RENKO

RENKO

Siebzehn Kopfgeschichten

Christoph Meissner-Spannaus, Dietwald Spannaus

Paperback

164 Seiten

ISBN-13: 9783944643182

Verlag: Verlag Rote Zahlen

Erscheinungsdatum: 25.11.2013

Sprache: Deutsch

Farbe: Ja

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»Ich kenne den Mann!« – »Die Frau habe ich doch schon mal gese­hen!« – das war meine Reaktion, als ich die Fotos der Spannaus-Skulpturen zum ersten Mal sah.
Und sie sprachen zu mir.
Nein, besser: Sprachen aus mir.
Es gab da offenbar etwas, von dem ich nichts gewusst hatte, etwas, das verschüttet, begraben gewesen war, und das von diesen Gesichtern jetzt exhumiert und ans Licht gebracht wur­de.
Eigentlich ein Vorgang, den ich seit meinem siebzehnten Le­bensjahr – da las ich zum ersten Mal Benn – immer wieder er­lebt hatte. In Bezug auf die Kunst ist es ja gott­lob nicht wie in Bezug auf den ersten Kuss, das erste An­fassen, die erste Nacht, die erste Trennung. Kunst vermag dieses »erste Mal« immer und immer wieder zu erzeugen.
Man könnte auch sagen: Sonst ist sie keine.
Ein Paradox.
Aber es war mir lange nicht geschehen. Nur deshalb er­kannte ich nicht sofort: Das war ja exakt meine Reaktion auf Benn ge­wesen, auf Rilke, Kafka, Th. Mann, Carver; auf van Gogh, Picasso, Janssen, Richter; auf Rodin und Giacometti, von den großen Komponisten ganz zu schweigen.
Und nun also Dietwald Spannaus.
Unbegreiflich, dass diese wundervollen und ergreifenden Skulpturen nicht in allen Museen der Welt zu finden sind.

(Hans-Joachim Griebe Hrsg.)
Christoph Meissner-Spannaus

Christoph Meissner-Spannaus

"Lieber Christoph Meissner-Spannaus, Ihre Texte haben uns, meine Frau und mich, zutiefst gerührt (...): Die Episoden sind fünf kleine Meisterwerke. Ich gratuliere und danke Ihnen. Sie haben mir eine große Freude bereit. Herzlich grüßt Sie Ihr REINER KUNZE"

Jahrgang 1962, aufgewachsen in Schkeuditz bei Leipzig, Druckerlehre, Sprachenseminar in St. Konrad, Berlin-Schöneiche, in Erfurt Studium am Philosophisch-Theologischen Seminar, nach drei Semestern Abbruch, arbeitete als Briefträger und Krankenpfleger, lebt seit 1990 in Mittelhessen.

Dietwald Spannaus

Dietwald Spannaus

Dietwald Spannaus († 2009)
Kein Nachruf – ein Dank.

1941 in Frankfurt am Main geboren, die wichtigsten Kind­heitsjahre also im deutschen Elend verbracht, darüber hinaus geschlagen mit dem Front-Tod des Vaters kurz vor Kriegsen­de, dem Tod der Mutter drei Jahre später, wuchs mein Schwie­gervater als Waise in einem zerstörten Land zwischen ver- und zerstörten Menschen auf. Ich als Nachgeborener frage mich oft: Wie kann einer unter diesen Umständen zu einem liebens­werten Menschen werden?
Mit 13 Jahren hatte er einen Beruf zu ergreifen, die kaufmän­nische Lehre bot sich an, es war 1954, die Wirtschaft boomte, schon 1955 kamen die ersten »Gastarbeiter«, er heiratete jung, Familie und Beruf wurden dem Kriegswaisen zum Wichtigsten überhaupt, wenig Zeit blieb, künstlerische Ambitionen auszu­leben.
Und die hatte er.
Dietwald ist immer Künstler gewesen, nie aber Bohemien. Er war erfinderisch, kreativ – etwas mit den eigenen Händen zu schaffen, war ihm stets eine Freude, schon in der Kindheit. Doch die Sehnsucht danach, Kunst zu machen, durfte nie die Familie gefährden. Immer zeichnete er, malte, arbeitete mit Ton, später mit Holz. Aber erst, als familiär alles erreicht, alles gesichert war, erlaubte er sich, größere Projekte zu verwirkli­chen, wie die in diesem Band abgebildeten Skulpturen.
Ein bescheidener Mann.
Ich liebe ihn.

Christoph Meissner-Spannaus

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