Die Begegnung

Die Begegnung

Vier Erzählungen

Max Herrmann-Neisse

Hardcover

148 Seiten

ISBN-13: 978-3-9466-1938-3

Verlag: Boer

Erscheinungsdatum: 14.03.2017

Sprache: Deutsch

Farbe: Nein

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Über die Erzählung "Die Klinkerts" schrieb der Schriftsteller Kurt Kersten in der "Literarischen Welt": "Es läßt sich nicht denken, daß man einen gewissen Teil des deutschen Proletariats verächtlicher, grimmiger darstellen kann. Diese Darstellung aber geschieht nicht deshalb, weil der deutsche Arbeiter hoffnungslos ist, sondern weil dieser Typ der Klinkerts verschwinden muß. Das ist die Moral dieser Geschichte - einer Geschichte, unter andern in einem Novellenband im Elena Gottschalk Verlag erschienen. Ich habe sie schon dreimal gelesen, und werde sie wieder und wieder lesen, denn sie ist die Naturgeschichte des wilhelminischen und noskeschen Arbeiters. Fabelhaft, wie wirklich Herrmann einen solchen Menschen gesehen hat, der ein Kulidasein führt, auf der Schattenseite des Lebens die Gewohnheiten der Reichen, seiner Herren, auf der Sonnenseite kopiert, sich lächerlich macht, es nicht merkt, immer bremst und gerade dann stramm steht, wenn man am meisten Angst vor ihm hat." Und Franz Pfemfert schrieb in einem Vorspann zum Abdruck der Erzählung in seiner Zeitschrift "Die Aktion": "Ich habe die nachfolgende Erzählung des Genossen Max Herrmann-Neiße natürlich absichtlich an die Stelle des politischen Leitartikels gerückt: es ist ein Versuch, einmal plastisch, darstellerisch gegen die sozialdemokratische Dummheit und Verräterei und gegen den Sklavensinn der Parteischafe vorzugehen. Vielleicht werden auf diese sinnfällige Weise auch die letzten, stumpfsten Gemüter, denen die politischen, logischen Abhandlungen keinen Eindruck machen, zum Zweifeln gebracht. Vielleicht werden die Klinkerts (die nicht nur in der Provinz, die in jedem Betrieb vorhanden sind) das Würdelose, das Hundemäßige ihres Vegetierens erkennen, wenn sie es im Spiegel der Erzählung beschauen! Genossen: sorget dafür, daß dieses Heft von vielen Klinkerts gelesen werde!"

Der Text folgt der Erstausgabe 1925, erschienen im Elena Gottschalk Verlag, Berlin. Wir danken Klaus Völker, dem Herausgeber der »Gesammelten Werke« von Herrmann-Neisse in zehn Bänden, erschienen 1986-1988, für die Überprüfung des Textes unserer Ausgabe.
Max Herrmann-Neisse

Max Herrmann-Neisse

Max Herrmann-Neisse (1886-1941), geboren in der schlesischen Stadt Neisse, war ein bedeutender Schriftsteller und Lyriker. Von 1905 bis 1909 studierte er in München und Breslau Literatur- und Kunstgeschichte. 1909 ging er zurück nach Neisse, um als freier Schriftsteller zu leben. Ab 1911 erschienen Gedichte Herrmann-Neisses in der von Franz Pfemfert herausgegebenen Zeitschrift »Die Aktion« und bald darauf auch in dem von Alfred Kerr herausgegebenen »Pan«, den beiden führenden Zeitschriften der modernen Literatur. Für seinen 1914 im S. Fischer Verlag erschienenen ersten größeren Gedichtband erhielt er 1924 den Eichendorff-Preis. 1917 zog er mit seiner Frau nach Berlin, wo er in sozialistischen und anarchistischen Kreisen verkehrte. Allein 1919 erschienen vier Bücher Herrmann-Neisses, die von der Kritik und Autoren wie Else Lasker-Schüler oder Oskar Loerke begeistert aufgenommen wurden. Seinen Lebensunterhalt verdiente er hauptsächlich mit Buchbesprechungen, Theater- und Kabarettkritiken. Neben seinen Gedichten begann Herrmann-Neisse verstärkt erzählende Prosa zu schreiben. 1920 erschien der autobiographische Roman Cajetan Schaltermann. Die meisten Texte dieser Zeit sind noch stark vom Expressionismus geprägt. 1927 erhielt Herrmann-Neisse den Gerhart-Hauptmann-Preis. In den späten 1920er Jahren war Herrmann-Neisse einer der bekanntesten Berliner Literaten, wozu neben seinen Texten auch die auffällige Gestalt und Erscheinung beitrugen. Kurz nach dem Reichstagsbrand 1933 floh Herrmann-Neisse gemeinsam mit seiner Frau zunächst in die Schweiz, dann über die Niederlande und Frankreich nach London, wo er sich im September 1933 niederließ. Herrmann-Neisse gründete Ende 1933 gemeinsam mit Lion Feuchtwanger, Rudolf Olden und Ernst Toller den Exil-PEN, doch blieb er in England ansonsten weitgehend isoliert. Im April 1941 starb er in London an den Folgen eines Herzinfarkts.

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