Eine Ladung voll Bücher

Eine Ladung voll Bücher

Der Argentinier Raul Lemesoff entwickelte eine Waffe der besonderen Art, die sogenannte „Massen-Bildungs-Waffe“. Die Munition des rollenden Ungetüms hat es in sich.

Allgemein, Bücher, Kuriositäten | Carina Leberle

Mit einem Kanonenrohr, einem schwenkbaren Turm und der grünen Verkleidung ähnelt das Gefährt einem Panzer. Der kleine, aber feine Unterschied zum üblichen Kampffahrzeug besteht darin, dass das Gefährt rundherum mit Ablageflächen für Bücher ausgestattet ist, die das Gehäuse bilden. Als Grundlage für den Panzer dient ein alter Ford Falcon, inzwischen erinnern nur noch die Räder an den Ursprungszustand. Was macht der Eigentümer Lemesoff mit diesem eigenartigen Gefährt?

Mit seiner Massen-Bildungs-Waffe schießt Raul nun durch die Straßen von Buenos Aires und verteilt kostenlos Bücher an alle Lesehungrigen. Mit dem Panzerrohr nimmt er die Passanten ins Visier. Er wartet. Doch statt zu feuern, springt er aus seinem schwenkbaren Turm und zückt für jeden ein Büchlein. Dieser Panzer stellt also keine Waffe mehr dar, die massenhaft Zerstörung anrichtet. Es geht um den Kampf für Bildung und soll Menschen zu einer sinnvollen, friedlichen Beschäftigung aufrufen. Einer Beschäftigung, die verbindet und sogleich bildet: Lesen.

Rauls fahrbahre Bibliothek ist mit ca. 900 Büchern beladen, die allesamt Spenden von Freiwilligen sind. Diese werden dann vor allem in die ärmeren Stadtviertel von Buenos Aires befördert, wo Literatur (noch) zu selten vorkommt und Bildung vielen Menschen verwehrt bleibt.

Wir wissen zwar nicht, wovor man im ersten Moment mehr Angst haben soll: Vor dem rollenden Geschoss oder dem etwas verrückt wirkenden Erfinder, mit den großen, grünen Augen? Dennoch finden wir, alles in allem eine tolle Idee. Allemal kurios.

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