Wie du mit Crowdfunding dein Buchprojekt finanzieren kannst

Wie du mit Crowdfunding dein Buchprojekt finanzieren kannst

Hast du schon von Crowdfunding gehört? In unserem aktuellen Gastbeitrag verrät dir Kia Kahawa, wie du damit dein Buchprojekt finanzieren kannst.

Kia Kahawa

(* 1993) lebt vom Schreiben. Ihre Bücher veröffentlicht sie im Selfpublishing und bei Verlagen. „Hanover’s Blind“ wurde durch Crowdfunding von über 60 Fans mit einem Betrag von über 2.000,00 € auf den Weg gebracht und über TWENTYSIX veröffentlicht. Ihr 2016er Debüt „Die Krankheitensammlerin“ hat Kia 2019 bei BoD in Neuauflage herausgebracht.

Im zweiten Halbjahr folgt ein Psychiatrie-Roman beim el Gato Verlag in Berlin. Aktuell hat Kia Kahawa wenig Zeit zum Sschreiben, da sie für ihre Kolleginnen und Kollegen Lektorate und den Buchsatz anfertigt und all ihre übrige Zeit in den Gemeinschafts-Buchblog Buchensemble steckt. Kommt sie neben ihrer Arbeit doch mal zum Schreiben, probiert sie sich derzeit im Sci-Fi-Bereich aus.

Eine Crowdfunding-Kampagne vorbereiten

Durch Crowdfunding können hohe Beträge zusammenkommen, die Unternehmen, Künstler und Privatpersonen die Tore der Welt eröffnen. Alle Ideen sind möglich, wenn viele Leute daran glauben und die Idee gemeinsam auf den Weg bringen wollen.

Die großen Erfolgsgeschichten kommen nicht mehr nur über den großen Teich zu uns. Auch hierzulande gibt es Musiker, Spielentwickler und andere Kreative, die ihre Projekte in vier, fünf, sechs oder gar siebenstelligen Bereichen mit der Crowd finanzieren.

Ich habe Crowdfunding selbst ausprobiert – und das mit Erfolg!

In diesem Artikel möchte ich dir einen Einblick geben,

  • wie ich mein Buch „Hanover’s Blind“ auf den Weg gebracht habe,
  • was es gebracht hat, 2.125,00 € für eine Buchveröffentlichung einzunehmen und
  • wie es heute, ein Jahr nach Beginn der Kampagne, bei mir aussieht.

Crowdfunding-Plattformen

Kickstarter
Kickstarter ist die weltweit größte Crowdfunding Plattform. Obwohl diese Crowdfunding Plattform eigentlich aus den USA stammt, kann es auch für Projekte aus Deutschland genutzt werden. Um ein Projekt anuzlegen, muss man sich in einer der fünfzehn Kategorien einordnen (Kunst, Comics, Kunsthandwerk, Tanz, Design, Mode, Film und Video, Essen und Trinken, Spiele, Journalismus, Musik, Fotografie, Publishing, Technologie oder Theater). Durch diese genaue Definierung können einen auch Unterstützerinnen und Unterstützer viel besser finden.

Startnext
Im Vergleich zu Kickstarter ist Startnext die größte Crowdfunding Plattform im deutschsprachigen Raum und finanziert sich über eine freiwillige Provision der Startups, Projektstarterinnen und -startern sowie Investorinnen und Investoren. Kia Kahawa hat ihre Kampagne über diese Plattform abgewickelt.

Du kriegst kein Geld.

Wer glaubt, Crowdfunding sei ein Weg, schnell und ohne viel Aufwand an jede Menge Geld zu kommen, irrt sich total. Hätte ich durch meine Crowdfunding-Kampagne zu „Hanover’s Blind“ einen Gewinn erwirtschaften wollen, wäre meine Crowdfunding-Kampagne nicht mit einem Betrag von 2.125,00 € erfolgreich gewesen.
Ich lebe vom Schreiben. Das bedeutet auch, dass Marketing, Buchwerbung, die Kampagne, Konzeption, Fototermine und das Schreiben selbst meine Arbeit ist. Würde ich meine Arbeitszeit, die ich in Verbindung mit der Crowdfunding-Kampagne hatte, hochrechnen und mit in die Funding-Summe einbeziehen, kämen wir auf ein Vielfaches dessen, was ich mit der Kampagne für „Hanover’s Blind“ eingenommen habe.
Damit will ich nicht sagen, dass sich Crowdfunding finanziell nicht lohnt (das tut es schließlich um zwei Ecken rum), sondern dass Crowdfunding vor allem dreierlei ist:

  1. Crowdfunding ist eine geniale und effektive Werbung für dein Buch!
  2. Durch Crowdfunding findest du heraus, ob deine Zielgruppe dein Buch überhaupt auf dem Markt haben will!
  3. Der Ruf, die PR, das Branding – insgesamt die effektivste Marketing-Methode, die ich je ausprobiert habe

Halten wir also fest: Es geht nicht ums Geld. Es geht um das Drumherum. Das einem im Nachhinein natürlich Geld beschert, denn das Ziel einer Crowdfunding-Kampagne ist, bei erfolgreicher Beendigung so früh wie möglich an den Break Even zu kommen.

Vor dem Crowdfunding investieren

Viel zu oft habe ich mit Autorinnen und Autoren aus meiner Bubble gesprochen, die ihr Buch „einfach so“ veröffentlicht haben und dann enttäuscht sind, dass es nicht reicht, täglich einen Amazon-Link zu twittern. Marketing ist ein riesiges und wichtiges Thema, und Bücher sind (neben der Tatsache, dass sie literarische und wertvolle Werke sein können) … Produkte! Und Produkte erzielen Gewinn, wenn man etwas in sie investiert, damit sie so gut wie möglich werden, damit sie so viele Menschen wie möglich kaufen.

Was habe ich also gemacht?

Im Vorfeld habe ich mir die Crowdfunding-Kampagne und ihre zeitliche Umgebung notiert und geplant. Die Kampagne besteht aus diesen Arbeitsschritten:

  1. Buch fertigstellen
  2. Designer bezahlen
  3. Leseproben ausarbeiten
  4. Content erstellen
  5. Marketing
  6. Kampagne starten
  7. Geld erhalten
  8. Buch veröffentlichungsfertig machen
  9. Bücher verschicken

Hier ist wieder ersichtlich: Man muss vorher etwas geben, um schließlich nehmen zu dürfen. Das Coverdesign ist essentiell für eine erfolgreiche Kampagne [denn Bilder verkaufen!], und daher wird sie natürlich vorher verbindlich beauftragt und bezahlt. Das habe ich unabhängig vom Erfolg der Kampagne gemacht, denn ich hatte keine Zweifel am Erfolg von „Hanover’s Blind“. Für Zweifel hängt mein Herz zu sehr an dieser Geschichte.

Vor allem das Marketing hat sehr viel Zeit eingenommen. Ich wurde im Radio interviewt, habe mit Journalisten gesprochen, die anschließend über mich gesprochen haben, und eine Blogtour inklusive Redaktionsplan und von mir vorgeschlagenen individuellen Themen gab es auch.

Es ist wichtig, viel Zeit in die Vorbereitung zu investieren. Zum Glück habe ich das auch getan.

Ziel, Satz … Sieg?!

Als die Kampagne lief, wurden die Zeitungsartikel veröffentlicht, das Radiointerview gesendet, die Bloggerinnen und Blogger haben zeitlich gestreut ihre Beiträge veröffentlicht, und ich habe versucht, das alles durch meine Social Media Accounts zusammenzubringen.

Die Summe kam entgegen meiner Erwartungen etwas schleppender zusammen als erwartet, aber zugegeben habe ich gleichzeitig auch erwartet, dass niemand auch nur einen Cent in mein neues Buch stecken möchte. Innerlich malt man dann doch den Teufel an die Wand, kurz bevor es losgeht.

Als das Crowdfunding zu „Hanover’s Blind“ abgeschlossen und erfolgreich war, wusste ich: Die Arbeit beginnt! (Irgendwie ist jeder Abschnitt ein Beginn neuer Arbeit.)

Während ich das Geld mit einem damals noch holprigen Identifizierungsverfahren (Geldwäschegesetz!) eingeholt habe, habe ich es auch schon ausgegeben. Ich bezahlte Lektorat, Korrektorat, machte mich eigenständig an den Buchsatz und designte drei Buchcover, Flyer, eigene Postkartenmotive. Das war eine verrückte Zeit. Hier muss man viel Zeit aufwenden und jede Menge Geduld haben, denn nichts, was ich mit dem Geld anderer in die Tat umsetzen möchte, darf ohne drei prüfende Blicke das Büro verlassen.

Und dann geschah es: Die Druckerei lieferte mir Fehldrucke. 50 Stück. Das waren alle Exemplare, die als unverkäufliches Sonderexemplar rausgehen sollten. Heraus kam, dass die Druckerei einen Fehler gemacht und vergessen hat, mir die Falz mitzuteilen, die beim Hardcover eingerechnet werden muss. Die Reklamation erwies sich als schwierig, der Kundenservice als anstrengend. Unter’m Strich muss ich gestehen, dass dieser Schritt teuer, schmerzvoll und zeitverzögernd war.

Erfolgreiches Crowdfunding. Und jetzt?

Am 27. September habe ich „Hanover’s Blind“ veröffentlicht. Das Crowdfunding war intensiv und anstrengend, es war nervenaufreibend und besonders, und ich habe gemerkt, wie anstrengend es ist, eine professionelle Selfpublisherin zu sein. Mein erstes Werk, „die Krankheitensammlerin“, habe ich damals 2016 nicht wirklich professionell auf den Weg gebracht.

Aber der Unterschied kann sich sehen lassen. Begeisterte Leser*innen, regelmäßige Buchverkäufe, Interviewanfragen und ein kleiner Hauch von „das ist die mit dem Crowdfunding“ – ich würde es wieder tun! Vielleicht nicht „jederzeit“. Gebt mir ein Jährchen. Allzu oft möchte ich mir die Bürde des Crowdfundings nicht auftragen, aber das muss auch gar nicht sein: Jetzt sind andere dran!

Wenn du schon immer davon geträumt hast, dein Buch zu veröffentlichen und dabei wagst, groß zu träumen, dann setz dich mit dem Thema Crowdfunding auseinander. Du kannst alles machen: Bücher, Hörbücher, Lesungsreihen, eine Buchverfilmung … druck‘ deine Protagonisten im 3D-Drucker, wieso nicht?

Ich halte Crowdfunding (in abgewandelter Form) für die Zukunft der Buchbranche. Und ich bin gespannt und freudig, viele kreative, qualitative, besondere, atemberaubende und wahnsinnige Buchprojekte zu sehen, die durch eine aktive, begeisterte Crowd ins Leben gerufen werden.

Traut euch. Wenn ich das geschafft habe, kannst du das auch!

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