Kampf gegen E-Book-Piraterie

Kampf gegen E-Book-Piraterie

Gibt es einen effektiven Schutz vor E-Book-Piraterie? Seit einem Jahr bietet BoD seinen Autoren die freie Wahl beim DRM und geht aktiv gegen illegale Download-Links vor. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

Self-Publishing, Wissen | Thorsten Simon

Fast jeder Autor war schon einmal betroffen. Das eigene E-Book taucht auf einer Piraterie-Webseite auf und steht dort günstig oder auch kostenlos zum Herunterladen bereit. Im Einzelfall mag der Schaden überschaubar sein, doch oftmals bleibt es nicht bei einem illegalen Download-Link. Raubkopien einzelner Titel werden hundertfach auf verschiedenen Plattformen angeboten. Hauptverursacher sind dabei nicht Einzelpersonen, sondern wenige professionell organisierte Tätergruppen. Sie agieren im großen Stil, beschaffen sich E-Books für die Piraterie-Webseiten in beträchtlicher Zahl und sind für 80 bis 90 Prozent der illegalen Download-Links verantwortlich.

Wie bei Musik- oder Filmdateien ist die Hemmschwelle bei den Konsumenten, die verbotenen Angebote zu nutzen, allzu oft gering. Ein Unrechtsempfinden ist häufig nicht vorhanden. Leidtragende sind die Autoren, denen Einnahmen entgehen, und die sich angesichts des wachsenden Umfangs der E-Book-Piraterie allzu oft hilflos fühlen.

Über tausend illegale Download-Links pro Monat

Illegale Download-Links lassen sich erfolgreich bekämpfen, doch der Aufwand für einen einzelnen Autor ist groß. Besser ist es, gemeinsam oder mit einem starken Partner aktiv zu werden. Seit August 2015 geht BoD zum Schutz der Urheber- und Verwertungsrechte seiner Autoren gegen E-Book-Piraterie vor. Zu diesem Zweck überprüft BoD mehrmals täglich Piraterie-Webseiten und fahndet kontinuierlich nach neuen Plattformen mit unerlaubten Download-Links.

Möglich wird das aktive Vorgehen von BoD gegen E-Book-Piraterie, da Autoren im Rahmen einer Veröffentlichung die exklusiven Vertriebsrechte ihrer Titel übertragen. BoD ist als Rechteinhaber so im Interesse seiner Autoren voll handlungsbefugt.

Zwischen 500 bis 1.200 illegale Download-Links erfasst BoD pro Monat und veranlasst deren Löschung. Kopiert und geteilt wird dabei so gut wie alles. Im Self-Publishing erfolgreiche Genres wie Romance, Fantasy und Erotik sind besonders stark betroffen. Aber auch Fach- und Sachbücher sind aufgrund ihres zumeist höheren Verkaufspreises beliebt. Generell stehen E-Book-Titel, die in den Bestseller-Listen weit oben erscheinen, im Fokus der Raubkopierer. Von einzelnen erfolgreichen Büchern werden monatlich bis zu 160 Download-Links auf verschiedenen Piraterie-Webseiten erfasst. Insgesamt ist knapp jeder fünfte über BoD veröffentlichte Titel von Raubkopien betroffen.

Fast 100-prozentige Erfolgsquote beim Löschen

Ist ein illegaler Download-Link entdeckt, wird er von BoD mit Hilfe des Notice and take down-Verfahrens verfolgt und entfernt. Dabei wird eine Sperrungsmeldung an den Filehoster gesen-det, zu dem der Link führt, und zur Löschung des entsprechenden Download-Links aufgefordert. Filehoster sind Dienstleister, über die Nutzer Daten wie Programme, Filme oder Musik austauschen können. Das Hinterlegen von Daten auf Filehostern wie Uploaded, Share-Online oder Megacache ist erst einmal nicht verboten. Sobald die Download-Links allerdings über Internet-seiten wie Piraterie-Portale massenhaft verbreitet werden, erfolgt eine Straftat.
Das flächendeckende Fahnden und Bekämpfen von Raubkopien mit Hilfe des Notice and take down-Verfahrens hat sich in der Praxis bewährt. 99,97 Prozent der von BoD entdeckten illegalen Download-Links konnten gelöscht werden.

Kopierschutz schränkt Leser ein

E-Book-Leserin

Passiven Schutz vor Missbrauch verspricht das Digital Rights Management (DRM). Beim sogenannten „weichen“ DRM wird mittels Wasserzeichen eine unsichtbare Markierung in das gekaufte E-Book eingefügt, die die Kopie dem Käufer genau zuordnet. Beim „harten“ DRM wird die Kopie direkt auf das Gerät oder eine ID des Käufers verschlüsselt und kann so nur eingeschränkt auf verschiedenen Geräten gelesen werden. Meist ist zudem eine zusätzliche Registrierung, z.B. um eine Adobe ID zu erhalten nötig.

Zum Einsatz von technischen Kopierschutzverfahren gibt es verschiedene Meinungen. Trifft hier doch das berechtigte Anliegen der Autoren auf Wahrung von Urheber- und Verwertungsrechten unmittelbar auf den Wunsch der Leser nach einem einfachen Umgang mit E-Books.

Ironischerweise sind daher Raubkopien leserfreundlicher als E-Books mit DRM. Sie schränken den Nutzer nicht ein und erfordern keine Registrierungen beim Herunterladen der Datei.

Einen absoluten Schutz vor Raubkopien gibt es zudem nicht. Vor allem das harte DRM lässt sich relativ einfach entfernen. Abschreckender wirkt die Personalisierung über das Wasserzeichen. Bei strafrechtlichen Ermittlungen kann auf diese Weise der ursprüngliche Käufer identifiziert werden, der das gekaufte E-Book widerrechtlich weitergereicht hat. Die vollständige Entfernung von Wasserzeichen ist zudem mit einem größeren Aufwand verbunden, da diese teilweise sehr kompliziert aufgebaut sind.

Kombiniertes Vorgehen als beste Strategie

BoD bietet Autoren beim Kopierschutz die freie Wahl des Verfahrens – auch ein Verzicht ist möglich. Bevor BoD vor einem Jahr das weiche DRM bei der E-Book-Veröffentlichung als Option einführte, vertraute die große Mehrheit der Self-Publisher bei 89 Prozent der veröffentlichten E-Books auf das harte DRM. 11 Prozent der Titel erschienen ohne Kopierschutz. Mittlerweile kommt das DRM mit Wasserzeichen bei 69 Prozent der E-Books zum Einsatz, das harte DRM nur noch bei 18 Prozent. Der Anteil der Titel ohne Kopierschutz ist mit 13 Prozent leicht gestiegen.

Autoren sind also bestrebt, den Wunsch nach Wahrung ihrer Rechte mit dem Interesse der Leser nach einem einfachen Umgang mit E-Books in Einklang zu bringen. Das weiche DRM bietet hier einen erfolgreichen Kompromiss und ist in Verbindung mit dem aktiven Vorgehen gegen illegale Downloads durch BoD die beste Strategie gegen E-Book-Piraterie für Self-Publisher.

  1. Kari Lessír am 13.09.2016, 18:36 :

    Danke vielmals!

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