Rechtsform als Autor? Versteuern der Einnahmen?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Pat1402
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Rechtsform als Autor? Versteuern der Einnahmen?

von Pat1402 (30.12.2018, 18:36)
Hallo zusammen,

Ich bin neu hier und werde demnächst mein erstes Buch publizieren, da es ein Sachbuch ist auch mit einer etwas höheren Marge. Mein Steuerberater sagt, ich soll die Einnahmen neben meinem Vollzeitjob als Freiberufler versteuern - bei schriftstellerischen Tätigkeiten wohl möglich.

Aber ich vermarkte das Buch ja auch über Fachpresse, Social Media, Buchshop, eigener Website und Co. Damit betreibe ich doch Handel. Für mich muss es daher eine andere Gesellschaftsform sein oder sehe ich das falsch. Kompliziert ist es auch, da ich das Buch mit einem Kollegen zusammen schrieb.
Wie macht ihr das mit den Einnahmen?

Gruß und danke,
PS

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Hannelore Goos
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Re: Rechtsform als Autor? Versteuern der Einnahmen?

von Hannelore Goos (30.12.2018, 18:51)
Hallo Pat,

am besten folgst du dem Rat deines Steuerberaters. Ich habe mehr als 10 Jahre lang Bücher (bis zu 20 Titel) und zugehörige Werbe-Ware (Kalender, Tassen usw.) neben dem jeweiligen Verlag auch über einen eigenen Webshop und Messen verkauft, auch Vorträge zu den Büchern gegen Honorar gehalten - alles als freiberufliche Tätigkeit. Es ist dabei günstig, wenn die über BoD abgerechnete Marge als Honorar höher ist als der Erlös aus eigenen Verkäufen. Einen Gewerbeschein habe ich mir erst geholt, als wir unsere (große) Photovoltaikanlage aufs Dach bekamen und davon Strom verkauften.

Überlegen musst du dir, wie du mit der Umsatzsteuer umgehst. Da für Bücher nur 7% anfallen, für die meisten Unkosten (Büromaterial, Energiekosten füs Arbeitszimmer, Computertoner, Paketporti . . .) aber 19% eingenommen werden, kommen da leicht unter dem Strich jedes Jahr noch ein paar Euro Erstattung heraus. Auch das solltest du mit deinem Steuerberater besprechen. Es ist leicht zu sagen "Als Kleinunternehmer muss ich doch nicht . . ." , aber es kann sein, dass man da Geld verschenkt.

Mit deinem Kollegen musst du auf jeden Fall einen schriftlichen Vertrag machen.

Gruß
Hannelore
Es gibt Menschen, die denken gern, und Menschen, die schreiben gern. Leider sind das nicht immer dieselben. book:
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Siegfried
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Re: Rechtsform als Autor? Versteuern der Einnahmen?

von Siegfried (31.12.2018, 15:09)
Pat1402 hat geschrieben:
Hallo zusammen,


Hallo!

Pat1402 hat geschrieben:
Ich bin neu hier und werde demnächst mein erstes Buch publizieren,


Herzlich willkommen

und

Glückwunsch!

Pat1402 hat geschrieben:
da es ein Sachbuch ist auch mit einer etwas höheren Marge. Mein Steuerberater sagt, ich soll die Einnahmen neben meinem Vollzeitjob als Freiberufler versteuern - bei schriftstellerischen Tätigkeiten wohl möglich.


Erst einmal: Die Aussage ist im Kern richtig. Aber ich würde klar davon abraten, dich nur wegen deines Buches beim Finanzamt als Freiberufler anzumelden. Denn wenn du das machst, packst du dir eine Menge, wirklich eine Menge zusätzlicher Arbeit auf die Schultern. Wenn du tatsächlich freiberuflich tätig sein willst, darfst du dich auch bei den diversen Sozialversicherern (Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung) melden. Und die nehmen dir von deinen freiberuflichen Einkünften jeweils den vollen (!!!) Beitragssatz ab - also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil. In Summe sind das knapp 40 Prozent deiner freiberuflichen Einkünfte. Außerdem solltest du dich gut versichern, da du als freiberuflich Selbstständiger u. U. Ziel von Abmahnanwälten bist (Rechtsschutzversicherung - die private greift da nicht). Dazu kommt noch, dass du Buchführung betreiben darfst - wenn du Glück hast, akzeptiert das Finanzamt die einfache Buchführung (siehe hier: https://www.existenzgruender.de/SharedD ... cationFile )


Pat1402 hat geschrieben:
Aber ich vermarkte das Buch ja auch über Fachpresse, Social Media, Buchshop, eigener Website und Co. Damit betreibe ich doch Handel.


Wie kommst du zu dieser Definition? Durch den Weg der Werbung wirst du nicht zum Händler. Händler (d. h. Gewerbetreibender) wird man durch Beantragung eines Gewerbescheines auf dem Gewerbeamt (Freiberufler brauchen keinen Gewerbeschein - sie müssen nur auf selbstständiger Basis eine Tätigkeit ausüben, die zu den sogenannten "Katalogberufen" gehört, und sich beim Finanzamt anmelden). Mit einem Gewerbeschein landest du im Handelsregister, unterliegst dem Handelsgesetzbuch und wirst automatisch Mitglied bei der IHK (wofür du wieder einen Jahresbeitrag zahlen darfst). Ein Gewerbetreibender ist jemand, der eine selbstständige Tätigkeit ausübt mit dem Ziel, sie dauerhaft zu betreiben, auf eigene Rechnung auszuführen und mit der Absicht der Gewinnerzielung (mittelfristig kein Gewinn? Da spricht das Finanzamt von "Liebhaberei").

Siehe auch hier:
https://www.gruenderlexikon.de/checklis ... er-werden/
https://www.juraforum.de/lexikon/gewerbe


Pat1402 hat geschrieben:
Für mich muss es daher eine andere Gesellschaftsform sein oder sehe ich das falsch.


Du bist und bleibst mit deinen Büchern zuallererst Privatperson. Bei der Einkommensteuererklärung musst du dann allerdings deine Einkünfte aus deinen Bucherverkäufen angeben, darfst aber auch Kosten dagegenrechnen (z. B. Kosten für Werbung). Was dann übrig bleibt, wird deinen Einkünften aus deinem Vollzeitjob zugeschlagen und versteuert. Das Zauberwort bei der Steuererklärung lautet "Nebeneinkünfte". Den Begriff sollte dein Steuerberater kennen - und dich nicht in eine sozialversicherungspflichtige freiberufliche Selbstständigkeit schicken. Siehe hier: https://www.aktuell-verein.de/nebeneinkuenfte/

Pat1402 hat geschrieben:
Kompliziert ist es auch, da ich das Buch mit einem Kollegen zusammen schrieb.


Privatrechtlichen Vertrag aufsetzen, der die Aufteilung von Einnahmen, Ausgaben und damit Gewinn regelt - aber auch die allgemeine Rechteverwertung und sonstigen rechtlichen Verantwortungen enthält sowie die Ausstiegsregelung (was ist, wenn einer keinen Bock mehr hat und aus dem Buchprojekt aussteigen will?).


Wichtiger Hinweis:
Dieser Beitrag ist keine rechtliche oder steuerliche Beratung, sondern eine Zusammenfassung gemachter Erfahrungen von 12 Jahren freiberuflicher Tätigkeiten.
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