Wie kommt ein BOD Buch in eine große Buchhandlung

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Siegfried
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Re: @Siegfried

von Siegfried (20.08.2011, 18:16)
FrankWK hat geschrieben:
zu "Erstens":
Darüber bin ich mir bewusst. Darum geht es auch nicht.
Es geht mir primär darum, dass die geschrieben haben, dass Bücher, die bei Books on Demand angeboten werden, nicht ins Programm genommen werden. (Abgesehen davon, dass dort BoD-Bücher zu finden sind.)


Ja, genau. Das ist eine unternehmerische Entscheidung, die man einfach respektieren muss.

Ein Buchhändler könnte auch sagen, er nimmt keine Bücher von Konsalik ins Programm, weil der für die Gestapo gearbeitet hat. Oder keine Bücher aus dem Aufbau Verlag, weil das mal der größte Verlag der DDR war. Oder ... oder ... oder. Es ist eine freie Entscheidung eines Unternehmens. Deshalb kann ich den Vorwurf "unverschämt" nicht verstehen.

FrankWK hat geschrieben:
Zu "Zweitens":
Müll findet man überall. Ich habe schon viele Bücher von namhaften Verlagen gelesen, die voller Fehler waren, trotzdem sie lektoriert und korrigiert wurden.
Und selbst wenn 80% fehlerbehaftet sind, sind immer noch 20% anständige Ware. So kann ich also nicht alles "über einen Kamm scheren", sondern muss eine Auswahl treffen.
Hätte ich jedes Buch, dass nicht fehlerfrei ist, zurückgeschickt, wäre ich jetzt Bucharm.


Nehmen wir an, bei dir um die Ecke gäbe es eine Grill-Stube. Zu 80% wird dort Gammelfleisch angeboten. Weil du eine 20%ige Chance auf vernünftiges Fleisch hast, gehst du dort trotzdem essen? Ich würde den Laden wie die Pest meiden.

Oder wenn auf einer Krankenstation sich von 100 Patienten 80 mit der Legionärskrankheit infizieren, dann würdest du dich dort trotzdem guten Gewissens behandeln lassen? Ich auf keinen Fall.

Die Beispiele mögen überzogen sein, aber ein Unternehmer denkt an sein Image. Und wenn er zu 80% angelieferten Müll verkauft, dann verabschiedet er sich recht schnell von diesem Produkt bzw. dem entsprechenden Lieferanten. Würdest du bei 80% Ausfall beim Pizza-Bring-Dienst wohl auch machen, oder?

FrankWK hat geschrieben:
Zu deiner Frage, was am Verhalten von Weltbild unverschämt ist:
Es geht einfach darum, dass einer Leserin die BoD-Bücher als "Außenseiter" dargestellt werden. Das brauch man Kunden nicht schreiben! Es ist die Entscheidung von Weltbild, was die in die Kataloge aufnehmen, aber andere Verlage und Autoren zu entwerten, finde ich unverschämt. Man darf nicht vergessen, dass alles unter einem Dach stattfindet - es geht hier um Bücher! Egal ob ich Harry Potter schreibe, ob ich mein erstes 50 Seiten Buch über BoD verlege, Chef von Amazon bin oder Weltbild regiere ... ein wenig fairniss - finde ich - sollte man erwarten dürfen.


Ich finde die Aussage von Weltbild zutreffend - und dafür mein Respekt, dass Weltbild genau sagt, was Sache ist. Es liegt einzig an uns, Qualität in die On-demand-Bücher zu bringen. Da dies aber nicht geschieht, müssen wir mit solchen Aussagen wie von Weltbild leben (und die sind nicht die Einzigen, da gibt es noch viele, viele andere Buchhändler, die die gleiche Meinung von On-Demand-Büchern haben - und die müssen wir durch Qualität überzeugen, das ist das Problem!).

Sprich mal mit Feuilleton-Journalisten aus Zeitungsredaktionen über das Thema "unverlangt zugesandte On-Demand-Bücher". Die sagen dir ganz klar ins Gesicht, dass sie solche Bücher ungelesen über den Papierkorb entsorgen.
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Anselm
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Re:

von Anselm (08.09.2011, 15:10)
Siegfried hat geschrieben:
Es liegt einzig an uns, Qualität in die On-demand-Bücher zu bringen.

Bei aller sonstigen Zustimmung möchte ich zwar spät, aber vehement widersprechen.

Bei anderen Verlagen muss man als Autor oder Herausgeber betteln gehen, wenn man nicht bereits einen Namen hat. Wenn ich das richtig sehe, wird bei BoD speziell im Falle BoD Classic alles, was ein Minimum an technischen Vorgaben erfüllt, gedruckt. Da braucht jemand noch nicht mal die Titelei richtig auf die Reihe zu kriegen, das Layout kann aussehen wie im Word-Anfängerkurs und die Rechtschreibprüfung kann sich verzweifelt aufhängen - so etwas wird mit ISBN versehen und in der Nationalbibliothek geführt. Der Forumsbereich "Lektorat" hier spiegelt die ganze Bandbreite wider. Manches würde ein "richtiger" Verlag nicht mit spitzen Fingern anfassen. Dass Buchhändler unter solchen Bedingungen ablehnend werden, kann man ihnen nicht verdenken.

Nee, für die Qualität seiner Produkte ist der Verlag verantwortlich. Ich staune nicht, dass Weltbild BoD-Bücher ablehnt, sondern dass die meisten Großbuchhandlungen sie anbieten. Das muss sich doch irgendwie rechnen, sonst täten sie es nicht. Ich stelle nicht in Zweifel, dass es ausgezeichnete BoD-Bücher gibt, aber die amateurhaften schaden doch deren Ruf.

Trotz alledem werde ich in Kürze ein zweites Buch bei BoD herausgeben.

Gruß, Anselm

Siegfried hat geschrieben:
Spruch: Das größte Manko deutscher Schulen: Es wird keine Hilfe zur Selbsthilfe gelehrt!

Das unterschreibe ich dick unterstrichen!

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (08.09.2011, 16:02)
Anselm hat geschrieben:
Siegfried hat geschrieben:
Es liegt einzig an uns, Qualität in die On-demand-Bücher zu bringen.

Bei aller sonstigen Zustimmung möchte ich zwar spät, aber vehement widersprechen.



Tu es! thumbbup

Anselm hat geschrieben:
Nee, für die Qualität seiner Produkte ist der Verlag verantwortlich. Ich staune nicht, dass Weltbild BoD-Bücher ablehnt, sondern dass die meisten Großbuchhandlungen sie anbieten. Das muss sich doch irgendwie rechnen, sonst täten sie es nicht. Ich stelle nicht in Zweifel, dass es ausgezeichnete BoD-Bücher gibt, aber die amateurhaften schaden doch deren Ruf.


Ich sehe keinen Widerspruch. Außer: BoD ist nach eigentlichem Verständnis kein "Verlag". Ein "Verlag" tritt in Vorlage, übernimmt also das finanzielle Risiko, das mit einer Buchveröffentlichung verbunden ist. Genau dies entfällt bei BoD

BoD ist also ein Dienstleister, der die Herstellung und den Vertrieb übernimmt. Und da sich die Aktivitäten ausschließlich auf diese beiden Punkte beschränken, wird BoD niemals ein Auge auf die inhaltliche Qualität werfen - von Verstößen gegen bestehende Gesetze mal abgesehen.

Ein Verbesserung der inhaltlichen Qualität der BoD-Bücher kann also nur teuer eingekauft werden (hier gibt es entsprechende Angebote seitens BoD) oder wir Autoren müssen uns doch selbst darum kümmern. Und wenn es nur um eine weitestgehende Fehlerfreiheit in der Rechtschreibung geht. cheezygrin
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Anselm
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Re:

von Anselm (08.09.2011, 16:58)
Siegfried hat geschrieben:
BoD ist nach eigentlichem Verständnis kein "Verlag". Ein "Verlag" tritt in Vorlage, übernimmt also das finanzielle Risiko, das mit einer Buchveröffentlichung verbunden ist. Genau dies entfällt bei BoD

BoD ist also ein Dienstleister, der die Herstellung und den Vertrieb übernimmt. Und da sich die Aktivitäten ausschließlich auf diese beiden Punkte beschränken, wird BoD niemals ein Auge auf die inhaltliche Qualität werfen - von Verstößen gegen bestehende Gesetze mal abgesehen.

Ein Verbesserung der inhaltlichen Qualität der BoD-Bücher kann also nur teuer eingekauft werden (hier gibt es entsprechende Angebote seitens BoD) oder wir Autoren müssen uns doch selbst darum kümmern. Und wenn es nur um eine weitestgehende Fehlerfreiheit in der Rechtschreibung geht. cheezygrin

Das klingt alles recht einleuchtend. Aber: "Bei Nutzung einer von BoD zur Verfügung gestellten ISBN ist der Autor verpflichtet, BoD als Verlag im Impressum zu nennen." BoD müsste seine "eigentliche" Funktion schon deutlich machen, um als Dienstleister für Selbstverleger und nicht als herkömmlicher Verlag verstanden zu werden.

Gruß, Anselm

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Perchta
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Re:

von Perchta (08.09.2011, 17:08)
Ich denke, das hängt tatsächlich mit der ISBN zusammen, Anselm. Die ISBN beinhaltet die Verlagskennziffer (der Teil zwischen "978-3-" und dem nächsten Bindestrich). Diese Nummer hat nun einmal BoD erworben, nicht der Autor. Sie kennzeichnet das Buch für den Buchhandel eindeutig als BoD-Buch.

Die Alternative wäre, daß jeder, der über BoD sein Buch drucken läßt, sich eine eigene ISBN kaufen müßte. Dann könnte der Autor auch ganz korrekt als Verleger angegeben werden. Aber das käme erstens sehr teuer und wäre zweitens sehr umständlich, auch für den Buchhandel, der an der ISBN sofort erkennen kann, wo er das Buch bestellen muß.
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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Anselm
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Re:

von Anselm (08.09.2011, 17:52)
Perchta hat geschrieben:
Ich denke, das hängt tatsächlich mit der ISBN zusammen, Anselm. Die ISBN beinhaltet die Verlagskennziffer (der Teil zwischen "978-3-" und dem nächsten Bindestrich). Diese Nummer hat nun einmal BoD erworben, nicht der Autor. Sie kennzeichnet das Buch für den Buchhandel eindeutig als BoD-Buch.

Die Alternative wäre, daß jeder, der über BoD sein Buch drucken läßt, sich eine eigene ISBN kaufen müßte. Dann könnte der Autor auch ganz korrekt als Verleger angegeben werden. Aber das käme erstens sehr teuer und wäre zweitens sehr umständlich, auch für den Buchhandel, der an der ISBN sofort erkennen kann, wo er das Buch bestellen muß.

Das Originalthema der Diskussion lautet ja "Wie kommt ein BOD Buch in eine große Buchhandlung". Und im weiteren Verlauf wurde geäußert, dass der Großbuchhändler Weltbild keine BoD-Bücher in sein Programm aufnimmt, was auch als unverschämt bezeichnet wurde. Dann kam die Qualität zur Sprache. Und die umfasst bei BoD eben eine breite Skala, von professionell bis amateurhaft. Klar ist es richtig, dass BoD speziell bei Classic gar nicht ins Buch schaut, sondern nur druckt. Aber dann dürfen wir doch nicht jammern, wenn bestimmte Großhändler sich weigern, BoD zu verkaufen. Ein Rezept habe ich nicht, weil natürlich jede Lektoratstätigkeit Geld kostet, und vielen Autoren ist es zu viel Geld.

Wahrscheinlich müssen wir sogar froh sein, eine so günstige Publikationsmöglichkeit zu haben. Ich habe mich eingehakt, weil Siegfried schrieb:
Siegfried hat geschrieben:
Es liegt einzig an uns, Qualität in die On-demand-Bücher zu bringen.

Unter der Prämisse, dass BoD sich als regulärer Verlag präsentiert, stimmt das nicht. Wenn nicht, ist das Etikett irreführend. Siegfried fährt fort:
Siegfried hat geschrieben:
(und die sind nicht die Einzigen, da gibt es noch viele, viele andere Buchhändler, die die gleiche Meinung von On-Demand-Büchern haben - und die müssen wir durch Qualität überzeugen, das ist das Problem!).

Wer sind "wir"? Ein Haufen von Profis, von solchen, die sich redlich aber nur bedingt erfolgreich Mühe geben, und sicher auch von solchen, die sich halt mal bei Amazon und im Katalog der Nationalbibliothek sehen wollen, sich herzlich wenig Mühe dafür geben und darauf mächtig stolz sind. BoD lässt das zu; ein Appell, qualitativ besser zu arbeiten, läuft meines Erachtens weitgehend ins Leere. Die gemeinsame ISBN ist sicher praktisch, gaukelt aber ein teilweise unverdientes Zertifikat vor.

Gruß, Anselm

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FrankWK
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Dankeschön!

von FrankWK (15.09.2011, 16:55)
Hallo

Nach kurzer Pause, melde ich mich noch einmal zu Wort.
Ich konnte aus persönlichen Gründen einige Zeit nicht am Forum teilnehmen und habe mich aufgrund der von mir entfachten Diskussion auch dafür entschieden, mich wieder in den Hintergrund zu verabschieden.
Zukünftig werde ich wieder "nur" mitlesen, da es für mich effektiver ist.

Ich bitte um Entschuldigung, dass ich vielleicht das eine oder andere Gemüt erhitzt habe und für weitere Fragen gesorgt habe. Das war nicht meine Absicht.

Ich hatte meiner Enttäuschung freien Lauf gelassen und gehofft, dass mich jemand einfach nur versteht. Das mag zum Teil auch so gewesen sein, aber meine Worte wurden genommen und daraus wurden völlig irrelevante Beispiele gezogen.
Als ich darauf reagierte, wurde gar nicht groß drauf eingegangen, sondern aus dem Geschriebenen wurden wieder neue Beispiele gezogen.
Würde ich nun weiter darauf eingehen, kämen wir aus dem Teufelskreis nicht mehr raus.

Mir persönlich ist es egal, ob ich in einem Buch Fehler finde, oder nicht. Ich sehe das Geschriebene und versuche den Schriftsteller dahinter zu verstehen oder zu fühlen. Was hat ihn bewegt?
So gibt es großartige Texte, die sehr fehlerbehaftet sind und es gibt schlechte, die fehlerfrei sind. Und trotzdem steckt hinter jedem Text ein Mensch, den ich achte.

Ich bin dem, was mir hier begegnet, emotional einfach nicht gewachsen. Ich bin zu sensibel, um die Worte, die gegen mich gerichtet sind, zu verarbeiten, obwohl ich nur meinen Gedanken und Gefühlen einen Ausdruck verschaffen wollte und eventuell ein bisschen gehofft hatte, dass vielleicht nur jemand sagt: "Ich kann dich verstehen."

Doch das alles führte zu Gammelfleisch und Autoren, die sich keine Mühe geben.

Ich bedanke mich für eure Beiträge und wünsche euch allen viel Erfolg mit euren Werken.

Herzliche Grüße
Frank :-)
"Dialog mit Ich - Deine Seele möchte dir etwas sagen"
ISBN 978-3-8423-6909-2, Paperback, 304 Seiten

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Perchta
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Re:

von Perchta (15.09.2011, 18:04)
Lieber Frank,

schwierig, dir darauf zu antworten. Sensibelchen sind wir wohl beide; zumindest hatte auch ich gelegentlich schon meine Probleme mit dem Umgangston auf dem Forum.
Andererseits denke ich schon, daß die Leute hier versucht haben, auf dich und deine Argumente einzugehen. Nur, fürchte ich, sind unsere Ansichten zum Teil wirklich grundverschieden. Wenn du zum Beispiel schreibst

FrankWK hat geschrieben:
Mir persönlich ist es egal, ob ich in einem Buch Fehler finde, oder nicht. Ich sehe das Geschriebene und versuche den Schriftsteller dahinter zu verstehen oder zu fühlen. Was hat ihn bewegt?


dann muß ich sagen: Da geht es mir völlig anders. Fehler in einem Buch stören mich zumindest ab einer gewissen Menge, und zwar ganz gewaltig, wie vermutlich einen Großteil der Leser. Spätestens dann, wenn es den Lesefluß und das Lesevergnügen beeinträchtigt, handelt es sich um einen deutlichen qualitativen Mangel. Und darauf reagiert natürlich auch eine Buchhandlung. (Wobei ich, wie gesagt, das hier nicht für das ausschlaggebende Argument halte. Weltbild als Bewahrer literarischer Werte, das paßt irgendwie nicht in mein Weltbild :lol: ).

Was den zweiten Punkt betrifft, und das sage ich jetzt ganz hart: Der Autor eines Texts interessiert mich Null Komma Garnüscht. Er existiert für mich nicht, wenn ich lese. Ob er lieber Wein oder Bier zum Abendessen trinkt, Hunde- oder Katzentyp ist, eine traumatische erste Liebesbeziehung mit seinem Mathelehrer hatte oder bei der Abfassung des Texts berauscht war, das will ich alles überhaupt nicht wissen. Wieso auch?
Der Autor muß zunächst einmal nur eins: mir eine Geschichte erzählen oder mir ein Thema präzise und verständlich nahebringen. Wenn er darüber schafft, daß ich mich auch für den Menschen hinter dem Text interessiere, dann hat er seinen Job gut gemacht.

Vielleicht hängt es mit demselben Punkt zusammen, über den ich mich mit Siegfried und mtg schon mal "gestritten" habe. Ich denke, daß ein sehr großer Teil der Leute, die über BoD ein Buch veröffentlichen, es in erster Linie für sich selbst tun. Dazu zähle ich mich auch selber: ich wollte mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen damit. Mir. Es ist meine Geschichte, mein Buch. Und insofern treffen wir uns dann in unseren Ansichten zum Teil sogar wieder, Frank: mir selbst könnte es vielleicht wirklich egal sein, wenn ich Fehler im Buch finde (ist es nicht, könnte es aber ^^). Ich weiß ja, wie es gemeint ist. Auch schlechter Schreibstil und sachliche Fehler brauchen mich nicht zu stören. Es ist meins, und ich wollte es eben so.

Aber dieselbe Haltung kann ich nicht von einem unbeteiligten Leser oder einer Buchhandlung erwarten, die aus einem riesigen Angebot an Literatur das auswählen müssen, was sie lesen beziehungsweise verkaufen wollen. Insofern hatte ich mich, als ich mich für BoD entschieden habe, von dem Gedanken an Verkäufe bereits verabschiedet (und nur der Vollständigkeit halber, bevor jetzt wieder jemand protestieren muß: natürlich können sich - qualitativ gute, sorgfältig beworbene, gehegte und gepflegte - BoD-Titel auch sehr gut verkaufen, wie viele Leute hier im Forum täglich beweisen. Aber dazu muß man auch der Typ sein, der dafür etwas tut und arbeitet. Was nicht jeder kann oder will).

Irgendwo ist es dann eben die Frage, was will ich? Mich bedingungslos (mit allen Rechtschreib- und Grammatikfehlern) selbst verwirklichen? Oder eine Ware verkaufen auf einem Markt, der leider Gottes auch nicht netter ist als irgendein anderer? - Beides gleichzeitig zu tun, ist ein schwieriger Spagat.

Das nur meine ganz spontanen Reaktionen auf deinen letzten Post - und ohne jegliche Absicht, dich damit persönlich zu treffen, das nur der Vollständigkeit halber. Am Ende bleibt ohnehin nur festzuhalten: Weltbild hat das Recht, so zu handeln. Die Zuständigen werden bestimmt auch ihre Gründe dafür haben. Da wir die Gründe nicht kennen, können wir nur spekulieren, und das führt zu nichts.

Deine Enttäuschung verstehen kann ich durchaus.

Liebe Grüße
Petra
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Anselm
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Re: Dankeschön!

von Anselm (15.09.2011, 18:05)
Hallo Frank,

ich glaube, Du nimmst etwas zu viel der Ehre für Dich in Anspruch. Die kontroverse Diskussion hast nicht Du entfacht, sondern Richymuc gestartet. Ich habe meine Sichtweise nachdrücklich vertreten, dabei aber überhaupt nicht berücksichtigt, wer was geschrieben hat; es ging mir rein um die Sache. Der einzige etwas deftigere Ausdruck, der mir auffiel, war die "Unverschämtheit" aus Deiner Tastatur.
FrankWK hat geschrieben:
Mir persönlich ist es egal, ob ich in einem Buch Fehler finde, oder nicht. Ich sehe das Geschriebene und versuche den Schriftsteller dahinter zu verstehen oder zu fühlen. Was hat ihn bewegt?
So gibt es großartige Texte, die sehr fehlerbehaftet sind und es gibt schlechte, die fehlerfrei sind. Und trotzdem steckt hinter jedem Text ein Mensch, den ich achte.

Schön, dass Du das so siehst. Die Herausgabe von Büchern ist ein knallhartes Geschäft mit starker gegenseitiger Konkurrenz. Ein Verlag oder Buchhandel, der unter Deiner Devise anträte, käme sehr schnell unter die Räder. Bücher müssen einen Inhalt haben, der sich verkaufen lässt, professionell aufgemacht sein und weitestgehend fehlerfrei. Wenn ein Buchhändler feststellt, dass das bei einem bestimmten Verlag oder Autor häufig nicht der Fall ist, ist es absolut verständlich, wenn er deren Bücher nicht mehr ins Programm nimmt. Ich finde es eher anmaßend, deshalb Vorwürfe zu erheben.

Nun ist die Diskussion doch etwas persönlich geworden, aber Du hast mich - jetzt erst - provoziert.

Gruß, Anselm

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Großstadtpoet
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Re:

von Großstadtpoet (15.09.2011, 19:02)
Liebe Mitdiskutanten,

es ist interessant und spannend, welche verschiedenen Positionen zu den hier verhandelten Fragestellungen in diesem Diskussionsstrang geäußert werden.

FrankWK hat geschrieben:
Mir persönlich ist es egal, ob ich in einem Buch Fehler finde, oder nicht. Ich sehe das Geschriebene und versuche den Schriftsteller dahinter zu verstehen oder zu fühlen. Was hat ihn bewegt?

Ich kann Dich da gut verstehen. Mich interessiert auch sehr der Mensch hinter dem Buch, und immer, wenn ich ein interessantes Werk lese, versuche ich, möglichst viel über den Autoren zu erfahren. Das ist in meinen Augen einfach eine Form von Respekt. Trotzdem: Auch wenn man jeden Autor achtet und respektiert, muss man ihn ja nicht unbedingt darin bestärken, in jede Rechtschreibfehlerfalle zu tappen. Auch mit einem professioneller aufgemachten und fehlerfreieren Werk wäre er noch ein interessanter Charakter, der etwas zu sagen hat.

Perchta hat geschrieben:
Irgendwo ist es dann eben die Frage, was will ich? Mich bedingungslos (mit allen Rechtschreib- und Grammatikfehlern) selbst verwirklichen? Oder eine Ware verkaufen auf einem Markt, der leider Gottes auch nicht netter ist als irgendein anderer? - Beides gleichzeitig zu tun, ist ein schwieriger Spagat.

Und gar nichts von beidem zu tun, kann das nicht eine Möglichkeit sein? Ich möchte mich weder bedingungslos selbst verwirklichen noch den Warencharakter meiner Bücher zu sehr in den Vordergrund rücken. Mein Bestreben ist es schon, möglichst hochwertige, möglichst fehlerarme, möglichst professionelle Literatur zu erstellen und zu veröffentlichen. Aber nicht, damit das Werk dann als Ware auf dem Markt gut funktioniert, sondern einfach, weil ich an mich gewisse Ansprüche habe und weil ich es (umgekehrt zum oben besprochenen Respekt des Lesers dem Autoren gegenüber) auch einfach respektvoll dem Leser gegenüber finde, wenn ich ihm zeige, dass ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten bemüht habe.

Ob meine Bücher nun in den Buchhandlungen stehen und bei Weltbild (die eh nicht meine Zielgruppe bedienen) vertrieben werden - das ist mir egal. Wer meine Bücher haben möchte, bekommt sie ja trotzdem.

Mit herzlichem Gruß
Großstadtpoet

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FrankWK
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Danke

von FrankWK (15.09.2011, 19:07)
@Perchta / Petra
Ja, es wurde versucht, auf mich einzugehen, aber diese Beispiele führten zu keiner Antwort, sondern zu neuen nagativen Gedanken.
Wenn in Büchern zu viele Fehler enthalten sind und der Lesefluß beeinträchtigt wird, ist es klar, dass sie stören, aber am Ende sehe ich auf den Inhalt. Nehmen die Fehler überhand, teile ich das dem Lektorat des Verlages mit.

"Weltbild als Bewahrer literarischer Werte" - Das passt einfach nicht zusammen. Weltbild bewahrt rein gar nichts, außer den Blick darauf, wo man Geld verdienen kann. Wenn ein BOD-Buch erfolgreich verkauft wird, auch wenn viele Fehler drin sind, ist Weltbild der erste Verein, der "hier" schreit und das Buch verkauft.

Vielleicht hätte ich mein BOD-Buch auch nur für mich veröffentlich sollen. Aber gerade bei dem Buch, wollte ich es für alle machen. Ich habe Fehler darin entdeckt und schreibe sie mir alle auf, damit ich das Buch überarbeitet neu herausbringen kann.
Es ist aber kein Roman. Bei Romanen ist es - glaube ich - verbreiteter, dass Fehler stören. Mein Buch ist eher ein Sachbuch und wenn man eben dieses Buch jetzt gerade findet und braucht, dann sehe ich zwar die Fehler, überlese sie aber erstmal bewusst. Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll.

Ich hatte einfach die Hoffnung, dass, was die Fehler angeht, nicht auf "kleinen" Autoren mehr rumgehackt wird, als auf großen. Wenn Max Mustermann bei BOD ein Buch veröffentlicht, welches Fehler enthält, wird er angegeriffen; sind aber in einem Ken Follett Roman Fehler enthalten, kommt kein Wort und erst recht nicht bei Harry Potter.

Das Weltbild das Recht hat, so zu handeln, da stimme ich dir zu. Das ist ja auch völlig klar. Es ging anfangs eben nur darum, dass es einfach gemein klang.

Danke für deinen Beitrag, das nenne ich einen vernünftigen Austausch. :-)
------

@Anselm
Ich provoziere niemanden bewusst!
Wenn du das so empfindest, dann entschuldige ich mich bei dir. Es war aber keine Grundlage und Absicht zur Provokation da.

Richymuc hat dieses ganze Thema hier gestartet. Ich habe erst später etwas zu Weltbild geschrieben, worauf dann die Reaktionen kamen.

Du sagst, dass einzig das Wort "unverschämt" ein etwas deftigerer Ausdruck aus meiner Tastatur war.
Das nehme ich als weiteren Grund, mich in den Hintergrund zurückzuziehen, da ich meine Worte entsprechend der Bedeutung nutze und nicht aufgrund der umgangssprachlichen Benutzung.
"Unverschämt" bedeutet einfach, dass jemand keine Scham hat, in diesem Fall etwas zu schreiben. Weltbild schrieb, dass sie Bücher grundsätzlich nicht ins Programm nehmen, die von BOD kommen. Das wäre in Ordnung, wenn das nicht einer Kundin geschrieben worden wäre.
Das kann man Kunden anders schreiben.
Wie ich Petra bereits geschrieben habe, ist Weltbild einer der ersten Vereine, die ein Buch ins Programm nehmen, wenn sie sehen, dass es gut verkauft wird. Dabei achten sie in keinster Weise auf die Qualität oder ob es vom BOD ist!
Und mit der richtigen und guten Werbung werden auch die schlechtesten Bücher ein Erfolg.
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Dankeschön und euch beiden noch einen schönen Abend.

Lieben Gruß
Frank :-)
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und nochmal ich...

von FrankWK (15.09.2011, 19:17)
@Großstadtpoet / Arne(?)

Auch dir herzlichen Dank für deinen Beitrag.
Ich kann nichts dazu sagen - und genau das wollte ich dir sagen.

Ich bin deiner Meinung. Du hast meine Gedanke in sehr schöner Form zum Ausdruck gebracht.

Du schreibst: "Das ist in meinen Augen einfach eine Form von Respekt. Trotzdem: Auch wenn man jeden Autor achtet und respektiert, muss man ihn ja nicht unbedingt darin bestärken, in jede Rechtschreibfehlerfalle zu tappen."

Du verstehst also, was ich meine. Diesen Respekt eben. Und nein, keiner soll bestärkt werden, weiterhin Fehler zu machen. Gerade bei unbekannteren Autoren ist es doch gar nicht so schwer, ihm mitzuteilen, dass man Fehler entdeckt hat. Wer freut sich nicht über ein Feedback?
Im Rahmen von BOD ist es noch einfacher, den Autoren zu kontaktieren. Es hilft ihm doch auch.

Du schreibst weiter: "Und gar nichts von beidem zu tun, kann das nicht eine Möglichkeit sein? Ich möchte mich weder bedingungslos selbst verwirklichen noch den Warencharakter meiner Bücher zu sehr in den Vordergrund rücken. Mein Bestreben ist es schon, möglichst hochwertige, möglichst fehlerarme, möglichst professionelle Literatur zu erstellen und zu veröffentlichen. Aber nicht, damit das Werk dann als Ware auf dem Markt gut funktioniert, sondern einfach, weil ich an mich gewisse Ansprüche habe und weil ich es (umgekehrt zum oben besprochenen Respekt des Lesers dem Autoren gegenüber) auch einfach respektvoll dem Leser gegenüber finde, wenn ich ihm zeige, dass ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten bemüht habe."

Und auch hier stimme ich dir zu. Das sind meine Gedanken ... Dankeschön!

Herzlichen Gruß
Frank :-)
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Perchta
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Re:

von Perchta (15.09.2011, 19:21)
Großstadtpoet hat geschrieben:
Und gar nichts von beidem zu tun, kann das nicht eine Möglichkeit sein?


Doch, das denke ich schon, auch wenn wahrscheinlich jeder einzelne die Gewichtung zwischen den beiden Extremen anders setzt. Wie gesagt, ich ärgere mich auch über Fehler - einfach, weil es Fehler sind, die den Text kaputt machen. Da habe ich was falsch gemacht, und jetzt steht dieser Nachweis meiner Inkompetenz schwarz auf weiß in einem Buch ... :(

Aber hat man, wenn man bei Weltbild unterkommen möchte (und das war ja der Ausgangspunkt bei Franks erstem Post), auch noch die große Wahl?

Vielleicht denke ich da auch nur falsch. Weltbild ist für mich gleichbedeutend mit Massenumsatz: gesucht sind Bücher, die sich mehrmals die Woche, am besten täglich umsetzen. Und um solch ein Werk zu produzieren, wird man die Selbstverwirklichung und die eigenen Wünsche vielleicht wirklich recht weit hinten ansetzen müssen.

Davon abgesehen bin ich ziemlich sicher, Weltbild würde auch sinnlosen Buchstabensalat zwischen Buchdeckeln verkaufen, solange die Dinger dreimal täglich übern Ladentisch gehen. :lol:

Edit, @ Frank: Entschuldigung, ich hatte deinen Post vorher noch nicht gesehen. Freut mich, daß du dich doch nicht ganz aufs stumme Mitlesen beschränken willst - man kann deine Bedenken ja auch nur hören, wenn du sie mitteilst! thumbbup

Ich bin nicht sicher, ob mit unbekannten Autoren strenger verfahren wird als mit bekannten. Es läge wohl nur in der Natur der Dinge. Berühmtheitsbonus eben. Aber nur zur Beruhigung: ich ärgere mich heute noch schwarz über einen dicken historischen Schnitzer in einem Roman aus dem Goldmann-Verlag und konnte den späten Harry Potter-Romanen nicht das Geringste abgewinnen. Ich fand sie stellenweise sogar ausgesprochen schlecht. Es ist also nicht so, daß mir Fehler nur bei "Unseresgleichen" auffallen.

Daß sich mit der richtigen Werbung auch schlechte Bücher verkaufen, mag in gewissen Grenzen stimmen. Die Frage ist: sind sie dann wirklich so schlecht, wenn die Werbung funktioniert? Ich habe in das Probekapitel von Charlotte Roches jüngstem ... Werk reingelesen. Aus meiner Sicht einfach nur hundsmiserabel - aber handwerklich einwandfrei. Und es gibt eine klare Zielgruppe und eine darauf abgestimmte Verkaufsstrategie. Das ist es, was Weltbild will.
Zuletzt geändert von Perchta am 15.09.2011, 19:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Re:

von BirgitOehmig (15.09.2011, 19:22)
ich stell jetzt mal zwei Thesen auf
Ich denke:
99% aller Autoren würden sich freuen wenn Sie endeckt werden würden, von wem auch immer.
Denn These Nr 1 wer ein Buch veröffentlicht möchte gelesen werden.
These2 Jedem noch so ambitioniertem Autor ist es peinlich wenn in seinem Werk die Fehler haufenweise auftreten.
Ich zum Beispiel bin ein Rechtschreibpfollpfosten und hoffe inständig das meine Korekturleser so viele wie moeglich gefunden haben.
Gruss Birgit

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Anselm
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Re:

von Anselm (15.09.2011, 19:25)
Hallo Petra,
Perchta hat geschrieben:
schwierig, dir darauf zu antworten. [...]

Wir stimmen weitestgehend überein. Danke für Deinen Beitrag. Ganz gut auch Deine Seite http://ardeoingas.jimdo.com/bod-und-bod-projekte/.

Gruß, Anselm

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