Was mich stört....

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hwg
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Re:

von hwg (07.05.2007, 08:23)
Falls diese Zensoren auftauchen, mache ich eine Pause, bewege mich ins nächstgelegene Cafè, unterhalte mich oder blättere in Zeitungen - inzwischen sind die neben dem Schreibtisch gestört habenden Genossen vor lauter Langeweile wieder verschwunden und belästigen einen anderen Autor... :lol: Die Arbeit geht wieder flott voran!

g.c.roth

Re:

von g.c.roth (07.05.2007, 08:34)
Da hast Du es aber gut hwg! Meine gehen einfach mit ins Café! Manchmal sitzen sie in den Kugelschreibern die ich benutze. Ich werde sie irgendwie eliminieren müssen!
LG Grete

hwg
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Re:

von hwg (07.05.2007, 09:16)
Werte Grete, im Laufe der Jahre habe ich es mir abgewöhnt, mich über derartige "Zwischenfälle" zu ärgern. Und wenn an einem Tag schreibmäßig einmal überhaupt nichts geht - morgen ist auch ein Tag. Zielstrebigkeit ist ja gut, erzwingen lässt sich jedoch nichts. Eine Binsenweisheit, ich weiß, aber mit ihr lebt es sich nicht schlecht. Hauptsache, Du und ich und alle Kolleginnen und Kollegen sind und bleiben gesund. Die verwertbaren Einfälle kommen dann garantiert :lol:
Ich wünsche Dir einen angenehmen Montag!

g.c.roth

zensoren

von g.c.roth (07.05.2007, 09:29)
Danke für Deine aufmunternden Worte. Ich bin aber nicht verzagt oder habe keine Ideen. Im Gegenteil - eher machen sie mich wütend - diese "inneren Zensoren". Aber ich glaub' dieser kleine Gedankenaustausch hat ausgereicht um die Miesmacher in einer Kurzgeschichte mundtod zu machen. Mal sehen wie sie das finden... die Halunken. Werde sie mal einladen statt fortschicken...

Bis die Tage dann
Grete

dbs

Re: innere Zensoren

von dbs (07.05.2007, 11:07)
roth hat geschrieben:
Ich habe böse Widersacher in meinem Kopf, die mich immer wieder ausbremsen beim Schreiben: Meine inneren Zensoren.
Wie schaltet ihr diese aus?


Um gar nicht erst in solche Situationen zu kommen, kann ich nur empfehlen, während des Schreibprozesses nicht zurückzublättern. Erst die Szene zu Ende schreiben, bevor man auch nur einen Gedanken an die Korrektur des Szenenanfangs verschwendet. Erst das Kapitel zu Ende schreiben, bevor man sich den Kapitelanfang noch mal vornimmt. Noch besser: Erst den ersten Entwurf ("First Draft") beenden, dann in die Überarbeitungsphase einsteigen.

Diese Art des Arbeitens kann man sich selbst in Form eines Zeitplanes zugestehen. Es gibt eine Zeit des Schreibens, wo es nur um das Vorwärts geht. Und es gibt es eine Zeit des Schreibens, die ausschließlich der Überarbeitung gewidmet ist. Es gibt aber keine Zeit, wo diese beiden Aufgaben miteinander vermischt werden (denn das füttert den inneren Zensor und macht ihn groß und stark).

Merke: Beim Schreiben immer vorwärts schreiben, nie zurückblättern!
Zum Überarbeiten ist immer noch Zeit.

(Damit das Vorwärts-Schreiben funktioniert, sollte man sich vorher einen Plan zurechtlegen, um sich an einer Struktur entlang hangeln zu können - aber das ist ein anderes Thema)

Und wenn der innere Zensor sich nun doch in den Vordergrund drängt? Wie soll man ihn dann verscheuchen?

Ich mache das - je nach Zeit und Stärke der inneren Zensoren - durch zwei Methoden:

Methode 1: Power-Schreiben

Dazu brauche ich freien Platz auf dem Schreibtisch, ein paar Blatt Papier, einen Stift, mit dem ich flüssig schreiben kann (ich bevorzuge in dem Falle Faserschreiber) und einen Küchenwecker.
Der Küchenwecker wird auf 5 Minuten eingestellt (das ist beim Power-Schreiben schon Obergrenze, weil man es kaum länger durchhält) und gestartet. Und damit geht's dann los: Es wird einfach drauflos geschrieben, ohne nachzudenken, ohne Rücksicht auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Ohne einen Gedanken an den geschriebenen Inhalt zu verschwenden. Ohne an irgendeiner Stelle zurückzublättern oder auf den Satz davor zu achten. Keine Handlung, keine Muster, kein Schema. Vor allem: Keine Korrekturen! Einfach nur Schreiben auf Tempo.

Bei mir fängt das meist mit einer Beschimpfung des inneren Zensors an, geht dann aber sehr schnell in völlig andere Bereiche. Wenn der Wecker dann endlich klingelt, sind ein paar Seiten vollgeschrieben (je nach Schriftgröße). Und die Hand schmerzt. Garantiert (Wenn nicht, hat man zu viel nachgedacht und zu wenig geschrieben). Aber der blöde innere Zensor ist weg. Weil er durch das Tempo gar keine Chance hatte, seine Stimme zu erheben (die geschriebenen Seiten landen dann natürlich im Reißwolf).

Nebeneffekt: Man hat sich warmgeschrieben für die weitere Arbeit am eigentlichen Text (Anmerkung: dieses Warmschreiben ist übrigens sehr sinnig, wenn man sich wieder ans Schreiben eines Romanes macht. Um schnell wieder in den eigenen Text reinzukommen, kann man einfach die letzten ein oder zwei Seiten ausdrucken, im Computer löschen und dann abschreiben. Dadurch bekommt man wieder den Anschluss)


Methode 2: Das Interview

Als zweite Möglichkeit nutze ich das Interview mit meinem inneren Zensor. Das kann man handschriftlich machen, aber auch mit dem PC. Sich hinsetzen und dem inneren Zensor böse Fragen stellen. Das dann in Dialogform aufschreiben:

Ich: "Warum quälst Du mich so? Du bist feige und zeigst dich nicht!"
Zensor: "Selber feige!"
Ich: "Was willst Du von mir?"
Zensor: "Was du dir vorgenommen hast, übersteigt dein Können bei weitem. Du wirst grottenschlecht schreiben ..."
Ich: "Soll ich Dir mal was zeigen? Hier ... ich habe eine schriftliche Erlaubnis, schlecht zu schreiben!"
Zensor: "Äh ..."


Einfach mal ausprobieren.

Grüße
Siegfried

g.c.roth

Zensor eliminieren

von g.c.roth (07.05.2007, 11:45)
Hallo Siegfried,
danke Dir sehr für Deine ausführlichen Anleitungen! Das motiviert doch und gibt mir die Möglichkeit mich aktiv zur Wehr zu setzen.
Es ist tatsächlich so, dass ich während des Schreibens immer auch wieder zurückblättere, umformuliere und dem Zensor in mir zähneknirschend erlaube, Ereignisse abzuschwächen oder gar ganz rauzunehmen. Am Ende bleibt dadurch manchmal ein langweiliges Gerüst übrig, das mit dem, was ich eigentlich wollte, kaum noch etwas zu tun hat. Reicht dann grad noch um meinen Ofen damit zu füttern.

Werde Powerschreiben und Interview intensiv ausprobieren - bin sozusagen "guter Hoffnung"! Danke nochmal!

Gruß
Grete

hwg
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Re:

von hwg (07.05.2007, 11:53)
Hallo Siegfried!

Das mit dem "Power-Schreiben" lese ich hier zum ersten Mal. Bei mir würde es so, wie es Du vorschlägst, sicher nicht funktionieren, denke ich, denn mir kommt es stets sinnlos vor, etwas nicht für den baldigen Druck Vorgesehenes zu tippen. Die "Power" stellt sich bei mir jedenfalls mit dem oft vorhandenen Zeitdruck ein. :lol:

Und sollte sich der böse Zensor bei mir melden, werde ich Deinen Interview-Ratschlag in die Tat umsetzen. Die Idee gefällt mir. Man lernt eben nie aus!

g.c.roth

KO in der ersten Runde!

von g.c.roth (07.05.2007, 12:11)
Hallo Siegfried,
da ich zu den Menschen gehöre, die immer alles sofort wollen, habe ich mich gleich hingesetzt und meinen größten Zensor interviewt und das in Verbindung mit dem Powerschreiben. Ich bin begeistert! Schreiben ohne zu Denken! Einfach genial! Schon nach den ersten Sätzen sprudelte es nur so. Und entgegen meiner Befürchtung, dass am Ende nur Kraut und Rüben herauskommt, entwickelte sich sofort ein Thema und eine lebhafte Diskussion. Meine Argumente waren die besseren und ich hätte noch viele mehr finden können, aber die fünf Minuten waren leider zu schnell vorbei. Sicher wird der Zensor nicht so schnell aufgeben und bald wieder auftauchen, aber für heute habe ich ihn geschockt und er hält die Klappe. Eine tolle Sache, kann ich nur weiter empfehlen.
Gruß
Grete

Versailles
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Powerschreiben

von Versailles (23.05.2007, 22:50)
... oder die Kraft der Assoziation

Hallo,
ich kann die von Siegfried geschilderten Erfahrungen (Hand schmerzt, jede Menge Wörter für den Reisswolf) im positiven Sinn teilen! Ich kenne die Methode unter dem Namen "assoziatives Schreiben" und nutze sie, um Alltags'müll' loszuwerden und mich auf das Arbeiten am Text konzentrieren zu können. Ich beginne i.d.R. mit einem beliebigen hauptwort und schreibe dann wild darauf los. Das können wiederum Worte sein, die sich mehrfach wiederholen oder Sprichworte oder irgendwelche Kürzel oder eben reine Assoziation.
Die Auseinandersetzung mit den inneren Zensoren in Form eines Interviews klingt interessant und ich werde es ausprobieren.

Ich habe auch schon gemerkt, dass das assoz. Schreiben manchmal spannende Wortkonstrukte oder Formulierungen hervorbringt. Es hilft mir, die beim assoz. Schreiben gefüllten Blätter einfach ein paar Tage liegen zu lassen (ich überlasse die alltäglichen Dinge sich selbst) und dann noch einmal darauf zu blicken. Ich reflektiere damit Gefühle und Ideen, die mich beschäftigt haben (oder immer noch beschäftigen) und konnte schon mal etwas für einen Text verwenden. Andernfalls landet alles in der Ablage P

Ich bin übrigens persönlich sehr, sehr vorsichtig mit dem Reisswolf geworden. Ich habe vor vielen Jahren fast alles vernichtet, was ich in der Jugend geschrieben hatte (im Sinn von: das liest kein Mensch mehr). Dafür könnte ich mich heute noch kasteien :oops: , weil ich einen teil meiner schriftstellerischen Entwicklung vernichtet habe...


Liebe Grüße
Amalia
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Ruth
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Re:

von Ruth (29.05.2007, 12:24)
also wenn ich eine schreibblockade habe, lasse ich das skript einfach ein paar wochen oder monate liegen. dann kann ich mir in ruhe noch mal alles durch den kopf gehen lassen und sammle neue ideen. danach ist es zwar manchmal schwierig, wieder in die geschichte zu kommen, aber es lassen sich das ein oder andere kapitel verbessern oder neu schreiben. ich setze mich nicht unter druck, was mir natürlich leicht fällt, da ich von der schreiberei nicht leben muss ...

Friederieke Jakob

Re: Was mich stört....

von Friederieke Jakob (01.06.2007, 13:57)
Teddy2065 hat geschrieben:
....ich habe jetzt den dritten Anlauf für ein Buch gestartet und mir fällt bei knapp 200 Seiten auf, das es mir so nicht gefällt. Es ist nicht gerade eine Schreibblockade nach der Art, mir fällt nichts mehr ein, sondern immer es ist nicht gut genug.
Habt Ihr so etwas auch, oder geht es nur mir alleine so ?

Teddy


Hallo Teddy!
Ich kann dich trösten. So manches als Bestseller herausgebrachetes Buch taugte nur zum wegwerfen. Andere, still und verstaubt in den Regalen liegend, wenn sie überhaupt dort liegen, sind allererste Klasse. Lasse dich von deiner eigenen Emfpfindung leiten, und vor allem, lese dir deine eigenen Texte selber laut vor. Dann hörst du sofort, wo es hakt.
:D
Liebe Grüße von Alice
www.alicebuecher.de / Mein Buch: SMS SOS LEOPOLD

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Tino
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Re:

von Tino (22.06.2007, 19:48)
Selbstzweifel und Schreibblockaden sind völlig normal. Ich bin jeden Tag 16 Stunden Verleger und wenn ich gut drauf bin für zehn Minuten Schriftsteller. Manchmal verlängern sich die zehn Minuten über die ganze Nacht. Vom Verlag lebe ich und vom Schreiben würde ich gern leben.

Ich arbeite meist an zwei drei Manuskripten. Da ich Belletristik schreibe und in manchen Büchern viele Namen vorkommen, muss ich mir einen Spickzettel machen, damit nichts verwechselt wird. Komme ich in einem Buch nicht weiter, dann schreib ich an dem anderen. Geht beides nicht vorwärts, dann muss ich halt pausieren bis mir in einer schlaflosen Nacht wieder was einfällt. Das Ende von meinem neusten Roman erschien mir irgendwann kurz vor vier in der Frühe. Und es ist so genial, dass ich am Morgen richtig aufgewühlt war. Also habe ich das Ende geschrieben, obwohl der größte Teil vom Boddy noch fehlt. Notizen sind in einem solchen Fall dringend notwendig.

Was das gute oder schlechte Buch angeht, da halte ich mich an Grass, der mal sinngerecht sagte, er würde primär für die Leser und sekundär für die Kritiker schreiben. Man muss selbst vom eigenen Buch überzeugt sein, dann überzeugt es auch andere. Den Feinschliff sollte man ruhig Lektoren überlassen. Und man muss unbedingt auf richtige Kritiken reagieren. Ohne die kommt man nicht weiter, auch wenn es manchmal schwerfällt. Letztendlich sind die Geschmäcker sehr unterschiedlich. Ich habe diverse Fangemeinden und jeder Fan findet ein anderes Buch von mir gut. Manche sogar ein Buch, von dem ich es nicht erwartet hätte.

Herzliche Grüße
Tino


http://www.tino-hemmann.de

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Judith
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Re:

von Judith (07.08.2007, 01:51)
Interessant, wie jeder auf andere Art arbeitet. :D Dazu muss ich gleich nachher einen neuen Thread starten.

Alice, das mit dem laut vorlesen kann ich bestätigen. Dabei fallen einem selbst hakelige Stellen viel besser auf.

Bei mir ist auch mein Mann der gnadenlose Kritiker. Zu 80 Prozent muss ich ihm Recht geben, wenn er etwas zu mäkeln hat.

Wenn mir (oder ihm) ein Kapitel nicht gefällt, dann überarbeite ich nur das, was mir gleich einfällt. Ansonsten lasse ich es zunächst liegen und schreibe weiter. Bei einer späteren Überarbeitung fällt mir sicher (hoffentlich) mehr dazu ein.

Grüßle,
Judith

robertwalden
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Re: Was mich stört....

von robertwalden (17.08.2007, 08:23)
Teddy2065 hat geschrieben:
....ich habe jetzt den dritten Anlauf für ein Buch gestartet und mir fällt bei knapp 200 Seiten auf, das es mir so nicht gefällt. Es ist nicht gerade eine Schreibblockade nach der Art, mir fällt nichts mehr ein, sondern immer es ist nicht gut genug.
Habt Ihr so etwas auch, oder geht es nur mir alleine so ?

Teddy


Das ist, was Schriftsteller immer erleben, solange sie leben. Das ist es, was sie antreibt, anspornt noch besser zu werden, die Geschichte zu schleifen und zu polieren.

Die Suche nach dem perfekten Satz, nach der perfekten Geschichte begleitet den wahren Schriftsteller sein Leben lang. Daran ist nichts auszusetzen, denn auf der Suche sind wir alle sowieso unser Leben lang. Ich sehe also Deine Selbstkritik nicht als Mangel, sondern als Anzeichen dafür, dass Du erkannt hast, wie schwer gutes Schreiben wirklich ist. Und dass von Dir Entwicklungen zu erwarten sind, die sich gewaschen haben.

beste grüße

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