Wie schreibt ihr

Euer Forum rund um kreatives Schreiben, lesergerechtes Texten und spannende Plots.


Fabula

Wie schreibt ihr

von Fabula (15.01.2008, 07:42)
Wie schreibt ihr?

Wenn ich beispielsweise ein Gedicht schreibe, so habe ich zunächst eine Idee. Manchmal ist es nur ein Wort, das mich inspiriert oder eine Situation. Der Gedanke ist fast reif. Ich setze mich an den PC und beginne. Es geschieht hin und wieder, dass es sich „von alleine“ weiterschreibt. Ich habe kaum Erinnerung daran, wie es plötzlich auf das Blatt kam.
Ich habe keine Ahnung, ob es in eine sog. Vorgabe passt, wie z.B. ein Hexameter, ein Trochäus oder ein Jambus.
Wenn ich mich nach diesen Vorgaben richten müsste, würde mich das sehr einschränken und das Ergebnis würde sich als konstruiert darstellen.
Wenn ich – nach lautem vorlesen – den Eindruck habe, dass das Versmaß stimmt, bin ich zufrieden.
Wie macht ihr das, meine geschätzten Kollegen und innen?

Regina

Falls es dieses Thema schon einmal gab, so bitte ich um pardon.

Benutzeravatar
hawepe
Beiträge: 7138
Registriert: 15.04.2007, 21:26
Wohnort: Berlin

Re: Wie schreibt ihr

von hawepe (15.01.2008, 08:14)
Hallo Regina,

Fabula hat geschrieben:
Wenn ich beispielsweise ein Gedicht schreibe, so habe ich zunächst eine Idee. Manchmal ist es nur ein Wort, das mich inspiriert oder eine Situation.


Es ist lange her, dass ich Gedichte geschrieben habe. Aber es war so aehnlich. Haeufig fiel mir ein Satz oder auch nur eine bestimmte Formulierung ein, um die ich dann herumgeschrieben habe.

Ich habe keine Ahnung, ob es in eine sog. Vorgabe passt, wie z.B. ein Hexameter, ein Trochäus oder ein Jambus.
Wenn ich mich nach diesen Vorgaben richten müsste, würde mich das sehr einschränken und das Ergebnis würde sich als konstruiert darstellen.


Darum habe ich mich auch nie gekuemmert - und finde es heute sehr schade :-(

Unser Sohn schreibt seit rund zwei Jahren Gedichte und beschaeftigt sich sehr intensiv auch mit formalen Dingen. Meine Gedichte sind nett, aber man liest sie, und das war es dann.

Seine Gedichte kann und muss man immer wieder lesen, weil sie staendig neue Facetten und Bilder erkennen lassen. Aber er ueberlegt sich eben auch, wie er bestimmte Formalien nutzen kann, um die Wirkung seiner Gedichte zu verstaerken.

Vielleicht magst du ja mal auf http://www.gedichte.com nach Ensimismado suchen.

Beste Gruesse,

Heinz.

hwg
Beiträge: 6034
Registriert: 24.04.2007, 16:39

Re:

von hwg (15.01.2008, 09:14)
Hauptsächlich schreibe ich Prosa, die sich auch verkaufen lässt. :lol:

Bei Gedichten bevorzuge ich den "reinen" Reim - und sie sollen eigentlich bloß zum Schmunzeln, vielleicht auch etwas zum Nachdenken anregen. Deshalb erscheinen die Verse auch in etlichen Satire-Zeitschriften. Und die Gedichte sollen zudem etwas "erzählen", wobei die Idee dazu mich meistens, so wie bei anderen Texten auch, aus Alltagssituationen kommend, "anspringt".

Dem Leser zuliebe achte ich schon auf Versmaß und leichte Verständlichkeit des Inhalts. Ich will auch bloß "für den Tag" schreiben - und nicht "für die Ewigkeit". :lol:

Benutzeravatar
Birgit Fabich
Beiträge: 1930
Registriert: 23.10.2007, 11:34
Wohnort: Füchtorf

Re:

von Birgit Fabich (15.01.2008, 09:55)
Hallo Regina,
bei mir ist es auch sehr unterschiedlich, mal ist alles fertig und braucht nur aufs Papier, mal teilweise und es rankt sich was drumherum.
Bearbeiten und feilen tue ich trotzdem hinterher.
Versmaß ist aus der Schulzeit leider noch mit zuviel negativen Erlebnissen belegt, wird aber sicher in der nächsten Zeit herausgeholt, einfach um das Spektrum zu erweitern.
Von kurzen Geschichten erweitere ich mich ja auch zu längeren und einem Versuchsroman.
Bisher habe ich meine 'Gedichte' nur in Briefen weitergegeben oder auf meiner Webseite. Im Herbst starte ich den Versuch, mein Buchprojekt zweizuteilen mit Gedichten und längeren Geschichten. Sozusagen ist für jeden Geschmack etwas dabei. Eine Idee war auch mal ein Gedicht aus Wörtern zu machen, die im Sag es treffender standen zu einem Begriff. Sie haben ja nicht alle dieselbe Bedeutung, war total interessant, was sich dabei entwickelte. Manche Gedichte sind auch echte Fingerübungen, um sich Wörter richtig vertraut zu machen und in den eigenen Wortschatz zu übernehmen.
Gruß Birgit

hwg
Beiträge: 6034
Registriert: 24.04.2007, 16:39

Re:

von hwg (15.01.2008, 10:15)
Schulunterricht hin - Versmaß her. Auch für die ungebundene Lyrik gelten gewisse Regeln, nach denen sich fachliche Beurteilungen des Textes orientieren. Nachzulesen in jedem Handbuch über Poetik. So ganz ohne
"handwerklichem" Einsatz funktioniert es mit der Anerkennung der auch von noch so phantasieerfüllten Autoren geschriebenen Gedichte eben doch nicht. "Künstlerische Freiheit" und "Unvermögen" paaren sich schlecht. :lol:

Benutzeravatar
hawepe
Beiträge: 7138
Registriert: 15.04.2007, 21:26
Wohnort: Berlin

Re:

von hawepe (15.01.2008, 10:25)
Hallo Hans,

hwg (Moderator) hat geschrieben:
"Künstlerische Freiheit" und "Unvermögen" paaren sich schlecht. :lol:


Die gehen gerade besonders gut zusammen ;-)

Je unvermoegener viele Autoren sind, desto engagierter verteidigen sie ihre "kuenstlerische Freiheit".

Beste Gruesse,

Heinz.

hwg
Beiträge: 6034
Registriert: 24.04.2007, 16:39

Re:

von hwg (15.01.2008, 10:44)
Ja Heinz, so scheint's zu sein. Doch wir wollen ja
niemand verunglimpfen und ihm dadurch die
Schreibfreude rauben. :wink:

Benutzeravatar
hawepe
Beiträge: 7138
Registriert: 15.04.2007, 21:26
Wohnort: Berlin

Re:

von hawepe (15.01.2008, 10:53)
Hallo Hans,

hwg (Moderator) hat geschrieben:
Doch wir wollen ja
niemand verunglimpfen und ihm dadurch die
Schreibfreude rauben. :wink:


Jeder soll so viel schreiben, wie er Lust hat. Ich male ja auch hin und wieder, obwohl ich weiss, dass meine Bilder grottenschlecht. Aber es macht mir Spass und an Ausstellungen muss ich mich ja nicht beteiligen.

Es moege bloss nicht immer von "kuenstlerischer Freiheit" gesprochen werden, wenn Unvermoegen gemeint ist.

Beste Gruesse,

Heinz.

Benutzeravatar
Judith
Beiträge: 3903
Registriert: 05.08.2007, 10:45
Wohnort: Schwobaländle

Re:

von Judith (15.01.2008, 12:20)
Hallo Regina,

Gedichte schreibe ich beinahe nur hier beim "Kettengedicht". Da hänge ich mich meistens an etwas an, was davor geschrieben wurde.

Ansonsten wenn ich schreibe überlege ich mir meist gezielt eine Thematik und arbeite die aus. Z.B. bei "Hannahs Nachtgeschichten": Was könnte ihr nachts alles Spannendes passieren?

"Schöne Lyrik" schreibe ich gar nicht, Wortmalereien sind nicht so mein Stil. Deshalb kommt es bei mir weniger vor, dass ich aufgrund spontaner Formulierungen etwas schreibe.

Grüßle,
Judith
Du willst mehr wissen? Bitte hier - meine Website.

julia07
Beiträge: 2315
Registriert: 22.05.2007, 17:23
Wohnort: 87700 Memmingen

Re:

von julia07 (15.01.2008, 20:58)
hawepe hat geschrieben:
Es moege bloss nicht immer von "kuenstlerischer Freiheit" gesprochen werden, wenn Unvermoegen gemeint ist.

Wie wahr thumbbup

Pliekolus
Beiträge: 264
Registriert: 07.09.2007, 14:13
Wohnort: Eeeee

Re:

von Pliekolus (22.01.2008, 14:28)
Hallo Regina,

Gedichte fallen mir nach ergreifenden Erlebnissen im Traum ein und wenn ich großes Glück habe, kann ich sie in die Jetztwelt hinüber retten und schnell aufschreiben. Normalerweise schreibe ich keine Gedichte, aber ich liebe es, sie zu lesen.
Anders ist es bei Büchern, ich finde in jedem Buch ein Haar in der Suppe und halte deshalb nicht durch, sie auszulesen. Ich habe bisher nur ganz wenige bis zum bitteren Ende gelesen. Aber, ich liebe es, Bücher und Geschichten zu schreiben. Meistens kommt eine Idee ebenfalls im Traum. Diese Idee rette ich mir dann in den Alltag und denke viele Stunden darüber nach. Wenn ich nach 7 Tagen immer noch von dieser Idee überzeugt bin, fange ich ein Manuskript an, wenn nicht, lege ich ein Dokument an und schreibe diese Idee so genau wie möglich dort ein. Das ist meine Ideensammlung für später mal, für trockene Jahre vielleicht.

Sobald ich mich an einem Manuskript fest gebissen habe, kann ich nicht mehr normal denken und arbeiten. Immer lebe ich einige Stunden in dieser anderen Welt und lerne sie kennen. Alles was ich dort erlebe, schreibe ich auf. Das geht einige Monate und danach kommt das Aufräumen dieser anderen Welt und meiner Erlebnisse. Ich suche mir dann eine Prämisse und entscheide mich für eine Hauptfigur und ihren Gegner. Danach zerstückele ich meine Schreibarbeit und baue sie neu zusammen, damit nur noch die fetzigen, spannenden Stücke übrig bleiben.

Momentan brauche ich aber eine Verschnaufpause, deshalb schreibe ich ein IT-Fachbuch. Das kann man etwas einfacher schreiben, weil man ja genau weiß, wohin es führen soll und was der Leser erwartet bzw. was man dem Leser mit dem Text lehren möchte.

So, schreibe ich. Lieben Gruß Jacqueline

freeman1200
Beiträge: 37
Registriert: 16.01.2008, 09:37
Wohnort: Offenbach am Main

Re:

von freeman1200 (31.01.2008, 23:50)
Hallo liebe Mitautoren.

Ich sitze am PC und öffne meine Datei. Und schon gehts los dann kann ich schreiben und mir fällt auch immer etwas ein. Wenn ich dann nicht mehr weiter weis, spiele ich dann ein paar Computerspiele oder schau Fern. Und irgendwie bekomm ich dann wieder den Faden. Oder wenn ich auf der Arbeit bin bekomme ich Ideen wie die Geschichte weiter gehn soll.
Aber es gibt auch Momente da ist der Wurm drin und mir fällt nichts mehr ein. Dann lass ich das Buch mal ein paar Tage ruhen. Dann kann es aber vorkommen das ich den Innerern Schweinehund nicht überwinden kann um weiter zuschreiben.

LG
jason
Lebe heute und denke nicht an Morgen

Fabula

Re:

von Fabula (01.02.2008, 07:38)
Was um Himmelswillen zwingt uns eigentlich zu schreiben? (Und dann auch noch unsere lieben Mitmenschen damit zu quälen)
Merkwürdige Geschöpfe, diese Autoren. Mea culpa.
Regina

Benutzeravatar
julia-viola
Beiträge: 421
Registriert: 29.10.2007, 07:18
Wohnort: österreich

Re:

von julia-viola (01.02.2008, 07:51)
also ich bin niemand, der gedichte bewusst produzieren kann (noch nicht).
der sich vornimmt, so ich schreibe jetzt ein gedicht!

das gedicht schreibt mich!

ps. mittendrin: ersetzt das wort "gedicht" einfach durch "lyrik".. da ich mich bisher noch überhaupt nicht um "regeln" gekümmert habe.

manchmal passiert es mir mitten in einem mail.
ich schreibe jemandem, bringe etwas zum ausdruck und entdecke "das gedicht" dahinter..
dann wird es formuliert..

oder ich nehme ein gefühl in mir wahr
und bringe zum ausdruck, wie es sich anfühlt.

schön, dass es so ist!
der weg ist das ziel

Gerhard
Beiträge: 913
Registriert: 07.12.2007, 00:28

Re:

von Gerhard (01.02.2008, 08:29)
hawepe hat geschrieben:
Ich male ja auch hin und wieder, obwohl ich weiss, dass meine Bilder grottenschlecht sind.


Heinz, wer sagt dir eigentlich, dass deine Bilder grottenschlecht sind? Wer erdreistet sich zu sagen, ob ein Buch grottenschlecht ist? Es gibt keine schlechten Bilder und keine schlechten Bücher. Es gibt nur Bücher und Bilder die mir gefallen oder nicht. Ich gebe das Maß vor, was mir gefällt ... und das muss nicht heißen, dass es einem anderen nicht auch gefallen kann oder auch nicht.

Ich finde Picassos Bilder grottenschlecht. Mir sagen sie einfach nichts. Bilder eines Hans-Werner Sahm könnte ich mir aber dutzendweise ins Zimmer hängen. Ein anderer wird das aber völlig anders sehen. Und das ist auch gut so.

Es gibt für Kunst keine allgemeingültigen Regeln, finde ich. Es gibt nur Kunst die mir gefällt oder nicht. Und insofern finde ich Kritiker immer völlig daneben, wenn sie ein Buch als schlecht beschreiben. Es ist nur schlecht in DEREN Augen. Für mich kann genau dieses "schlechte" Buch durchaus mein Leben bereichern.

hawepe hat geschrieben:
Es moege bloss nicht immer von "kuenstlerischer Freiheit" gesprochen werden, wenn Unvermoegen gemeint ist.


Diese Aussage verursacht mir Magenkrämpfe. Wer kann so arrogant sein zu sagen, ein Text entspricht nur dem Unvermögen des Autors? Der Text mag dem einen oder anderen nicht gefallen, OK, aber muss der Autor dann tatsächlich unvermögend sein??? Hmm, ich würde Picasso durchaus Unvermögen unterstellen, weil seine Bilder mir halt nicht gefallen, auch wenn sie irgendwelchen formalen Regeln gehorchen, aber ich würde mir nicht wagen, dieses Urteil auch für andere Menschen zu fällen. Und genauso ist es mit der Literatur.

Sind die Texte von Arno Schmidt nun große Literatur oder beherrscht der Autor nur ein Handwerk nicht?

Mehr sag ich dazu jetzt nicht, denn eigentlich geht es in diesem Thread ja um was anderes. :wink: Ich hab halt nur mit Menschen Probleme, die anderen Menschen vorschreiben, was sie gut oder schlecht zu finden haben.

Liebe Grüße
Gerhard

Zurück zu „Textakademie“


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Über BoD

BoD™ ist die führende deutsche Self-Publishing-Plattform. Seit mehr als 20 Jahren sind wir die Anlaufstelle für das einfache, schnelle und verlagsunabhängige Veröffentlichen von Büchern und E-Books. Bereits mehr als 40.000 Autoren haben sich mit uns den Traum vom eigenen Buch erfüllt.