Dialog vor Ort – Gemeinsam(e) Chancen für den Buchhandel und Selfpublishing

Dialog vor Ort – Gemeinsam(e) Chancen für den Buchhandel und Selfpublishing

Am 14. November 2019 fand erstmalig eine Veranstaltung statt: „Dialog vor Ort – Gemeinsam(e) Chancen für Buchhandel und Selfpublishing entdecken.“ Der Selfpublisher-Verband e. V. hatte in Zusammenarbeit mit BoD, epubli und Umbreit dazu eingeladen.

Allgemein, Autoren, Szene | Jessica Halermöller

Jasmin Zipperling

Die Wahlkölnerin ist Teammitglied der Autorenwelt GmbH und freies Redaktionsmitglied der Fachzeitschrift „Federwelt“. Am liebsten besucht sie Veranstaltungen für Autorinnen und Autoren, um sich und andere miteinander zu vernetzen. Und um heimlich mitzuhören, was die Menschen in der Buchbranche bewegt – denn das erzählt sie anschließend gerne ihrer Chefredakteurin bei der Federwelt. Bei BoD hat sie 2019 ihr Kinderbuch „Himmeldonnerglöckchen“ veröffentlicht – es liegt übrigens laut aktuellem Stand in fünf verschiedenen stationären Buchhandlungen. Weitere Informationen über Jasmin Zipperling findet ihr unter: https://jasmin-zipperling.de/  und ihr YouTube-Video zum Tag bei Umbreit ist hier.

Am 14. November 2019 fand in den Räumen des Barsortiments Umbreit, in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart, erstmalig eine Veranstaltung statt: „Dialog vor Ort – Gemeinsam(e) Chancen für Buchhandel und Selfpublishing entdecken.“ Der Selfpublisher-Verband e. V. hatte in Zusammenarbeit mit BoD, epubli und Umbreit dazu eingeladen.

Was ist ein Barsortiment?

Ein Barsortiment ist ein Zwischenbuchhändler. Der Vorteil ist – zumindest hier in Deutschland – dass durch die Anbindung an ein Barsortiment eine Lieferung des Buchtitels über Nacht möglich ist. Wenn du also in der Buchhandlung deines Vertrauens ein Buch bis zu einer bestimmten Uhrzeit bestellst, ist es am nächsten Tag abholbereit. In Deutschland gibt es mehrere Barsortimente. Die größten sind: KNV Zeitfracht, Libri und Umbreit.

© Jasmin Zipperling

Schon unten am Eingang begrüßte mich eine Umbreit-Mitarbeiterin und führte mich ins oberste Geschoss zu den Seminarräumen. Hier waren Stehtische aufgebaut, Getränke und Brezeln standen ebenfalls bereit. Ich als Autorin und Selfpublisher fühlte mich schon von Beginn an sehr willkommen. Dieter Keilbach, Einkäufer bei Umbreit, verstärkte meinen Eindruck mit den Worten: „Umbreit freut sich, dass Sie hier sind!“

Ich freute mich ebenfalls auf die Veranstaltung. Sie sollte zum gegenseitigen Verständnis beitragen. Viele Selfpublisherinnen und Selfpublisher würden ihre Bücher gerne im stationären Buchhandel sehen, wissen allerdings nicht viel über die Abläufe im Zusammenspiel von Buchhandlungen und Barsortiment, was dann schlussendlich auch dazu führt, dass die Buchhandlungen die Selfpublishing-Titel oft nicht in ihren Regalen führt. Aber auch seitens der Buchhandlungen gab es viele offene Fragen. Eine Teilnehmerin wollte zum Beispiel wissen, woran sie bei einem Selfpublishing-Titel erkennen kann, dass sie ihren Kundinnen und Kunden in der Buchhandlung ein qualitativ gutes Buch empfiehlt.

Im Laufe des Tages erläuterten die anwesenden Fachmenschen, was Selfpublisherinnen und Selfpublisher bedenken sollten, wenn sie mit dem stationären Buchhandel zusammenarbeiten möchten. In den Vorträgen ging es um „Steigende Qualität dank höherer Professionalität“ und um das Potential der Zusammenarbeit zwischen Buchhandel/Barsortiment und Selfpublisherinne und Selfpublishern.

Aber auch die Wünsche der Selfpublisherinnen und Selfpublisher waren Thema. Außerdem durften wir alle noch an einer interessanten Führung durch das Lager von Umbreit teilnehmen.

© Jasmin Zipperling

Ein Buch professionell erstellen

Natürlich ist es bereits eine Leistung, das Buch fertig zuschreiben. Aber für eine professionelle Veröffentlichung reicht das alleine noch nicht. Nach dem eigentlichen Schreibprozess folgen noch die Überarbeitung, die Testleserinnen und Testleser, das Lektorat, das Korrektorat, der Buchsatz (Blogbeitrag: “Die Macht des Buchlayouts“) und ein professionell erstelltes Cover. Für diese Leistungen sollte man fachliche Unterstützung beauftragen.

© Umbreit

Was Selfpublisherinnen und Selfpublisher berücksichtigen müssen, damit ihre Bücher attraktiv für den stationären Buchhandel sind:

Der stationäre Buchhandel ist immer noch der wichtigste Vertriebskanal in Deutschland. Das geht aus der Selfpublishing-Umfrage hervor, die BoD 2019 erneut durchgeführt hat. Wenn wir Selfpublisherinnen und Selfpublisher einige Überlegungen bei unseren Büchern anstellen, kann der Zugang zur Buchhandlung leichter fallen:

Passt der Titel zum Sortiment?
Manche Buchhandlungen haben sich spezialisiert. Die Buchhandlung „Buchstäbchen“ in Stuttgart führt beispielsweise fast ausschließlich Kinderbücher. Ein Thriller für Erwachsene passt nicht in eine Buchhandlung, die nur Titel für die kleineren Leserinnen und Leser unter uns führt rein.

Aber auch bei nicht-spezialisierten Buchhandlungen sollten wir uns das Sortiment genau anschauen. Deshalb lohnt es sich, wenn man erst einmal prüft, ob der eigene Titel auch für die Buchhandlung interessant sein könnte.

Qualität und Professionalität
Habe ich mit meinem Buch das für mich bestmögliche Ergebnis erschaffen? Habe ich mit einer Lektorin/ einem Lektor, einer Korrektorin/ einem Korrektor, einem/r professionellen Coverdesigner/in und einem/r Buchsetzerin zusammengearbeitet? Hat mein Buch eine ISBN und ist im VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) gelistet? Kann man es in den gängigen Buchshops bestellen? Ist es an ein Barsortiment oder sogar mehrere angebunden? Wenn ich diese Fragen alle mit ja beantworten kann, sollte mein Buch eine gewisse Qualität vorweisen.

Branchenübliche Buchhandelskonditionen
Eine Buchhandlung bekommt mindestens 25 % Rabatt. Es kann also durchaus vorkommen, dass ich auch als Selfpublisherin gebeten werde, diesen Rabatt zu gewähren. Ich selbst habe das schon getan – eine Buchhandlung hat mein Buch nicht bei BoD bestellt, sondern direkt von mir erhalten. Dabei haben wir uns ebenfalls auf 25 % Rabatt geeinigt.

Barsortimentsanbindung und Remissionsfähigkeit
Wie bereits erwähnt: Das Buch muss an ein Barsortiment (besser mehrere) angebunden sein, um für eine Buchhandlung attraktiv zu sein. Ebenfalls ein möglicher Ablehnungsgrund: Wenn das Buch nicht remissionsfähig ist.

Was ist das Remissionsrecht?

Weist ein Buch Mängel auf oder wird schlichtweg nicht verkauft, kann eine Buchhandlung es zurückgeben. Die Barsortimente und Verlage räumen dafür ein Remissionsrecht ein. Das ist für den stationären Buchhandel sehr wichtig, da es das wirtschaftliche Risiko senkt. Bei Verlagstiteln ist der Buchhandel gewohnt, Bücher remittieren zu können. Wie oben bei den Buchhandelskonditionen beschrieben, können Buchhandlungen mein Buch direkt von mir als Selfpublisherin beziehen. Deshalb sollte ich auch anbieten, die Exemplare meiner Bücher wieder zurückzunehmen, die die Buchhandlung nicht verkauft. Übrigens sind Bücher von BoD voll remissionsfähig.

Vokabular:

  • Remission = Die Rückgabe des Buches bzw. der Bücher
  • remittieren = das passende Verb, um auszudrücken, dass der Buchhandel oder das Barsortiment ein Buch oder mehrere Bücher zurückschickt
  • Remittenden = Bücher, die der Buchhandel oder das Barsortiment zurückschickt

Was ich bedenken muss, bevor ich auf eine Buchhandlung zugehe

Bevor man die Buchhandlung betritt und nach einem/r Ansprechpartner/in fragt, kann es ratsam sein, telefonisch oder per E-Mail einen Termin zu vereinbaren. Dadurch rede ich mit dem/r richtigen Ansprechpartner/in, der/die dann auch wirklich Zeit für mich hat.

Wie gelingt es, Selfpublishing-Titel im stationären Buchhandel unterzubringen?

Christoph H. Honig ist Berater für den Buchhandel. Er erklärte, dass es nicht einfach sei, eine Vorauswahl aus tausenden Neuerscheinungen für den Laden zu treffen. Der Platz sei begrenzt und man müsse versuchen, Titel auszuwählen, die sich wirklich verkaufen. „Versuchen Sie die Buchhändlerinnen und Buchhändler vor Ort zu überzeugen! Da braucht man Ausdauer, höfliche Hartnäckigkeit und Leidenschaft.“ Darüber hinaus sollten sich Selfpublisherin und Selfpublisher vor einem Gespräch überlegen, welchen Nutzen eine Buchhandlung daraus zöge, sollte sie den verlagsunabhängigen Titel ins Sortiment aufnehmen. Wie wahrscheinlich ist es, dass das Buch Umsatz generiert? Welche Argumente sprechen dafür?

© Jasmin Zipperling

Was macht Selfpublishing attraktiv für den stationären Buchhandel?

Vera Nentwich betonte die Vielfalt im Selfpublishing. Verlage jagen eher Trends hinterher und reproduzieren mehrfach dieses eine erfolgreiche Buch, sodass viele ähnliche Titel entstehen. Mit Selfpublishing-Titeln kann eine Buchhandlung neue Themen – auch Nischenthemen – erschließen.

Iris Kirberg stimmte zu: „Ich glaube, der Vorteil des Selfpublishing ist das Community-Building. Die Buchhandlung ist ein Ort, wo Menschen zusammenkommen, die ein besonderes Interesse an Büchern haben. Die Zusammenarbeit mit Selfpublisherinnen und Selfpublishern zum Thema Lesungen ist für Buchhandlungen sicher reizvoll – gerade der regionale Aspekt ist hier der naheliegendste.“

Ein gutes Beispiel ist hier sicher BoD-Autorin Mira Valentin, die mit ihren auffälligen Cosplay-Kostümen keine Standard-Wasserglaslesung, sondern richtige Erlebnisse gestaltet.

Wie entscheidet das Barsortiment, wie viele Exemplare eines Titels bestellt werden?

Seine Arbeit als Einkäufer nimmt Dieter Keilbach mit viel Bauchgefühl wahr. Er hört sich an, was die Verlage ihm über die Autorinnen und Autoren sagen und welche Marketing-Kampagnen geplant sind. Danach versucht er abzuschätzen, wie groß die Stückzahl des Titels sein sollte, die er für Umbreit bestellt. Die Nachfrage bei Selfpublishing-Titeln ist für ihn schwer einzuschätzen, weil sie unberechenbar ist. Er bittet darum, dass Selfpublisherinnen und Selfpublisher ihr Barsortiment informieren, wenn sie große Marketingaktionen planen. „Ich weiß, was es für sensationelle Auswirkungen hat, wenn eine Influencerin neben ihrer Kosmetiklinie ihr eigenes Buch hochhält. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber das sind Kaufimpulse für Leserinnen und Leser.“

Eine Buchhändlerin aus dem Publikum ergänzte, dass auch eine Buchhandlung spätestens zwei bis drei Wochen vor einer verkaufsfördernden Marketingaktion informiert werden sollte, damit sie rechtzeitig Bücher bestellen und sich auf die Nachfrage vorbereiten kann. Eine weitere Buchhändlerin erwidert, dass ihr eine Woche Vorlauf genüge. Auf der sicheren Seite ist man wohl, wenn man auch hier in den direkten Dialog mit der betroffenen Buchhandlung geht.

© Umbreit

Der Distributor und der stationäre Buchhandel

„Was wir als Dienstleister tun müssen: Lobbyarbeit“, sagte Iris Kirberg. „Wir müssen mit den Barsortimenten zusammenarbeiten und mit den Buchhändlern sprechen. Wir müssen Events organisieren und zum Beispiel von der heutigen Veranstaltung berichten.“

BoD arbeitet kontinuierlich an der Zusammenarbeit mit dem stationären Buchhandel. So hat das Team bereits einen Krimiabend sowie einen Fantasyabend in der Buchhandlung Stories! in Hamburg organisiert (ich hoffe, dass da noch weitere folgen!).

Mittlerweile kooperiert BoD mit Osiander und Nordbuch (Link) und präsentiert Selfpublishing-Titel auf VLB-TIX (Artikel). Das ist ein digitales Titelinformationssystem, das sich derzeit als neuer Standard etabliert Das Titelinformationssystem ist die Plattform der Buchbranche für die tagesaktuelle Kommunikation über Neuerscheinungen. Mit der Nutzung der Online-Plattform VLB-TIX steigert BoD nicht nur die Sichtbarkeit von Self-Publishing-Titeln, sondern vereinfachen auch die Auffindbarkeit für Buchhändler und verbessern den Informationsfluss zwischen Verlagen, Vertreterinnen und Vertretern, Buchhändlerinnen und Buchhändlern und deren Kundinnen und Kunden sowie Journalistinnen und Journalisten und Bloggerinnen und Bloggern.

Seit kurzem gibt es darüber hinaus die BoD-Bücher-Box. Buchhändlerinnen und Buchhändler können eine E-Mail an buchhandel@bod.de schicken und um eine solche Bücher-Box bitten. Das BoD-Team stellt dann einige BoD-Titel zusammen – abgestimmt auf das Sortiment der Buchhandlung.

Wie können wir die Zusammenarbeit zwischen Buchhandlungen und Selfpublisherinnen und Selfpublishern verbessern?

Für Buchhändlerinnen und Buchhändler ist es schwierig, unter den Selfpublishing-Titeln die herauszupicken, die professionell und mit Fachwissen veröffentlicht wurden. Vera Nentwich spricht sich daher dafür aus, dass man mit Instrumenten wie dem Selfpublishing-Preis auf gute Titel hinweisen soll.

Christoph H. Honigs Antwort ist Hartnäckigkeit. Selfpublisherinnen und Selfpublisher werden auf Buchhändlerinnen und Buchhädnler treffen, die ihre Titel ins Sortiment aufnehmen, sie werden aber auch auf diejenigen treffen, die dies nicht tun. Egal! Positiv denken. „Machen Sie Lesungen! Seien Sie umtriebig! Versuchen Sie, über alle Kanäle zu spielen. Zeigen und präsentieren Sie sich. Ich gehe fest davon aus, dass Sie dann auch irgendwann Erfolg haben werden.“

Fazit

Ich bin sehr froh, dass ich dabei war und würde mir wünschen, dass eine solche Veranstaltung noch einmal stattfindet. Die Betreuung durch Umbreit vor Ort war wundervoll – ich fühlte mich willkommen und ernst genommen.

Eines nehme ich für mich mit: In den gemeinsamen Dialog zu gehen, ist meistens die richtige Wahl. Also lasst uns daran festhalten und den Dialog zwischen Selfpublisherinnen und Selfpublishern, Buchhandlungen und den Barsortimenten fortführen. Wir profitieren alle davon.

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