Buchgestaltung Teil 3 – zur Person Johannes Steil

Buchgestaltung Teil 3 – zur Person Johannes Steil

Der dritte und letzte Teil des Interviews ist dem Buchgestalter und seiner Arbeit gewidmet: Johannes Steil, Buchgestalter und Typograf aus Hamburg, über Stil, Talent und Herausforderungen beim Self-Publishing.

Seit es Bücher gibt, werden sie gestaltet. Mit Entwicklung des Buchdrucks wird die Buchgestaltung durch den technischen Fortschritt bestimmt, unterliegt Trends, und sie beeinflusst den Verkaufserfolg eines Buches. Auch mit dem Einzug digitaler Publikationsmodelle haben gelungene Gestaltungskonzeptionen ihre Bedeutung nicht verloren.

Johannes_Steil_zur_Person

Buchgestaltung wird an verschiedenen deutschen Hochschulen gelehrt, in Mainz zum Beispiel oder in Leipzig. Ihr Weg war ein wenig anders.

Ich habe zunächst Soziologie studiert. Nach meinem Studium fing ich beim Verlag Neue Kritik in Frankfurt am Main als Lektor an, habe dann aber ganz schnell festgestellt: Das liegt mir nicht. Aber Bücher werden ja nicht nur geschrieben, sondern auch gestaltet. Das konnte ich schon damals wesentlich besser und das liegt mir auch heute noch mehr.

Neben Talent und Kreativität, was gehört aus Ihrer Sicht noch zu einem guten Buchgestalter?

Zunächst muss man lesen können. Nicht nur rein technisch oder inhaltlich, sondern auch mit Verständnis. Ein Gestalter muss die Kernaussage des Buches erkennen. Bei der Belletristik zudem die Stimmung, die der Autor geschaffen hat, aufnehmen können und wissen, wie man den adäquaten Ausdruck in der Gestaltung dafür findet.

Wann beginnt dieser Gestaltungsprozess, bei dem sich das Gefühlte und Gelesene in Bild und Typografie umsetzt?

Das fängt schon mit der ersten Seite, mit dem ersten Satz an – auch, wenn es sich mit den nächsten Seiten wieder ändern kann. Schon beim Lesen überlege ich, welche Schriftart setze ich ein. Ein bisschen heller, ein bisschen dunkler, locker oder kompakter. Dazu muss man eine relativ große Auswahl an Schriften im Kopf haben. Da Schriften am Bildschirm immer noch anders aussehen als später im Druck, kann man sich nicht allein vor dem Computer auf die Suche nach dem Passenden machen. Oder gar stundenlang in Schriftkatalogen blättern, die es leider immer weniger gibt. Ein Gestalter muss Fühlen, Lesen und Gestalten miteinander verbinden können.

Die Gruppe der Buchgestalter in Deutschland ist zahlenmäßig nicht groß. Erkennt man sich untereinander am Stil?

Tatsächlich weiß man manchmal sofort, von wem ein Buch gestaltet wurde. Meine Art der Gestaltung ist eher ruhiger und übersichtlicher, mit weniger Spielereien. Aber am Ende geht es bei der Buchgestaltung nicht um die Wiedererkennung. Wir wirken mehr im Hintergrund. Die Verlage als Auftraggeber müssen zufrieden sein – dann haben wir gute Arbeit geleistet. Selbst wenn das heißt, dass man manchmal persönlich eine ganz andere Gestaltung bevorzugt hätte.

Buchgestalter und Self-Publishing – geht das gut?

Früher haben allein die klassischen Verlage entschieden, welche Manuskripte und mit welcher Gestaltung diese veröffentlicht werden. Heute nutzen Autoren Selfpublishing-Anbieter wie BoD, die sie nicht nur bei der Vermarktung, sondern auch beim Lektorat und der Gestaltung unterstützen. Ist das aus Ihrer Sicht ein positiver Trend?

Wenn Anbieter wie BoD verständliche Leitfäden zur Gestaltung anbieten und eine ordentliche Auswahl an Formaten und Papiersorten zur Verfügung stellen – dann mit Sicherheit. Je professioneller ein Anbieter, desto besser. BoD hat sehr gute Designvorlagen und bietet gute Übersichten darüber, was ein Autor bei der Gestaltung seines Buches beachten muss. Denn es gilt ja: Das Endprodukt darf nicht nur dem Autoren gefallen, sondern sollte im jeweiligen Genrebereich auch den Markt bedienen. Und denken Sie nur an die vielen Autoren, deren Bücher von den klassischen Verlagen abgelehnt wurden, die aber im Selbstverlag erfolgreich sind. Für sie und für jene, die für ein begrenztes Publikum kleinere Auflagen veröffentlichen und sich den Druckkostenzuschuss bei einem klassischen Verleger sparen möchten, sind Anbieter wie BoD eine günstige und professionelle Alternative.

Mit den Print-on-Demand-Verfahren können Autoren recht preiswert ihre Bücher selber veröffentlichen lassen. Wenn ich als Autor etwas mehr in die Gestaltung investieren möchte, wo finde ich den besten Gestalter für mein Buch und woran erkenne ich ihn?

Da es keine Vereinigung der Buchgestalter gibt, sucht man am besten im Internet. Oder man geht in eine Buchhandlung und schaut sich an, welche Gestaltung einem am besten gefällt. So hat man gleich eine Arbeitsprobe. Oft steht der Gestalter im Buch. Wenn nicht, erhält man die Information über den Verlag.

Der passende Gestalter kann mehrere Gestaltungsmodelle mit verschiedenen Schriftarten und Satzspiegeln vorweisen, kennt sich mit der Zielgruppe und den technischen Parametern aus.

Buchgestaltung muss ohne Konzepterläuterung funktionieren. So wie das Buch im Regal steht, muss es zum Lesen und Kaufen anregen.

Und wenn Sie sich einen Autor wünschen könnten, welches Buch würden Sie unbedingt gestalten oder neu gestalten wollen?

Ich mag komplexe Herausforderungen, bei denen man viel nachdenken muss. Also wenn ich nur einen Wunsch frei hätte, dann wären es: … Lexika oder Wörterbücher.

Text: Ama Lorenz

johannes-steil

Johannes Steil

Johannes Steil ist seit mehr als zwölf Jahren selbstständiger Buchgestalter, Typograf und Hersteller. Der studierte Sozialwissenschaftler hat beim Eichborn Verlag Buchgestaltung gelernt und wechselte danach zum Verlag für Standesamtswesen. In den Jahren 2007 bis 2008 war er bei der edel entertainment GmbH mitverantwortlich, die Herstellung für deren neuen Buchbereich aufzubauen. Zu Steils Kunden gehören unter anderem die Stiftung Warentest, Random House, Straelener Manuskripte Verlag, P. Kirchheim Verlag, Verlag Valentin Koerner, Neuer Umschau Buchverlag und der Primus Verlag. Mehr Informationen zu Johannes Steil unter: www.brotschrift.de

Schlagworte: ,