Idee zu einem Buch über "Geheimnisvolle Welten"

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Bonn-Sai
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Registriert: 18.10.2019, 16:11

Idee zu einem Buch über "Geheimnisvolle Welten"

von Bonn-Sai (18.10.2019, 16:29)
Hallo zusammen,
vielleicht hat jemand von euch Zeit und Lust, dies hier zu lesen. Sind erste Zeilen für ein Fantasy-SciFi-Buch:




Kapitel 1

"John, wach auf!"
"Was!? Lass mich schlafen..." und drehte mich murrend im Bett um.
"Steh auf, du bist viel zu spät dran!" sagte David.
Ich guckte auf meinen Wecker. "Verdammt....!" rief ich und fiel fast aus dem Bett, als ich aufstand. "Ich komme noch zu spät zu meinem Vortrag!!"
"Vielleicht solltest du das nächste Mal deinen Wecker früher stellen?" sagte David neckisch.
"Sehr lustig!" antwortete ich, als ich ins Bad stolperte. "Du hättest Komiker werden sollen!"
"Chemie liegt mir eher." sagte er. "Beeil' dich J.D.! Ich mach uns einen Kaffee für unterwegs...!"
Fünfzehn Minuten später saßen wir im klapprigen alten Golf und tuckerten zur Uni. "Bleib ruhig, J.D., du schaffst das heute!" David versuchte mich zu beruhigen.
"Meinst du? Ich hoffe es! Das muss heute sitzen! Da hängt alles von ab!" Ich war tierisch nervös. Dies war mein wichtigster Moment an der Uni. Ich stellte meine Doktorarbeit vor.
An der Uni angekommen, riss ich die Autotür auf, stieg aus und rannte los. David rief mir irgendetwas mit “Viel Glück” hinterher. Ich winkte ohne zurück zu gucken und spurtete ins Gebäude rein. Ein Blick auf die Uhr und mir wurde übel. “Scheiße!” dachte ich mir. Ich kam im Vortragsraum an und klopfte an die Tür.
“Herein!” rief jemand von innen. Ich trat ein.
“Guten Morgen!” sagte ich verschwitzt. “Entschuldigen Sie meine Verspätung, der Verkehr...”
Mein Doktorvater, Mr. Jenson, und die anderen Prüfer guckten skeptisch.
“5 Minuten später und Sie hätten sich das heute abschminken können...” meckerte Mr. Jenson. Dass er heute so streng war, wunderte mich. Wo er doch sonst immer so ein großes Herz und lieb war. “Fangen wir an. Setzen Sie sich!”
Ich tat wie geheißen. Und mein Kolloquium zu meiner Doktorarbeit fing an.
Einige Zeit später kam ich heraus. David empfing mich, seine Vorlesung war wohl schon zuende.
“Hey...” begann er freudig. “Herr Doktor....”
Ich winkte ab und er bemerkte meine Enttäuschung.
“Wie?” fragte er geschockt. “Haben die dich durchfallen lassen?”
“Naja, nicht direkt. Rein formal war meine Arbeit perfekt. Nur inhaltlich fanden die es schlecht!” Ich war immer noch perplex und geschockt.
“Wie...? Erklären! Ich versteh es nicht...” fragte David. “Deine Arbeit ist so super!”
“Na... meine Arbeit über 'Die Weiterentwicklung der Arten in ferner Zukunft' war denen zu abstrakt. Und es war denen nur reine Spekulation, was ich da geschrieben hab!” sagte ich.
“Was?? Scheisse....!” selbst David fluchte jetzt und konnte nur noch den Kopf schütteln. “Wieso... ehm, wieso hat dir Mr. Jenson das nicht schon bei deiner Vorbereitung gesagt?!”
“Ach, der fand's ja noch gut irgendwie und spannend. Nur die anderen nicht. Er wurde von denen leider überstimmt!” antwortete ich.
In diesem Moment kam Mr. Jenson heraus. “Mr. Darwin...” sagte er und atmete tief durch. “Wir haben uns gerade noch mal besprochen! Ich hatte alles an Überzeugungsarbeit geleistet, doch die anderen drei Kollegen waren nicht überzeugt. Leider!”
Meine Knie wurden weich und ich hatte einen Kloß im Hals. “Was hat das denn zu bedeuten?? Und jetzt?”
Mr. Jenson rieb sich die Augen. “Zweite Chance.”
“Ich verstehe nicht.” sagte ich und runzelte die Stirn.
“Sie kriegen eine zweite Chance. In Ihrer Doktorarbeit schreiben Sie ebenfalls über die Entwicklung vergangener Arten. Nehmen Sie sich das heraus und lassen alles andere an Spekulationen weg! Leider hat Ihr Nachname keinen wirklichen Eindruck hinterlassen, sondern bei meinen Kollegen zählt nur knallharte Leistung...” Mr. Jenson sah müde aus und er seufzte. “In vier Wochen sehen wir uns wieder. Genaue Uhrzeit kriegen Sie noch von mir!” Er ging und ließ uns stehen.
“Wie bitte?” meckerte David. “Was soll der Scheiß? Erst hast du freie Hand bei deiner Themenauswahl und dann so was? Das ist so mies!”
Ich war sprachlos und enttäuscht zugleich. “Komm lass uns gehen!” sagte ich.
Während wir gingen, fluchte David immer noch.



Kapitel 2

Auch noch abends in der Kneipe war es das beherrschende Thema bei uns.
David schon sein drittes Glas Bier in der Hand, welches er schon halb ausgetrunken hatte. Ich nippte noch am ersten Glas. Er war zunehmend in Debattierlaune, dank des Alkohols.
“Wieso und weshalb kann man einen so in die Pfanne hauen?” wiederholte er. “Was ist da der Sinn bei den ollen Professoren?”
“David, ich hab keine Ahnung!” sagte ich, während ich mir die Bläschen im Bier aus der Nähe ansah, die vom Boden des Glases aufstiegen.
“Hallo?!” rief er und klopfte mir mit seiner Faust leicht an die Stirn. “Zeig mal eine Regung bitte! Trifft dich das nicht oder wie? Hey, die haben deine Diplomarbeit gerade abgelehnt und du musst sie in vier Wochen neu abgeben! Das kann nicht sein, dass dich das nicht trifft!”
Und in der Tat war ich erstaunlich ruhig und gelassen, da musste ich David Recht geben! “Was erwartest du denn? Soll ich ausrasten?” antwortete ich.
“Ja, das wäre ein Anfang...” maulte er und trank sein Glas auf einmal aus. “So... Ich muss mal!” sagte er und er ging zum Herrenklo. “Bestell noch eine Runde!”
Ich setzte mich auf und winkte der Kellnerin zu. “Zwei Bier bitte! Und vielleicht zwei Wasser dazu!” sagte ich der Kellnerin. Mary hieß sie und arbeitete schon immer hier, seitdem ich mein Studium in dieser Stadt begonnen hatte. Ich mochte Mary – eine junge Kellnerin, blond und interessante stechend grüne Augen. Sie hatte ebenfalls an der gleichen Uni studiert, jedoch abgebrochen und hatte eine Ausbildung in einer nahegelegenden Technikfirma angefangen. Ich hatte bis heute nie erfahren was sie dort wirklich macht. Jegliche Fragen wies sie mit einem charmanten Lächeln und der Antwort 'Top Secret' ab. Ich hatte nie weiter nachgehakt.
Nebenbei jobbte sie hier im 'Deadly Corner' – man sollte allerdings den Namen der Kneipe nicht beim Wort nehmen. Wilde Spekulationen bezüglich des Namens stiegen hier exponentiell zur Menge des Alkohols und waren immer für ein schönes Gesprächsthema gut.
“Hey, J.D.” sagte Mary. “Wie geht's, wie steht's?”
“Mmh... danke... okay. War ein harter Tag!” antwortete ich.
“Doch so gut!?” schmunzelte sie. “Was war los? Haben dich die Professoren wieder geärgert?”
“Ja. Etwas.” sagte ich. “Darf meine Diplomarbeit nochmal neu schreiben...”
“Idioten!?!” rief David, als er zum Tisch zurück kam. “Alles Idioten, diese Professoren!”
“Was regst du dich denn so auf?” frotzelte Mary. “Klingt so, als ob sie dich auch dran gekriegt hätten. Bist du endlich aufgeflogen mit den Silvesterknallern im Chemieraum?”
David hatte vor ein paar Monaten im Chemiehörsaal ein paar Silvesterknaller neben dem Dozenten-Stehpult mit einer Fernsteuerung gezündet, um die ohnehin schon ängstliche Professorin in eine totale Schockstarre zu versetzen. Man hat bis heute nicht herausgefunden, dass er es war.
“Unwesentlich! Unwesentlich in jeder Hinsicht!” dementierte es David. “Das ist ja bald schon gar nicht mehr wahr! .. Und was stehst du hier noch rum? Zwei Bier bitte!”
Mary ging lachend weg.
“... und zwei Wasser!” rief ich hinterher. Sie drehte sich im Gehen um und nickte zu mir.
“Wasser?” fragte David. “Das waren sechs Rechtschreibefehler in einem Wort... Es heißt eigentlich Bier! Außerdem müssen wir gleich um Mitternacht mit einem Schnaps anstoßen, du hast nämlich gleich morgen Geburtstag!” David grinste wie ein Honigkuchenpferd. Für ihn waren Geburtstage die besten Tage um zu feiern!
“Komm, lass uns eine Runde Dart spielen!” sagte ich, um von meinem Geburtstag abzulenken. Ich im Gegensatz, mochte keine Geburtstage – besonders nicht meinen eigenen. Ich nahm die Dartpfeile und ging mit Bier und David im Schlepptau zu Dart-Ecke der Kneipe. “Ich fange an!” sagte David. “Spiel 501? Ok!”
Und so endete ein Freitag Abend mit wilden Spekulationen, Diskussionen und wir kamen endlich in eine Entspannung fernab von Uni, Diplomarbeit und Professoren. Jedoch sollte es für eine sehr lange Zeit der letzte entspannte Abend in dieser Form für uns sein.



Kapitel 3

Nachdem das Geburtstagsständchen endlich zum Ende kam, konnte ich wieder durchatmen. So im Mittelpunkt zu stehen war nicht mein Fall. Aber ich ließ es mit einem Schmunzeln und Augenrollen über mich ergehen.
David und ich tranken unsere Gläser leer und verabschiedeten uns von Mary.
„Macht's gut Jungs!“ rief sie und winkte uns vom Tresen zu. „Bis nächsten Freitag?“
„Natürlich!“ sagte ich. Von David kam nur ein müdes Grunzen. Nach dem letzten Bier war er wohl nicht mehr in der Lage, sich richtig zu äußern.
Ich schlug ihm auf die Schulter. „Komm! Auf geht’s nach Hause!“
„Jaja...“ grummelte er, als er sich umständlich in seine Jacke windete. „Kein Streß!“
Draußen angekommen, tat die frische Luft gut. Es war eine schöne Sommernacht. Ein laues Lüftchen wehte und es war immer noch angenehm warm.
David stimmte ein Lied an. „Bad Boys, bad Boys...“ Ich stimmte mit ein. „...What you gonna do, when they come for you.“ Wir lachten laut und schlenderten in Richtung WG.
***
Am nächsten Morgen wachte ich wieder früh auf. Es war Samstag und ich muste gleich zu meinen Eltern. Ja, ich musste! Es war immer schon Pflicht gewesen, an Feiertagen und Geburtstagen dort aufzutauchen. Meine Eltern legten sehr viel Wert auf so etwas. Anstand und Pflicht wurde dort groß geschrieben. Mir nervte es, seitdem ich Teenager war und merkte, dass dies nur offiziell nach außen so gezeigt wurde. Doch was hinter verschlossenen Türen lief, sollte nie jemand mitbekommen. Mein Vater war tagtäglich auf der Arbeit, ging früh morgens und kam teilweise nachts erst nach Hause. Meine Mutter frist“Hausfrauen-Dasein“, welches sie zunehmend mehr frustrierte. Regelmäßig sah ich sie mit ihrem Glas Wein oder anderen alkoholischen Getränken, was mich immer traurig machte. Ich versuchte ihr immer davon abzuraten, soviel zu trinken und mein Vater ignorierte es gekonnt.

Die Familie Darwin war eine alteingesessene und einflussreiche Familie in der Stadt, die sehr viel Ruhm, Ehre und Ansehen genoss. Ich hielt dem nicht mehr stand, als ich 21 Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine Schule beendet und wollte studieren – der erste Moment, in dem ich mit meinem Vater aneinander geriet. Er war in der Politik tätig, genauer gesagt im Stadtrat. Er hielt es für das Beste, dass ich in seine Fußstapfen treten sollte und eine berufliche Karriere im Stadtrat anfing. Nur kollidierte es mit meinen Vorstellungen. Ich wollte kein „Vitamin B“ durch ihn und auch nicht so werden wie er, sagte ich ihm. Ich sollte aus meinen Träumereien aufwachen und „etwas Ordentliches“ lernen, schrie er zu mir damals. Ich schrie zurück, dass er sich lieber um Mum kümmern sollte als um Job und Karriere und sagte ihm, er könne mich mal.

Es war der Moment, als ich mit Sack und Pack partout auszog und erst einmal bei David in seiner Bude unterkam. Das war jetzt 4 Jahre her und es machte mich immer noch traurig, wenn ich daran denken musste.

Ich drehte mich im Bett um und starrte auf den Wecker. 8:27 Uhr! Ok, aufstehen! Dachte ich.
Ich ging in unsere WG-Küche und bereitete einen Kaffee zu. Ich atmete den frischen Kaffeeduft ein.
Ich schüttete Kaffee in zwei Tassen, nahm eine davon und klopfte bei David an die Tür.
Seine Tür war einen Spalt auf. Ich schob sie auf. David hatte es gestern nicht mehr geschafft, sich richtig auszuziehen und lag noch halb angezogen so im Bett, wie er sich gestern hingelegt hatte. Ich schüttelte meinen Kopf und musste lachen. Zufällig sah ich eine sogenannte Gashupe auf dem Schreibtisch stehen und erlaubte mir den Spaß, ihn damit zu wecken.
Beim Hupen flog er aus seinem Bett raus und erschreckte sich. Ich lachte laut.
„WAS...? Oh Gott, was ist los?“ rief er.
„Hahaha, guten Morgen!“ lachte ich. „Kaffee?“
„Du Sack....! Mach das nie wieder!“ meckerte er.
„Was macht dein Kopf? Aspirin?“ frotzelte ich.
„Nein... Alles gut!“ sagte er und stand auf. Ernahm den Kaffee und wir gingen in die Küche.
„Was ein Abend!?“ sagte David und schaute mich entspannt an.
„Und was für ein Tag gestern!“ antwortete ich. Ich dachte an meine Diplomarbeit.
„Ach ja...“ sagte David und ihm fiel es auch wieder ein. „Dann heute wieder an Laptop und weiter geht die Schreiberei!“
„Noch nicht ganz. Ich muss heute zu Eltern. Und ja, ich habe überhaupt keine Lust!“ sagte ich.
„Du bist krank!“ sagte er. „Sag ihnen du bist einfach krank und kannst nicht kommen.“
„Nein!“ sagte ich und schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Ich muss da hin. Pflicht! Egal, wie alles gelaufen ist. Ich versuche noch immer, das Gute da in der Familie zu sehen! Vielleicht ist da was!“
„Alter....“ David schüttelte den Kopf. „Tu dir das nicht an!“
Wir redeten noch eine Weile darüber, bis mir das Gespräch zuviel wurde und ich mich ins Bad verabschiedete. Zwei Stunden später stand ich vor dem großen Eisentor des Anwesens meiner Eltern. Ein großes „D“ für den Familiennamen war in das Tor eingearbeitet. Ich klingelte und winkte in die Überwachungskamera am Eingang. Es öffnete sich.
Ich ging die Auffahrt hoch zum Eingang und sah direkt Charly dort stehen. Er war Security Officer und jahrelang hier angestellt. Er war Mitte fünfzig, grauhaarig und hatte einen dicken Schnauzer unter der Nase. Ein kleines Bäuchlein sah man unter dem etwas zu kleinen Hemd. Er war ein sehr ordentlicher aber gutmütiger Mann.
„Hallo Charlie!“ rief ich ihm zu.
„Guten Tag, Sir!“ sagte er lieb zu mir.
„Wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst mich nicht 'Sir' nennen. John reicht auch.“ schmunzelte ich.
„Ordnung muss sein!“ sagte er lachend beim Hände schütteln. „Alles Gute zum Geburtstag, Sir! Du wirst schon erwartet. Und... toi, toi, toi!“ Er zwinkerte mir zu. Er hatte nämlich damals alles mitbekommen, als ich den Streit hatte und ausgezogen bin.
„Danke!“ atmete ich schwer.
Ich trat ins Haus. Der altbekannte Geruch wehte mir in die Nase. Es war dunkel hier im Foyer trotz vieler Fenster hier. Diese Dunkelheit überkam mich, es war sehr bedrückend von Jetzt auf Gleich.
Meine Mutter kam mir entgegen. Sie hatte tagtäglich irgendein Kleid an und so trat sie mir in einem blauen Sommerkleid entgegen.
„John!“ rief sie mir entgegen und nahm mich in den Arm. Sie roch nach Alkohol.
„Mama... Hallo!“ sagte ich, traurig bei dem Gedanken dass sie schon wieder nach dem Zeug roch.
„Komm mit. Das Essen steht bereit schon! Dein Dad ist noch im Arbeitszimmer!“ sagte sie.
„War ja klar...!“ meckerte ich. „Als ob ich es geahnt hätte!“
„Sei nicht so streng. Du weisst, er muss das tun. Er hat soviel gutes für uns getan!“ sagte sie abwesend, fast schon automatisch wie eine Schallplatte mit Sprung.
Im großen Speisesaal war für drei Personen gedeckt. Es sah sehr lecker aus, was als Mittagessen aufgeboten wurde. Das musste ich zugeben.
Als wir saßen, hatten wir kurze Zeit unter vier Augen zu reden. Sie fragte mich nach meinem Befinden und wie es um mich steht. Ob ich Hilfe oder Geld bräuchte. Ich lehnte ab und sagte dass es mir so weit gut ging und ich klar kam. Ich sagte ihr dass ich mir Sorgen machen würde um ihr Trinkverhalten und ob sie eine Therapie machte. Sie winkte ab mit den Worten, dass das eine Glas Wein am Tag ja nicht viel sei.
In diesem Moment kam mein Vater rein und schüttelte mir sehr streng die Hand.
„Hallo John. Schön dich zu sehen. Und dass du mal wieder den Weg, hierhin gefunden hast....“ sagte er ernst. Ich fühlte mich wie irgendein Geschäftspartner in diesem Moment.
„Hallo Dad!“ sagte ich. „Tja, was man nicht alles tut, um die liebe Familie zu sehen.“ Beide merkten meine Ironie und meine Mutter haute mir leicht auf den Arm und sagte „Oh, John...“.
Er setzte sich zu uns. Ohne weitere einleitenden Worte fragte er mich nach meinem Studium.
„Was macht das Studium? Studierst du noch diese brotlose Kunst?“ fragte er.
„Ja. Mit Leib und Seele. Und Biologie ist keine brotlose Kunst. Tolle Wissenschaft, Dad.“ hielt ich dagegen.
„Ja?“ fragte er ohne aufzuschauen, als er sich die Serviette auf seinen Beinen ausbreitete. „Ich verstehe nicht, weshalb du das machst?“
„Ich denke, eigenes Interesse und Spaß daran, sind Gründe genug!“ antwortete ich.
„Spaß... Spaß! Kein Grund!“ fauchte er. „Du jagst Geistern hinterher!“
„Hört auf, euch zu streiten!“ hörte ich meine Mutter im Hintergrund hilflos sagen.
„Ich will nur das fortführen was unsere Ahnen begonnen haben! Und das ist einfach nur super!“ sagte ich.
„Na, da habe ich von deinen Dozenten ja was anderes gehört!“ sagte er kühl.
„Wie? Was meinst du?“ fragte ich und direkt dämmerte es mir, dass er von meiner Diplomarbeit bereits wusste. „Woher weisst du es?“
„Ich arbeite im Stadtrat. Wir haben enge Verbindung auch zur Uni. Und viele Professoren sind gute Freunde von mir und meinen Kollegen!“ sagte er herablassend. „Und soviel ich weiß, ist ja dein Kolloquium nicht sonderlich gut gelaufen!“
„Und doch habe ich immer noch die Möglichkeit, es mit Erfolg abzuschließen!“ sagte ich. Es kam wieder der Haß und der Ärger in mir hoch, wie damals beim großen Streit.
„Junge...“ fing er an. Ich hasste es wenn er mich Junge nannte. „Junge, nur ein paar Anrufe und du kannst aufhören mit deinem Studium und direkt hier bei mir im Stadtrat anfangen! Eine richtige Arbeit wird dir gut tun! Der kleine Ausflug da an der Uni... der wäre dann vergessen!“
Ich schüttelte den Kopf und lachte. „Das hatten wir bereits, vor vier Jahren.“ sagte ich. „Und auf weiteren Streit lasse ich mich nicht ein!“ Ich stand auf.
„Mama, danke für das leckere Essen!“ sagte ich und gab ihr einen Kuss. „Pass auf dich auf! Ich werde jetzt gehen!“
Als ich zur Tür ging, ging mein Dad fauchend hinter mir her. „Das war's mit uns! Wenn du durch diese Tür gehst, brauchst du nicht mehr zurückzukommen!“ sagte er während er auf die viel zu pompöse Haustür zeigte.
„Das hast du schon vor vier Jahren gesagt. Und deinetwegen war ich heute nicht hier!“ sagte ich. Charly stand am Eingang, er war sichtlich betreten durch die Situation. „Charly mach's gut. Bis bald!“ sagte ich ihm. Er nickte lieb und winkte.
Ich hörte meinen Vater noch fluchen als ich die Auffahrt hinab ging und durch das Eisentor trat.
***
Ich saß am Schreibtisch meines Zimmers. Vor mir aufgebahrt waren diverse Fachbücher, mein Laptop, eine Flasche Wasser und eine Thermoskanne Kaffee. Ja, Kaffee – dieses schwarze, flüssige Gold war meine Rettung, um gescheit wach zu bleiben! Nachdem ich mich vom Besuch bei meinen Eltern erholt hatte, lenkte ich mich ab mit Arbeit. Ich wollte ja schließlich fertig werden und die perfekte Diplomarbeit schlechthin abgeben!
Die Tür wurde geöffnet und David stolperte rein. Ein ordentlicher Kerl, aber von manchen Manieren hatte er noch nichts gehört – wie anzuklopfen.
“Hallo? Anklopfen?” rief ich.
Er ignorierte meine Frage und schmiss sich auf meinen bequemen Fernsehsessel. “Du hast was per Post bekommen.” sagte er. Er reichte mir ein kleines braunes und unscheinbares Päckchen. Es war rechteckig und kam der Größe eines Schuhkartons ziemlich nahe. In krickeliger Handschrift war mein nur mein Name versehen, der zweimal unterstrichen war. Oben links war ein Aufkleber mit drei Buchstaben, 'CDF'.
“Ein Bote klingelte eben und gab dies ab. Ich musste es sogar quittieren!” sagte David.
“Ok...” sagte ich und runzelte die Stirn. “Hat er noch was gesagt?”
“Nur gefragt, ob du hier wohnst und dass dieses Päckchen unbedingt nur an dich weitergegeben wird. Ich musste es ihm sehr deutlich versichern!”
“CDF... Was ist denn das? Hat er da was zu gesagt?” fragte ich.
“Nein. Komischer Zeitgenosse. Stand da vor mir im Anzug, Mantel und Hut. Der hatte sogar schwarze Lederhandschuhe an, ganz unheimlich. Vielleicht die Mafia!? Arbeitest du für die?” sagte David und musste lachen.
Ich guckte ihn nur doof an und zog eine Augenbraue hoch.
“Komm. Pack aus. Vielleicht noch ein Geburtstagsgeschenk!” sagte David.
Ich öffnete meinen Browser vom Laptop und suchte per Suchmaschine nach CDF. Ich ließ den Laptop suchen und widmete mich wieder dem geheimnisvollen Päckchen. Ich löste den Knoten der dicken Paketschnur und riss das Papier ab. Eine kleine Schatulle offenbahrte sich mir. In dunklem Holz mit kleinen Metallverzierungen und ein kleiner Klickverschluss an der Vorderseite. Auf dem Deckel prangerte der Buchstabe “D”. In gleicher Form, wie das “D”, welches am Eisentor am Eingang meines Elternhauses stand. Mir lief ein Schauer über den Rücken und eine nervöse Aufregung machte sich in meiner Magengegend breit.
Ich betrachtete es von allen Seiten. Es war wunderschön verziert.
“Mach endlich auf!” rief David. Ich ignorierte ihn. Ich schaute mir das kleine Schloss an und öffnete es. Es ging schwergängig.
Ich hob den kleinen Deckel an und klappte ihn hoch. Zwei kleine goldenfarbene Ketten links und rechts hielten den Deckel fest, sodass er nicht ganz nach hinten kippte.
Im Deckel eingeklemmt offenbahrte sich ein vergilbter Umschlag und in der Schatulle lag ein Schlüssel, gebettet auf einem winzig kleinen blaufarbenem Kissen. Es war ein Bartschlüssel mit aufwendigen Verzierungen. Am Kopf des Schlüssels war der Buchstabe “D” zu lesen, drumherum mit vielen kleinen Blüten und Tieren. Bei genauerem Hinsehen waren es skurril aussehende Tiere, die es real nicht gab – ich guckte irritiert, als ich diese Phantasiewesen sah.
“Die 'CDF' steht übrigens für 'Charles Darwin Foundation'...” hörte ich David im Hintergrund sagen. Er riss mich damit aus meinen Gedanken.
“Wie? … Charles Darwin Foundation?” sagte ich räuspernd.
“Ja. Eine internationale 'Nicht-Regierungs-Organisation'...” laß David vor, er hatte sich den Laptop geschnappt. “Ist 1959 gegründet worden. Die betreiben wissenschaftliche Forschung und versuchen, Umweltbildung voranzutreiben. Und schützen die Galapagosinseln.”
“Weshalb schicken die mir sowas?” fragte ich.
“Weil du ein Darwin bist?” sagte David und zog die Schultern hoch. “Vielleicht gibt dir der Brief mehr Aufschluss!”
'Ach ja, der Brief!' dachte ich. Ich nahm den Brief aus der Halterung. Ich öffnete den Umschlag, zog den Brief heraus und faltete das Blatt auseinander. Ich las.

London, Im Juni 1866
Lieber Nachfahre,
dies ist mein Leben, meine Aufgabe und mein Vermächtnis. Mein ganzes Leben habe ich bisher damit verbracht, meine Entdeckungen zu beschützen und leben zu lassen. Lange habe ich dafür gekämpft und es soll weiterhin so geschehen – nicht nur in meinem Willen, sondern um die der Lebewesen.
Es gibt böse Mächte auf der Welt. Sie erbeuten und arbeiten für den eigenen Vorteil. So ist ist zu meiner Zeit und wird es in deiner Zeit auch so sein.
Du bist der Nächste in der Reihe der Nachfahren! Dies ist deine Aufgabe nun, den Schutz der Arten beizubehalten. Dieser Schlüssel führt dich durch die Tür, durch welche du schreiten musst, um in meine Welt zu kommen. Höre und verstehe die Zeichen, die folgen werden!
Ehrenvoll, C.D.



Ich las es mehrmals doch ich verstand es noch nicht ganz. David riss mir den Brief aus den Händen und las es auch. Ich durchsuchte nochmal die Schatulle, doch ich fand nichts mehr. Ich schaute mir den Umschlag an, es fiel eine Visitenkarte heraus.
“Was zum Geier soll das sein?” sagte er. “Ein schlechter Witz? … Ich wette, dein Dad will dich ärgern!”
“Ach... der hat keinen Humor.” sagte ich. “Schau mal, eine Visitenkarte!”

Darauf stand: CDF | Samstag, 18:09 Uhr | Finch Street 1202
“Aha. Komische Uhrzeit!” runzelte ich die Stirn. “Ist das jetzt eine Einladung?”
“Laut Google Maps gibt es auf der Finch Street auch keine Hausnummer 1202.” sagte David. “Ach, da will dich jemand mal richtig auf den Arm nehmen!”
Das glaube ich mittlerweile auch! dachte ich. Doch wer gibt sich solche Mühe, um so etwas so überzeugend vorzubereiten? Initialen C.D. - Charles Darwin? Nein... oder vielleicht doch??
Die antike Schatulle, der Schlüssel und der Brief waren so täuschend echt!
“Ich werde da morgen abend hingehen!” sagte ich abschließend. “Mal sehen, was der Mist soll!”
Alles war sehr seltsam – jedoch blieb ein Rest in mir, der mir sagte dass an dieser Geschichte etwas dran sei.

***

Ich schaute auf meine Armbanduhr. Kurz vor 18 Uhr am Samstag Abend. Viele Banken und Geschäftshäuser reihten sich hier eng aneinander. Es erinnerte mich etwas an meinen Dad und seine Arbeit und Geschäftspartner. Ich zog entgeistert die Augenbrauen hoch, ging aber weiter um nach der Hausnummer 1202 zu suchen. An einem Samstagabend war die Gegend ruhig und leer gefegt. 'An Arbeitstagen tummelten sich viele Anzugträger hier herum', dachte ich mir nur.
Ich kam nun am Treffpunkt an und schaute mir das Gebäude an und sagte mir: “Ja, toll... Soll das ein Witz sein?”
Es war ein heruntergekommenes Gebäude über drei Etagen, der Putz außen fiel teilweise herabe. Einige Scheiben waren zerbrochen, geschweige von den Löchern im Dach. Ich schaute auf die Hausnummern der Nachbargebäude – 1200 und 1204 – um mich noch mal zu versichern, vor dem richtigen Haus zu stehen. “Sehr witzig....” rief ich dann, in der Hoffnung dass mich jemand hören würde. “Ich werde jetzt gehen.”
Genau in dem Moment, als ich gerade kehrt machte, öffnete sich die Eingangstür. Laut ächzend und quietschend schob sie sich nach innen auf. Ein eiskalter Schauer fuhr durch mich durch und mir wurde schlagartig schlecht. Ich drehte mich zur Tür um. Es war niemand zu sehen. Minutenlang stand ich da und nichts passierte. “Ja... klar... Lustig!” rief ich laut, um mir Mut zu machen. Ruhig und auf fast tonlosen Schritten erschien eine Frau an der Tür. Groß, dünn und in einem schwarzen Hosenanzug gekleidet. Ich schaute genauer zu ihr hin und dachte nur dass sie mit ihrem eleganten Erscheinungsbild mal gar nicht zu diesem verkommenem Gebäude passte.
“Mr. Darwin!” sagte sie mit durchdringender aber warmer Stimme. “Willkommen, wir haben Sie erwartet!” Ich zögerte. “Sie brauchen keine Angst zu haben, wir sind auf Ihrer Seite!”
Sie zog mich unglaublich schnell in Ihren Bann. Beim näher treten erkannte ich sie genauer – sie hatte blonde Haare, streng zu einem Zopf gebunden, eine Brille auf und hielt mit ihren verschränkten Armen ein Klemmbrett vor der Brust.

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Re: Idee zu einem Buch über "Geheimnisvolle Welten"

von Siegfried (19.10.2019, 14:38)
Hi!

Drei kurze Anmerkungen:

1. Willkommen im Forum. Neue Autoren/Autorinnen mit eigenen Ideen, Meinungen und Texten sind immer willkommen. Daher: welcome:

2. In welchem Zustand befindet sich dein Text? Erster Entwurf? Nach erster Überarbeitung? Nach zweiter Überarbeitung? Bereits veröffentlichungsfähig?

3. Was möchtest du als Rückmeldung? Einen allgemeinen Kommentar? Eine Schwachstellenanalyse? Exakte Hinweise auf verbesserungsfähige Stellen? Knallharte Kritik?

Nochmals: Willkommen!

Siegfried
Korrektorat: 1,- Euro pro angefangene 1.000 Zeichen // Layout Buchblock: 1,- Euro pro Seite // alle Preise zzgl. 19 % USt. // Buchcover 20,- oder 30,- Euro inkl. 19 % USt. // Sonderpreise auf Anfrage per E-Mail oder PN

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