Den Sommer lesen …

Den Sommer lesen …

Gerrit Fischer schildert in seinem Buch „Adria-Express“, welches er vor vier Jahren bei BoD veröffentlicht hat, amüsant und auch nachdenklich die Reiseerlebnisse junger Menschen in Nachtzügen. Erfahren Sie im Interview, welche Ideen Gerrit Fischer rund um die Vermarktung verwirklicht hat.

Gab es einen ganz besonderen Moment bei der Buchvermarktung? Welches positive Feedback ist Ihnen hier in guter Erinnerung?

Nein, diesen einen speziellen Moment gab es eigentlich nicht. Für mich ist die Buchvermarktung auch eher eine langfristige, permanente Aufgabe. Man wird leicht enttäuscht, wenn man jede Marketingaktion einzeln betrachtet und dann nur die daraus resultierenden direkten Buchverkäufe betrachtet. Mal abgesehen davon, dass man das oft auch gar nicht so genau in Verbindung bringen kann. Es geht meiner Meinung nach darum, sich und seine Werke bekannt zu machen, Leser neugierig zu machen. Im besten Falle wird der Autor als Marke wahrgenommen, der für etwas Spezielles steht.

Um dorthin zu kommen, helfen ganz unterschiedliche Aktivitäten, die einzeln betrachtet vielleicht nicht immer sofort Erfolg bedeuten, aber zusammengenommen sich dann doch irgendwann auszahlen. Wichtig ist vor allem Geduld. Aber: Man muss auch ein professionelles Produkt anbieten, sonst hilft meist alles nichts. Ein gutes Buch mit einem guten Marketing funktioniert natürlich am Besten. In guter Erinnerung sind mir viele Lesungen. Das ist ein wunderbarer Weg, um sofort Feedback zu erhalten und seine Werke bekannt zu machen. Optimal ist die Anwesenheit der Presse und ein entsprechend guter Zeitungsartikel, das ist eine sehr gute Vermarktungsmöglichkeit.

Adria-Express-Gerrit-Fischer
Coccobello-Gerrit-Fischer

Erzählen Sie uns, wie es zu diesem Buchprojekt gekommen ist. Wie haben Sie die Leidenschaft zum Schreiben entdeckt und welche Idee steht hinter dem Buchprojekt?

Geschrieben habe ich schon immer gerne. Erst waren es kleine Artikel für eine Jugendclubzeitung, dann Kolumnen auf einer Fußballseite im Internet und dann habe ich mich an meinen ersten Roman „Adria-Express“ gewagt. Die Idee entstand aus den Erinnerungen an die schöne und spannende Zeit, in der ich mit meinen Freunden per Interrail mit dem Zug durch den Süden unterwegs war. Wir haben damals eine Menge erlebt, doch die Erinnerung verblasst langsam und wenn wir dann mal zusammen saßen, merkten wir, wie viele Begebenheiten wir inzwischen vergessen haben. Da dachte ich mir, dass man aus diesen Erlebnissen auch ein tolles Buch machen könnte. Ich habe mich dann gefragt, wie ein Roman aussehen müsste, den ich selbst gerne lesen würde. Unterhaltsam, kurzweilig, mit viel Humor, aber nicht zu platt, sondern auch mit ein bisschen Tiefgang, in dem beispielsweise die Frage nach dem „Suchen und Finden nach seinem Platz im Leben“ behandelt wird, so etwas würde ich mir als Leser wünschen. Und dann habe ich mich an die Arbeit gemacht. Und „Arbeit“ trifft es ganz gut, denn das kreative Schreiben ist ja nur ein Teil des Autorendaseins. Die Recherchen, das handwerkliche Arbeiten am Text und natürlich auch die Vermarktung machen das Schreiben eines Buches zu einer sehr vielseitigen und spannenden Aufgabe.

Gerrit-Fischer-schreibt

Wieviel Zeit lag zwischen der Idee und dem fertigen Buch? Wie lange haben Sie sich mit dem Thema beschäftigt, bzw. recherchiert?

Die erste Idee dazu hatte ich schon vor 15 Jahren. Aber damals war mir die Wahrscheinlichkeit zu gering, dass mein Manuskript mal zu einem Buch werden würde. Ich hörte von allen Seiten diese frustrierenden Erfahrungen, die man macht, wenn man sein Manuskript an Verlage schickt. Und ich war zu faul, um monatelang etwas zu schreiben, was seinen Platz dann in meiner Schublade findet. Deshalb habe ich die Idee verworfen. Jahre später war ich dann fasziniert von dem „Print on Demand“-Verfahren und der einfachen und doch professionellen Möglichkeit, z. B. über BoD ein Buch zu veröffentlichen. Ich fing dann an, in einem Notizbuch die Charaktere zu entwerfen. Okay, ich verrate mal ein Geheimnis: Ich habe in Partnerbörsen im Internet nach Bildern von Menschen gesucht, die so aussehen, wie ich mir meine Protagonisten vorstelle. Ich habe die Fotos ausgedruckt und in mein Notizbuch geklebt und ihnen einen Steckbrief gegeben.

Niemand außer mir sieht diese Bilder, die Leser sollen sich ein eigenes Bild machen. Aber für mich war das wichtig, so hatte ich die Handlung jederzeit wie einen Film vor meinem Auge. Ich merkte, dass die Story in der Gegenwart nicht mehr funktionieren würde. Zu sehr hat sich das Reisen geändert. Es gibt weniger Nachtzüge, es herrschen ganz andere Bedinungen wie in den 90igern, als ich unterwegs war. Also habe ich die Handlung ins Jahr 1996 gelegt. Das führte allerdings zu einem großen Rechercheaufwand. In einem Antiquariat besorgte ich mir die Kursbücher der italienischen Bahn von 1996, alles sollte ja so authentisch wie möglich sein, auch die Zugverbindungen. Ich musste recherchieren, was damals anders war als heute: Es gab noch Grenzkontrollen, eine unterschiedliche Währung, Handys waren in Deutschland noch eher selten, in Italien aber bereits weit verbreitet, in Venedig gab es drei Brücken über den Canal Grande und nicht vier wie heute. Und so gab es vieles, was ich beachten musste. Ich habe einen Kalender angelegt und skizziert, was wann wo passiert. Aber es hat Spaß gemacht und wenn man sich zeitlich nicht unter Druck setzt, dann ist das alles ja auch kein Problem. Insgesamt hat es fast zwei Jahre gedauert, bis der Roman fertig war. Aber als Anfänger dauert die Überarbeitung natürlich auch sehr lang. Denn so einfach es ist, ein Buch zu veröffentlichen: Es muss einfach professionell in guter handwerklicher Qualität sein. Wer es zu eilig hat und ein fehlerbehaftetes schlechtes Werk veröffentlicht, der wird unter Umständen daran noch Jahre später zu knabbern haben.

Wann haben Sie sich das erste Mal über das Thema „Buch vermarkten“ Gedanken gemacht, schon im Entstehungsprozess oder erst als das Buch fertig war?

Zum Glück hatte ich eine sehr geringe Erwartungshaltung. Ich war schon total zufrieden mit der Aussicht, meine Geschichte würde nun als Buch in meinem Bücherregal stehen und ein paar Menschen würde sich sogar stundenlang die Zeit nehmen, meinen Roman zu lesen. Das fand ich schon ausreichend faszinierend. Aber klar, man möchte dann der Welt darüber berichten, dass man ein Buch geschrieben hat. Vor der Veröffentlichung habe ich mir eine kostenlose Webseite eingerichtet, ich habe einen Facebook-Account erstellt und ein paar Flyer gedruckt. Damit fing alles an.

Wie plant man die Buchvermarktung? Gibt es ein Erfolgsrezept oder ist viel Zufall? Was haben Sie beim zweiten Buch „Coccobello“ anders gemacht?

Ich halte nichts davon, den „einen Weg“ als das Erfolgsrezept zu nennen. Dafür ist die Autorenwelt zu bunt. Es kommt auf so viele Faktoren an, dass man seinen eigenen Weg finden muss. Die Frage ist, was man geschrieben hat und natürlich auch, welche Talente man besitzt. Ist man ein Entertainer oder eher ein stiller, schüchterner Autor? Kennt man sich aus in den sozialen Netzwerken? Hat man selbst Ideen für Plakate, Flyer, Werbung? Kann man auf andere zugehen oder liegt einem das nicht? Über welche Kontakte verfügt man? Aber auch solche Fragen wie „Was ist für mich Erfolg? Was für eine Erwartungshaltung habe ich?“ spielen natürlich eine Rolle. Und selbstverständlich kommt es auch darauf an, wie viel Geld man in die Vermarktung stecken kann und will.

Gerrit-Fischer

Gerrit Fischer

Der Autor wurde 1974 im nordhessischen Schwalmstadt geboren und lebt heute in Bad Nauheim. Schreiben ist seine Leidenschaft - schon als Jugendlicher schrieb er Fußball-Kolumnen und für die Jugendclubzeitung „Lurch“. Im November 2010 erschien schließlich sein Debütroman „Adria-Express“. Im Mai 2012 veröffentlichte er „Coccobello“; der dritte Roman ist in Arbeit.

Was würden Sie künftigen Autoren zum Thema Buchvermarktung empfehlen?

Also generell sollte man sehr gut darüber nachdenken, wie man sein Buch am Besten bei seiner Zielgruppe interessant und bekannt macht. Am einfachsten ist es, wenn man sich in die Lage des potentiellen Käufers versetzt. Und dann muss man ausprobieren und einen eigenen Weg finden, der sich an den eigenen Möglichkeiten und am Buch orientiert. Ansonsten muss man einfach Ideen haben und Dinge ausprobieren. Am Ende eines solchen Interviews könnte man zum Beispiel darum bitten, dass jeder, der mit diesen Tipps etwas anfangen konnte, doch als Dankeschön eines meiner Bücher kaufen könnte ;) Aber im Ernst: Wer noch Fragen hat oder Kontakt zu mir aufnehmen möchte, der erreicht mich unter mail@gerritfischer.de. Ich wünsche allen Autoren viel Erfolg und allen, die es noch werden wollen Geduld und viel Fleiß und lasst Euch nicht unterkriegen. Der Weg ist manchmal steinig, aber Beharrlichkeit und ein langer Atem zahlen sich oft aus.

Mehr Infos zum Spotlight-Konzept

BoD sucht erfolgreiche Autoren und honoriert kreative Ideen zur Buchvermarktung. Profitieren Sie davon und schicken uns ganz einfach Bilder, Videos und/oder eine kurze Beschreibung Ihrer Vermarktungsaktivität an: spotlight@bod.de. Mit etwas Glück meldet sich BoD bei Ihnen mit einem kostenlosen Angebot zur weiteren Buchvermarktung! Folgende Voraussetzung müssen erfüllt sein, um Spotlight-Autor zu werden:

  • Umsetzung einer ausgefallenen Idee zur Buchvermarktung
  • Parallel prüft BoD die Buchverkaufszahlen
  • BoD recherchiert und bewertet auch positiven Presse- und Leserstimmen zum Werk

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