Wie schreibt man etwas Interessantes?

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (28.10.2008, 14:31)
Ich finde es jedes Mal faszinierend und irritierend zugleich, jemandem zu begegnen, der der Ansicht ist, dass man Schreiben nicht lernen kann. Ehrlich gesagt, verstehe ich diese Auffassung nicht.

ich glaube seit langem, dass der Schreibprozess aus zwei unterschiedlichen, aber gleich wichtigen Hälften besteht: Der eine hat etwas mit Kunst zu tun, der andere mit handwerklichem Können. Zweifellos kann man Kunst nicht lehren. Niemand kann einem anderen Menschen die Seele eines Künstlers verleihen, die Sensibilität eines Schriftstellers oder den leidenschaftlichen Drang, Worte zu Papier zu bringen, der die Gabe und der Fluch derjenigen ist, die Lyrik und Prosa verfassen. Doch es ist lächerlich und kurzsichtig zu glauben, dass man die Grundzüge der Erzählkunst nicht lehren kann.

Diese Annahme kommt der Überzeugung nahe, dass kein künstlerisches Medium gelehrt werden kann. Das hieß aber auch, dass kein künstlerischer Beruf über Werkzeuge und Techniken verfügt, die ein Anfänger lernt und dann verfeinert, bevor er den Sprung vom Handwerk in die Kunst wagt. Auf der anderen Seite würden diejenigen, die behaupten, dass Schreiben nicht erlernbar ist, vermutlich sofort einräumen, dass jemand die Grundlagen der Bildhauerkunst, der Öl- und Aquarellmalerei, der Komposition usw. sorgfältig studieren muss, bevor er sich als Meister auf einem dieser Gebiete bezeichnen kann. Dieselben Leute gehen wohl auch davon aus, dass alle, von Michelangelo bis zu Johann Sebastian Bach, ein wenig Unterricht in dem Bereich hatten, in dem sie sich auszeichneten.

Das trifft, klipp und klar gesagt, auch für das Schreiben zu. Dennoch neigt man dazu, diese Logik über Bord zu werfen, wenn es um den Roman, das Gedicht oder die Kurzgeschichte geht. So habe ich auf den Reisen, die ich in den vergangenen fünfzehn Jahren um meiner Bücher willen unternommen habe, Länder kennengelernt, wo die Menschen ernsthaft glauben, dass Schreiben ein geheimnisvoller Vorgang ist, den man entweder intuitiv erfasst oder gar nicht.

Um handwerkliches Können geht es hier. Nicht um Kunst, die, wie schon erwähnt, nicht gelehrt werden kann. Auch nicht um Leidenschaft und Disziplin, die wichtig sind, aber leider ebenso wenig gelehrt werden können. Natürlich wird niemand allein durch das Handwerk zu einem Shakespeare, William Faulkner oder einer Jane Austen. Aber es kann eine entscheidende Hilfe sein oder, bildlich gesprochen, die Erde, in die ein angehender Schriftsteller den Samen seiner Idee pflanzen kann, damit er wächst und zu einer Geschichte erblüht.

Da ich seit einigen Jahren Seminare für kreatives Schreiben abhalte, glaube ich an die Kraft des Handwerks. Mehr noch, ich glaube, dass handwerkliches Können für die meisten Schriftsteller ausschlaggebend ist. Eine gründliche Kenntnis der Techniken und Werkzeuge unseres Gewerbes kann uns aus mancherlei Schwierigkeiten heraushelfen. Ohne diese Kenntnis sind wir auf Gedeih und Verderb einer Muse ausgeliefert, die sich genau in dem Augenblick launisch zeigen kann, wo wir auf ihre Beständigkeit angewiesen sind. Handwerkliches Können wird nicht jedes Problem lösen, dem ein Schriftsteller begegnet, wenn er ein Kunstwerk schafft. Aber es wird helfen, eine Reihe von Hürden zu überwinden, denen er ohne Schulung nur schwer gewachsen ist.

Was die Kunst des Schreibens betrifft, sie ist und bleibt ein Geheimnis. Sie verdankt sich einer momentanen Inspiration und dem erregenden Gefühl, sich von einer Idee mitreißen zu lassen.

Die Kunst fängt an, wenn man mit dem Handwerk vertraut geworden ist.


(von: Elizabeth George, amerikanische Krimi-Bestseller-Autorin)

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Seshmosis
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Re:

von Seshmosis (28.10.2008, 14:53)
Ich finde es jedes Mal faszinierend und irritierend zugleich, jemandem zu begegnen, der der Ansicht ist, dass man Schreiben nicht lernen kann

@ Siegfried
Wenn Du damit mich meinst, bin ich der falsche Adressat. Ich glaube durchaus, dass man Schreiben erlernen kann. Aber: Ohne Talent wird man es nie richtig können. Das, und nichts anderes, ist meine Meinung.

Ich denke, Nekromant, der diesen Thread eröffnet hat, gehört durchaus zu den Menschen, die mit Hilfe von Schreibtechniken, Tipps und dem Erkennen von literarischen Strukturen in ihrem Schreiben noch erheblich weiterkommen können.
Meine Kritik galt denen, die sich ohne Ahnung von nix in die Forenwelt aufmachen und die Welt wissen lassen, dass sie nun auch ein Buch schreiben wollen. Allerdings möge ihnen doch die Forengemeinde dort draußen gefälligst sagen, wie man das macht ...

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hawepe
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Re:

von hawepe (28.10.2008, 15:09)
Hallo Seshmosis,

Seshmosis hat geschrieben:
Meine Kritik galt denen, die sich ohne Ahnung von nix in die Forenwelt aufmachen und die Welt wissen lassen, dass sie nun auch ein Buch schreiben wollen. Allerdings möge ihnen doch die Forengemeinde dort draußen gefälligst sagen, wie man das macht ...


Das sind aber immerhin jene, die wissen, dass sie das literarische Schreiben noch nicht beherrschen. Meiner Meinung nach richtet sich Siegfrieds Kritik aber (nicht nur) in diesem Thread um jene, die ihr Handwerk (noch) nicht beherrschen, aber Kunst auf etwas reduzieren, was von Herzen kommen und das Herz erfreuen muss. Da braucht es dann nicht nur kein Handwerk, sondern bleibt für das Handwerk als Verkörperung des Verstandes erst gar kein Platz mehr.

Beste Grüße,

Heinz.

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (28.10.2008, 15:59)
Seshmosis hat geschrieben:
Wenn Du damit mich meinst,


Nein, ich meine dich nicht damit. Natürlich gehört ein erheblicher Schuss Talent zum Schreiben.

Wenn man den Artikel von Elizabeth George überhaupt als Kritik ansehen will, dann in jene Richtung, wie es Hawepe angedeutet hat.

Manche hier scheinen noch nie etwas von den "Basics" gehört bzw. sie gelernt zu haben. Und sie haben, so vermute ich, auch nicht den Willen, sich damit auseinanderzusetzen. Das irritiert mich zutiefst. Denn als ich in meiner Anfangszeit davon gehört habe, es gibt so etwas wie eine dramaturgische Struktur in erzählenden Texten, es gibt unterschiedliche Erzählperspektiven mit entsprechenden Auswirkungen auf den Text, es gibt solche Dinge wie Hook, Plot Points, Klimax und Auflösung, richtige und falsche Sprecherverben, Dialogtechnik, da wollte ich immer mehr wissen. Und immer mehr davon ausprobieren.

Hier scheint genau das irgendwie verpönt zu sein. Es interessiert nicht. Im Gegenteil - es wird sogar als störend empfunden. Dabei verlangt das professionelle Schreiben - damit meine ich die Veröffentlichung in einem bekannten Publikumsverlag (oder wollen hier alle dauerhaft BoD-Autoren bleiben?) - doch danach. Und ehrlich gesagt, ich kenne keinen professionellen Autor, weder aus dem Ausland noch aus dem Inland, der sagt: "Schriftstellerisches Schaffen beruht einzig und allein auf Talent und Intuition."

LG
Siegfried

Nekromant
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Re:

von Nekromant (28.10.2008, 23:04)
Seshmosis hat geschrieben:
Nicht damit, noch einen Potter- oder Herr-der-Ringe-Clon zu fabrizieren.
Schreiben kann Therapie sein, aber Bücher schreiben ist etwas ganz anderes.



In Bezug auf Klone habe ich so einiges zu sagen. Erstens ist jeder, und wirklich JEDER sog. Bestseller ein Plagiat. Zweitens ist sog. Originalität nur als Wort vorhanden, allerdings weniger als Realität. In der Tat ist es wirklich so, dass alle großen Autoren ihre Stories zusammenklauen, weil man nur ganz selten etwas völlig Innovatives erschaffen kann. Alles andere ist schon tausendmal dagewesen und wird auch immer da sein.
Die Kunst ist doch nur so geschickt wie möglich zu klauen ohne dass man den Ursprung der Idee erkennt. Ich habe schon von so vielen erfolgreichen Plagiaten gehört, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann.

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Siegfried
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Re: Wie schreibt man etwas Interessantes?

von Siegfried (29.10.2008, 17:04)
Nekromant hat geschrieben:
Nun würde ich gerne von erfahrenen Autoren/innen wissen wie man eine Geschichte schreibt, die andere Leute lesen möchten.


Und?
Weißt du jetzt, wie man Geschichten interessant und spannend schreibt??

LG
Siegfried

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