Mein Beruf, meine Buchidee (Teil 3/3)

Mein Beruf, meine Buchidee (Teil 3/3)

Ein Polizist ist dafür prädestiniert, Krimis zu schreiben, eine Erzieherin ist die geborene Kinderbuch-Autorin – stimmt das? Während die Geschichten einiger Autoren einen starken Bezug zum Beruf haben, suchen andere bewusst auch die thematische Abwechslung, so wie Karsten Hoff.

Allgemein, Autoren | Anja Meiners

Einen Kriminalroman hat Karsten Hoff, der als Polizeibeamter arbeitet, zwar auch schon veröffentlicht, doch eigentlich schreibt er am liebsten Geschichten, die keinerlei Bezug zu seinem Berufsalltag haben. So sorgte sein berufliches Insiderwissen sogar schon für eine Schreibblockade anstatt für Inspiration. Wie er diese Blockade löste und welcher Tipp ihm dabei half, aus einer anfänglichen Kurzgeschichte einen ganzen Roman zu schreiben, verrät Karsten Hoff im Interview.

Woher stammt Ihre Schreibleidenschaft und wie entstand die Idee zu Ihrem ersten Buch?
Durch meinen Beruf musste ich immer viel schreiben. Es ist allerdings schon etwas anderes, einen Roman zu schreiben oder eben einfach strukturierte Berichte. Vor meinem ersten Roman schrieb ich häufig für uns private Reiseberichte. Bei den ersten Versuchen, ein Buch zu schreiben, scheiterte ich zunächst häufig bereits an der dreißigsten Seite. Irgendwann einmal gab mir jedoch ein Kollege den Tipp, einfach Kurzgeschichten zu schreiben und die dann zu einem Roman miteinander zu verbinden. Als wir dann wieder einmal in Schottland Urlaub machten, entstand dieser etwas mystische Roman mit Jacks Träumen. Meine damalige Lektorin war Deutschlehrerin und ihr erster Kommentar war: “Lieber Herr Hoff, niemand möchte einen Polizeibericht lesen. Wir haben noch viel zu tun!” Das ist jetzt bereits 12 Jahre her.

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„Bei meinem letzten Buch führte mein Insiderwissen zeitweise zu einer Schreibblockade.“

Bei Ihrer neuesten Veröffentlichung handelt es sich um einen Kriminalroman, Sie haben aber auch schon in anderen Genres geschrieben. Welchen Einfluss haben Ihre Erlebnisse im Berufsalltag als Polizist und Ihr Insiderwissen auf Ihre Geschichten?
Das erste Buch hatte überhaupt keinen Bezug zu meinem Berufsalltag. Zwar habe ich für die Romane “Glück oder Seligkeit” und “Der verschollene Schlüssel” meine Ideen für die Hauptpersonen aus Begegnungen meiner vielfältigen Einsätze, allerdings wollte ich immer bewusst keinen direkten Bezug zu meinem Beruf haben. Das hatte den einfachen Hintergrund, dass bei unmittelbarem Bezug mit einsatztaktischem Hintergrund eine Vorlage bei der Polizeipressestelle notwendig wäre und man sein Buch danach mit Sicherheit nicht wiedererkennen würde. Bei “Glück oder Seligkeit” war es ein Obdachloser, der mich inspirierte, über seine Sorgen und Nöte ein Buch zu schreiben. Es gab sogar bei einer Lesung zu diesem Buch einen sogenannten „Tippelbruder“ als Zuhörer, der mir nach der Lesung bestätigte, dass ich die Problematik in meinem Roman recht gut und authentisch erfasst hätte.

Mein letzter Roman ist kein reiner Kriminalroman. Er ist eigentlich in erster Linie eher ein sozialkritisches Werk. Das Buch teilt sich in die Hauptgeschichte zur dramatischen Flucht Addaes und der Parallelgeschichte, in der ich sehr oberflächlich die Kripoarbeit des ermittelnden Beamten begleite. Die Idee kam vor ca. 6 Jahren auf, als ein Kripokollege zu mir kam und freudestrahlend einen Fall offenbarte. Es handelt sich um ein versuchtes Tötungsdelikt in unserem Reviergebiet. Eine Gruppe junger Nordafrikaner geriet in Streit und meine Hauptfigur war das Opfer. Hinter diesem Fall steckte sehr viel mehr Zündstoff und sozialkritische Problematik – nach Meinung meines Kollegen „genug Stoff für einen Roman“. Leider konnte ich ihm nach einiger Zeit nur mitteilen, dass mein Roman nicht mehr als dreißig Seiten umfasste. So kam mir die Idee, diesen Kriminalfall nicht als Hauptthema zu wählen, sondern viel mehr die Flucht aus Afrika in den Fokus zu rücken. Erst wollte ich dieses versuchte Tötungsdelikt als Rahmengeschichte nehmen. Dann gab mir allerdings mein Lektor den Rat, zum Hauptteil eine Parallelgeschichte zu entwickeln und so ist daraus dieses kleine Werk geworden. Die Recherchen zur Flucht des jungen Afrikaners waren teilweise sehr erschreckend, aber zugleich aufschlussreich. Bei meinem letzten Buch hat mir mein Insiderwissen eher wenig geholfen, im Gegenteil, es führte für eine gewisse Zeit sogar zu einer Schreibblockade. Vor zwei Jahren, als die Flüchtlingsproblematik ein wenig hochkochte, war ich häufig in Einsätze verwickelt, bei denen ich mit der Aggression und Wut von Flüchtlingen konfrontiert wurde (Sachbeschädigungen, Körperverletzungen usw.). Immer öfter hinterfragte ich, wie das möglich sei. Es lief überhaupt nicht mit dem konform, was ich eigentlich in meiner Geschichte vermitteln wollte – bis ich sah, unter welchen Bedingungen diese Menschen lebten und welche Traumata sie teilweise durchlebt haben. Da wunderte es mich teilweise gar, dass nicht mehr passierte.

Schließlich lösten dann „zehn Fragen an besorgte Bürger“ des DGB endgültig meinen Knoten, darunter: Haben Sie eine Wohnung? Haben Sie ausreichend zu essen? Sind Sie krankenversichert? Usw.  Diese Fragen, die ich mit Erlaubnis des DGB in mein Buch aufnehmen durfte, halfen mir, ein besseres Verständnis für die Situation betroffener Personen zu erhalten und darüber zu schreiben. Mir wurde auch bewusst, wie gut es uns eigentlich geht und dass wir im Grunde genommen auf einem sehr hohem Niveau jammern. Was haben wir eigentlich zu befürchten?

„Das Schreiben ist für mich ein Ausgleich zum Polizeialltag.“

Andersherum hat sicherlich auch Ihre Autorentätigkeit gewisse Auswirkungen auf Ihren Beruf als Polizist. Wissen Ihre Kollegen von Ihrer Autorentätigkeit und haben Sie beispielsweise darüber nachgedacht, unter einem Pseudonym zu veröffentlichen?
Sicherlich stoße ich nicht immer mit meiner Meinung, die sich auch in meinen Büchern widerspiegelt, auf offene Ohren im Kollegenkreis. Das ist aber noch lange kein Grund für mich, unter einem Pseudonym zu schreiben. Die Kollegen wussten vom ersten Buch an, dass ich nebenan noch als Autor tätig bin. Ich schreibe ja nicht über sie – was auch ein Grund dafür ist, dass ich keine Romane mit unmittelbarem Polizeibezug schreiben möchte. Der Kripobeamte aus dem letzten Roman wusste aber, dass und was ich über ihn geschrieben habe und war damit einverstanden.

Wie finden Sie trotz Ihres Berufsalltags mit Schichtdiensten usw. die Zeit, sich dem Schreiben oder der Buchvermarktung zu widmen?
Der Schichtdienst gibt einem mehr Freiraum als man denken mag. Sicherlich müssen wir auch nachts und am Wochenende arbeiten, dafür haben wir aber frei, wenn andere arbeiten müssen. Das Schreiben ist außerdem für mich eine Art Ausgleich zum Polizeialltag. Mein Beruf bietet mir so viele Alltagsgeschichten für meine Romane, die es sicherlich in kaum einen anderen Beruf gibt.

Karsten Hoff

Karsten Hoff

wurde 1961 in Hamburg geboren. Er wuchs in Lübeck auf. Aus beruflichen Gründen zieht es ihn in seine Geburtsstadt zurück, wo er heute als Polizeibeamter im Stadtteil Wilhelmsburg arbeitet. Seit bereits zehn Jahren ist er begeisterter Autor. Weitere Informationen finden Sie unter www.jackundengel.jimdo.com

Welche Unterstützung haben Sie bei Ihrer Veröffentlichung in Anspruch genommen?
In erster Linie gestalte ich meine Bücher selber. Sowohl die Illustration, als auch das Layout stammen von mir. Beim ersten Buch habe ich mich vorwiegend bei BoD direkt informiert, danach habe ich dann meine eigenen Erfahrungen gesammelt. Allerdings wurden alle meine Bücher einem Lektorat unterzogen.

Wie erreichen Sie Ihre Leser-Zielgruppe und welche Marketingmaßnahmen haben Sie bislang ergriffen?
In erster Linie erreiche ich meine Leser durch Mundpropaganda (Kollegen, Freunde, Nachbarn, Familie). Unterstützend führe ich immer wieder Lesungen durch. In den letzten beiden Jahren habe ich bei der „Südlese“, einer Lesereihe mit musikalischer Begleitung, mitgewirkt. Vor einigen Jahren lernte ich den in der Region Harburg bekannten Musiker Werner Pfeifer kennen. Mit ihm habe ich bereits einige Veranstaltungen durchgeführt. Für die Gäste ist so eine Konzertlesung sehr abwechslungsreich. Was Pressearbeit anbelangt, habe ich die Erfahrung gemacht, dass man einen sehr langen Atem haben muss, bis dann endlich einmal etwas veröffentlicht wird. Aber im Hamburger Abendblatt sowie in der Hinz und Kunzt sind bereits umfangreiche Artikel über mich und meiner Werke erschienen. Darüber hinaus habe ich Autorenservices bei BoD gebucht – Onlinewerbung sowie eine Messepräsenz.

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Sind weitere Bücher in Planung und wenn ja, in welchem Genre?
Selbstverstäündlich wird es irgendwann ein weiteres Buch von mir geben. Allerdings bin ich derzeit noch immer mit dem aktuellen Roman beschäftigt. Normalerweise habe ich in der Vergangenheit stets einen fünfjährigen Rhythmus eingehalten. In meinem Kopf gibt es bereits eine Story zu einer an Demenz erkrankten Frau. Auch in diesem Fall kann ich wieder aus den reichhaltigen Einsätzen und Hilfeleistungen im Berufsalltag eine recht reale Geschichte erarbeiten.

Lesungsreihe mit musikalischer Begleitung

Fotos: Karsten Hoff

Lesen Sie auch Teil 1 und Teil 2 unserer Interviewreihe „Mein Beruf, meine Buchidee“.

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