Unser Ziel: die umweltfreundlichste Buchproduktion

Unser Ziel: die umweltfreundlichste Buchproduktion

Wie nachhaltig kann eigentlich die Produktion von Büchern sein? Welche Umstellungen wir für eine möglichst umweltfreundliche Buchproduktion bereits durchgeführt haben, woran wir gerade arbeiten und was wir in Zukunft verbessern werden, erfährst du in diesem Beitrag.

In diesem Beitrag möchten wir uns dem Thema Nachhaltigkeit bei BoD widmen. Erst kürzlich haben wir weitere Umstellungen durchgeführt, die unsere Buchproduktion nachhaltiger gestalten. Zu diesem Anlass werfen wir einen Blick auf das, was wir bereits geändert haben, was noch kommen wird und stellen euch die aktuellen Änderungen vor.

Print-on-Demand

Beim Print-on-Demand Verfahren werden nur die Bücher in der gewünschten Menge produziert, wie auch von Leserinnen und Lesern gekauft worden sind. Das verhindert, dass Bücher zu viel produziert werden und dann gelagert oder verramscht werden müssen. Verramschen bedeutet, dass zum Beispiel die Händler die Bücher als Mängelexemplare günstiger verkaufen. Falls sich die Bücher trotz des verringerten Preises nicht absetzen, werden sie entsorgt. Das Verfahren, erst auf Nachfrage Bücher zu drucken, ist ökologischer als eine Auflage am Stück zu produzieren, die dann verkauft werden muss. Diese ressourcensparende Produktion ist die Grundlage unseres Geschäftsmodells, weshalb uns Nachhaltigkeit im gesamten Unternehmen sehr wichtig ist. Schritt für Schritt verbessern wir stetig unsere Buchproduktion, um sie nachhaltiger zu gestalten. Das bedeutet, dass wir wirtschaftliches Handeln mit ökologischem Bewusstsein verbinden müssen.

Einige Verbesserungen sind jedoch leichter als andere. Umstellungen, die leicht zu ändern sind, können wir schneller umsetzen als andere. Das liegt daran, dass der gesamte Prozess der Buchherstellung komplex und aufeinander abgestimmt ist. Es ist uns leider nicht möglich, jeden Bestandteil ohne größeren Aufwand zu ändern. Dafür braucht es eine intensivere Recherche und eine Anpassung auf jeder Stufe des Prozesses, die von außen oftmals nicht auf den ersten Blick sichtbar ist.

Was konnten wir bisher bei BoD erreichen?

 

Unsere Energiepolitik

Die Bucherstellung ist ein sehr energieintensiver Prozess. Wir achten daher auf einen schonenden Umgang mit den benötigten Ressourcen, wie Wasser, Energie und Luft und wir arbeiten daran, diesen Prozess kontinuierlich zu optimieren.

Seit 2014 beschäftigen wir uns bei BoD mit der Verbesserung unseres Co2-Fußabdrucks, also die Menge an verursachtem Co2 in einer bestimmten Zeit zu verringern. Dafür wurde unsere TÜV-geprüfte Energiepolitik eingeführt, die jährliche Energieziele vorsieht, die die Energieverbräuche sowie die damit verbundenen CO2-Emissionen kontinuierlich reduziert.
Unser Energiemanagementsystem und ein Energiedatenerfassungssystem messen und überwachen den Energieverbrauch. Das Energieteam bewertet diesen Verbrauch und ist zudem mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Planung und Einführung neuer Energiesparmaßnahmen zuständig. Durch die Maßnahmen im Jahr 2019 konnte der spezielle Gesamtenergieverbrauch (kWh pro 1.000 bedruckte Seiten) in der Produktion im Vergleich zum Vorjahr um 11% vermindert werden.

FSC-zertifizierte Buchseiten

Alle unsere Bücher werden seit knapp einem Jahrzehnt zudem auf FSC-Mix-zertifiziertem Papier gedruckt. Das bedeutet, dass wir Papier verwenden, das aus mindestens 70% FSC-zertifiziertem oder zugelassenem Recyclingmaterial besteht und die restlichen maximalen 30% unseres Papiers den Anforderungen von Controlled Wood entspricht, die vom FSC Controlled Wood Standard vorgegeben werden.

Die wichtigsten Ansprüche für dieses Holz sind die Vermeidung
– von illegal geerntetem Holz,
– von Holz aus Gebieten, in denen gegen traditionelle und bürgerliche Grundrechte verstoßen wird,
– von Holz aus Wäldern, deren besondere Schutzwerte durch die Waldbewirtschaftung gefährdet sind,
– von Holz, das aus der Umwandlung von Naturwäldern in Plantagen oder in nicht-forstliche Nutzungsformen stammt
– und von Holz aus Wäldern, die mit gentechnisch veränderten Baumarten bepflanzt sind.

Falls du noch mehr über das Thema erfahren möchtest, findest du hier weitere Informationen: klick.

Maschinen und Anlagen

Müssen neue Geräte oder Anlagen angeschafft werden, dann erhalten auch diese den Vorrang, die effizient mit Energie und Rohstoffen umgehen. So können wir langfristig Ressourcen schonen und die Maschinen sind langlebig.

Doch nicht nur in der Produktion achten wir auf die Umwelt. Im letzten Jahr wurden gleich zwei Bestandteile im Versand umgestellt:

Gras statt Holz

Bisher wurden Verpackungen aus einem Gemisch aus Holz und Recyclingpapier für den Versand von Büchern eingesetzt. 2019 ist das Projekt zu den neuen Verpackungen gestartet und konnte im selben Jahr schon umgesetzt werden.
Seitdem verschicken wir die Bücher in einer Wickelverpackung mit 30% Grasanteil zu dir.

Insbesondere bei kleineren Versandeinheiten, für die wir kein Füllmaterial brauchen, verwenden wir die neuen Verpackungen, um die benötigten Ressourcen zu verringern und auch weniger Müll bei dir als Endverbraucherin oder Endverbraucher zu produzieren.

Vorteile unserer Grasverpackung:
– schnell nachwachsender Rohstoff
– geringerer Wasser- und Energieverbrauch in der Produktion
– geringere CO2-Emissionen
– kein Einsatz von Chemie
– Schonung von Holz Ressourcen

Für viele ist es ein Kritikpunkt, wenn das Gras von Flächen genommen wird, welches dann an anderer Stelle fehlt. Das Gras für unsere Verpackungen stammt von ungenutzten Ausgleichsflächen in der Region und nicht von Flächen aus der Futterindustrie.

Die größeren Pakete, die wir zum Beispiel für die Kleinauflagen verwenden, werden mit Recycling-Papier zur Polsterung aufgefüllt. Beim Versand zum Zwischenhandel, wie den Barsortimenten, und zum Handel, wie Buchhandlungen, verwenden wir Mehrwegverpackungen auf Kunststoff, sogenannte Buchwannen.

Aus Kunststoff? Ist das nicht klimaschädlich?

Natürlich sind andere Materialien, wie z. B. Pappe, insofern nachhaltiger, da sie biologisch abbaubar sind. Besonders langlebig sind sie jedoch nicht. In der Produktion verursachen Kunststoffe außerdem am wenigsten CO2. Problematisch sind die Nutzungsdauer und die Entsorgung. Unsere Wannen verwenden wir über Jahre hinweg und deshalb müssen diese möglichst robust sein. Bei einer langjährigen Mehrwegverpackung ist deshalb die Ökobilanz von Kunststoffen besser als von anderen Materialien, sofern man den kompletten Lebenszyklus betrachtet.

Kein Paketklebeband mehr aus Kunststoff

Wusstest du, dass das Paketklebeband getrennt vom Karton entsorgt werden muss? Kaum jemand trennt im privaten Haushalt diese beiden Stoffe, obwohl der Karton ins Altpapier und das Klebeband in den Kunststoffmüll gehört. Das ist allerdings seit unserer zweiten Neuerung auch gar nicht mehr notwendig!

Das alte Klebeband aus PVC und PP wurde abgelöst von umweltfreundlichem Nassklebeband. Dieses besteht aus nachwachsenden Rohstoffen. Ein robustes Kraftpapier ist auf der einen Seite mit einem Klebstoff auf pflanzlicher Basis bestrichen, der erst bei Kontakt mit Wasser klebt. Dadurch wird das Paketstück so sicher versiegelt und schützt es vor Manipulierung am Verschluss, da diese sofort sichtbar wäre. Das Klebeband ist unempfindlich gegenüber Hitze, Kälte, Staub, Licht und vielem mehr und kann somit länger gelagert werden als das herkömmliche Klebeband aus Kunststoff.

Die Verbindung aus Karton und Klebeband ist organisch und somit abbaubar, denn der Leim ist reine Kartoffelstärke (Dextrin). Somit kann es zusammen in der Papiertonne entsorgt werden.

Ein schöner Nebeneffekt ist der reduzierte Verbrauch durch die höhere Stabilität. Bisher mussten einige Pakete mehrfach geklebt werden.

Der Verbrauch wird zusätzlich minimiert durch die Maschine, die das Klebeband mit Leim versieht. Auf Knopfdruck gibt sie einen Streifen Nassklebeband in der festgelegten Länge aus und kein Mitarbeiter und keine Mitarbeiterin muss händisch mit Augenmaß ein Stück abtrennen.

Ist schon etwas Neues in der Planung?

Ja! Unsere Energiepolitik ist darauf ausgelegt, dass wir kontinuierlich nachhaltiger produzieren. Jedes Jahr werden neue Maßnahmen erarbeitet, die umgesetzt werden. Das Projekt neue Verpackungen ist durch die Komplexität auch noch nicht komplett abgeschlossen. gibt es neue Themen, denen wir uns annehmen möchten.

Wir wollen bei jeder Entscheidung sicherstellen, dass weiterhin eine hohe Herstellungsqualität der Bücher gewährleistet ist und wir ökologisch die beste Option wählen können.

Paketaufkleber aus Gras

Bisher war unser Paketklebeband mit unserem Logo bedruckt. Bei unserem neuen Nassklebeband ist das nicht möglich. Deshalb wird es bald passende Aufkleber aus Graspapier geben! Und natürlich wollen wir auch für die größeren Versandgrößen Kartons aus Graspapier verwenden.

Einschweißfolien

Auch das Thema Einschweißfolie für unsere Bücher beschäftigt uns schon eine Weile. Unsere Einschweißfolie ist eine sogenannte Monofolie. Das bedeutet, dass sie aus einer Kunststoffart besteht, die leicht recycelt werden kann. Der in der Produktion anfallende Verschnitt führen wir dem Recycling zu. Trotzdem stellt sich die Frage, ob es nicht eine bessere Variante gibt. Viele Verlage arbeiten schon an Alternativen, wie Frischesiegel oder Papierbanderolen.

Wir arbeiten bereits an einer Lösung. Bevor wir eine Entscheidung treffen können, wollen wir ganz genau schauen, was die ökologisch sinnvollste Lösung ist. Es gibt unzählige Optionen und Möglichkeiten und nicht den einen Weg. Der einfache Verzicht bedeutet zum Beispiel Veränderungen und Anpassungen der Maschinen in der Produktion. Auch beim Transport muss geschaut werden, dass die Bücher möglichst nicht beschädigt werden. Um Einschweißfolien durch Banderolen oder Siegel zu ersetzen, muss der Prozess angepasst, Maschinen voraussichtlich ersetzt und möglicherweise neue Lieferanten gefunden werden. Zudem ist Papier schwerer als die Einschweißfolie. Der Einsatz von Banderolen würde bedeuten, dass ein höheres Gewicht transportiert werden müsste, was zu einem höheren Antriebsmittelverbrauch der Fahrzeuge führen würde. All das sind Faktoren, die wir beachten müssen und die auch viel Planung in Anspruch nehmen.

Früher zum Beispiel, als die Hardcover noch nicht eingeschweißt wurden, hat der Verlag einige Schutzumschläge mehr produziert, die er an die Buchhändlerinnen und Buchhändler schicken konnte, wenn diese beim Transport beschädigt worden sind. Diese Variante war nicht frei von Müll und bedeutete einen zusätzlichen Transportweg. Abzuwägen ist hier auch, was umweltfreundlicher ist. Die größere Menge an vollständig recycelbaren Kunststofffolien oder die kleinere Menge an Schutzumschlägen, die im Restmüll entsorgt werden müssen.

Aktuell werden bei uns Alternativen zu Einschweißfolien getestet und wir überlegen, wie wir die Wahl eröffnen können, dass unsere Autorinnen und Autoren sowie Verlage entscheiden können, ob ihr Buch eingeschweißt wird oder nicht.

Fazit

Durch unsere Energiepolitik, dem FSC Papier und unserer Arbeitsweise mit neuen Maschinen und Anlagen werden wir Stück für Stück unser Vorhaben erreichen, auf die ökologischste Weise Bücher herzustellen. Mit den neuen Verpackungen und dem umweltfreundlichen Nassklebeband kommen wir diesem Ziel einen Schritt näher. Und auch in Zukunft planen wir weitere Umstellungen, wie zum Beispiel die Aufkleber aus Gras oder die Alternativen einer Einschweißfolie.

Wenn du noch Weiteres zur Buchproduktion erfahren möchtest, kannst du in diesem Beitrag einen Blick hinter die Kulissen werfen.

  1. Adelbert Vente am 24.03.2020, 14:24 :

    Super !
    Weiter so !
    Wenn das alle Unternehmen machen würden, wären wir schon ein Stück
    weiter in der Ökobilanz. BOD ist toll!

    Adelbert Vente

  2. Veronika Seiler am 25.03.2020, 13:41 :

    Ich bin begeistert: Ich freue mich über diese vielen positiven Ansätze und Umsetzungen – und auch, dass die Autor*innen möglicherweise selber entscheiden können, ob das Buch in Plastik (oder anderem Material) eingeschweißt werden soll!
    Vielen Dank für dieses so überaus notwendige Engagement!
    Veronika Seiler

  3. Anneliese Degendorfer am 25.03.2020, 14:14 :

    Ich finde es großartig, dass Ihr Euch so viele Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit macht und vieles davon schon praktisch umsetzt.

    Weiter so!

  4. Martin Cuno am 25.03.2020, 23:12 :

    Gut! Gibt es noch ein Fortsetzung? Was mich interessieren würde, wäre der Druck: statt ölhaltiger Farbe wird ja wohl beim Digitaldruck so etwas wie Lasertoner eingesetzt? Wie verhält sich’s da mit der Nachhaltigkeit? Danke für Eure Arbeit!

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