Hybridautoren – International

Hybridautoren – International

Warum veröffentlichen Autorinnen und Autoren aus Finnland, Frankreich, Dänemark und Schweden ihre Werke sowohl als Selfpublisher als auch bei einem traditionellen Verlag?

Autoren, Self-Publishing, Szene, Vermarktung | Jessica Halermöller

In unserem ersten Blogbeitrag über Hybridautoren haben wir mit Marah Woolf/ Emma C. Moore, Fantasy- und Jugenbuchautorin, darüber gesprochen, welche Vorteile es hat, sowohl bei einem Verlag als auch als Selfpublisherin, zu veröffentlichen.

In diesem Blogbeitrag haben wir mit drei weiteren Autorinnen und einem Autoren aus vier verschiedenen Ländern gesprochen: Schweden, Dänemark, Frankreich und Finnland. Und alle sind sich einig: Hybridautor zu sein hat ziemlich viele Vorteile!

Frankreich

Gally Lauteur gehört zu einer Generation vernetzter Autoren. Sie wurde mit ihren Jugendfiktionen im Internet entdeckt, und ihr erster Roman „Ruft ihr mich nicht Schneewittchen“ hat in ein paar Monaten mehr als eine Million Leser überzeugt, bevor er von Hachette Romans (2017) veröffentlicht wurde. Ihr Roman „Die Dämonen von Cinderella“ gewann den ersten Preis auf der Webseite Fyctia (Hugo Roman) – grund dafür war nicht nur die große Beliebtheit bei den Lesern, sondern auch ihr Humor und ihre ungewöhnliche Vorstellung des Märchens.

Findest du, dass der Ruf von Autoren im Selfpublishing und im traditionellen Verlag Unterschiede aufweist? Hast du das vielleicht sogar selber gespürt, z. B. im Kontakt mit Lesern oder Medien?

Meine Leserinnen machen keinen Unterschied, ob ich als Selfpublisherin oder in einem traditionellen Verlag veröffentliche, weil die Sorgfalt bei meinem Manuskript und dem Cover, mit der eines klassischen Verlegers identisch war. Dennoch haben die Kommunikation und der Vertrieb in stationären Buchhandlungen einen großen Einfluss und machen den Unterschied.

Der Buchmarkt selbst ist riesig und es ist schwierig, sich von den anderen abzugrenzen, wenn noch niemand einen kennt. Journalisten bekommen oft Presseexemplare und sie schreiben die Artikel entsprechend ihren Wünschen und Meinungen. Als Selfpublishing-Autorin liegt es an einem selbst, diese Schritte zu unternehmen, und für genügend Sichtbarkeit zu sorgen. Ich persönlich habe unterschiedliche Social Media Kanäle und einen Blog. Meine Zielgruppe ist relativ jung und befindet sich selbst eher im Internet und informiert sich dort über Buchneuheiten, als über die schriftliche Presse. Wenn man aber einmal im Fernsehen gezeigt wird oder in einer nationalen Zeitung, dann ist die Reichweite natürlich um ein vielfaches höher.

Schweden

Annika Koldenius ist Autorin, Übersetzerin, Literaturkritikerin für z.B. Borås Tidning und Kommunikatorin an der Universität Göteborg. Sie hat zuvor das Buch „Wir waren immer vorbereitet“ veröffentlicht, welches eine tiefe persönliche Geschichte der Traurigkeit ist.
Annika Koldenius ist außerdem eine von zwei Jurymitgliedern des Lilla Debutant-Preises seit 2013, einem Novellen-Wettbewerb für junge Leute, deren Preise im Zusammenhang mit der Verteilung des Borås Tidning-Debütantenpreises vergeben werden.

Du hast zuvor Bücher bei Verlagen publiziert, dich aber entschlossen, deine Gedichtsammlung selbst zu veröffentlichen. Was sind die großen Unterschiede beim Selfpublishing und bei der Herausgabe durch einen klassischen Buchverlag?

Die großen Unterschiede sind, dass es viel schneller geht und dass man selbst für den gesamten Veröffentlichungsprozess verantwortlich ist. Mein Buch wurde in weniger als einer Woche fertiggestellt, einschließlich des Hochladens über myBoD, da die Gedichte bereits fertigt waren. Gleichzeitig muss man selbst dafür sorgen, dass das Manuskript professionell lektoriert wird und sich eigenständig Marketingstrategien überlegen. Man sollte sich also genau überlegen, wann und wie man sein Buch veröffentlicht und vermarketet. Wenn man eine klare Vorstellung hast, wie genau zum Beispiel das Buchcover aussehen soll und dabei ungerne Kompromisse eingehen möchte, dann ist Selfpublishing fantastisch!

Wenn du dein Buch selbst veröffentlichst, dann ist es äußerst wichtig, dich mit anderen Personen auszutauschen und zu vernetzen. Ich hatte einige Freunde und Personen mit denen ich über meine Ideen, Vermarktungs-Prozesse, Ausstattung, Präsentation, Buchblock- und Coverdesign gesprochen habe. Ich habe dadurch viel über den Buchprozess gelernt: von der Gestaltung des Textes, der Wahl der Schriftarten, dem Korrekturlesen, den unterschiedlichen Papierarten usw. All das sind Dinge, von denen ich in Zukunft profitieren werde.

Dänemark

Kristoffer Flakstad ist Journalist und Autor und hat früher als Verlagsredakteur gearbeitet.
Er liefert Reise-Reportagen an die dänischen Zeitungen „Politiken“, „Berlingske“ und „Jyllands-Posten“ und kommentiert norwegische Politik für u.a. den Fernsehsender TV2 NEWS.

Er hat den Reiseführer „Turen Går Til England & Wales“ (veröffentlicht bei Politikens Forlag) und den Reisebericht „Skjoldungen“ (veröffentlicht bei Gyldendal) veröffentlicht. Im November 2018 erschien sein drittes Buch, eine Biografie über eine dänisch-thailändische Person namens Pensak Howitz (geb. 1939), die auf ein spannendes Leben als Frau des dänischen Botschafters und später thailändische Senatorin zurückblicken kann.

Gab es für dich einen Grund, wieso du manche Titel über SP veröffentlicht hast?

Ich veröffentliche bei den dänsichen Verlagen „Gyldendal“ und „Politikens Forlag“ als Autor und Ghostwriter und werde in der Zukunft wahrscheinlich auch primär für die beiden Verlagshäuser arbeiten. Im Moment bin ich sogar tatsächlich dabei, einen Vertrag mit einem dritten Verlagshaus für mein neustes Buchprojekt abzuschliessen. Aber in Bezug auf mein Buch „Pensak“ war ich  nicht daran interessiert, es bei einem traditionellen Verlag zu veröffentlichen. Es war mein Wunsch, dass das Buch so schnell wie möglich auf den Markt kommt. Es handelt von der ehemaligen Frau des dänischen Botschafters und Senatorin Pensak Howitz, die mittlerweile 79 Jahre ist und der es derzeit gesundheitlich nicht so gut geht. Deswegen war es mir wichtig, dass ich das Buch schnell veröffentlichen konnte und es nicht erst in einem Jahr erscheint. Durch Selfpublishing kann ich selber über den Zeitpunkt bestimmen, was bei solchen Projekten unheimlich wichtig ist.

Finnland

Sara Medberg ist Diplom-Theologin und Doktorandin der Kirchengeschichte. Ihre historischen Romane behandeln ihr wissenschaftliches Forschungsthema – die Ausbildung der Mädchen im 18. und 19. Jahrhundert – aus literarischer Sicht. Sara Medberg gehört zu der schwedischsprachigen Sprachminderheit in Finnland und hat sowohl auf Schwedisch als auch Finnisch veröffentlicht. Ihre drei ersten Romane sind bei BoD erschienen und Ihr neuster Titel bei einem der größten Verlage in Finnland, „Otava“.

Welche Tipps würdest du anderen Selfpublishern geben?

Schreiben ist inspirierend und macht Spaß, aber es ist wichtig, vor allem als Selfpublisherin, diszipliniert zu arbeiten. Das Ziel sollte sein, den Text sorgfältig zu erstellen (mit Korrektorat und Lektorat) und ein Buch zu erstellen, das bis zum letzten Detail gut geplant ist. Für mich war es bei meinen Romanen wichtig, erst einmal die Gesamtheit des Projektes zu sehen und mich dann Stück für Stück vor zu arbeiten.

Man muss zum Beispiel die Balance zwischen den Dialogen innerhalb des Romans und der Geschichte behalten, das Korrektorat und Lektorat ist auch super wichtig! Auch die Gestaltung des Covers ist ein wesentlicher Aspekt, weil es einen wichtigen ersten Eindruck über den Inhalt gib. Mein Cover von „Holhokki“ ist zum Beispiel ein Modeposter aus einer Frauenzeitschrift vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Wenn man gerne schreibt, sollte man sich nicht durch Zweifel oder Kritik aufhalten lassen, sondern von guten Ratschlägen lernen. Wenn man eine gute Idee hat, die man verwirklichen möchte, sollte man einfach loslegen!

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