderen Gründen als andere Menschen umsetzen möchtest (nein, um Himmelswillen kein Geld verdienen), darfst Du Dich nicht wundern, wenn Du mit den »üblichen« Maßstäben gemessen wirst. Schließlich hast Du ja in Deinem Eingangsposting nichts über die Hintergründe geschrieben ... und bekanntermaßen kann nur das beantwortet werden, was sich aus der Frage ergibt. Und manche Antworten sind ohne Hintergrundwissen schlechterdings unmöglich.

Der Krankenversicherungsbeitrag ist nicht abhängig von meiner Intention. Ein user hier hat ja vorbildlich vorgemacht, wie man meine Fragen sehr gut beantworten kann, ohne etwas genaueres über mich und mein Vorhaben zu wissen.

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Re: Ein paar Rückfragen...

von Poet78 (27.05.2010, 22:40)
Siegfried hat geschrieben:
In einer Machbarkeits-Analyse müsstest du ermitteln, wie hoch dein Zeitaufwand für den Verlag ist. Das hängt davon ab, welche Aufgaben du als Verlagsleiter übernimmst. Geht es dir um Qualität, musst du jedes Manuskript lesen, bewerten und mit dem Autor besprechen. Geht es nur um Auflagenschinderei, veröffentlichst du alles, was in deinem Briefkasten landet - und zwar so, wie es in deinem Briefkasten landet!

Nein, es geht mir nur darum, Fachtexte aus einem gewissen Kreis von Wissenschaftlern herauszubringen, dem ich angehöre. Da wir diese Texte stets in der Gruppe diskutieren, bleibt zwar sicherlich noch genug Arbeit für mich, aber ein recht großer Teil wird auch wegfallen.

Siegfried hat geschrieben:
Wer macht bei dir das Buchblock-Layout und die Umschlaggestaltung?

LaTeX :D

Siegfried hat geschrieben:
Dann kommt das ganze Thema Werbung und Öffentlichkeitsarbeit - denn ohne Rauchzeichen Richtung Öffentlichkeit kauft kein Mensch das Buch, und erst dann rollt der Rubel. Wer macht das, welcher Zeit- und Geldaufwand steht dahinter?

Derart fachspezifische Bücher kauft eh kaum jemand. Wie gesagt: finanzielle Aspekte stehen auch nicht im Vordergrund. Wenn es keinen großen Verlust gibt bin ich zufrieden. Und ich dachte, dies ließe sich mit einem Print-on-Demand-Verlag realisieren.

Siegfried hat geschrieben:
Wenn du Verleger als Voll-Job betreiben willst, solltest du eine genaue Aufstellung deiner Kosten haben, und dazu gehören auch deine privaten Lebenshaltungskosten (Essen, Trinken, Kleidung, Miete, Auto, Strom, Wasser, Heizung usw.). Kommst du mit 1.500 Euro über die Runden? Wenn ja, wie viele Bücher musst du im Monat verkaufen, um die 1.500 Euro zu erzielen? Und wie lange reicht deine Finanzdecke, um die Startphase zu überstehen? kannst du dir zwei Jahre Verlust durch deine unternehmerische Tätigkeit leisten?

Das alles habe ich nicht vor. Ansonsten wäre die Idee, einen Verlag zu gründen, ja nahezu lebensmüde...

Siegfried hat geschrieben:
Und zum Schluss die wichtigste aller Fragen: Was hebt deinen Verlag so weit hervor, dass du damit die Konkurrenz überflügeln kannst? Hast du auch nur ein einziges Alleinstellungsmerkmal für deinen Verlag? Wenn nicht, wird der Konkurrenzkampf für dich verdammt hart!


Ich möchte keine Konkurrenz überflügeln... Irgendwie bin ich irritiert... Schreibt ihr wirklich alle eure Bücher deshalb, um damit etwas zu verdienen? Habt ihr kein ideologisches, künstlerisches oder auch nur hobby-mäßiges Interesse an der Schreiberei? Mir sind diese Gedanken alle viel zu kommerziell. Wir fanden in der Gruppe einfach nur den Gedanken schön, auf Fachtagungen unsere Werke mit einem gemeinsamen Verlagsnamen und einem einheitlichen Layout auslegen zu können. Mehr steckt nicht dahinter...

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