Wie arbeiten Lektoren

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PvO
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Re:

von PvO (06.09.2008, 09:06)
Bei der Zusammenarbeit mit einem Lektor liegt das Urheberrechtsgesetz zu Grunde. Ändern darf nur der Urheber. Der Lektor darf nur Vorschläge machen. Und der Autor hat ein Mitspracherecht. So sollte es jedenfalls sein. Es gibt Verlage, die dem Autor einen Lektor aufs Auge drücken und der Autor hat zu kuschen. Eine Agentin sagte einmal zu mir: wenn der Autor zu viele Änderungen ablehnt, dann trennen wir uns. Die Marketingleute und der Lektor, die wissen schon, was sich verkaufen lässt und was nicht. Und so ist die Äußerung der Agentin durchaus nachvollziehbar. Wenn der Lektor allerdings versucht, aus meinem Manuskript ein neues zu machen, was dann im Grunde seins ist, dann muss man sich die Frage stellen, ob man sich nicht von diesem Verlag trennt. Ich hab das alles durch. Nachdem ich meine erste reguläre 3.000-der Auflage raus hatte, hab ich mich mit dem nachfolgenden Manuskripten gar nicht erst an herkömmliche Verlage gewandt, sondern hab gleich BOD`s draus gemacht.
Hier steht ein ausführlicher Bericht dadrüber.
http://www.autorenpool.info/daumenschrauben-t2035,highlight,daumenschrauben.html

hwg
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Re:

von hwg (06.09.2008, 09:31)
Guten Morgen Peter!

Viele Großverlage und ihre (zumeist angestellten) Lektoren verfahren nicht selten genau so, wie Du es beschreibst. Und was soll - besonders ein "neuer" Autor - dagegen tun, will er in d i e s e m Verlag sein Erstlingswerk gedruckt sehen? Soll er mit den vorgeschlagenen Änderungen - die oft sogar notwendig sein können - einverstanden sein oder sich erst wieder auf die (mühsame) Suche nach einem anderen Verlag, wo es ihm möglicher Weise ähnlich ergeht, machen?

Zur Ehrenrettung vieler mir bekannter Lektoren, weiblichen wie männlichen, darf ich jedoch hinzufügen: Sie benehmen sich meistens nicht wie "Oberlehrer", sondern besprechen mit dem Autor durchaus
ausführlich die vorgeschlagenen Änderungen und erreichen damit dessen
gar nicht "erzwungenes" Einverständnis.

Wäre es tatsächlich so arg, wie Du es beschreibst, müsste der Lektor ja als Co-Autor aufscheinen.... :lol:

Gruß Hans

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PvO
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Re:

von PvO (06.09.2008, 09:41)
Eins wissen wir doch alle: einen herkömmlichen Verlag aufreißen, das ist doch wie ein sechser im Lotto und man sollte davon ausgehen, dass der Lektor sein Handwerk versteht. Und so habe ich bei meinen privat engagierten Lektoren 80-90% der Änderungen akzeptiert.
sondern besprechen mit dem Autor durchaus
ausführlich die vorgeschlagenen Änderungen
Das hab ich allerdings nie erlebt. Es ging alles per Mail, persönlich gesprochen habe ich nie einen.
Lektoeren sind in der Regel studierte Leute und kennen sich sehr gut aus in ihrem Metier. Als "unbedarfter Autor" ist man da in der Regel gut aufgehoben; in der Regel ...

hwg
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Re:

von hwg (06.09.2008, 09:48)
Kein Widerspruch meinerseits... :lol:

Als ich vor Jahrzehnten begonnen habe,
manchmal für einen Verlag als Lektor
tätig zu sein, hat es noch kein Internet
gegeben. Außerdem waren Verlag,
Autor und ich am selben Ort.

Und wenn ich heute einen neuen Auftrag bekomme (und
übernehme, was aus Zeitmangel nicht immer möglich
ist), wird ebenso dieses "Verfahren" angewandt.

Also, nichts mit Internet oder sonstigem Schrift-
wechsel. Der persönliche Kontakt herrscht vor!

Thorsten Boose

Re:

von Thorsten Boose (06.09.2008, 11:07)
Hallo, Siegfried.

Siegfried hat geschrieben:
Thorsten hat geschrieben:
Inhaltlich dürfen sie nichts verändern! Sollte das der Fall sein, hat man keinen guten Lektorenfang gemacht.


Eine hehre Aussage. Ich erwarte genau das Gegenteil dessen, was du da behauptest, von einem Lektor.

Ein Lektor muss meiner Meinung nach den Schwerpunkt auf den Inhalt legen. Alles andere macht bei einem Lektorat keinen Sinn.


Er muss sich mit dem Inhalt befassen, um logische Strukturen erkennen zu können. Fehlen diese oder wird zu viel beschrieben, muss er Absprache mit dem Autor halten. Ohne die Zustimmung des Autors darf er nichts auf eigene Faust verändern, so war es gemeint.

Grüße!

anja
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anja

von anja (06.09.2008, 18:01)
Ja, also das ist ja viel Info.
Ich kann da ja mal ins Detail gehen. Vor knapp zwei Jahren hatte ich einen Fernlehrgang bei der Schule des Schreibens gemacht. Im Anschluß bzw. als letzte Hausaufgabe ging es um einen Romanentwurf. Ich war total von einem Thema begeistert und baute es weiter aus. Ich konnte in der Schule das fünfmalige kostenlose Lektorat nutzen, welches folgendermaßen ablief: Ich baute meine Geschichte aus (das Gerüst) und schrieb so knapp 20-30 Seiten dazu, die ich dann zur Lektorin schickte. Die wiederum ordentlich korrigierte und meinte, ich müsse hier und da noch am Gerüst Änderungen vornehmen (mit konkreten Vorschlägen). Ich änderte dann also wieder und so ging das eben diese fünf Male und irgendwie kam ich nie über die besagten ersten 30 Seiten hinaus.
Jetzt allerdings habe ich mir (weil Schule ist abgeschlossen) eine neue Lektorin gesucht, die mich völlig gegensätzlich behandelt. Sie will gar nicht mein Gerüst sehen, sie will dass ich einfach schreibe und wenn das Manuskript völlig fertig ist, dann schaut sie sich es an! Jetzt bin ich echt durcheinander!! :shock::

LG. Anja

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hawepe
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Re: anja

von hawepe (06.09.2008, 18:10)
Hallo Anja,

anja hat geschrieben:
Jetzt bin ich echt durcheinander!! :shock::


Was ein lektorat zu beinhalten und wie es abzulaufen hat, ist nun einmal nirgendwo festgelegt. Zum einen hat jeder Lektor seine eigenen Vorstellungen und vor allem auch eigenen Stärken und Schwächen, zum anderen erwartet auch jeder Autor etwas anderes.

Nicht zuletzt ist es eine Kostenfrage. Wenn der Lektor den Text im Prinzip mit dir zusammenentwickelt, wird es sehr viel aufwendiger, als wenn er den fertigen Text bekommt. Bei letzterem trägt man als Autor natürlich das Risiko, ggfs. das gesamte Manuskript neu schreiben zu dürfen.

Wie an allen Lebensbereichen sollte man auch für ein Lektorat immer genaue Absprachen treffen und schriftlich festlegen. Du musst festlegen, was du erwartest und der Lektor sagen, ob er das erfüllen mag und wieviel er dafür verlangt.

Beste Grüße,

Heinz.

Arachne
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Re:

von Arachne (06.09.2008, 18:36)
Hallo Anja,

ich denke, das ware einfach 2 verschiedene Lebensbereiche. Das eine war "Schule", d.h. Grundzüge wurden beurteilt und dadurch auch gelehrt. Kennzeichen dafür ist doch wohl, daß Du eben nie über 30 Seite hinausgekommen bist.
Im Leben muß die Autorin eben erst mal selbst da durch und ein Werk verfertigen, eben es allein fertig machen. Erst dann kann die konstruktive Kritik ansetzen.
Das ist ähnlich wie wenn man von der Uni, wo man gutachterlich arbeitet, in den Beruf kommt, wo man Entscheidungen treffen muß.

Sigrid

hwg
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Re:

von hwg (07.09.2008, 10:06)
Sigrid formuliert es treffend!

Ein Verlagslektor wird mit einem
"fertigen" Werk konfrontiert.
Ein vom Verlag angefordertes
Exposé dient bloß dazu, einen
Einblick zu gewinnen, ob das
Angebot überhaupt ins Verlags-
programm passt.

Übrigens, ich habe bis heute
kein Exposé vorgelegt, weil
dies von mir auch nie verlangt
worden ist.

Und zur Beurteilung eines
Romans sind mir in der Regel
auch Auszüge daraus zu wenig.

Gruß Hans

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (07.09.2008, 12:10)
Es kann wohl auch kein "standardisiertes" Lektorat geben, da die Autoren sehr unterschiedlich sind.
Der eine kann mit der Variante besser, der andere mit der. Der eine mag lieber einen "knallharten" Vernunftsmenschen als Lektor, der andere möchte gern "bekuschelt" werden. cheezygrin

Ich mache ja auch Lektorat, und ich biete immer zwei Varianten an:
Entweder überarbeite ich den Text so, wie ich es für richtig halte und schicke dem Autor das Ergebnis zu.
Oder ich ändere nichts im Text, sondern mache nur Anmerkungen. Natürlich sind diese Anmerkungen immer nur persönlicher Geschmack. Diese Variante ist zwar die wesentlich langwierigere, aber ich glaube, dass dadurch der Autor noch mal ganz andere Einblicke in seinen eigenen Text bekommt. Es geht - zumindest mir - nicht nur und ausschließlich darum, einen Text "dem Markt" anzupassen, sondern auch darum, zu verstehen, was sich der Autor gedacht hat. Manchmal wird das nicht so richtig klar, und dann frage ich eben (im Text). Diese "Fragen" - so hoffe ich - können durchaus sehr erhellend sein. cheezygrin Ohnehin halte ich Fragen für essentiell, da man dem Autor die Möglichkeit gibt, selbst die Antwort zu geben. Es geht dann halt nicht nach dem Prinzip: "Das ist schlecht, das muss anders sein", sondern, "wäre es nicht besser, wenn das so oder so wäre?", oder, "ist hier nicht ein Denkfehler oder verstehe ich das falsch?"

Ich schreibe ja selbst auch, und das Problem ist, dass man selbst eine Idee hat und versucht, sie verständlich rüberzubringen. Doch erhält man keine Rückmeldung, kann man nicht genau wissen, ob das, was man ausdrücken wollte, auch verstanden wird.

Es kann auch vorkommen, dass mir beim Lektorieren eine Idee zu einer Szene kommt. Es macht dann "Klick" bei mir und ich denke: Hey, es wäre doch "cool", wenn jetzt noch das oder jenes passieren würde. Diese Idee teile ich dann dem Autor wieder mit. Ob er sie dann mit einfügen will, bleibt natürlich ihm überlassen.

Manchmal schreibe ich einige Absätze um, und sie werden vom Autor abgenickt. Doch versuche ich darauf zu achten, dass es nicht auffällt, dass sie von einem anderen geschrieben wurden.
Diese Sache empfinde ich als sehr interessant, weil man dann selbst dazu "gezwungen" wird, sich den verschiedenen Schreibstilen anzupassen. Davon kann man letztlich für seine eigenen Schreibtätigkeit profitieren.

Gruß
Hakket

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Bücherwurm
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Re:

von Bücherwurm (17.09.2008, 22:59)
Hallo an alle,

ich arbeite nur im Korrektorat. Wenn ich allerdings merke, dass der Autor sein Personal verwechselt oder Logigfehler im Text stehen schreibe ich Listen mit Änderungsvorschlägen, die ich allerdings auch per Mail schicke.
Dabei betone ich ausdrücklich, dass die Entscheidung letztendlich beim Autor liegt. Es ist sein Buch.
Es ist manchmal nicht leicht, aber mein Geschmack oder Stil hat mit dem Werk, das ich bearbeite nichts zu tun. Wenn es mir noch so in den Fingern juckt. blink3

Grüße,
Gabi
Titel bei BoD:
Hunger auf Leben - Ein Mädchen kämpft gegen den Krebs
Anna und das Traumland
Kinderbuch

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LordKotz
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Ja

von LordKotz (18.09.2008, 10:52)
was bücherwurm da schreibt kenne ich aus eigen Erfahrung!
Ich denke die Mischung macht es! Aus nüchzterner Betrachtungsweise und "bekuscheln"
Habe nach langer Suche nun ein Lektorat/Korrektorat gefunden das neben schnelligkeit auch Preiswert arbeitet.
Dabei kann ich nur bestätigen das Logikfehler und Verwechslungen sowie ggf. Umformulierungen immer auf einer Liste stehen, wo ich am Ende entscheiden kann ob ich diese ausmerze oder einfach drin lasse.
Kommt von mir ein OK, dann wird es nach der Liste der Vorschläge geändert, sag ich nein, wird nur korrigiert, oder ich verändere den Text selbst nocheinmal und frage erneut an.
z.B. aus dem lezten Manuskript: erst hieß jemand Müller der dann zu Möller wurde und am Ende wieder Müller hieß, der sich erst verband und dann verlezte :lol:
Das war mir völlig durchgerutscht blink3
Wenn Du es mit selbstherrlichen Arroganzlingen zu tun hast, lächle einfach in dem Wissen, dass Arroganz die Karikatur des Stolzes ist.
www.oliver-wehse.de

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JulyRose
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Re: anja

von JulyRose (20.09.2008, 09:02)
anja hat geschrieben:
Jetzt allerdings habe ich mir (weil Schule ist abgeschlossen) eine neue Lektorin gesucht, die mich völlig gegensätzlich behandelt. Sie will gar nicht mein Gerüst sehen, sie will dass ich einfach schreibe und wenn das Manuskript völlig fertig ist, dann schaut sie sich es an! Jetzt bin ich echt durcheinander!! :shock::

LG. Anja


Hallo Anja,

wie man die Lektoratsarbeit angeht, ist sicher immer eine Verhandlungssache. Die Lektorin hat wahrscheinlich bisher genau so gearbeitet: komplettes Romanmanuskript auf den Tisch bekommen, von A bis Z durchlektoriert und an den Autor zurückgeschickt.

Hast Du sie mal gefragt, ob sie auch so lektorieren kann wie Du es gerne möchtest? Denn im Grunde geht es Dir ja vor allem darum, etwas zu lernen, und wenn Du am besten lernen kannst, wenn jemand immer die nächsten 30 Seiten lektoriert und dabei auch das Konzept im Auge behält, dann ist das Deine Art, wie Du gerne lektoriert werden möchtest. Schließlich bist Du die Auftragsgeberin und kannst Dich entscheiden, ob Du das Angebot der Lektorin annehmen willst oder nicht. Also ob es Dich weiterbringt oder nicht.

Herzliche Grüße
Juliane
Das Lied der Sonnenfänger (Januar 2011)
Die Rose der Kreuzritter (März 2011)

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