Mein Beruf, meine Buchidee (Teil 1/3)

Mein Beruf, meine Buchidee (Teil 1/3)

Ein Polizist ist dafür prädestiniert, Krimis zu schreiben, eine Erzieherin ist die geborene Kinderbuch-Autorin – naheliegend? Während einige Autoren bewusst Geschichten jenseits ihres (Berufs-)Alltags schreiben, erhalten andere dadurch wertvolle Inspiration, so auch Matthias Bürgel.

Autoren | Anja Meiners

Nicht nur in seinem Berufsalltag stehen Tatorte und Verbrechen im Fokus, auch in den Thrillern von Matthias Bürgel. Wie er seinen Beruf als Kriminalbeamter mit seiner Autorentätigkeit unter einen Hut bringt und wieso er sogar Verlagsangebote ablehnte, verrät der Self-Publisher im spannenden Interview.

Woher stammt Ihre Schreibleidenschaft und wie entstand die Idee zu Ihrem ersten Buch?
Meine Affinität zum Schreiben habe ich erst spät entdeckt oder erkannt. Mein erstes Buch „Projekt Goliath“ war, zugegeben, ein Stück weit die Verarbeitung eigener Ängste und war eigentlich gar nicht unbedingt für die Veröffentlichung vorgesehen. Es war meine Familie, die mich gedrängt hat, „Projekt Goliath“ zu veröffentlichen. Das überwältigende Feedback, welches ich auf „Projekt Goliath“ bekommen habe, motivierte mich, weiterzuschreiben. Ich muss berufsbedingt schon sehr viel schreiben. Ermittlungsberichte, Spurensicherungsberichte usw. Scheinbar habe ich ein Talent, Geschichten spannend zu erzählen.

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Bei Ihren bisherigen Veröffentlichungen handelt es sich um Thriller. Welchen Einfluss haben Ihre Erlebnisse und Ihr Insiderwissen aus dem Berufsalltag als Kriminalbeamter auf Ihre Geschichten?
Natürlich einen sehr großen Einfluss. Ich arbeite im Schichtdienst beim Kriminaldauerdienst. Jeden Tag bin ich mit den Abgründen menschlichen Verhaltens konfrontiert. Ich bearbeite Tötungsdelikte, Suizide, Raubdelikte, Sexualdelikte, Branddelikte und vieles mehr. Ich denke, dass ich eben schon aus der Fülle meiner Erfahrungen und Erlebnisse aus dem Vollen schöpfen und in meinen Geschichten verarbeiten kann. Es ist mir auch ganz wichtig, bei meinen Geschichten sehr nahe an den Fakten zu bleiben. Ich gestehe, dass mir Krimis, die so fernab der kriminalpolizeilichen Realität sind, ein Gräuel sind. Deshalb schaue ich auch keinen „Tatort“.

„In den Schreibphasen stelle ich mir den Wecker auf 05:30 Uhr“

Andersherum hat sicherlich auch Ihre Autorentätigkeit gewisse Auswirkungen auf Ihren Beruf als Kriminalbeamter. Wissen Ihre Kollegen von Ihrer Autorentätigkeit und haben Sie beispielsweise darüber nachgedacht, unter einem Pseudonym zu veröffentlichen?
Hm, eigentlich nicht. Vielleicht in der Hinsicht, dass ich mir bei der Bearbeitung eines Falles mehr Gedanken machen, ob sich der ein oder andere Sachverhalt vielleicht in einer Story verarbeiten lässt.

Natürlich wissen meine Kollegen von meinem „Hobby“. Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. Wie überall gibt es den einen oder anderen Neider, aber im Großen und Ganzen findet es eine breite Anerkennung. Die Frage, ob ich unter einem Pseudonym veröffentlichen soll hat sich mir nie gestellt.

Wie finden Sie trotz Ihres Berufsalltags mit unregelmäßigen Dienstzeiten usw. die Freiräume, um sich dem Schreiben oder der Buchvermarktung zu widmen?
Ohne meine Familie, die mir den nötigen Freiraum gibt, wäre das nicht zu machen. Es verlangt mir schon ab und zu auch eine gehörige Portion Selbstdisziplin ab. In der Schreibphase stelle ich mir an den freien Tagen meinen Wecker auf 05:30 Uhr und ab sechs Uhr sitze ich dann am Laptop. Anders geht es nicht. Meine Frau unterstützt mich enorm beim Marketing, z.B. kümmert sie sich komplett um die sozialen Netzwerke oder terminiert meine Lesungen.

Matthias Bürgel

Matthias Bürgel

ist 47 Jahre alt und seit über 27 Jahren Angehöriger der Polizei Baden-Württemberg. Seit mehr als 12 Jahren arbeitet er in den unterschiedlichsten Bereichen der Kriminalpolizei. Aktuell leitet er eine Dienstgruppe beim Kriminaldauerdienst. Seine Leidenschaft gilt dem Motorradfahren und dem Gitarrespielen. Weitere Informationen finden Sie unter www.matthias-buergel.de

„Die Idee für meine Werbemittel kam mir an einem Tatort.“

Welche Unterstützung haben Sie bei Ihrer Veröffentlichung in Anspruch genommen?
Um die Kosten am Anfang zunächst überschaubar zu halten, habe ich das Cover für „Projekt Goliath“ selbst gestaltet, bzw. meine Tochter, die fit mit PhotoShop ist, hat den Entwurf gemacht. „Projekt Goliath“ habe ich bei BoD ins Korrektorat gegeben. Bei „Akte Kronos“ stand mir ein höheres Budget zur Verfügung und ich konnte mir ein professionelles Lektorat und ein Cover-Design durch einen britischen Designer leisten. Eine tolle Unterstützung habe ich natürlich auch durch BoD selbst erfahren. Für meinen zweiten Thriller „Akte Kronos“ gab es Verlagsangebote. Meine Erfahrungen jedoch, was die persönliche Betreuung und den Vertrieb durch BoD betrifft, waren so positiv, dass mir die Entscheidung auch „Akte Kronos“ mit BoD zu veröffentlichen leicht fiel, zumal ich diese Unabhängigkeit als Autor noch sehr genieße.

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Originell und auf seine Bücher zugeschnitten: Mit „Spurensicherungstüten“ weckte Matthias Bürgel die Neugierde der Besucher auf der Frankfurter Buchmesse.

Wie erreichen Sie Ihre Leser-Zielgruppe und welche Marketingmaßnahmen haben Sie bislang ergriffen?

Es ist ganz wichtig alles auszuschöpfen, was einem zur Verfügung steht. Sehr vieles, und damit habe ich eine große Leserschaft erreicht können, geht über die sozialen Netzwerke. Leider kostet das eigene Marketing sehr viel kostbare „Schreibzeit“. Sehr, sehr gerne gebe ich z.B. Lesungen, aber auch die bedürfen der Vorbereitung. Im Augenblick bin ich der glücklichen Lage, dass ich für Lesungen angefragt oder eingeladen werde. Anfangs mussten diese natürlich erst akquiriert werden. Natürlich ist eine breite Pressearbeit ebenso wichtig, um Publicity für sein Buch zu bekommen, wie die Messepräsenz in Leipzig, Frankfurt oder anderswo. Leider habe ich mit der Presse nicht so sehr schöne Erfahrungen gemacht. Viele Kulturredaktionen stehen Self-Publishern leider extrem kritisch gegenüber und zeigen wenig bis kein Interesse, Rezensionen oder Buchbesprechungen/-vorstellungen zu machen. Was sehr schade ist, da sich wahre Perlen im Self-Publishing-Bereich finden lassen.

Natürlich sind eine eigene Homepage und Werbeartikel genauso wichtig. Als ich kurz vor der Frankfurter Buchmesse bei der Spurensicherung an einem Tatort einen Spurenträger in eine Tüte gepackt habe, kam mir spontan die Idee, solche Spurensicherungstüten als Werbegeschenke zu packen. Also befüllte ich lauter Spurensicherungstüten mit kleinen Überraschungen, die unter anderem Süßigkeiten und Buch-Lesezeichen enthielten. Die kamen richtig gut bei den Besuchern an.

Könnten Sie sich auch vorstellen, Geschichten jenseits von Mord und Verschwörung und somit weniger Bezug zu Ihrem Beruf zu entwickeln? Oder haben Sie mit Thrillern Ihr bevorzugtes Genre gefunden?
Lachen Sie mich nicht aus…. Aber ich gestehe, dass mich die letzten Wochen die Idee eines Kinderbuches nicht mehr los lässt. Ich habe eine bezaubernde Enkelin, für die ich gerne mal eine Geschichte schreiben würde.

Aktuell arbeite ich an einem Psycho-Thriller, dieses Mal ohne den Protagonisten David Sprenger. Danach wird es einen dritten Thriller – wieder mit David Sprenger – geben. Was danach kommt, weiß ich noch nicht. Generell könnte ich mir schon vorstellen, auch andere Genres zu bedienen. Aber mal ehrlich… bei der Inspiration aus meiner täglichen Arbeit, wäre es nicht schade, wenn ich das Genre wechseln würde?

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Für seine neueste Veröffentlichung beauftragte der Self-Publisher ein professionelles Lektorat sowie einen Grafiker für das Buchdesign.

Als Autor aktiv auf Veranstaltungen und Lesungen

Fotos: Matthias Bürgel

Lesen Sie auch Teil 2 unserer Interviewreihe „Mein Beruf, meine Buchidee“.

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