Grenzen - ja oder nein?

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Weasel

Re:

von Weasel (05.03.2008, 11:39)
Ja, gut mit deinem letzten Satz magst du auf jeden Fall recht haben. Stellt euch mal vor: Hitler + die heutigen Möglichkeiten. Das wäre sicher nicht mehr so lustig...

Aber wie gesagt, zur zeit habe ich nichts gegen Überwachung, selbst auf meinem PC. Ich hab ja schließlich meine Atombombenpläne auf Papier im Schrank versteckt cheezygrin

Gruß Weasel

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Adriana
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Re:

von Adriana (05.03.2008, 11:56)
Zoba hat geschrieben:
Um Terroristen gehts also nicht, es geht NUR um die Überwachung des normalen Bürgers.


Ist mir völlig klar. Genau wie es bei der Abschaffung des Bankgeheimnisses nie um die bösen Steuersünder ging, die ihre Kohle nach Luxemburg verschieben ;).

Weasel hat geschrieben:
Ich hab ja schließlich meine Atombombenpläne auf Papier im Schrank versteckt cheezy grin


Du bist eben ein schlauer Terrorist cool5.
Aber man kann davon ausgehen, dass sie (fast) alle so schlau sind - und ich denke, das weiß Schäuble auch. Ihm geht es in der Tat nur um Kontrolle - sonst nichts.

Trotzdem habe ich grundsätzlich nichts gegen Überwachung auf öffentlichen Plätzen. Das ist keine Verletzung der Privatspäre und kann u.U. wirklich für mehr Sicherheit sorgen. Stell dich vor, du sitzt Abends gegen 23.00 Uhr allein im Zugabteil, kein Schaffner weit und breit und ein besoffener Kerl - so groß und breit wie ein Kleiderschrank - gräbt dich an. Gibt's im Abteil eine Kamera, sind doch die Chancen größer, das ein mindestens genauso großer und breiter Schaffner zur Rettung herbeieilt und dem Wüstling eins auf's Maul haut ;).

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Zoba
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Re:

von Zoba (05.03.2008, 12:07)
Hi Adriana,

:shock::

Glaubst du das wirklich? Ich meine, da werden ständig weniger Polizisten eingestellt, die die es gibt sitzen dann sicher nicht an den Überwachungskameras.

In Hamburg ist der gesamte HBF verkabelt, das hat zwar die Aufklärungsrate geringfügig erhöht, aber nicht die Überfälle und den Schaden.

In London bist du auf Schritt und Tritt unter Kameraüberwachung, die Anzahl der Überfälle ist NICHT geringer geworden, auch nicht die Anzahl der Schadensfälle.

In Deutschland wurden die Überfälle auf Rentner doch gefilmt, und hat es diese verhindert? Kam den Leuten jemand von Polizei oder Wachpersonal rechtzeitig zu Hilfe?

Du fällst dabei auf regelrechte Propaganda herein. Es gibt nur vier Bereiche, bei denen diese Videoüberwachung konkret etwas bringt:

1. Im Kaufhaus

Da sitzt der Kaufhausdetektiv nämlich in der Tat am Live-Monitor und marschiert los, wenn er sieht, daß was eingesteckt wird.

2. In Bordellen

Da sitzt der Portier ebenfalls am Live-Monitor und wackelt mit dem Rausschmeisser los, wenn ein Freier gewalttätig wird.

3. In Betrieben

Da wird aufgezeichnet, wenn die Sekretärin, der Angestellte oder die Kantinenköchin was mitnimmt und sie werden daraufhin rausgeworfen.

4. Private Grundstücksüberwachung

Da schaut der private Wachschutz live zu und greift ein, wenn das Einbrecherlein übern Zaun klettert.

Alles andere ist Augenwischerei. Nirgendwo sonst stehen Leute parat, die alle Plätze ständig überwachen und dann auch eingreifen würden.
Gruß,

Zoba

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Adriana
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Re:

von Adriana (05.03.2008, 12:20)
Hallo Zoba,

wenn überall die Polizei abgebaut wird und niemand die Kameras kontrolliert, bringt das ganze natürlich nichts. Da hast du recht.

Aber sag mir bitte nicht nach, ich würde auf Propaganda reinfallen :twisted: .
Mein Beispiel mit dem Nachtzug mag ja etwas an den Haaren herbei gezogen sein - aber ich meinte es wirklich nur PRINZIPIELL - nicht dass es in der Realität immer so funktionier, wie es sollte.
Wahrscheinlich hab ich mich diesbezüglich unklar ausgedrückt :?

Weasel

Re:

von Weasel (05.03.2008, 12:25)
Also, hier wo ich wohne (in NRW) werden sogar mehr Polizisten eingestellt, das hab ich letztens in der Zeitung gelsen. Kann aber sein, dass das von Bundesland zu Bundesland verschieden ist.

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SandraR
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Re:

von SandraR (05.03.2008, 12:32)
Adriana (Moderator) hat geschrieben:
Gibt's im Abteil eine Kamera, sind doch die Chancen größer, das ein mindestens genauso großer und breiter Schaffner zur Rettung herbeieilt und dem Wüstling eins auf's Maul haut ;).
cheezygrin dann kommt eine kleine Schaffnerin mit 1,60 und gemeinsam trettet ihr dem Herrn in die E... der Rest ist bekannt. Ich gebe 100 pro Zoba recht, das einzige was ueberwacht wird ist der normale Buerger. Nun sind die Fantasyschreiber am Druecker, den warum sollte man den Buerger ueberwachen dozey: genau, damit der in 20 Jahren nicht den Buergermeister aufhaengt, wenn er seine Rente bekommt (oder eben auch nicht). So etwas nennt sich dann Vorsorge, allerdings wird nicht fuer den Buerger vorgesorgt sondern fuer den eigenen Popo.
Sandra
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Adriana
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Re:

von Adriana (05.03.2008, 12:38)
Hallo Sandra,

irgendwie hast du im meinem Post wohl die verschiedenen "Hätte", "könnte" und u.U. überlesen ;). Ebenso die Ironie mit dem Kleiderschrank von Schaffner.
Dass die meisten Schaffner Frauen sind, weiß sogar ich - schließlich fahre ich jeden Tag mit dem Zug :lol:.
Ich sagte ja auch: "Unter Umständen (abgekürzt u.U. ^^). Das diese Umstände nicht gegeben sind, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Ich finde es halt nur lächerlich, wenn gleich Orwells 1984 gewittert wird, wegen einer Kamera mher auf einem öffentlichen Bahnsteig. Will damit sagen: Nicht jede Überwachungskamera ist böse - aber man muss unterscheiden, wo es Sinn macht, sie einzusetzen, und wo tatsächlich Verfassungsrechte verletzt werden.

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Re:

von Zoba (05.03.2008, 12:53)
Hi Adriana,

dir ist aber schon bekannt, daß derzeit ein Gesichtserkennungsprogramm getestet wird, das ermöglicht, die vorab über die speziell für solche Erkennungsprogramme zugeschnittenen Paßbilder (die man seit 1 Jahr machen lassen muß und die eindeutig mit uns in Verbindung gebracht sind - über den Paß/PA) mit den Personen, die von den Kameras erfaßt werden, abzugleichen? Das ist nicht Orwell, das ist Realität!

Damit können, völlig OHNE irgendeinen Aufwand an Personal, lediglich über leistungsfähige Computer (die wir auch schon haben), die im öffentlichen Raum gefilmten Personen mit der Datenbank der Paß-/Meldebehörden abgeglichen werden. Nochmal, keine Utopie, daran wird konkret gearbeitet, das gibts schon, Versuchsmodelle laufen schon!

Das wiederum bedeutet, daß diese netten Kameras, die angeblich unserem Schutz dienen, rund um die Uhr aufzeichnen werden, wer sich wo aufhält.

Solche Daten sind vielfältig zu benutzen, z.B. um nachzuweisen, daß jemand sich irgendwo befand, wo er sich nicht befinden darf (gibts heute schon ca. 10 Millionen Personen für die dies sehr peinlich sein kann) oder es lassen sich solche Daten an Wirtschaftsträger verkaufen, die mittels der Bewegungsprofile gezielt Einkünfte machen möchten. Nur zwei angedachte absolut nicht freundliche Nutzungsarten.

Orwell? Auweia, Adriana, ich sagte es schon, der schrieb Gutenachtgeschichten! :shock::
Gruß,



Zoba



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Re:

von Adriana (05.03.2008, 13:06)
Hallo Zoba,

das hört sich in der Tat gruselig an :shock::.
Andererseits kann man so ziemlich jede technische Erfindung - ob Kamera, Computer oder diverse medizinische Geräte - für "gute" und "böse" Zwecke verwenden. Ich denke, öffentliche Überwachungskameras waren ursprünglich zu unserer Sicherheit gedacht. Dass man mit ihrer Hilfe auch einen totalitären Überwachungsstaat schaffen kann, ist die Kehrseite.

Aber wollen wir die Diskussion nicht lieber im Schäuble-Thread weiterführen? Hier wirds langsam offtopic:

LG, Adriana.

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Re:

von M-F Hakket (05.03.2008, 13:13)
... und sämtliche Daten, die gesammelt wurden, wie z.B. Essensgewohnheiten, Reisegewohnheiten, Erkrankungen, persönlche Hobbys, Einkaufsgewohnheiten, Lieblingsfilme, Musik, etc, werden dann irgendwann einmal an die Wirtschaft verscheuert.
Innovation gibt es nicht mehr. Wie haben alles, was wir brauchen. Werbung und Verkauf funktioniert nur noch gut, wenn man individuell wirbt. Und um das zu können, barucht man Informationen ...

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Zoba
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Re:

von Zoba (05.03.2008, 13:20)
Hi Adriana,

daß es auch positive Einsätze für solche Kameras gibt, bestreite ich nicht, so z.B. im medizinischen Bereich, wo sie sicher eindeutig positiv zu sehen sind.

Allerdings denke ich, daß sie für den öffentlichen Bereich mitnichten als Positivum entwickelt und propagiert wurden und werden, wie ausgeführt gibt es positive Folgen der Überwachung per Kamera eigentlich nur in rein privaten Bereichen.

Und für Off Topic halte ich dies eigentlich nicht, eher würde der Schäuble-Thread hier reinpassen, denn er ist ein Auswuchs von (staatlicher) Gewalt und der Auseinandersetzung mit Ethik und Moral in diesem Zusammenhang.

Gruselig finde ich das alles auch, sehr sogar. Wie schon erwähnt, ich habe Familie, die den vorletzten deutschen Überwachungsstaat auf sehr unangenehme Weise miterlebten. Redet man mit ihnen und ihren Zeitgenossen, dann gibts da Einige, denen diese Vorgänge bereits wieder die Luft nehmen. Solchen Menschen kann man auch nicht den Vorwurf machen, sie würden sich billiger Argumentationshilfen bedienen. Sie sind Augenzeugen.

Für mich sind solche Zusammenhänge, solche Entwicklungen genau das, was ich weiter vorne einwandt - daß Werte, Moral, Ethik, Gesetze einem stetigen Wandel unterliegen und sich gerade in der Betrachtung von Gewalt nicht als ultimativer, alleiniger Maßstab eignen.

Und um den großen Bogen zu schlagen: es amüsiert mich schon ein ganz klein wenig, wenn das Diskutieren solcher (noch) grenzwertiger Vorgänge sich als Diskussionsgrenze erweist. Es wird offensichtlich zu unangenehm, diese Dinge wahrhaftig bis zu ihrem bitteren Ende durchzudenken, unangenehm und schmerzhaft, und damit stößt es an eine Grenze.

Insofern sind eben auch derartige Betrachtungen gesellschaftliche Grenzen mit mMn sogar größerem Beharrungsvermögen als "einfache" Brutalität, Gewalt und Ballerei. Dies zeigt sich auch darin, daß es weit arrivierteren Autoren momentan sehr sehr schwer fällt, Bücher zu diesem Thema in anerkannten Verlagen zu positionieren. Honi soit qui mal y pense blink3
Gruß,



Zoba



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Re:

von M-F Hakket (05.03.2008, 13:22)
Hier muss ich Zoba wieder recht geben.
Wir diskutieren und stoßen dabei an Grenzen. Darum ging es bei der Eröffnung des Treads.
Also ... haut rein!!! cheezygrin

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Re:

von Adriana (05.03.2008, 13:27)
Hm, ich finde zwar, dass wir zwischendurch ganz schön aus der Schreibwerkstatt abgedriftet sind, aber nun haben wir die Kurve ja wieder gekratzt ;). Es geht um Tabubrüche, das passt schon.
Grenzen beim Diskutieren, Grenzen beim Schreiben ... da ist in der Tat kein großer Unterschied. Das eine führt zum anderen.

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Re:

von Zoba (05.03.2008, 13:35)
Hi Adriana,

auch wieder eine Frage der Definition :twisted:

Ich persönlich finde es schon wichtig, daß sich Autoren mit solchen Themen zumindest insoweit beschäftigen, daß sie solche Mechanismen und Vorgänge durchschauen, sie und damit auch sich selbst in Frage stellen und dies in ihre Werke miteinarbeiten. Sie können daran nur wachsen, auch wenns eher das Gesamte betrifft, als einzelne schreibtechnische oder storytechnische Aspekte.
Gruß,



Zoba



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Re:

von Adriana (05.03.2008, 13:44)
Zoba hat geschrieben:
Ich persönlich finde es schon wichtig, daß sich Autoren mit solchen Themen zumindest insoweit beschäftigen, daß sie solche Mechanismen und Vorgänge durchschauen, sie und damit auch sich selbst in Frage stellen und dies in ihre Werke miteinarbeiten.


Keine Frage, ich doch auch!
Als ein ehemaliges Mitglied was dagegen hatte, dass in einem Autorenforum über Politik diskutiert werden soll, fand ich das reichlich engstirnig und hab das auch gesagt.

Trotzdem denke ich, bei der Schreibwerkstatt geht es eher um handwerkliche und storytechnische Aspekte, als z.B. um den Sinn von Überwachungskameras. Soll jetzt kein Vorwurf sein, an letzterem hatte ich ja selber meinen Anteil ;). Und so schlimm ist es ja auch nicht, wenn eine Diskussion mal vom Thema abweicht angle:.

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