Schreiballtag in Zeiten von Corona

Schreiballtag in Zeiten von Corona

Welche neuen Herausforderungen bringt der Schreiballtag mit sich? Ist es möglich, Kinder und Schreiben zu vereinbaren? Und steht Social Media an erster Stelle, um Kontakt mit der Außenwelt zu halten? Wir haben einige Autorinnen und Autoren gefragt, wie sie derzeit ihre Schreibzeit erleben.

Die Coronakrise beherrscht seit Wochen unser Leben und wir sollen weiterhin möglichst zu Hause bleiben. Wir haben uns gefragt: Wie gehen unsere BoD-Autorinnen und -Autoren mit der aktuellen Situation um? Ist nun die Zeit für liegengebliebene Ideen und Manuskripte? Oder beanspruchen die Kinder die meiste Zeit? Wie wird der Ausfall der Leipziger Buchmesse kompensiert und wie halten unsere Autorinnen und Autoren Kontakt untereinander und zu den Leserinnen und Lesern?

All diese Fragen haben wir Mira Valentin, Marah Woolf, Sarah Saxx, Klaus Seibel, Elvira Zeißler und Jaliah J. gestellt:

Mira Valentin

schreibt seit 2018 hauptberuflich Fantasy-Bücher und erfüllt sich damit einen Lebenstraum, den sie seit ihrem zwölften Lebensjahr verfolgt. Als Ausgleich streift sie entweder auf einem Pferd, mit Laufschuhen oder auf ihrem Fahrrad durch die hessische Natur und lässt sich dort, zwischen mystischen Quellen und Höhlen, inspirieren.

Große Erfolge feierte Mira mit ihrer vierbändigen Saga um das Land Enyador, in dem Elben, Drachen und Dämonen seit Jahrhunderten um die Macht kämpfen. Band drei der Reihe „Die Flammen von Enyador“ war im vergangenen Jahr auf der Longlist des Deutschen Phantastik Preises als bester deutscher Roman nominiert und gemeinsam mit Erik Kellen gewann sie den SERAPH-Literaturpreis 2020 für den besten Independent-Titel mit „Windherz“, dem ersten Band der Lichtsplitter-Saga.

Wie kommst du mit der aktuellen Situation zurecht? Hast du mehr Zeit zum Schreiben oder findest du im aktuellen Alltag nicht die Ruhe, dich an deine Projekte zu setzen?

Mehr Zeit zum Schreiben – das wäre schön! Leider geht es mir aber zurzeit genauso wie vielen anderen Autoren mit Kindern: Wir müssen ständig für die Schule lernen und Strategien finden, wie wir die Corona-Krise am besten zusammen meistern. Überraschenderweise tut das dem Familienleben gerade ziemlich gut und das ist der große Gewinn bei der Sache. Nachmittags lernen die beiden mit Papa. Da habe ich dann etwas freie Zeit zum Schreiben. Während ich früher rund zehn bis 15 Seiten am Tag geschafft habe, schaffe ich jetzt drei bis fünf. Aber man muss damit zufrieden sein und sich keinen Druck aufbauen. Diese Krise gehört zu den Dingen im Leben, die man nicht ändern kann, also muss man sie annehmen. Wem nützt es, wenn ich wegen der drei Seiten am Tag frustriert bin? Niemand. Also bin ich es selbst auch nicht.

Hast du konkrete (Schreib-)Pläne für 2020?

Ich hoffe für uns alle (Autoren, Dienstleister, Verleger, Leser), dass wir eine FBM haben werden. Anders als in Leipzig wird es dort aber keinen Weltenbauer-Stand geben und so hoffe ich auf BoD und andere freundliche Geschäftspartner oder Kollegen, dass sie mir die eine oder andere Möglichkeit geben, meine Bücher zu präsentieren. Besonders schlimm war für mich die Tatsache, dass ich meine neue Reihe – die Wikinger-Saga „Nordblut“ – in Leipzig nicht vorstellen und die Gewinner-Trophäe des Literaturpreises Seraph für „Windherz“ nicht entgegennehmen konnte. Beides hoffe ich, in Frankfurt nachholen zu können. Ansonsten ist für dieses Jahr einfach Weiterschreiben geplant: Nordblut 2 ist in der Mache, ebenso wie der Abschluss der Lichtsplitter-Saga mit Erik Kellen. Und dann wird es noch ein spannendes Geheimprojekt geben, das die Leser hoffentlich gut annehmen.

Wie tauscht du dich derzeit mit anderen Autorinnen und Autoren aus?

Mit vielen Autorenkollegen habe ich trotz der Krise Kontakt. Zum Beispiel tausche ich mich regelmäßig mit meinen beiden Weltenbauer-Kollegen Sam Feuerbach und Greg Walters per Skype aus und bei Kathrin Wandres hänge ich ohnehin ständig in der Leitung. Mit Erik Kellen telefoniere oder maile ich – auf diese Weise haben wir immer zusammen geschrieben und daran ändert auch die aktuelle Situation nichts. Neulich haben mich Bernhard Hennen und Robert Corvus gefragt, ob ich Nordblut auf ihrem YouTube-Kanal vorstellen will. Das sind dann so schöne Momente, in denen man merkt, dass die Autoren auch aneinander denken und nicht nur jeder alleine vor sich hin werkelt.
Die Leser durfte ich in Leipzig ja leider nicht persönlich sehen, also bleibt aktuell nur der übliche Weg: über die Sozialen Netzwerke miteinander kommunizieren. Genau genommen ist das also gar nicht so anders als sonst.

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Sarah Saxx

lebt ihren Traum: Sie berührt ihre Leserinnen und Leser mit romantischen Geschichten und löst dieses gewisse Kribbeln aus. Sarah Saxx wurde 1982 geboren und schreibt, liebt und lebt in Oberösterreich und verbringt ihre freie Zeit am liebsten mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern. Auch von ihr wollten wir wissen, wie sie derzeit mit der aktuellen Situation umgeht und wie das vielleicht sogar ihre Schreibroutine beeinflusst.

Inwiefern hat sich deine Schreibroutine durch die aktuelle Situation verändert?

Durch die aktuelle Situation fehlt mir mein normaler Schreib-Rhythmus. Bisher ist immer der Vormittag meine Schreibzeit gewesen. Am Nachmittag habe ich mich um E-Mails und Marketing gekümmert, oder ich habe diese Arbeiten am Abend erledigt, wenn die Kinder im Bett waren. Doch durch die Schulschließungen Mitte März musste ich mich neu strukturieren. Da mein Mann arbeitet und die Kinder von zu Hause aus ihre Schulsachen erledigen müssen, fällt meine mir so wichtige Schreibzeit am Vormittag weitestgehend flach. Die Kinder brauchen einfach immer noch ab und an meine Hilfe und können noch nicht alles völlig allein erledigen. Ein konzentriertes Schreiben nebenbei ist schlichtweg unmöglich. Deshalb stehe ich seit Wochen um 4:45 Uhr morgens auf, um spätestens um 5:15 Uhr mit dem Schreiben starten zu können. Und obwohl es wirklich eine harte Zeit ist und das frühe Aufstehen mir nicht immer leicht fällt, ist es auch ein unglaublich befriedigendes Gefühl, einen Großteil der Arbeit schon morgens erledigt zu haben.
Trotzdem fehlt mir knapp ein Drittel bis die Hälfte meiner Arbeitszeit, was dazu führt, dass ich nicht im gewohnten Tempo veröffentlichen kann. Aber ich halte einfach daran fest, dass wir irgendwann wieder zu unserem ursprünglichen Alltag zurückgelangen werden.

Wie sieht deine Planung für die kommenden Monate aus? Kommst du zur Frankfurter Buchmesse, sofern sie dieses Jahr stattfindet?

Meine Planung für das Jahr 2020 hat sich der aktuellen Situation angepasst: sie ist ungewiss. Das bedeutet, dass ich mich zwar unglaublich auf die Frankfurter Buchmesse und auf die Buch Wien freuen würde, aber wenn ich ehrlich bin, will ich noch nicht so recht daran glauben, ob dieses Jahr wirklich noch Messen stattfinden werden. Und selbst wenn, bin ich mir gerade noch unsicher, ob ich daran teilnehmen will – das hängt auf jeden Fall von den Sicherheitsvorkehrungen für Besucher und Aussteller ab.
Zumindest lasse ich mich, was das Schreiben betrifft, nicht beirren. Ich arbeite weiterhin an neuen Projekten und hoffe, dass ich zumindest annähernd das schaffe, was ich mir vorgenommen habe.

Bist du aktiver in den sozialen Netzwerken unterwegs, um mit deinen Leserinnen und Lesern in Kontakt zu bleiben?

Damit mich meine Leser nicht vergessen, berichte ich momentan täglich auf Instagram in den Stories von meinen Schreibfortschritten. Außerdem bin ich immer wieder mit Kolleginnen live, wo wir über unsere aktuellen Projekte plaudern, über unseren Schreiballtag und aus unseren Büchern vorlesen – zuletzt mit Michelle Schrenk und Emma Wagner.

Um die Motivation am Schreiben nicht zu verlieren, verabrede ich mich außerdem Online mit Kolleginnen und Kollegen. Wir schreiben dann gemeinsam, jeder an seinem Projekt. Zu wissen, dass man nicht allein ist, egal zu welcher Uhrzeit man schreibt, hilft zumindest mir wirklich sehr.

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Marah Woolf

ist erfolgreiche Fantasy- und Jugenbuchautorin. Marah hat sowohl im Selfpublishing viele Bücher veröffentlicht, als auch zuletzt bei mehreren Verlagen wie zum Beispiel Dressler oder Oetinger. Auch die vielen Auszeichnungen zeigen, dass sie nicht nur leidenschaftlich Bücher schreibt sondern auch am besten nie damit aufhören sollte. Sie gewann  zum Beispiel im vergangenen Jahr den LovelyBooks-Leserpreis in der Kategorie Fantasy & Science Fiction für „Zorn der Engel“ und in der Kategorie Jugendbuch/Fantasy für „TausendMalSchon“.

Marah hat uns verraten, wie sie die Zeit gerade nutzt, um an neuen Projekten zu arbeiten und weiterhin im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen zu bleiben:

Marah, wie sieht dein Alltag gerade aus? Kommst du gut mit der neuen Situation klar – oder fehlt dir der Kopf, um an deinen Projekten zu schreiben?

Also ich komme sehr gut zurecht. Im Grunde hat sich für mich nur wenig geändert. Allerdings werde ich jetzt viel liebevoller und öfter bekocht, weil noch mehr Menschen außer mir tagsüber das Haus bevölkern. Das ich mich gerade in der Überarbeitungsphase des ersten Bandes meiner HexenSchwesternTrilogie befinde, versuche ich diese aber zu ignorieren, was mir fast immer gelingt. Ich liege also ganz gut in der Zeit. Mit kleinen Kindern stelle ich mir das sehr anstrengend vor. Meine Jüngste ist froh, wenn ich sie in Ruhe lasse. Ich glaube, sie hat vor dem Moment Angst, wenn ich mit dem Überarbeiten fertig bin.

Welche Veröffentlichungen stehen bei dir gerade an? Gibt es bald neuen Lesestoff von dir?

Ich plane gerade die Aktionen, die für die Veröffentlichung anstehen. In diesem Jahr werden in jedem Fall die ersten beiden Teile und mit viel Glück auch Teil 3 der HexenSchwesternTrilogie erscheinen. Ich bin guter Dinge, dass es bald eine Cover- und Titel-Enthüllung geben wird. Außerdem möchte ich zum ersten Mal Buchboxen mit ganz vielen selbst hergestellten Dingen versenden und da kommt mir die viele Zeit meiner Kinder gerade recht ;-). Zweihundertfünfzig Kerzen kann ich leider nicht hexen.

Inwiefern nutzt du deine Social-Media-Kanäle, um von deinem Autorinnenleben zu berichten?

Auch da hat sich gar nicht so viel verändert. Ich poste regelmäßig auf meinen Kanälen – bei Insta und Facebook. Allerdings habe ich schon zwei Livestreams gemacht, das war neu für mich und eine tolle Erfahrung. Zukünftig werde ich das sicherlich öfter machen und ich plane auch schon eine Eröffnungslesung für die Hexenschwestern zur Sommersonnenwende am 21.06.

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Elvira Zeißler

je nach Genre auch Ellen McCoy oder Ella Zeiss genannt – lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in der Nähe von Köln. Seit über 20 Jahren schreibt sie mit großer Begeisterung fantastische und gefühlvolle Geschichten, die ihren Leserinnen und Lesern die Welt um sie herum für ein paar Stunden vergessen lassen sollen. Insgesamt hat sie bisher 24 Romane veröffentlicht. Mit ihrer authentischen Familiensaga “Tage des Sturms” gewann Elvira Zeißler zuletzt den Kindle Storyteller Award 2018.

Ist es für dich ungewohnt jetzt nur von zu Hause aus zu arbeiten oder ist das für dich kein Problem?

Für mich persönlich ändert sich mit dem Homeoffice nicht so viel, da ich bereits seit Jahren von Zuhause arbeiten. Gleichzeitig ist es natürlich schon eine große Umstellung, die Kinder jetzt rund um die Uhr um mich zu haben. Mit fast 7 und 9 sind meine Töchter zum Glück schon so groß, dass sie – gerade bei dem schönen Wetter – auch viel Zeit im Garten verbringen, sodass ich zwischendurch auch zum Arbeiten komme. Das mit dem früher Aufstehen, um etwas geschafft zu bekommen, klappt bei uns nicht so ganz, da beide Mädchen auch immer sehr früh wach sind. Aber, wie gesagt, sie verstehen, dass das Schreiben meine “Arbeit” ist. Was ich darüber hinaus (negativ) merke ist, dass derzeit weniger Bücher gekauft bzw. gelesen werden.

Hast du dich für das aktuelle Schreibjahr gut vorbereitet oder verschieben sich deine Pläne gerade?

Für 2020 halte ich weiterhin an meinen Veröffentlichungsplänen fest, insofern ändert sich für mich nicht viel, da ich schon einiges vorgearbeitet habe. Von den insgesamt 4 Romanen, die in diesem Jahr bei mir erscheinen, muss ich nur noch einen schreiben. Das Hotel für die Frankfurter Buchmesse ist bei mir schon lange gebucht und wenn sie stattfindet, würde ich gern wieder hinfahren. Da neben Leipzig auch einige kleinere regionale Buchmessen, die ich sehr mag, verschoben bzw. abgesagt wurden, fehlt mir der persönliche Kontakt zu Lesern und Kolleginnen sehr. Auch geplante Lesungen können nicht stattfinden und ich hoffe, dass alles spätestens im nächsten Jahr nachgeholt wird.

Greifst du derzeit auch öfter zum Telefon, um mit anderen Autorinnen in Kontakt zu bleiben?

Natürlich halte ich weiterhin über Social Media Kontakt zu Leserinnen und Kollegen und telefoniere auch gern mit Buchmenschen, die mir zu Freunden geworden sind. Trotzdem lässt sich das Messefeeling damit nicht nur bedingt ersetzen.

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Klaus Seibel

ist ein deutscher Schriftsteller mit den Schwerpunkten Thriller und Science Fiction. Er hat Theologie studiert, als Pastor gearbeitet und war Manager in einem Softwarehaus. Seit 2014 ist er hauptberuflich Schriftsteller und erhielt 2009 den Krimipreis der Frankfurter Neuen Presse. Mit mehr als 400.000 verkauften E-Books, Büchern und Hörbüchern gehört er zu den erfolgreichsten unabhängigen Autoren des Landes.

Erzähl mal: Was steht bei dir gerade an und inwiefern verändert sich dein Schreiballtag derzeit?

Mit geht es sehr gut. Ich sitze in meinem Büro mit Blick ins Grüne und mache gerade mein 22. Buch für das Lektorat fertig. Da ich vom Schreiben lebe und deshalb sowieso immer im Homeoffice arbeite, hat sich für mich durch die Krise wenig geändert. Meine Autorenfreunde sind über Deutschland verteilt, wir treffen uns wie schon seit Jahren in bestimmten Facebook-Gruppen. Von daher ist auch in dieser Hinsicht alles beim Alten. Allerdings habe ich die Buchmesse in Leipzig sehr vermisst. Dort hatte ich immer so viele Kontakt zu sehr netten Menschen. Alles kann das Internet doch nicht ersetzen und ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Begegnungen.

Schreibst du derzeit an einem neuen Thriller? Vielleicht mit Bezug auf einen sich ausbreitenden Virus?

Für einen Science-Fiction- und Thriller-Autor liegt es im Moment natürlich nahe, an einen Virus-Thriller zu denken. Ideen dazu habe ich eine Menge, aber die nächsten drei Bücher stehen bereits fest. Da habe ich meinen Lesern einiges versprochen, und das will ich auch halten. Danach hat sich das Virus-Thema dann ganz bestimmt erledigt und wir freuen uns über ganz andere Sachen zum Lesen 😊

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Jaliah J.

lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen im bunten Berlin. Auf ihren sozialen Kanälen lässt sie regelmäßig ihre Leserinnen und Leser an ihrem Leben und dem Entstehen der neuen Werke teilhaben – die sich vor allem im romantischen Genre ansiedeln. Durch die neue Umstellung hat sich ihr Schreiballtag sehr verändert. Wie genau, das verrät auch sie uns in einem kleinen Interview:

Du hast erzählt, dass sich deine Schreibroutine komplett verändert hat. Wie genau sieht dein Tag jetzt aus?

Wenn man Autoren fragt, wie sie mit der aktuellen Situation rund um Corona zurechtkommen und wie sich das auf ihren ‘Schreiballtag’ auswirkt, hört man oft, dass sie nun Homeoffice machen und mehr Zeit zum Schreiben haben. Das mag für die meisten auch stimmen, bei mir und wenigen anderen Autoren trifft das leider nicht zu. Seit einigen Jahren lebe ich nun auch vom Schreiben und mache das hauptberuflich. Das bedeutet, ich arbeite jeden Tag, wenn meine Kinder in der Schule und im Kindergarten sind, 6-8 Stunden an meinen Büchern und an allem anderen, was dabei wichtig ist. Social Media, Werbung, Projekte planen, es gibt vieles, was neben dem Schreiben anfällt und auch einiges an Zeit in Anspruch nimmt.
Durch die Corona-Krise wurden hier natürlich die Schulen und Kindergärten geschlossen, was für mich bedeutet, dass meine drei Söhne zuhause sind. Mein jüngster Sohn ist gerade vier geworden, da funktioniert es gar nicht zu arbeiten. Klar kann man mal Mails beantworten oder ein Projekt planen, doch alles, was länger als zwanzig Minuten dauert, wird schon schwierig. Dazu kommen noch die Schularbeiten der älteren Söhne, wobei sie Hilfe brauchen. An meine normalen 6-8 Stunden, die ich am Tag arbeite, ist nicht mehr zu denken. Mein Mann arbeitet außer Haus und wenn er am Nachmittag kommt, kann er für eine halbe oder eine Stunde mit den Kindern rausgehen, doch viel mehr funktioniert ja wegen der Ausgangsbeschränkung auch nicht und wenn alle zuhause sind, ist es einfach zu unruhig und zu laut in der Wohnung.

Verschieben sich dadurch manche Projekte bei dir?

Wenn ich Glück habe, schaffe ich es, am Tag noch 1-2 Stunden zu arbeiten, was schon ein ziemlicher Einschnitt in meiner Arbeit ist. Für mich bedeutet das, dass ein Projekt für dieses Jahr schon komplett gestrichen ist. Leider. Gerade sieht es so aus, dass zwei meiner Söhne erst im August wieder zur Schule und zum Kindergarten gehen. Ich versuche es positiv zu sehen: Auch wenn ich das Schreiben über alles liebe und es vermisse, mich Stunden in meine Projekte zu stürzen, genieße ich die Zeit mit meinen Kindern und bin dankbar, dass wir gesund sind. Am Ende denke ich haben alle Menschen in dieser Situation deutlich vor Augen geführt bekommen, dass die Gesundheit das Wichtigste ist und so hoffe ich, dass es bei einem Projekt bleibt, was ich streichen muss und versuche positiv zu bleiben.

Planst du derzeit trotzdem Marketing-Aktionen oder Events?

Planen ist natürlich sehr schwer zur Zeit. Wir haben bereits kleine Aktionen gestartet, um die Leute auf andere Gedanken zu bringen. So gab es ein paar Tage ein E-Book umsonst, oder ich habe mit anderen Autoren Trostboxen der LBM zusammengestellt, wo wir Goodies und E-Books gesammelt haben, um die Leser für die nicht stattfindende Buchmesse zu entschädigen. Ich hoffe sehr, dass wir alle uns auf der Frankfurter Buchmesse wiedersehen, so ganz sicher bin ich mir nicht, aber wenn, dann komme ich natürlich gerne beim BoD-Stand vorbei und mache eine Buchwidmungsstunde oder ähnliches.
Diese Situation trifft alle Menschen auf ganz unterschiedliche Weise, doch auch wenn sie uns in vielem einschränkt haben, was wir lieben und uns vor schwere Situationen stellen, sehe ich auch positive Veränderungen, die mir Hoffnung geben. Die Menschen finden zusammen, sie haben vor Augen geführt bekommen, wie schnell sich alles ändern kann, wie wertvoll vieles ist, was wir für selbstverständlich erachten. Unsere Freiheit, das Reisen, Freunde zu treffen, zu feiern, Familienfeste. Ich bin mir sicher, dass wir nach dieser Zeit all das wieder mit ganz anderen Augen sehen. Die Natur hat Zeit auszuatmen und wir bemerken, was wichtig ist. Auf einmal vermisst man die Umarmungen bei der Begrüßung, den Smalltalk beim Einkaufen oder auf der Straße und ich muss jedes Mal lächeln, wenn mir jeder ‘Bleiben Sie gesund’ wünscht, wieso haben wir das nicht schon vorher getan? Es ist doch das Wichtigste.
Ja, es ist gerade schwer und auch mich als Autorin trifft die Corona-Krise, doch ja, trotzdem habe ich die Hoffnung, dass wir alle gestärkt daraus hervorgehen und bald wieder zusammen auf den Buchmessen über die vielen atemberaubenden Geschichten sprechen können, für die wir dann wieder viel mehr Zeit haben werden, um sie aufzuschreiben.

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