Mit Ratgebern zum Erfolgsautor

Mit Ratgebern zum Erfolgsautor

Sie wollen ein erfolgreicher Buchautor werden? Verfassen Sie einen Ratgeber, die verkaufen sich wie geschnitten Brot. Sie brauchen nur etwas zu schreiben. Und diese ultimative Anleitung.

Text: db mobil
Original-Artikel “Wie? So.” Ausg. 10/2014

Das Hier und Jetzt.

Jedes Jahr erscheinen mehr als 10 000 neue Ratgeber auf dem deutschen Buchmarkt. Dieses Segment wächst als einziges beständig, mit Raten von mehr als fünf Prozent. Rechnet man Kochbücher, Reiseführer und Sachtitel wie »Darm mit Charme« hinzu, ist beinahe jedes zweite Buch, das über den Ladentisch geht, ein Ratgeber. Da ist also noch Luft nach oben.

Ihre Voraussetzungen.

Sie kennen sich in einem Thema halbwegs aus. Können recherchieren, besitzen einen schnellen Rechner samt Internet-Flatrate, konsumieren umfassend Medien und besitzen einen Ausweis für die nächste Universitätsbibliothek. Zudem können Sie sich daran erinnern, wie es war, als Sie noch keine Ahnung hatten.

Welcher Autor sind Sie?

Im Wesentlichen gibt es drei Archetypen: Experten, Berufene, Prominente. Da Erstere meist als Co-Autoren für Letztere gebraucht werden, ist die mittlere Gruppe wahrscheinlich Ihr Profil: Sie sehen, welche Fehler Menschen machen. Sie wissen es besser. Und Sie spüren den Drang, dies auch mitzuteilen.

Das Versprechen des Titels.

Der Titel ist das erste entscheidende Kaufargument. Er sollte kurz und knackig sein. Bewährt sind emotional aufgeladene Begriffe sowie die Anfänge »Wie man …« oder »So«. »Wie man …« verspricht Zugang zu Geheimwissen, »So« die lang ersehnte Lösung. In letzter Zeit häufte sich auch »Warum«, aber der indirekte Fragesatz ist zur diesjährigen Buchmesse bei »Warum wir alle Idioten sind« angelangt und scheint somit
überdehnt. Ein ergänzender Untertitel lässt die Vielfalt des Buches erahnen.
Eine Zahl schadet nicht, am besten die 3, 7, 10 oder griffige Schnapszahlen wie 99 oder 111. So etwa: »Vietnamesische Tempelküche – Der einfache Weg zu mehr Vitalität und Fitness«. Oder so: »Mobbing – So geht’s richtig: Die 33 Stufen des beruflichen Erfolgs«.

BoD fingerprint: Vier Schritte zum erfolgreichen Ratgeber-Autor

Ihnen fällt nichts ein? In wenigen Schritten zur eigenen Idee.

 

  1. Gehen Sie in eine gut sortierte Buchhandlung. Dort stehen eine Auswahl aktueller Veröffentlichungen und diverse Klassiker, von den »Fünf Tibetern« bis »Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?«. Das sollte motivieren: Wenn die, dann ich erst recht.
  2. Frustriert Sie diese Konkurrenzanalyse, kombinieren Sie spielerisch verschiedene Titel miteinander. Aus Business und Ernährung wird »Geh nie allein essen – Geheimnisse rund ums Networking«. Oder wühlen Sie sich durch die Rubrik Vermischtes: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Balancieren auf der Slackline den Gleichgewichtssinn trainiert? Yogalehrer überdurchschnittlich oft an Burn-out leiden? Haie und Seekühe nie zum Zahnarzt müssen? Daraus lässt sich etwas machen.
  3. Dann der Check: Ihre Idee wurde bereits verwirklicht? Ist nicht schlimm. Die großen Themen – Erfolg, Ernährung, Familie, Gesundheit, Glück und Liebe – behandelte schon Konfuzius vor 2500 Jahren. »Die Ideen, für die ich stehe, sind nicht meine Ideen. Ich borgte sie mir von Sokrates. Ich stibitzte sie bei Chesterfield. Ich entwendete sie Jesus. Und ich machte sie zu einem Buch.« Sagte Dale Carnegie 1955.
  4. Ihre Idee wurde noch nicht realisiert? Das ist eher bedenklich. Alle Entscheider – Agenten, Lektoren, Verlagsvertreter und Buchhändler – könnten einwenden, dass es dafür gute Gründe gibt.

Der Vielklang der Struktur.

Nach dem Vorwort – es erläutert, warum Sie genau der richtige Autor sind – und vor Glossar und Register – beides suggeriert Sorgfalt und Seriosität – geht es zur Sache. Sie definieren das Problem. Sie beschreiben die Gründe für das Problem. Sie listen mögliche Lösungen auf. Sie fordern zum Finden der besten Lösung auf. Schließlich regen Sie zum Handeln an. Oft ist es sinnvoll, das große Problem in Einzelprobleme zu zerlegen. Die Struktur bleibt gleich, aber beginnen Sie mit kleinen Problemen, um den Leser nicht zu verschrecken. Bei den Lösungen läuft es ähnlich, am Ende landet man bei nicht umsetzbaren Lösungen, damit der Leser aufgibt [dazu gleich mehr].

Lockern Sie die Textmasse auf.

Mit Fallbeispielen oder »So-nicht!-Besser-so!«-Anregungen in anderer Schrift. Mit Psychotests, Zitaten von Autoritäten, Piktogrammen, Infografiken, Protokollbögen, Zahlen über den volkswirtschaftlichen Schaden. Sogar mit Raum für Notizen. Und: Bilder. Bilder gehen immer, sie belegen Ihre Thesen oder machen gefühlvoll Stimmung. Kernaussagen am Rand oder als »Fassen-wir-zusammen«-Blöcke am Schluss lassen dagegen auf durchdachte Planung schließen. Paul Arden färbte in »Es kommt nicht darauf an, wer Du bist, sondern wer Du sein willst« einfach eine Doppelseite rot ein. Auf ihr stand lediglich: »Scheitere, scheitere erneut, scheitere besser« [Samuel Beckett]. So kommt man fi x auf die 100 Seiten, die als Umfang ausreichen.

Originalität und Kreativität.

Ist nicht entscheidend. Wer das nicht glauben mag, leihe sich den Ratgeber »Alles nur geklaut – 10 Wege zum kreativen Durchbruch«.

Die vier Defizite des Lesers oder: das Geschäftsmodell.

Der Leser verspricht sich praktische Hilfe für sein Leben – warum eigentlich?

  1. Der Mensch ist bequem. Verantwortung delegiert er gern an Dritte. Ratschläge wie »Die zehn Geheimnisse des Reichtums« klingen da vielversprechend: Man arbeitet sie ab und gut ist, danach darf man wieder faul sein. Da können Tipps nicht schaden.
  2. Der Mensch ist unzufrieden. Um sein Leben zu optimieren, muss verändert werden. Allerdings vervielfältigen sich damit wiederum die Handlungsmöglichkeiten. Da können Tipps nicht schaden.
  3. Der Mensch ist orientierungslos. Autoritäten früherer Zeiten – Eltern, Lehrer, Clan-Chefs, religiöse und politische Führer – haben darüber hinaus seit der Aufklärung im Westen an Macht verloren. Der Kapitalismus hilft auch nicht weiter, er sagt nur, dass jeder es schaff en kann, falls nicht, ist man halt selber schuld. Da können Tipps nicht schaden.
  4. Der Mensch ist kompliziert. Hat eigene Ideen, persönliche Vorlieben, subjektive Wünsche, individuelle Neigungen. Hilfe von außen stützt das Treff en eigener Entscheidungen, negiert aber zugleich die Freiheit des Individuums. Und umgekehrt: Wer die Größe besitzt, sich beraten zu lassen, sucht auch Entlastung. Da können Tipps nicht schaden.

Kniffe für die Praxis.

Sie müssen nicht viel wissen. Vera F. Birkenbihl könnte Vorbild sein, deckte sie doch mit ihren Büchern diverse Sparten ab: Fremdsprachen lernen, Self-Management, Rhetoriktraining, Partyspiele. Jeder Ratgeber mehrte ihre Reputation. Irgendwann erschien »115 Tipps für ein besseres Leben«.

Sie dürfen sich widersprechen. In Zeiten, in denen Mediziner uneinig sind, wie eine Kniebeuge korrekt ausgeführt wird, wägen Sie eben Für und Wider präzise ab. Außerdem, Sprichwörter tun nichts anderes – »Gleich und gleich gesellt sich gern« hier, »Gegensätze ziehen sich an« dort. Und was sind Sprichwörter anderes als kompakte Lebenshilfe?

Sie sollen den Leser enttäuschen. So gut wie jeder Ratgeber enthält ein Programm, das Kontinuität fordert – ohne mühsame Mitarbeit des Lesers wäre das Buch nicht glaubwürdig. Scheitert er im letzten Drittel der aufgezeigten Lösungen, weil er nicht genug Kontinuität und Willensstärke zeigt, wird er dieses Versagen auf sich beziehen, nicht auf den Ratgeber.

Sie können sich auf die Passivität der Leser verlassen. Ratgeber fungieren häufi g als moderner Ablasshandel: Allein die Tatsache, dass ich mir das Buch gekauft habe, dokumentiert doch, dass ich das Problem in den Griff kriege, mein Schicksal in die eigenen Hände nehme. Ganz häufi g wandert es dann ins Regal.

Das Schreiben.

Die einsame Zeit. Dauert etwa drei Monate. Gilt im gesamten als das Wichtigste – idealerweise in kurzen, mal überraschenden, mal gefühlvollen, ab und zu sogar lustigen Sätzen. Andererseits, wie sagten schon Konfuzius, Goethe Mark Twain? »Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr.«

Der Markt.

Ist überschwemmt. Heißt: Verlage erhalten stapelweise unverlangt eingesandte Manuskripte, die mal abgearbeitet werden müssten. Verlage sind zudem Tanker, sie planen oft zwei Jahre im Voraus und denken gern in Serien. Da liegen die Schwierigkeiten. Heißt aber auch: Verlage brauchen beständig neuen Stoff , mit dem sie sich von der Konkurrenz unterscheiden. Was jedoch nicht heißt, Erfolge der Konkurrenten nicht kopiert werden. Da liegen die Chancen.
Wenn Sie so weit sind, Ihr Exposé zu verfassen, sollten Sie – niemand behauptet ja, dass es keine nützlichen Ratgeber gibt – 45 Euro in das »Handbuch für Autorinnen und Autoren« aus dem Uschtrin Verlag investieren. Neben Informationen über Agenten und Honorare, Markteintritte oder Verträge sind dort mehr als 50 Ratgeberverlage aufgelistet. Wenn Sie nicht wissen, was ein Exposé ist: Zwei Beispiele finden sich dort ebenfalls.

Umfang und Gestaltung.

Legt in der Regel der Verlag fest. Wieder ein Punkt abgehakt.


TIPP: Flexibilität durch Self-Publishing

Sie sind überzeugt davon, einen guten Ratgeber geschrieben zu haben, finden damit jedoch keinen Anklang bei Verlagen? Kein Problem, verlegen Sie ihn doch einfach selbst. Ob Belletristik oder Sachbuch: Mit BoD veröffentlichen Sie Ihren Titel als Printbuch und E-Book einfach und professionell. Zusätzlich profitieren Sie auch noch von völliger Freiheit bei Inhalt und Gestaltung.

Im Gegenteil.

Die Flut der Ratgeber ruft Satiriker auf den Plan. »Wie man Kinder traumatisiert«, »Negativ denken für Anfänger«, »Ein Buch für Leute, die stinkend reich werden wollen, aber nicht genau wissen, wie« gibt es schon. Auch »Wie man einen Ratgeber schreibt« natürlich, dessen Rat »Man kann sich hemmungslos an bereits vorhandener Literatur bedienen« befolgt wurde. Bücher dieser Art laufen jedoch nicht besonders gut, es sind Ratgeber für Menschen, die sonst keine Ratgeber kaufen, also eine kleine, radikale Minderheit. »Egal, was Du denkst, denk das Gegenteil« kam trotzdem auf mehr als eine halbe Million verkaufter Exemplare.

Das weise Wort zum Schluss.

Es war William Somerset Maugham, der einst sagte: »Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise kennt die niemand.« Gilt exakt so auch für Ratgeber. Also: Keine Angst, legen Sie einfach los!

  1. Ingrid Schlieske am 05.04.2015, 18:59 :

    Lieber oder liebe db-mobil,

    wundersüß,
    habe den Ratgeber mit großem Vergnügen gelesen.
    Werde alles ganz genau so machen.

    herzlichst,
    Ingrid Schlieske
    Neues Buch: Japanisches Heilströmen RAXISBUCH (Ratgeber natürlich)

    • Tomas Maidan am 13.04.2015, 03:20 :

      Ein wunderbarer Text, der in keinem Reisezug fehlen sollte. Viele der genannten Ratschläge sind mir tief ins Gemüt gesunken, und haben auch nach Ende der Fahrt mit der Deutschen Bahn noch wilde Spuren in meinem aufgekratzten Schaffensdrang hinterlassen. Guter Rat ist also gar nicht teuer. Besonders auch der “Vielklang der Struktur” hat tief an meine musische Glocke geschlagen! Deutlichen Dank also für den Input. Mal sehen, was irgendwann am anderen Ende rauskommt.

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