Ein Gedankenexperiment

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TotoundElfi
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Ein Gedankenexperiment

von TotoundElfi (19.06.2020, 22:59)
Hallo, da ich beeindruckt bin von der geballten Kompetenz hier, habe ich mich entschieden, diese zu nutzen und euch von meinem geplanten Projekt zu erzählen (wie ich es mir vorstelle- deshalb "Gedankenexperiment").
Beim Durchdenken kommen mir Fragen und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe.

Ich versuche es kurz zu fassen:
Eine Freundin und ich wollen uns einen Herzenswunsch erfüllen und unsere (aufeinanderfolgenden) Kindergeschichten in Buch- und Hörspielform zu produzieren und zu veröffentlichen. Im Vordergrund steht für uns zunächst die Veröffentlichung der Serie als Buch. Dazu wollen wir eine UG gründen.

Stellen wir uns vor, wir würden die UG gründen (alle buchhalterischen, finanziellen Aspekte sind uns bewusst), uns Lektor, Illustrator, Druckerei usw. suchen, die Bücher drucken lassen, uns um Werbung kümmern und die Bücher dann zunächst selbst lagern und versenden. Da wir nicht vorhaben Fremdautoren zu veröffentlichen, erscheint es uns nicht notwendig, einen Verlag zu gründen.

1. Wir wären dann automatisch "Selbstverleger", korrekt? Sobald ich ein also ein Schriftstück drucke und veröffentliche, werde ich vom Autor zusätzlich zum Selbstverleger, habe ich das richtig verstanden?

2. Muss ich mich als Selbstverleger, trotz meiner gegründeten UG (mit der ich in Handelskammer usw. eingetragen bin) noch irgendwo extra anmelden, oder passiert dies automatisch, sobald ich ein Buch z.B. online verkaufe? Ich gehe davon aus, dass ich das tun muss, könnt ihr mir sagen, wo?

3. Sobald ich ein von mir produziertes Buch verkaufe, habe ich mich automatisch an das Verlagsrecht (VerlG), Urheberrechtsgesetz (UrhG) und das Buchpreisbindungsgesetz (BuchPrG) zu halten?

4. Gehen wir im Gedankenexperiment mit viel Glück von einer hohen Anzahl von Titeln aus, die produziert wird. Gibt es an irgendeinem Punkt in der Zukunft von vielen produzierten Büchern im Selbstverlag einen Nachteil, dies immer noch als Selbstverleger zu tun? Ist eventuell die Gründung eines Verlags doch sinnvoll, wenn man von vornherein plant eine Serie zu veröffentlichen? Wenn ja, warum?

Es tut mir leid, dass ich so detailliert frage, vielleicht krieche ich auch gerade im Urschleim der Grundlagen, die jeder Autor wissen sollte, aber für mich sind einige Zusammenhänge noch nicht so klar. Bisher hat mir Google nur Puzzleteile geliefert, die ich noch nicht genau zusammensetzen konnte.

Ich danke euch schonmal für euer Wissen und eure Ratschläge.
Danke, Jule (und Vicki)

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Siegfried
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Re: Ein Gedankenexperiment

von Siegfried (20.06.2020, 14:39)
TotoundElfi hat geschrieben:
1. Wir wären dann automatisch "Selbstverleger", korrekt? Sobald ich ein also ein Schriftstück drucke und veröffentliche, werde ich vom Autor zusätzlich zum Selbstverleger, habe ich das richtig verstanden?


Selbstverleger ist man, wenn man ausschließlich seine eigenen Bücher in einem eigenen Verlag veröffentlicht. Erfolgt die Veröffentlichung über einen anderen Verlag (vgl. BoD), ist man kein Selbstverleger (Definition laut "Verlagswörterbuch" vom Autorenhaus Verlag). Wer seine Bücher bei einem On-Demand-Hersteller unter dessen ISBN veröffentlicht und dafür alle notwendigen Arbeiten erledigt, der darf sich Self-Publisher nennen.

TotoundElfi hat geschrieben:
2. Muss ich mich als Selbstverleger, trotz meiner gegründeten UG (mit der ich in Handelskammer usw. eingetragen bin) noch irgendwo extra anmelden, oder passiert dies automatisch, sobald ich ein Buch z.B. online verkaufe? Ich gehe davon aus, dass ich das tun muss, könnt ihr mir sagen, wo?


Wenn ihr tatsächlich Selbstverleger sein wollt, braucht ihr eigene ISBN. Die ISBN kann man sich - einzeln oder mehrere im Paket - kaufen. Zum Beispiel hier: https://www.isbn-shop.de/ Zusätzlich Infos gibt es hier: https://german-isbn.de/

Ein anderes Problem betrifft den Vertrieb. Wollt ihr den Vertrieb selbst stemmen oder auch den Buchhandel mit einbeziehen? Im letzteren Fall ist die Frage, ob ihr einen Grossisten beliefern wollt. Ansonsten muss jeder Buchladen das Buch direkt bei euch bestellen, was für viele Buchläden sehr umständlich und kostenintensiv ist.

TotoundElfi hat geschrieben:
3. Sobald ich ein von mir produziertes Buch verkaufe, habe ich mich automatisch an das Verlagsrecht (VerlG), Urheberrechtsgesetz (UrhG) und das Buchpreisbindungsgesetz (BuchPrG) zu halten?


Nein, du hast dich an diese Gesetze zu halten, wenn du ein Buch veröffentlichst und zum Kauf anbietest. Ein Kaufvertrag muss nicht zustande kommen, damit die Gesetze gelten.

TotoundElfi hat geschrieben:
4. Gehen wir im Gedankenexperiment mit viel Glück von einer hohen Anzahl von Titeln aus, die produziert wird. Gibt es an irgendeinem Punkt in der Zukunft von vielen produzierten Büchern im Selbstverlag einen Nachteil, dies immer noch als Selbstverleger zu tun? Ist eventuell die Gründung eines Verlags doch sinnvoll, wenn man von vornherein plant eine Serie zu veröffentlichen? Wenn ja, warum?


Nochmal: Wenn ihr unter eigenem Namen und mit eigener ISBN veröffentlicht, seid ihr ein Verlag. Nur weil ihr ausschließlich eigene Werke vertreibt, heißt ihr Selbstverleger. BoD stellt seine Dienste Verlagen in einem eigenen Bereich zur Verfügung, d. h. BoD druckt und versendet die Bücher für einen Verlag. Siehe hier: https://www.bod.de/verlage.html

Als UG habt ihr andere Probleme. Eine UG ist vergleichsweise finanzschwach. Das wirkt sich auf die Kreditwürdigkeit aus, aber auch auf das Risiko einer Insolvenz. Wenn das Kapital verbraucht ist, muss die UG Insolvenz anmelden. Umgekehrt darf eine UG nicht den gesamten Gewinn ausschütten, sondern muss 25 % des Gewinns so lange zurückhalten, bis 25.000 Euro Eigenkapital erreicht sind. Eine UG mit einem Kapital von 25.000 Euro fällt unter die Regelungen der GmbH, auch wenn eine Umfirmierung (aus UG wird GmbH) nicht zwingend vorgeschrieben ist. Alle Sonderregeln der UG gemäß § 5a GmbHG sind dann futsch.

Fröhliche Grüße

Siegfried
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Monika K.
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Re: Ein Gedankenexperiment

von Monika K. (20.06.2020, 14:41)
Hallo, Jule,

mit der Gründung einer UG kenne ich mich nicht aus.

Der Vollständigkeit halber möchte ich für die Printausgabe noch einen einfacheren Weg aufzeigen, falls der für euch infrage kommt: Zwei Autoren können sich zusammentun und einen von beiden zum Herausgeber küren. Der schließt den Vertrag für die Printausgabe und evtl. für ein E-Book mit BoD ab, lädt die Dateien hoch und überlässt das Drucken und die Belieferung der Buchgroßhändler BoD. Die Geschäftsbeziehung zwischen den beiden Autoren kann und sollte man vertraglich regeln. Dafür gilt Vertragsfreiheit. Bei dieser Variante nennt man sich zwar Selfpublisher, nimmt jedoch BoD als Dienstleistungsverlag in Anspruch und ist rein rechtlich Autor bei BoD. Wer lieber einen Verlag gründen möchte, kann trotzdem BoD fürs Drucken und Ausliefern benutzen. Dafür gibt es separate Verträge.

Mir ist nicht ganz klar, ob ihr gemeinsam als Autorenduo die Geschichten schreibt oder jede Autorin eigene Geschichten schreibt, die in einer gemeinsamen Reihe erscheinen sollen. Wenn jede allein für sich schreibt, kann natürlich auch jede für ihre Bücher Verträge mit BoD abschließen und die Dateien hochladen. Damit wäre eine Hausgeberin nicht notwendig.

Zu deinen Fragen:
1. Ja.
2. Keine Ahnung.
3. Jeder hat sich an alle Gesetze zu halten. Ich verstehe die Frage nicht so ganz.
4. Keine Ahnung.

Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht völlig missverstanden.

Viele Grüße
Monika

edit: Meine Antwort an sich jetzt mit Siegfrieds überschnitten. Ich lasse sie jetzt trotzdem so stehen.
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TotoundElfi
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Re: Ein Gedankenexperiment

von TotoundElfi (20.06.2020, 15:34)
Vielen Dank für eure Antworten!

Ok das hilft mir auf jeden Fall weiter, da gedanklich mehr einzusteigen.

Weil die Frage kam: Wir schreiben als Autorenduo die Geschichten gemeinschaftlich, sodass unterschiedliche Verträge nicht unbedingt in Frage kommen.

Was das BoD Angebot angeht, da informiere ich mich nochmal genauer. Auch welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt!

Ich als Laie habe mir die Frage gestellt, ob jeder der ein Buch produziert und verkauft automatisch ein (Selbst-)Verlag gründet (gründen muss).

Wenn mein Opa z.B. seine Lebensgeschichte aufschreibt, diese druckt und sich denkt, er könnte es einfach auf seiner privaten Website zum Verkauf anbieten (ob er nun Werbung macht oder nicht). Ist er dann automatisch ein Selbstverleger und muss dies als "Gewerbe" anmelden? Oder ist das dann einfach ein "Privatverkauf"? Gibt es sowas? Ich glaube darauf wollte ich hinaus.

Schönes Wochenende!!

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Monika K.
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Re: Ein Gedankenexperiment

von Monika K. (20.06.2020, 15:38)
Wir Autoren sind Freiberufler und müssen, wenn wir unsere Bücher verkaufen, kein Gewerbe anmelden. Für deine weitere Recherche sind die Stichworte "Dienstleistungsverlag" und "Selfpublisher" vielleicht hilfreich. Dazu findest du im Netz jede Menge Informationen. Für Verträge zwischen zwei Autoren gilt die Vertragsfreiheit. Ihr seid also nicht gezwungen, irgendwelche Firmen zu gründen, wenn ihr das nicht aus anderen Gründen explizit wollt.

Viele Grüße
Monika
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TotoundElfi
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Re: Ein Gedankenexperiment

von TotoundElfi (21.06.2020, 10:04)
Danke!!

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