Mein Beruf, meine Buchidee (Teil 2/3)

Mein Beruf, meine Buchidee (Teil 2/3)

Ob bei Ratgebern oder Krimis – ein Bezug zwischen dem Buchgenre und Beruf eines Autors scheint häufig naheliegend. Würde man den auch bei Science-Fiction-Titeln vermuten? Phillip P. Peterson ist SciFi-Autor und verrät, wie seine Bücher mit seinem früheren Beruf zusammenhängen.

Allgemein, Autoren | Anja Meiners

Raumschiffe, die nach ingenieurstechnischen Gesichtspunkten entworfen wurden oder nach realistischen Maßstäben berechnete Treibstoffmengen sind vermutlich nicht die Regel bei Science-Fiction-Literatur. Phillip P. Peterson, der jahrelang in der Raumfahrtforschung tätig war, hat diesen Anspruch an seine Handlungen – vermutlich einer der Gründe, wieso er mit seinen Romanen zahlreiche Leser überzeugt und Preise gewann. Welche Aspekte er bei seinen Buchveröffentlichungen außerdem für wichtig hält und wie sein heutiger Alltag als Berufsautor ausschaut, erzählt Phillip P. Peterson im Interview.

Woher stammt Ihre Schreibleidenschaft und wie entstand die Idee zu Ihrem ersten Buch?
Ich habe schon während der Schulzeit meine Mitschüler zu deren Leidwesen mit erfundenen Geschichten beglückt. Während meines Studiums habe ich dann nebenbei für einen Fachverlag Sachtexte verfasst. Die Idee zu meinem ersten Roman „Transport“ entstand im Sommer 2013 bei einem Urlaub auf Kreta, wo ich ein Buch über alliierte Bomberbesatzungen im zweiten Weltkrieg gelesen habe, die bei ihren Einsätzen stellenweise Überlebenswahrscheinlichkeiten von unter 50 Prozent hatten. Ich hatte mir gedacht, dass man aus dieser Prämisse einen spannenden Roman machen könnte. Die Idee ließ mich nicht los, und so fing ich einige Monate später einfach damit an, diese Geschichte niederzuschreiben.

Sie waren jahrelang in der Raumfahrtforschung und -technik tätig. Welchen Einfluss hat Ihr beruflicher Hintergrund auf Ihre Science-Fiction-Romane?
Mein ursprünglicher Beruf hat natürlich einen großen Einfluss auf meine Werke. Ich war schon immer ein Fan von sogenannter Hard-SF, bei der die im Roman vorkommende Technik und die wissenschaftlichen Konzepte des Worldbuilding möglichst realistisch sind – im Gegensatz zu Space Fantasy wie „Star Wars“, wo die erlebten Abenteuer der Protagonisten im Vordergrund stehen und die wissenschaftlich/technischen Hintergründe keine Rolle spielen. Bei meinem Roman „Paradox“ zum Beispiel habe ich das Raumschiff „Helios“ nach ingenieurstechnischen Gesichtspunkten entworfen und benötigte Treibstoffmengen und Flugbahnen mit dem Computer berechnet. Auch sind wissenschaftliche Konzepte oder die Konsequenzen fortschrittlicher Technologie oft zentrale Elemente meines Plots.

„Der Erfolg vergangener Bücher setzt mich als Autor auch unter Druck.“

Mit Ihrem ersten Roman „Transport“ landeten Sie direkt einen Bestseller, 2015 folgte der Kindle Storyteller Award sowie 2016 der 3. Platz beim Deutschen Science-Fiction Preis für Ihren Titel „Paradox“. Was bedeutet Ihnen eine solche Resonanz?
Neben der reinen Anzahl der verkauften Bücher ist der Gewinn eines Preises natürlich auch eine gewaltige Bestätigung, gerade wenn die betroffenen Bücher im Selfpublishing veröffentlicht wurden. Als Autor hat man ja immer ein wenig seine Zweifel, ob die Leser ein Werk auch mögen oder nicht, auch wenn man vorher schon eine Rückmeldung aus dem Lektorat bekommt. Der Erfolg vergangener Bücher ist natürlich ein Ansporn, den Lesern auch weiterhin gute Bücher zu liefern, setzt mich als Autor aber andererseits unter Druck, die dadurch gestiegene Erwartung auch in Zukunft zu erfüllen.

Welche Maßnahmen sind fester Bestandteil Ihrer Marketingaktivitäten?
Zum einen betreibe ich eine Webseite und einen Blog, wobei ich letzteren schon seit längerem sträflich vernachlässige. Wichtig sind natürlich auch die sozialen Medien wie Facebook und Twitter, wobei man bei Facebook mittlerweile gutes Geld bezahlen muss, um alle seine Abonnenten zu erreichen. Seit einem Jahr etwa habe ich auch einen Newsletter, der inzwischen zum wichtigsten Marketinginstrument geworden ist. Von Lesungen halte ich nicht sonderlich viel, was daran liegt, dass ich ein Buch auch lieber selber lese, anstatt mir vorlesen zu lassen. Ich bin aber regelmäßig auf Messen vertreten, wo mich meine Leser auch gerne persönlich treffen können.

Aktive Vermarktung und Autorenkommunikation: Auf seiner Website raumvektor.de sowie seiner Facebookseite mit über 1.700 Fans hält Phillip P. Peterson seine Leser stets auf dem Laufenden.

Seit 2014 widmen Sie sich als freiberuflicher Autor ausschließlich dem Schreiben. Wie sieht Ihr jetziger Berufsalltag aus und wie viel Zeit investieren Sie in die Entstehung eines Buchs – vom Manuskript bis hin zur Veröffentlichung und darüber hinaus in die Vermarktung?
Ich schreibe jeden Tag ein festes Pensum zwischen 1000 und 2000 Wörtern. Am kreativsten bin ich vormittags und versuche, bis zum Mittag fertig zu sein. Nach einer Mittagspause folgt dann alles andere, mit dem man sich als Berufsautor so beschäftigen muss, also Korrekturen, Korrespondenz, Marketing, Telefonate, Steuern, Buchhaltung und Interviewanfragen.

Bei einem neuen Roman beginne ich, ausgehend von einem Konzept, mit einer Planungsphase, in der die grobe Handlung bis auf Kapitelebene und die zentralen Charaktere festgelegt werden. Das dauert etwa einen Monat. Normalerweise kenne ich den Anfang, die sogenannten Plot-Points, also Überleitung zwischen den Akten, und das Ende, bevor ich auch nur ein Wort schreibe.

Dann kommt natürlich das Schreiben des Romans, das je nach Umfang drei bis vier Monate dauert. Anschließend beginnt die Korrekturphase, wo ich mit dem Rotstift auf Papier das ganze Manuskript noch einmal durchgehe. Hier werden Sätze umformuliert, gestrichen, beigefügt und die Dialoge überarbeitet. Diese Phase ist sehr zeitintensiv und anstrengend. Sie dauert etwa einen Monat.

Jetzt geht das Manuskript ins Lektorat. Der/die Lektor/-in geht das ganze Buch mit den Augen eines kritischen Lesers noch einmal durch, sucht nach inhaltlichen Schwächen, logischen Widersprüchen und macht Vorschläge, um die Lesbarkeit zu verbessern. Parallel dazu gebe ich spätestens jetzt das Cover in Auftrag und formuliere den Klappentext. Dauert meist einen Monat.

Wenn ich das Buch aus dem Lektorat zurück habe, gehe ich selber das ganze Buch noch einmal durch und bearbeite die Änderungen und Vorschläge des Lektorats. Das können bei einem Roman über 500 Seiten gut und gerne 10.000 und mehr Anmerkungen sein. Diese Phase dauert nochmal einen Monat.

Phillip P. Peterson

Phillip P. Peterson

arbeitete als Ingenieur an zukünftigen Trägerraketenkonzepten und im Management von Satellitenprogrammen. Neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen schrieb er für einen Raumfahrtfachverlag. "Transport" war sein erster Roman, der Platz 1 der Science-Fiction-Romane bei Amazon und bei Audible erreichte und aus dem sich schließlich eine erfolgreiche Trilogie entwickelte, deren erster Teil in englischer Sprache soeben in den USA erschienen ist. Trotz seines technischen Hintergrunds stehen bei Peterson die Charaktere und die Spannung im Vordergrund. Zu seinen literarischen Vorbildern gehören die Hard-SF-Autoren Stephen Baxter, Arthur C. Clarke und Larry Niven.

Jetzt geht das Werk ins Korrektorat und wird dabei auf Grammatik- und Rechtschreibfehler geprüft. Anschließend lese ich es mir selber noch ein weiteres mal komplett durch und nehme letzte Änderungen vor. Dann wird das Manuskript als E-Book formatiert, auf verschiedenen Readern getestet und das Layout der Printausgabe vorbereitet. Dann kann das Buch veröffentlicht werden. Insgesamt dauert bei einer sorgfältigen Arbeitsweise das Schreiben eines Romans bei mir etwa ein halbes Jahr, wobei ich an manchen Stoffen parallel arbeite. So schreibe ich oft an einem Roman, während ein anderer korrigiert wird.

„Damit sich ein Buch verkauft, braucht es ein Cover auf handwerklich höchstem Niveau.“

Welche Unterstützung nehmen Sie bei Ihren Veröffentlichungen in Anspruch?
Als professionell arbeitender Schriftsteller sollte man auch professionelle Hilfe bei der Produktion in Anspruch nehmen. Gerade das Lektorat und das Korrektorat halte ich für sehr wichtig. Ein vernünftiges Lektorat ist so viel mehr als nur das Suchen nach Rechtschreib- und Grammatikfehlern. Meiner Meinung nach scheiden sich am Lektorat die Amateurschriftsteller von den Berufsautoren. Der Unterschied im fertigen Werk ist immer frappierend. Damit sich ein Buch gut verkauft, braucht es auch ein gutes Cover auf handwerklich höchstem Niveau. Auch hier nehme ich professionelle Hilfe in Anspruch.

Könnten Sie sich auch vorstellen, in Zukunft auch in einem anderen Genre zu schreiben?
Ich habe neben meinen Romanen bereits ein Sachbuch über die Geschichte des Science-Fiction-Films verfasst, das Anfang 2017 veröffentlicht wurde. Ich könnte mir durchaus vorstellen auch mal in einem anderen Genres einen Roman zu schreiben, ich habe da einige Ideen, die eher als Action- oder Politthriller durchgehen würden. Dann würde ich allerdings für die Veröffentlichung ein anderes Pseudonym wählen, um die Erwartungen meiner Stammleser nicht zu enttäuschen.

Lesen Sie auch Teil 1 unserer spannenden Interviewreihe „Mein Beruf, meine Buchidee“.

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