Bewusste Zeichensetztung

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Federtänzerin
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Bewusste Zeichensetztung

von Federtänzerin (19.05.2019, 12:04)
Die Zeichensetzung ist (neben Stilmittel) ein mächtiges Werkzeug, um dieselbe Situation anders wirken zulassen. Ok. Wörter spielen auch eine wichtige Rolle. Jedoch ist dies sicherlich jedem klar. Aber zurück zum Thema: Wie beeinflusse ich das Lesen bzw. die Atmosphäre und Spannung beim Lesen mit den richtigen Setzt der Zeichen? :?
Klar! Punkt, Frage- und Ausrufezeichen sollten einfach sein. (Wobei: Wann ist es sinnvoll ein Ausrufezeichen einzusetzen – und wann nicht?) Aber Komma; Semikolon oder der komische Strich ( – ) haben ja eine Wirkung wie kein anderes Zeichen. Wann sollte ich sie wo einsetzten? Und wie wirken sie? Diese Fragen gelten auch für das Doppelpunkt.
Ja, ich weiß, dass ich wie ein Grundschüler klinge. smart2 Aber die falsche Setzung verursacht oft Missverständnisse. bash: Ich mein’, stell dir Folgendes vor: Du hast einen supertollen Text geschrieben, nun gibt’s du den Text einem Freund; danach fragst du ihm wie er den Text empfinden und er beschreibt eine ganze andere Atmosphäre als du es dir vorgestellt hast. – Dies hätte man mit einer bewussten Zeichensetzung verhindern können, weil man’s anders lesen würde.
Also. Habt ihr Tipps für mich, wann ich welches Zeichen benutzten sollte?
thanks:
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Hannelore Goos
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Re: Bewusste Zeichensetztung

von Hannelore Goos (19.05.2019, 16:07)
Federtänzerin hat geschrieben:
Klar! Punkt, Frage- und Ausrufezeichen sollten einfach sein. (Wobei: Wann ist es sinnvoll ein Ausrufezeichen einzusetzen – und wann nicht?)
Klar – das Ausrufungszeichen bezeichnet einen Ausruf, gehört also hinter eine Befehlsform (Imperativ). Geh damit sparsam um!

Federtänzerin hat geschrieben:
Aber Komma; Semikolon oder der komische Strich ( – ) haben ja eine Wirkung wie kein anderes Zeichen. Wann sollte ich sie wo einsetzten? Und wie wirken sie? Diese Fragen gelten auch für das Doppelpunkt.
Für Komma und Semikolon gibt es Regeln. Der Gedankenstrich heißt Gedankenstrich, weil ein neuer – oder anderer – Gedanke auftaucht. Aber als Inflation hat er wenig Wirkung. Der Doppelpunkt ist, wie er heißt: ein doppelter, also verstärkter Punkt.

Federtänzerin hat geschrieben:
Du hast einen supertollen Text geschrieben, nun gibt’s du den Text einem Freund; danach fragst du ihm wie er den Text empfinden und er beschreibt eine ganze andere Atmosphäre als du es dir vorgestellt hast. – Dies hätte man mit einer bewussten Zeichensetzung verhindern können, weil man’s anders lesen würde.

Lehrerinnenmodus on: .…nun gibst (falsche Form) du ihn (unnötige Wortwiederholung); danach (besser später, er muss ihn ja erst lesen) fragst du ihn, wie er den Text empfindet, und er beschreibt eine ganz (halbe Atmosphären gibt es nicht) andere Atmosphäre, als du es dir vorgestellt hast.
Lehrerinnenmodus off.

Kommentar: Richtige Zeichensetzung, richtige Grammatik und richtige Wortwahl machen zusammen aus, wie ein Text gelesen wird. Ob ein Leser dabei das empfindet, was du beabsichtigt hast, ist nur in Grenzen steuerbar. Oft verbinden andere Menschen mit bestimmten Wörtern andere Assozationen als du, und da nützt die ausgefeilteste schriftstellerische Sorgfalt nichts. Das ist das Los einer Schriftstellerin.

Gruß
Hannelore

P.S. Vielleicht hilft dir auch dies: https://www.fairbuch.de/shop/article/20 ... _etc_.html
Es gibt Menschen, die denken gern, und Menschen, die schreiben gern. Leider sind das nicht immer dieselben. book:
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Federtänzerin
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Re: Bewusste Zeichensetztung

von Federtänzerin (19.05.2019, 16:21)
Mmh... Guter Ansatz, @Hannahlore Goose. (Ja, ich weiß, meine Grammatik ist schlecht. Und das trotz vielem Lesen.)
Jedoch hab’ ich öfters gesehen, dass manche Autoren das Ausrufezeichen auch benutzten, um Schreien zu verdeutlichen.
Quasi:
»Kommt, Leute!«, Thomas drehte sich um und fing an zu rennen. Er drehte seinen Kopf um: »Jetzt!«
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Hannelore Goos
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Re: Bewusste Zeichensetztung

von Hannelore Goos (19.05.2019, 16:25)
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Federtänzerin
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Re: Bewusste Zeichensetztung

von Federtänzerin (19.05.2019, 17:09)
Hey!
Ich hab' doch nur wiedergegeben, was ich mal gelesen habe...
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Siegfried
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Re: Bewusste Zeichensetztung

von Siegfried (19.05.2019, 19:14)
Federtänzerin hat geschrieben:
Wie beeinflusse ich das Lesen bzw. die Atmosphäre und Spannung beim Lesen mit den richtigen Setzt der Zeichen? :?
Klar! Punkt, Frage- und Ausrufezeichen sollten einfach sein. (Wobei: Wann ist es sinnvoll ein Ausrufezeichen einzusetzen – und wann nicht?) Aber Komma; Semikolon oder der komische Strich ( – ) haben ja eine Wirkung wie kein anderes Zeichen. Wann sollte ich sie wo einsetzten? Und wie wirken sie? Diese Fragen gelten auch für das Doppelpunkt.


Grundsätzlich gilt erst einmal: Satzzeichen werden gemäß geltender Rechtschreibregeln gesetzt.

Wenn es um "stilistische Satzzeichen" geht, zum Beispiel um die Erzeugung von Stimmung, Spannung o. ä., dann kann man ein wenig mit Satzzeichen spielen. Es gibt in diesem Zusammenhang "gute", "neutrale" und "schlechte" Satzzeichen.

Zur letzten Gruppe zählen in belletristischen Texten die Klammern. Die gehen eigentlich nur bei Erläuterungen bzw. zusätzlichen Informationen, die noch schnell hineingequetscht werden. Das geschieht meist in Sachtexten. Bei erzählenden Texten sollte man hier auf ein anderes Stilmittel zurückgreifen. Ebenfalls vermeiden sollte man die Parenthese. Statt Klammern werden hier vor und hinter Satzteilen diese eigenartigen Striche gesetzt. Gefällt mir persönlich gar nicht.

"Am späten Abend kam Klaus nach Hause. Er rief nach seiner Frau Maria (die aus Portugal stammte), bekam aber keine Antwort."


"Der Bürgermeister - ein dicklicher Mann mittleren Alters - eröffnete die Ausstellung am frühen Abend."


Zum neutralen Bereich zählen Punkt und Komma. Diese Satzzeichen beeinflussen das Lesetempo, erzeugen inhaltlich aber keine Stimmung bzw. Spannung. Will man ein hohes Lesetempo erreichen, dann Punkt. Punkt. Punkt. Soll das Tempo verlangsamt werden, dann Komma, Komma, Komma.

"Tom drehte sich um. Die Tür ging auf. Der Wachmann kam herein und blickte sich um. Tom griff zu seiner Waffe. Der Rest war eine fließende Bewegung. Er hob die Waffe. Zielte. Drückte ab. Das Wachmann stürzte getroffen zu Boden."

"Tom dreht sich um, als die Tür aufging und der Wachmann herein kam. Noch während der Wachmann sich umsah, griff Tom zu seiner Waffe, hob sie in einer sanften Bewegung an, zielte kurz und drückte ab. Der Wachmann war tot, noch bevor er auf dem Boden aufschlug."

Eine Aneinanderreihung von Hauptsätzen, die nicht durch Punkte, sondern durch Kommas getrennt sind, binden die Hauptsätze stärker aneinander.

"Die Gletscher weichen zurück. Die Hochalpen befinden sich in einem Übergangsstadium. Den Bewohnern droht Gefahr."

"Die Gletscher weichen zurück, die Hochalpen befinden sich in einem Übergangsstadium, den Bewohnern droht Gefahr."

Der Gedankenstrich ist, wenn er sparsam eingesetzt wird, ein gutes Stilmittel zur Erzeugung von Spannung. Der Gedankenstrich unterbricht den aktuellen Satz und bringt den Leser in eine neue Situation. Abrupte Wechsel sind die Folge. Es wird eine Erwartungshaltung aufgebaut, dass jetzt etwas Besonderes passiert.

"Der kleine Stefan öffnete das letzte Türchen am Adventskalender - nichts! Das Fach war leer."

Der Gedankenstrich steht aber auch für eine Betonung:

"Ich finde den Gedankenstrich toll - aber nur in Maßen."

Oder er zeigt einen radikalen Gedankenwechsel an:

"Ich kann nicht glauben, dass dich deine Frau verlassen hat. - Kommst du heute Abend mit zum Fußball?"

Das Semikolon nehme ich immer dann, wenn ein Punkt zu sehr trennt und ein Komma zu sehr bindet.

"Ich brachte ihr das Rechnen mit verschiedenen Währungen bei; sie lud mich dafür auf einen Wein in einer Straußwirtschaft ein."

Das Ausrufezeichen ist bei Befehlen, Aufforderungen, Warnungen, Verboten und nachdrücklichen Behauptungen zu setzen. Es ist außerdem die einzige Möglichkeit, in einer direkten Rede eine größere Lautstärke zu zeihen, ohne ein entsprechendes Sprecherverb oder Adjektiv zu benutzen.

"Gehen Sie da sofort weg!"
"Machen Sie Platz!"
"Vorsicht!"
"Lassen Sie das!"
"Ja, verdammt nochmal, das ist meine Meinung!"
"Das darf nicht wahr sein", brüllte er. - "Das darf nicht wahr sein!"


Was zwar nicht zur Thematik Interpunktion und ihre Wirkung gehört, ich aber ebenfalls dem Bereich Stil zuordne, ist das Problem des "Nachklapps". Zusammengesetzte deutsche Verben haben die Eigenschaft, in Silben zu zerfallen, wobe Vorsilben sich plötzlich am Ende des Satzes wiederfinden. Das sollte man beim Schreiben im Auge behalten.

Ein banales Beispiel, wo durch die falsche Positionierung der Vorsilbe der Leser in die falsche Richtung geschickt wird:

"Der Mann schlug seine Frau, mit der er seit zwanzig Jahren verheiratet war, vor."

"Der Mann schlug seine Frau vor, mit der er seit zwanzig Jahren verheiratet war."
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

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Federtänzerin
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Re: Bewusste Zeichensetztung

von Federtänzerin (24.05.2019, 16:49)
@Siegfried
Vielen Dank. So eine Antwort habe ich mir gewünscht! Jedoch konnte ich dir nicht früher antworten, da mein iPad (womit ich während der Woche schreibe, da mein Laptop leider nur zu Hause sein darf.) rumgespackt hatte.
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