Wie schreibt ihr

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julia-viola
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Re:

von julia-viola (01.02.2008, 08:34)
lieber gerhard!

egal, ob deine worte "berechtigung" haben oder nicht..
mir tun sie gut :D

für mich gibt es unter künstlern "handwerker" und sozusagen "herzenskünstler"..

handwerker.. feilen, basteln, produzieren.. bringen es in eine ordnung.. und finden in der folge wohl auch an gebasteltem gefallen.

herzenskünstler.. tun einfach..

ich denke beide arten haben ihre gute berechtigung.

ich persönlich kann vorerst "gebastelten werken" wenig empathie abgewinnen..
und wenn mich etwas im herzen anspricht, kümmere ich mich wenig darum, ob es regeln entspricht oder nicht.
der weg ist das ziel

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hawepe
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Re:

von hawepe (01.02.2008, 09:23)
Hallo Gerhard,

Gerhard hat geschrieben:
Wer erdreistet sich zu sagen, ob ein Buch grottenschlecht ist? Es gibt keine schlechten Bilder und keine schlechten Bücher. Es gibt nur Bücher und Bilder die mir gefallen oder nicht. Ich gebe das Maß vor, was mir gefällt ... und das muss nicht heißen, dass es einem anderen nicht auch gefallen kann oder auch nicht.


Eigentlich formulierst du es schon selber :-)

Bei zwei anderen Beispielen wird es aber vermutlich deutlicher:

Aepfel sind sehr gesund (weil sie Vitamine enthalten). Muss das aber heissen, dass ich (deshalb) Aepfel sehr gerne esse? Aepfel koennen sehr gesund sein und ich mag sie trotzdem nicht.

Ich mag aber Buttercremetorte. Heisst das nun, dass Buttercremetorte gesund sei? Trotzdem mag ich sie, auch wenn ich weiss, wie ungesund sie ist.

Ein Bild oder ein Buch koennen gut sein, aber sie muessen mir deshalb noch lange nicht gefallen. Ein Buch oder ein Bild koennen mir ganz hervorragend gefallen, aber deshalb muessen sie keineswegs gut sein.

Okay, jetzt koennte (und muesste) man ueberlegen, was gut ist; aber das waere wieder eine andere Frage.

Ich finde Picassos Bilder grottenschlecht. Mir sagen sie einfach nichts. Bilder eines Hans-Werner Sahm könnte ich mir aber dutzendweise ins Zimmer hängen. Ein anderer wird das aber völlig anders sehen. Und das ist auch gut so.


Wie gesagt, dir gefaellt Picasso nicht, mir gefaellt er, aber ueber die Qualitaet seiner Bilder haben wir beide nichts ausgesagt.

hawepe hat geschrieben:
Es moege bloss nicht immer von "kuenstlerischer Freiheit" gesprochen werden, wenn Unvermoegen gemeint ist.


Diese Aussage verursacht mir Magenkrämpfe. Wer kann so arrogant sein zu sagen, ein Text entspricht nur dem Unvermögen des Autors? Der Text mag dem einen oder anderen nicht gefallen, OK, aber muss der Autor dann tatsächlich unvermögend sein???


In der Praxis ist es oft nicht leicht, zwischen dem eigenen Gefallen und der "Qualitaet" eines Werkes zu unterscheiden.

Aber hat z.B. eine mangelhafte Rechtschreibung und fehlerhafte Zeichensetzung wirklich etwas mit Gefallen oder Geschmack zu tun? Ja, es gibt Autoren, die damit gezielt etwas ausdruecken moechten, aber das ist die Ausnahme.

Wenn die Hauptperson in einem Roman mal Hannah und dann wieder Hanna genannt wird, verbirgt sich dahinter wohl in den seltensten Faellen eine Absicht. Und wenn dass und das nach dem Zufallsprinzip verteilt werden, duerfte dahinter wohl ebenfalls in den seltensten Faellen eine gestalterische Absicht stecken.

Sind die Texte von Arno Schmidt nun große Literatur oder beherrscht der Autor nur ein Handwerk nicht?


Eine voellig berechtigte Frage. Aber wir koennten sie solange diskutieren, wie wir wollten: ob sie dir oder mir gefaellt, wuessten wir gegenseitig trotzdem nur, wenn wir es entsprechend offenbarten. Ich kann ja nur fuer mich sprechen: Aber ich mag auch "schlechte" Literatur wie ich auch "gute" Literatur nicht immer mag.

Mehr sag ich dazu jetzt nicht, denn eigentlich geht es in diesem Thread ja um was anderes. :wink:


Trotzdem finde ich die Frage interessant. Leider gibt es in Foren nicht wie in Mailinglisten und Newsgroups die Moeglichkeit, aus einem Thread heraus einen neuen zu beginnen, bei dem trotzdem die urspruenglichen Zusammenhaenge erhalten bleiben.

Beste Gruesse,

Heinz.

Gerhard
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Re:

von Gerhard (01.02.2008, 11:15)
Hallo Heinz,

hawepe hat geschrieben:
In der Praxis ist es oft nicht leicht, zwischen dem eigenen Gefallen und der "Qualitaet" eines Werkes zu unterscheiden.

Aber hat z.B. eine mangelhafte Rechtschreibung und fehlerhafte Zeichensetzung wirklich etwas mit Gefallen oder Geschmack zu tun? Ja, es gibt Autoren, die damit gezielt etwas ausdruecken moechten, aber das ist die Ausnahme.


Wenn für dich mangelnde Rechtschreibung oder fehlerhafte Zeichensetzung für mangelnde Qualität steht, stimme ich dir voll und ganz zu.... aber.... hmmm ... mir kommt da immer wieder Arno Schmidt in den Sinn ... was also ist Qualität? Eine verdammt interessante Frage. angle:

Aber inhaltlich kann es keine allgemeingültigen Regeln für Qualität geben.

Aber zu sagen, deine Bilder seien grottenschlecht, würde ich jetzt nicht so unterschreiben auch wenn ich deine Bilder gar nicht kenne. :wink:

Liebe Grüße
Gerhard

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (01.02.2008, 12:16)
Gedichte schreibe ich eigentlich gar nicht - höchstens mal aus Jux. cheezygrin
Aber um auf Fabulas Anfangsfrage zurückzukommen - und es spielt dabei wohl keine Rolle, ob man Gedichte oder Geschichten schreibt - ähnlich läuft es bei mir auch.
Für meinen (noch nicht erschienenden) dritten Roman hatte ich eigentlich nur eine Szene im Kopf. Ich malte mir aus, was ich mir für ein schönes Haus bauen würde, wenn ich denn genug Geld hätte. Dann müsste natürlich noch ein Garten dazu und in den Garten - klar - zwei dämonische Steinfiguren, die den Weg zum Haus flankieren. Wenn dann alles so weit wäre, hätte ich den Garten mitsamt den Figuren fotografiert und mir ein schönes Poster daraus gemacht, um es mir ins Wohnzimmer zu hängen. Doch in dem Moment würde mir auffallen, dass die beiden Steinfiguren auf dem Bild eine ganz andere Position und Haltung als im Garten haben - sie schauen mich an! Letztlich muss das bedeuten, dass sie sich bewegt haben.
Wie gesagt - ich hatte anfangs gar nicht vor, daraus einen Roman zu machen, aber irgendwie fand ich diese Vorstellung ganz lustig. Uns so wurde ein 350seiter draus.

Nachzulesen irgendwann - in "Aus Stein sind Wasserspeier". cheezygrin

Kurz gesagt: Es geht mir ähnlich. Ich bin kein großer "Planer" - ich habe eine Idee, vielleicht nur eine Szene, ein Bild, manchmal nur ein Gefühl für eine Situation und versuche aus diesen Sachen irgendwas zu machen. Oftmals lasse ich die Geschichte einfach "laufen" und überrasche mich manchmal selbst mit dem Verlauf ...

Gruß
Hakket

hwg
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Re:

von hwg (01.02.2008, 12:40)
Qualität - für wen? Ein heikles Thema. Trotzdem:
Die Beurteilung von Qualität mag individuell sein,
Voraussetzung für die Kritikfähigkeit ist - jeden-
falls aus meiner Sicht - eine gewisse Kenntnis der
"Materie".

Und Kenntnisse - sie müssen ja nicht gleich
akademisch verbrämt sein - erwirbt man (auch) durch
Vergleiche. Wenn Äpfel nicht schmecken,
so wie mir :lol: - wenn man verschiedene Sorten
gekostet hat, merkt man schon einen (qualitativen)
Unterschied. So auch beim Wein (um einen anderen
Vergleich herzunehmen).

Vorurteile beruhen meist auf Unwissenheit. Dass ein
jeder Autor von seinen Fähigkeiten überzeugt sein
soll, ist Grundvoraussetzung für das Schaffen. Wenn
jedoch eine satte Mehrheit der Leserschaft justament
nicht die Meinung des Autors teilt - wer trägt dann
tatsächlich "die Schuld"?

Anderen die Fähigkeit einer Beurteilung literarischer
Werke abzusprechen, nur weil das Buch nicht die
erhoffte Anerkennung findet, dürfte jedenfalls der
falsche Weg sein. Getreu dem Sprichwort: Selbst-
erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. :lol:

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julia-viola
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Re:

von julia-viola (01.02.2008, 19:46)
es gibt noch eine art wie ich schreibe..

wenn ich ein bestimmtes thema im fokus haben "soll".

so geschehen für ein projekt zum thema geschlechterverhältnisse..
dann beobachte ich für bestimmte zeit mit besonderer oder gesondeter aufmerksamkeit..
und es entsteht ebenfalls poesie.
der weg ist das ziel

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hawepe
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Re:

von hawepe (01.02.2008, 20:55)
Hallo Gerhard,

Gerhard hat geschrieben:
Wenn für dich mangelnde Rechtschreibung oder fehlerhafte Zeichensetzung für mangelnde Qualität steht, stimme ich dir voll und ganz zu....


Es gehoert dazu und ist vermutlich der Punkt, der am offensichtlichsten und damit am wenigsten strittig sein duerfte. Bei Logikfehlern und ungeschickten Formulierungen wird es mit Sicherheit schon schwieriger, und wenn es dann an den Kern von Dichtung, das Entstehenlassen von Bildern und die Verdichtung, geht, duerfte die Diskussion sehr lebendig werden.

Bei alledem geht es mir wie gesagt nie um meinen persoenlichen Geschmack.

aber.... hmmm ... mir kommt da immer wieder Arno Schmidt in den Sinn ... was also ist Qualität? Eine verdammt interessante Frage. angle:


Ja, eine spannende Frage. Leider fuer ein Forum kaum noch zu packen, wenn man nebenbei noch einen Brotjob hat :-(

Aber zu sagen, deine Bilder seien grottenschlecht, würde ich jetzt nicht so unterschreiben auch wenn ich deine Bilder gar nicht kenne. :wink:


Sie sind es aber leider, weil sie nie das zeigen, was ich eigentlich zeigen moechte. Trotzdem werde ich natuerlich weiter malen, weil es Spass macht :-)

Beste Gruesse,

Heinz.

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PvO
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Re:

von PvO (02.02.2008, 09:51)
Wie schreibt Ihr?, so das Thema.
es gibt noch eine art wie ich schreibe..

wenn ich ein bestimmtes thema im fokus haben "soll".

so geschehen für ein projekt zum thema geschlechterverhältnisse..
dann beobachte ich für bestimmte zeit mit besonderer oder gesondeter aufmerksamkeit..
und es entsteht ebenfalls poesie.


Vielleicht sollte man mal versuchen, die Groß- und Kleinschreibung in den Griff zu bekommen. Wir sind hier nicht im Chat, sondern in einem Forum, welches sich mit der Schreiberei befasst.

Fabula

Re:

von Fabula (02.02.2008, 12:44)
Es war der Satz von Freeman: "den inneren Schweinehund nicht überwinden", der mich zu der Frage brachte, warum wir schreiben. Es wäre vielleicht besser gewesen, dieses Thema neu zu beginnen. Trotzdem ist es schön, dass sich so viele Autoren geäußert haben.
Gruß
Regina

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julia-viola
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Re:

von julia-viola (02.02.2008, 13:17)
PvO hat geschrieben:
Wie schreibt Ihr?, so das Thema.
es gibt noch eine art wie ich schreibe..

wenn ich ein bestimmtes thema im fokus haben "soll".

so geschehen für ein projekt zum thema geschlechterverhältnisse..
dann beobachte ich für bestimmte zeit mit besonderer oder gesondeter aufmerksamkeit..
und es entsteht ebenfalls poesie.


Vielleicht sollte man mal versuchen, die Groß- und Kleinschreibung in den Griff zu bekommen. Wir sind hier nicht im Chat, sondern in einem Forum, welches sich mit der Schreiberei befasst.


Lieber PvO!

Da das Forum ein "Miteinander" ist, kann es leicht sein, dass ich deinem Bedürfnis nachkomme.

Liebe Grüße!
der weg ist das ziel

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jola
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Re:

von jola (02.02.2008, 16:29)
In einem Chat schreibe ich auch meistens alles klein, aber in einem Forum, wo es ums Schreiben geht, ist mir eine korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung schon lieber. cool5

Um wieder auf das ursprüngliche Thema zurück zu kommen: bei mir sind die Ideen, ganze Sätze oder einzelne Wörter einfach plötzlich wie aus dem Nichts im Kopf. Das kommt oft durch ein Geräusch, einen Geruch oder eine Situation, die ich (zufällig) beobachte, was aber zu 99% nichts mit den Ideen zu tun hat. Es ist bloß eine Art von "Türöffner drücken", um die Idee etc. reinzulassen.

Bei Auftragsarbeiten mit vorgegebenen Terminen erstelle ich eine neue Datei, füge einige Stichwörter ein, die mir ad hoc zum Thema einfallen und definiere diese als Überschriften. Somit sitze ich nie vor einem leeren Blatt bzw. einer leeren Seite. Der Rest ergibt sich dann ohnehin beim Recherchieren wie von selbst.

Bei Phasen von "Schreibblockaden" half mir bisher am besten, die Sache für einige Tage wegzulegen und keinen einzigen Gedanken darauf zu verschwenden.

lg,
jola

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carlos de la cruz
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Wohnort: Stuttgart

Re:

von carlos de la cruz (02.02.2008, 18:42)
Hallo!

Meine Gedichte kommen so zustande:

Wenn irgend etwas mich beschäftigt, egal welcher Art, dann beginnt es zu sprudeln. Ein Griff zum Papier und die Sätze wandern aufs Papier. Wenn ich es auf später verschieben würde - dann wäre nix mehr da!
Dann wird das Geschriebene aufs Notebook oder auf den PC übertragen - als Entwurf. Dann beginnt die eigentliche Ver- bzw. Bearbeitung und so kommt dann die eigentlich Endversion zustande.
Bis jetzt war dies der Ablauf zur Gestaltung meiner Gedichte - ich hoffe es bleibt so!
Schönes Wochenende und viel Spass beim Schreiben!
Ade Carlos de la Cruz
"Ein ganz normaler Typ"! - Karl Gruss - Verlagshaus Schlosser - http://www.verlagshaus-schlosser.de
das Pseudonym Carlos de la Cruz
UNIA = TRAUM
http://www.carlos-de-la-cruz.de

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