E-Book-Verleih, Teil 3: Die Praxis

E-Book-Verleih, Teil 3: Die Praxis

Ein kompliziertes Thema, bei dem die Meinungen geteilt sind: Kritiker befürchten durch den Verleih von E-Books die Gefährdung der herkömmlichen E-Book-Verkäufe (single copy sales), Befürworter sehen große Chancen, Reichweite und Bekanntheitsgrad zu erhöhen sowie zusätzliche Einnahmen zu erzielen.

Allgemein, Tipps | BoD

Text: Alexandra Jäger

Nutzer und Nutzerverhalten

Im Gegensatz zu großen Onlineshops liefern Verleihdienstleister den Verlagen Feedback zu Zielgruppen und Nutzungsverhalten – ein weiterer Vorteil der neuen Verleihkanäle. So berichtet Skoobe, dass nicht nur Romane und Krimis, sondern auch die Kategorien Ernährung und Kochen besonders beliebt sind. Bei Readfy dagegen liegt der Schwerpunkt auf belletristischen Titeln: Erotik und Liebesromane sind die favorisierten Genres der Leser. Öffentliche Bibliotheken stellen allerdings einen Trend zum Sachbuch fest. Neben Romanen werden auch immer häufiger Sachbücher und Ratgeber ausgeliehen und von Bibliotheken erworben.

Die meisten Verleihdienstleister berichten, dass die Mehrheit ihrer Leser weiblich und über 40 Jahre alt ist. Außerdem sind Ausleiher(innen) sowohl fleißige Vielleser als auch Powerkäufer – alleine im September 2015 verlieh Overdrive in den USA und international insgesamt 120 Mio. E-Books und Hörbücher. Eine internationale Studie der Stiftung Lesen zeigt, dass Bibliotheksnutzer im Jahresdurchschnitt deutlich mehr Bücher (9,1) kaufen als Nicht-Bibliotheksnutzer (1,1). Der Verleih führt sogar direkt zu höheren Verkaufszahlen: Jeder Dritte Bibliotheksnutzer hat bereits ein Buch gekauft, dass er zuvor in einer Bibliothek ausgeliehen hatte (Quelle: Library Journal; June 1; 2012 S.50-51).

E-Book-Verleih-Teil-3-Screenshot

Oben: In myBoD wählen Sie aus, ob Sie den E-Book-Verleih in Anspruch nehmen möchten.

E-Book-Verleih über BoD

Wie bei Printbüchern beliefert BoD den klassischen Bibliotheksverleih mit E-Books. Daher können BoD-Autoren einfach zu ihrer Bibliothek vor Ort gehen und diese informieren, dass ihr E-Book bzw. E-Books über die Onleihe, Ciando Library oder Overdrive erwerbbar sind.

BoD unterscheidet die Verleihdienste nach Vergütungsmodell. Der klassische Bibliotheksvertrieb ist ein Kauf von einem oder mehreren Exemplaren durch eine Bibliothek zum gebundenen Ladenpreis. Wie beim herkömmlichen Buchverleih kann ein Buchexemplar nur von einem Leser zugleich genutzt werden. Die hohe Reichweite und die öffentlich geförderte Kaufkraft der Bibliotheken machen dieses Modell für Autoren kommerziell attraktiv, was auch die ersten, sehr positiven Erfahrungen und Umsätze bei BoD bestätigen. Besonders für Selfpublisher ist die Tatsache interessant, dass Bibliotheken anders einkaufen als Buchhändler. Hier zählt nicht nur die Nachfrage, sondern auch die redaktionelle Auswahl und Erschließung der Titel durch Bibliothekare. BoD unterstützt Bibliotheken bei der Titelauswahl und ermöglicht Selfpublishern so den Zugang zu öffentlichen Bibliotheken.

Ob auch weitere, neue Verleihmodelle wie Abo-, Freemium- oder Flatrate-Modelle für den Vertrieb des eigenen E-Books genutzt werden sollen, entscheiden die Autoren am besten selbst. Hierfür muss bei der Veröffentlichung über BoD lediglich die Option für den E-Book-Verleih aktiviert sein. Entscheidet sich ein BoD-Autor für diese Option, wird sein E-Book zusätzlich über Skoobe, Readfy, PaperC und Scribd angeboten.


Bisherige Teile der Serie


Im ersten Teil haben wir die verschiedenen E-Book-Verleih-Modelle erläutert.

Im zweiten Teil wurden die Vor- und Nachteile für Autoren besprochen.

Fazit: Es lohnt sich!

Das klassische Bibliotheksmodell stellt für E-Books generell eine attraktive zusätzliche Einnahmequelle dar. Gegenüber dem herkömmlichen Verkauf können über neue Verleihmodelle sogar bislang nicht vergütete Nutzungen wie z. B. das Stöbern bei Readfy erschlossen werden. Finanziell gesehen profitieren vor allem belletristische und weniger bekannte Titel, Backlisttitel und günstige, längere Titel von Abo-, Flatrate- oder Freemium-Modellen. Um die eigene Bekanntheit zu steigern und ein größeres Publikum zu erreichen, sind die neuen Verleihmodelle für Titel aller Genres als Marketinginstrument geeignet. Besonders für Self-Publisher bieten Verleihmodelle die Möglichkeit, ihre Bekanntheit zu steigern und Zugang zu neuen Lesern zu finden. Bibliotheksleiter bemängeln oft, dass viele E-Books nicht für Bibliotheken erhältlich seien. Hier ist die Konkurrenz also noch nicht so groß wie im Handel und die Chance, entdeckt zu werden, um ein Vielfaches höher. Auch bei den neuen Verleihmodellen sind Wettbewerb und Titeldichte noch nicht so groß und die Eintrittshürden für Self-Publishing-Titel gering.

Gute Gründe, so früh wie möglich in den Verleih einzusteigen!

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