Eingeschlossen in Fiktionen

Eingeschlossen in Fiktionen

Der Lot-Roman von Imre Kertész

Bernhard Sarin

Paperback

360 Seiten

ISBN-13: 9783752802726

Verlag: Books on Demand

Erscheinungsdatum: 11.06.2018

Sprache: Deutsch

Farbe: Nein

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Imre Kertész (1929-2016) wurde international bekannt durch den Roman »Schicksalslosigkeit« (1975), der von seiner Deportation aus Budapest in das KZ Buchenwald im Jahr 1944 handelt. Der eigentliche Gegenstand des Romans ist jedoch nicht Kertész' Haft in dem deutschen Arbeitslager, sondern seine schriftstellerische Arbeit seit Mitte der 50er Jahre in Ungarn, bei der er sich der Vereinnahmung durch den nationalen Kulturbetrieb konsequent entzog. Von einer solchen geistigen Exilierung zeugen auch alle seine weiteren Schriften. In dem Tagebuchroman »Letzte Einkehr« (2014) versetzt er sich schließlich in die biblische Gestalt des Lot. So erscheinen die in dem Roman enthaltenen Tagebuchpassagen, die von 2001 bis 2009 Kertész' Leben in seiner Wahlheimat Berlin authentisch widerspiegeln, als Nacherzählung der Geschichte von Lots Flucht aus Sodom. Lots Flucht symbolisiert dabei offenbar Kertész' literarische Tätigkeit, durch die er sich gewissermaßen selbst erfunden und aus seinem Leben sein eigenes Leben gemacht hat. Zugleich ist seine demonstrative Absonderung von der Gesellschaft im Sinne Rilkes ein Beispiel für einen »eigenen Tod«.

Der Essay »Eingeschlossen in Fiktionen« ergänzt die Dissertation »Ein Leben als Artikulation. Die anthropologische Ikonographie der Schriften von Imre Kertész« (Potsdam, 2010), bei deren Fertigstellung Kertész' späte Tagebücher und sein Tagebuchroman »Letzte Einkehr« noch nicht vorlagen. Als neue Quelle wird nun auch eine größere Auswahl von Interviews der Jahre 1989-2015 hinzugezogen, in denen Kertész sein Werk selbst kommentiert. In einer ausführlichen Analyse seines Gesamtwerks ist zu sehen, wie er persönliche Erlebnisse mit Hilfe universeller Deutungsmuster auf die Ebene der Dichtung oder der Fiktion bringt und damit seine Erfahrungen im Medium der Literatur für spätere Generationen bewahrt. Insbesondere betrifft dies das Wissen um den Holocaust und dessen ethische Konsequenzen. Nach der Wende war es Kertész' erklärtes Anliegen, die christlich-humanistische Tradition des Abendlands durch jene »negative Offenbarung« zu bereichern, da sie ohne Bezug zum europäischen Kulturbruch nur noch ein »toter Mythos« wäre. Zuletzt relativierte er jedoch seine Hoffnung, aufgrund von Auschwitz werde eine neue Kultur entstehen, und er beschränkte sich wieder darauf, als Autor ein individuelles Zeugnis für eine geistige Lebensform zu geben.

Überarbeitete Fassung von »Fiktion und Realität im Werk von Imre Kertész«, 2018 (1. Auflage 2017)
Bernhard Sarin

Bernhard Sarin

Dr. phil. Bernhard Sarin, geboren 1965, freischaffender Künstler, Fotograf und Autor

Veröffentlichungen:

Ein Leben als Artikulation. Die anthropologische Ikonographie der Schriften von Imre Kertész, Potsdam (Universitätsverlag), 2010.

Die Evolution der Freiheit und ihre Grenzen, Norderstedt (BoD - Books on Demand), 2014.

Lewis Hine revisited. Der anthropologische Ansatz von Lewis Hines Work Portraits, Norderstedt (BoD - Books on Demand), 2015.

Spanish Village 1983. Fotografien, Norderstedt (BoD - Books on Demand), 2016.

Eingeschlossen in Fiktionen. Der Lot-Roman von Imre Kertész, Norderstedt (BoD - Books on Demand), 2018.

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