EXIT

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SahraLesch
Beiträge: 1
Registriert: 22.03.2020, 18:37

EXIT

von SahraLesch (22.03.2020, 18:40)
Prolog

Schon den ganzen Tag war Hamburg von einem Schleier aus Regenwolken umgeben. Die Hamburger würden wohl nur mit den Schultern zucken und meinen das wäre das gewöhnliche Hamburger Schietwetter. Im Laufe des Vormittags ergossen sich die Wolken über der Stadt und wechselten sich nur mit der grauen Färbung am Himmel ab. An solchen Tagen wirkte die Stadt oft wie ein riesiger, grauer Betonklumpen, der von Hochhäusern und Straßen durchzogen war.

Insbesondre am Rande der Stadt reihten sich Jahr für Jahr immer mehr Hochhäuser an einander, so eng, dass jedes Grün und jede andere Auflockerung verschluckt wurden. Die Straßen zwischen den Blöcken wirkten wie Schluchten, die sich entlang der chaotischen Landschaft quer durch das Viertel zogen. Gesäumt wurden diese von den provisorischen Zelten und kleineren Hütte, zusammengezimmert aus allen denkbaren Materialien. Damit möglichst alle Einwohner mit Strom und Internetanschluss ausgestattet werden konnten, verliefen entlang der Schluchten eine schier unendliche Menge an Elektrokabeln, die kreuz und quer provisorisch aufgehängt wurden.

Der Regen überflutete die Straßen und spülte den Müll in Richtung der Kanalisation. Diese war jedoch bereits seit Monaten mit den Mengen überlastet, sodass sich überall das Wasser staute und den Unrat entlang der Straßen verteilte. Vermisch mit dem fauligen Geruch von Urin und Schwefel hatte man bei Regen das Gefühl eine Kloake zu betreten, weswegen die meisten Menschen zuhause blieben und jeden Schritt nach draußen vermieden.

Trotz der bedenklichen Umgebung galt das Viertel als eine sichere Zuflucht und war in der Kriminalitätsstatistik eher unauffällig. Dieser Umstand war den technologisch fortschrittlichen Überwachungssystemen zu verdanken. Hier konnte man sich immer sicher sein im Blickfeld einer stationären Kamera oder einer Drohne zu sein, die von einer ständig dazulernenden KI gesteuert wurde. Neben den tausenden Kameras und Drohnen konnte die KI sogar auf sämtliche private Geräte, wie z.B. Smartphones, zugreifen, diese überprüfen oder als zusätzliche Kamera einsetzten ohne, dass der Nutzer dies mitbekam. Mit Hilfe dieser Technologie war es möglich mit minimalem Aufwand jeden einzelnen Einwohner im Blick zu behalten und seine Verfehlungen in der Datenbank zu vermerken.
Angesicht dieser Technologie schien es unmöglich zu sein, sich unbemerkt und ungesehen innerhalb der Stadtmauern aufzuhalten. Wenn die KI jemanden nicht mithilfe der Kameras identifizieren konnte, so erkannte sie die elektrischen Geräte, die die Person bei sich hatte und hackte sie kurzer Hand. Nicht blieb hier verborgen.

Umso erstaunlicher war es als am späten Nachmittag eine vermummte Gestalt das scheinbar unmögliche schaffte und sich unbemerkt von allen Augen entlang der neu entstandenen Lilienstraße hangelte. Das zierliche Geschöpf, gekleidet in eine zerfaserte blaue Jeans und ein dunkles Sweatshirt mit großer Kapuze, die sie sich ins Gesicht zog, schien die Bewegungen der KI vorherzusehen und weichte den Kameras auf wundersame Weise aus. Wiederholt verschwand diese zwischen den Häusern und tauchte wenige Augenblicke später in einer Seitengasse auf, bevor auch nur ein der Kameras sie einfangen konnte. In Höhe der Sicksee-Allee bog sie geschwind in eine mannsbreite Spalte ab und hangelte sich durch einen gekonnten Sprung am Fenstersims ein Stockwerk an der Fassade nach oben, wo sie in einem Hohlraum schlüpfe kurz bevor eine Drohne herabgestürzt kam.
Das war aber knapp, dachte sie.
Als die Drohne weiterflog zählte sie bis dreizehn und griff nach dem Gitter auf der linken Seite. Genau jetzt drehte sich die Kamera an der Seite des gegenüberliegenden Hauses nach unten, sodass sie sich über das offene Fenster im dritten Stock in die Wohnung stemmen konnte.
In der Wohnung angekommen landete sie in einem Schlafzimmer, wo zwei Menschen auf einem viel zu kleinem Bett schliefen. Um diese nicht zu wecken und den Überwachungskamera an der Decke zu entgehen, schlüpfte sie schnell unter das Bett.
Vier, drei, zwei, eins…
Schnell kam sie unter dem Bett hervor und presste sich durch die halboffene Tür in den Flur wo sie auf allem Vieren in Richtung der Eingangstür schleichet. Neben der Ausgangstür stand eine massive Kommode, hinter der sie abrupt stoppte.
Eine Hausassistent also…, las sie als ein rotes Licht auf Ihrer Augment Reality Brille erschien.
Gegenüber der Kommode auf dem Küchentisch, war in der Tat ein Hausassistent mit einer verbauten Kamera aufgestellt.
Reicht den Leuten die Überwachung draußen nicht? Die lassen sich sogar freiwillig privat filmen…, ging ihr in diesem Moment durch den Kopf.
Mit einem Augenaufschlag durch ihre Brille verstellte sie die Kamera zur Seite und machte eine Überkopfrolle zur Haustür, die sie schnell hinter sich zuzog. Im Treppenhaus angekommen rannte sie die Treppe bis zum vierzehnten Stock hoch als sie einen Mann sah, der ein Stockwerk höher aus der mittleren Wohnung kam. Dieser hatte sein Smartphone am Ohr und war in ein Gespräch verwickelt. Ungesehen öffnete sie das Fenster neben sich und stieg langsam auf den Fenstersims. Für einen Moment dachte sie bemerkt worden zu sein, doch der Mann ging stampfend und schimpfend in seine Wohnung zurück.
Vom Fenster aus waren es nur zwei Meter zum nächsten Haus am dessen Seite sich eine Feuertreppe schlang, die fünf Stockwerke tiefer abgebrochen war. Das Haus schien verlassen zu sein, da hier keine Lichter brannten und die gesamte Fassade von Einschusslöchern gezeichnet war.
Sie atmete tief durch und sprang mit den Armen voraus in Richtung der Feuerleiter. Mit den beiden Händen konnte Sie gerade so zwei Sprossen des rostigen Geländes greifen, während der Rest des Körpers in der Luft hing.

Nur noch ein paar Meter!! Dann hast du es geschafft.

Als sie sich über das Gelände schaukeln wollte, brach die linke mit einem lauten Quietschen Sprosse ab und stürzte in die Tiefe. Nun hing sie mit einer Hand an einer rostigen Feuertreppe und schaute auf den Boden unter sich. Als sie wieder zu sich kam schwang sie sich mit einem Ruck nach vorne und lies die Sprosse los. Die Landung war hart, sodass sie zur Seite taumelte und ihr linkes Bein vor Schmerz nachgab.

Dort angekommen atmete sie durch und folgte der Treppe nach oben in den 32 Stock, wobei sie immer wieder Drohnen ausweichen musste. Auf dem Stockwerk angekommen starrte sie auf einen großen Krater in der Fassade, der sich quer über das Stockwerk erstreckte. Hier ist wohl etwas explodiert, sodass die drüber liegenden Stockwerken heruntergestürzt sind. Für einen Moment konnte man den Schreck in ihren Augen ablesen. Es schien so als wäre all die Mühe umsonst, als wäre sie falsch abgebogen und sich nun an diesen verlassenen Ort mitten im nirgendwo verirrt. Als wöllte sie der Verzweiflung trotzen machte sie ein Schritt an den Mauerrand und starrte die Hausruine. Doch in diesen Moment atmete sie erleichtert aus, drehte sich noch einmal um und schritt in den Krater. Ein Augenblick später verschwand sie als sei sie nie dort gewesen.

Mehrmals am Tag überflogen die Drohnen das Haus am Ende der ehemaligen Köpperstraße und sahen immer nur die Trümmerhaufen, die auf dem 32sten Stockwerk lagen. Nie ist der KI, die die Drohnen koordinierte, etwas Merkwürdiges oder Bemerkenswertes an diesem Gebäude aufgefallen. Nie wurde das Haus von Behörden überprüft und nie hat sich jemand seit der Explosion in das gespenstisch wirkende Gebäude verirrt.
Doch im Inneren der augenscheinlichen Ruine ging in diesem Moment das Licht an und eine schwere Metalltür glitt automatisch nach innen. Endlich in Sicherheit und außerhalb jeglicher Überwachung betrat die zierlich wirkende Frau das Innere. Als die Lüftung anging, schritt die Frau zielgerichtet zu einem Tisch an der Seite des noch dunklen Raumes und berührte die Oberfläche. In diesem Moment wurde ein Bildschirm in Größe eines A3 Blattes in ihrer Augenhöhe projiziert, der sich wie ein Schleier auf Ihr Gesicht legte. Sie machte die Augen zu und legte beide Hände gerade auf die Tischoberfläche. Ein Moment später erklang ein Piepen. Sie machte die Augen auf und sah ein Bild mit den Worten
„Willkommen, Sahra Lesch“.
Mit einem leisen Klacken öffnete der zuvor verdeckte Zugang zur einer Treppe nach unten. Sie nahm die Treppe und landete in einem riesigen Raum, der sich über den gesamten Querschnitt des Gebäudes erstreckte. Als die Lichter an der Decke angingen konnte man das erste Mal die Frau genau erkennen.
So bemerkte man, dass die Gestalt eine jugendliche mit dunklen Haaren und tief grünen Augen war. Als sie die Kapuze abnahm konnte man ihr schmales, rundes Gesicht erkennen. Sie hatte schulterlange Haare, die zu einem Pferdeschwanz nach hinten gebunden waren. Trotz ihrer bescheidenen Größe und der gerade zu zerbrechlichen Erscheinung schien sie mit jeder Faser ihres Körpers Stärke und absolutes Selbstvertrauen auszustrahlen. Dennoch konnte man in ihrem Gesicht eine Spur von Besorgnis und Angst erkennen.
Sie ging in Richtung des Labors, das mittig im Raum gelegen war. An den Seiten des Bunkers verliefen meterweise hunderte Leitungen, die von den dutzenden Serverschränken an der anderen Seite des Raumes kamen. Das Labor selbst war dagegen ziemlich unscheinbar und sporadisch ausgestattet. An der Seite des Raumes stand auf dem Podest so etwas wie ein Rechner, während auf der Decke und den Seiten hunderte Linsen angebracht waren.

Mitten im Raum stand eine Liege, die mit einem Tuch verhüllt wurde. Daneben stand ein Tisch mit einem Sessel, der mit Kabeln an dem Rechner am Podest angeschlossen war. Auf Tisch lagen hunderte kleiner, mechanischen Komponenten, die chaotisch verteilt zu sein schienen.
„Es wird also heute anfangen!? Jetzt gibt es kein Zurück mehr“, dachte Sahra halb entschlossen halb ängstlich.
„Hallo, Nagios“ sagte sie, wobei der Raum sich sofort erhellte. Die duzenden Linsen projizierten eine holographische Oberfläche in den Raum, mit den Dateien, die sie sich als letztes angeguckt hat.
„Hallo, Sahra!“, sagte eine tiefe Computerstimme, „wenn ich ehrlich bin, hatte ich sie später erwartet.“
„Ja ich weiß, ich hatte dir gesagt, ich würde nächste Woche wiederkommen, aber die Dinge verliefen besser als gedacht“, erwiderte sie.
„Ich gehe recht in der Annahme aus, dass Sie ihr Projekt jetzt vollenden können?“, fragte er interessiert.
„Ja, es ist soweit!“ sagte sie nach einer Pause und blickte auf die Liege.
Das Tuch, das die Liege bedeckte warf Falten, sodass man den Inhalt erahnen konnte.
„Nagios!“
„Starte E.X.I.T.“
„Jawohl, es werde Licht“, sagte er mit heller Stimme.
In diesem Moment überwarfen sich die Projektion im Raum in einem atemberaubenden Tempo. Für eine Augenblick kehrte Sahra kurz inne und schloss die Augen
„Wenn alles gut läuft sehen wir uns bald wieder“, sagte sie zum Schluss.

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Re: EXIT

von ricochet (09.04.2020, 11:24)
Hallo Sara,

mich erinnert das ein bisschen an den Film "Avalon". Streng genommen lese ich bereits das erste Kapitel, und keinen Prolog. Grundsätzlich meine ich, dass der Text recht flott geschrieben ist. Insofern passt das Erzähltempo. Allerdings finde ich viele Rechtschreibfehler und den atmosphärischen Einstieg über die Beschreibung von Wetter und Umgebung würde ich in die Handlung einbauen.
Beim Dialog gegen Ende hin schreibst du von "er", obwohl du eine Computerstimme erwähnst. Es müsste also "sie" (die Stimme) heißen. Das Geschlecht richtet sich bei zusammengesetzten Hauptwörtern nach dem Grund-, nicht nach dem Bestimmungswort.
Du möchtest bestimmt wissen, ob der Text spannend ist. Mich interessiert es jedenfalls, wie es weitergeht.

LG

rico
Ich schreibe, also bin ich.

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