Ihre Geschichten entstehen in der Wildnis: Laura Newman

Ihre Geschichten entstehen in der Wildnis: Laura Newman

Wer sind eigentlich unsere Autoren? Wo schreiben sie? Und wie können sie dich inspirieren? In unserer Blogstory stellen wir Autorinnen und Autoren vor, um hinter die Kulissen des Schreiballtags zu blicken.

Autoren, Blogstory, Experteninterviews | Jessica Halermöller

Wir haben uns mit unserer Autorin Laura Newman auf dem Land getroffen: einem Ort, an dem sie nicht nur zur Ruhe kommt, sondern auch eine Umgebung, in der sie ihre Bücher schreibt, in der Ideen wachsen und in der sie selbst in ihre eigenen Welten abtauchen kann.

Doch was ist ihr Geheimnis? Wie entstehen ihre Buchideen? Welche Tipps hat sie für andere Autorinnen und Autoren und was würde sie anderen empfehlen, die sich selbstständig machen möchten, um nur noch vom Schreiben zu leben?

Mit Lauras Interview startet unsere erste Blogstory. Hier handelt es sich um ein kleines Pilotprojekt von uns, das wir auch in Zukunft noch mehr entwickeln möchten, um hinter die Kulissen zu blicken: Wer sind eigentlich unsere Autorinnen und Autoren? Wo schreiben sie? Und wie können sie auch andere inspirieren?

Wir freuen uns sehr, euch heute Lauras Geschichte zu erzählen und sie euch vorzustellen. Und das Beste daran? Wir sind uns sicher, dass jeder aus ihrer Erfahrung als Selfpublishing-Autorin etwas lernen kann – so wie es auch in Zukunft bei unseren anderen Autorinnen und Autoren der Fall sein wird.

Hallo, Natur.

Nach stundenlanger Fahrt auf der Autobahn verlasse ich langsam die bewohnten Gegenden und biege ab auf verlassene Landstraßen. Vor mir liegen weite Felder und die Ruhe der Umgebung überträgt sich direkt auf mich. Mein Navigationsgerät zeigt an, dass ich nur noch wenige Minuten fahren muss, bevor ich endlich ankomme: in einem kleinen gemieteten Häuschen auf dem Land.

Die Steine knirschen unter den Reifen meines Autos und als ich langsamer werde, entdecke ich schon das kleine Häuschen inmitten der Natur. Hier oben im Norden, wo Geschichten entstehen und sich Worte aneinanderreihen werden.

Ich bin ein bisschen aufgeregt, denn bisher haben wir ein solches Projekt noch nicht wirklich umgesetzt. Wir möchten die Geschichten unserer Autorinnen und Autoren erzählen und mehr Nähe schaffen – zu uns aber auch zu den inspirierenden Menschen, die mit ihren Buchideen die Welt ein wenig bunter machen. Umso mehr freue ich mich, dass Laura direkt zugesagt hat, als wir sie für eines unserer ersten Interviews ausgewählt haben.

Laura veröffentlicht seit über fünf Jahren Bücher als Selfpublisherin. Ihre Geschichten sind dystopisch, manchmal historisch angehaucht und vor Kurzem hat sie auch einen Krimi geschrieben. Ich habe Fragen vorbereitet, die mir unter den Nägeln brennen und die ich ihr unbedingt stellen möchte. Der Grund? Ich möchte wissen, was sie antreibt, woher sie ihre Inspirationen zieht und was sie in den Jahren als Autorin gelernt hat.

Laura, du suchst dir zum Schreiben immer Orte aus, an denen du ein wenig abgeschieden bist. Neben der „Wildnis“ (Bild oben), in der du die meiste Zeit zum Schreiben verbringst, sind wir jetzt auch auf einem Grundstück auf dem Land, in dem du dir eine kleine Auszeit vom Alltag nimmst, um an deinem neuen Projekt zu arbeiten. Wann hast du festgestellt, dass du diese Abgeschiedenheit brauchst, um deine Worte zu Papier zu bringen?

Mit dem Schreiben habe ich angefangen, als ich noch eine 42-Stunden-Woche in der Agentur hatte. Ich habe mir möglichst viel Ablenkung gesucht, um schöne Dinge zu machen, wie zum Beispiel Kissen nähen und dann auch das Schreiben selbst. Das hat mir, im Gegensatz zu meinem Job, nämlich unheimlich viel Spaß gemacht. Ich habe in der Mittagspause die halbe Stunde genutzt, um zu schreiben, nach der Arbeit in einem Café, im Bett, auf der Couch und eigentlich auch sonst überall, wo mal eine Minute Zeit war, um mich der Geschichte zu widmen.

Irgendwann habe ich den Entschluss gefasst zu kündigen und wollte nur noch schreiben. Anderthalb bis zwei Jahre habe ich komplett von meinen Büchern gelebt und zu dem Zeitpunkt konnte ich zu Hause schreiben, ohne dass mich irgendwas ablenken konnte.

Die „Wildnis“, in der ich sonst meine Zeit verbringe, ist ein Ort, dessen Grundstück meine Familie seit mehr als vierzig Jahren besitzt und ich bin schon damals immer zwei Wochen am Stück hingefahren. Als sich meine Selbstständigkeit ausgeweitet hat und sich zum Beispiel mein YouTube-Kanal vergrößert hat, mehr Buchhaltung dazu kam und ich plötzlich mit viel mehr administrativen Dingen beschäftigt war, kamen Grafikaufträge als zweites Standbein dazu. Irgendwann kam ich dadurch an den Punkt, dass ich mich zu Hause nicht mehr entspannen konnte, um zu schreiben. Nichts funktionierte mehr.

In der „Wildnis“ habe ich dann einen Ort gefunden, an dem ich immer pünktlich zum 1. Juli für drei Monate (zehn Tage dort, fünf Tage zu Hause im Büro) schreiben konnte. Im Anschluss daran fahre ich immer mit meinem Freund in den Urlaub, um mein Manuskript zu überarbeiten.

Der Grund warum ich jetzt in diesem Häuschen schreibe sind die Renovierungsarbeiten in meinem zu Hause. Ich komme da einfach nicht zur Ruhe und das hier ist eine schöne Alternative. In der „Wildnis“ ist es jetzt um diese Jahreszeit einfach zu kalt.

„Zu Hause kann ich nicht richtig abschalten. Zu Hause ist für mich gleichbedeutend mit Büro. Das wäre ja so, als wenn man auf der Arbeit anfangen würde, plötzlich Bilder zu malen – das macht man ja nicht. Ich brauche diese innere Ruhe zum Schreiben.“

Es ist ganz schön mutig, einen sicheren Job zu kündigen und zu sagen „Ich höre damit auf und lebe nur noch von meinen Büchern“. Wie viele Bücher hattest du zu dem Zeitpunkt überhaupt veröffentlicht?

Mutig oder dämlich. (lacht) Um das ganz am Anfang einmal zu sagen: Jeder, der den gleichen Weg gehen will, sollte sich im besten Fall zuvor ein finanzielles Polster anlegen. Mein Job war sehr gut bezahlt und ich hätte theoretisch für immer dort arbeiten können – aber es hat mich eben überhaupt nicht glücklich gemacht. Ich hatte bis dato zwei Bücher veröffentlicht und war bereits sehr eng mit Bloggern vernetzt. Über die Monate konnte man gut beobachten, dass die Bücher super verkauft wurden. Und irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich einfach gekündigt habe.

Rückblickend betrachtet war es für mich genau die richtige Entscheidung. Ich war glücklich, dass ich mich getraut habe und ich sogar von den Büchern leben konnte. Ich bereue diesen Schritt absolut nicht!

Und wie entsteht so ein Buch bei dir überhaupt? Vielleicht kannst du uns ja einmal verraten, wie das bei dir so abläuft: Von der ersten Idee bis zum fertigen Manuskript, wie gehst du da vor?

An dem Plot arbeite ich immer gemeinsam mit meinem Freund, er selbst ist freier Texter und Grafiker. Die Grundidee schwebt zu dem Zeitpunkt schon im Raum und dann setzen wir uns hin und entwickeln gemeinsam weiter. Das kann auch mehrere Wochen dauern.

Danach arbeite ich den Plot weiter aus. So weit, dass die Handlung grob erzählt ist. Als Nächstes breche ich den Plot auf die einzelnen Kapitel herunter, damit ich auch weiß, wie umfangreich das ganze Projekt wird. Mittlerweile kann ich hier aus der Erfahrung heraus schätzen, wie viele Wörter Pi mal Daumen ein Abschnitt hat. All das schreibe ich handschriftlich in mein kleines Notizbuch und notiere mir neben dem Plot auch noch andere Details, wie zum Beispiel die Namen der Protagonisten oder andere Besonderheiten.

Wann genau beginnst du dann, deine Ideen aufzuschreiben?

Wenn ich damit zufrieden bin, dann geht es an den Rechner und dort arbeite ich mit meinem Schreibprogramm. Dort lege ich meine einzelnen Kapitel an und ordne den einzelnen Abschnitten dann auch das jeweilige „Plotfragment“ zu. Bei jedem Kapitel halte ich also fest, was genau passieren soll. Bei manchen Projekten lege ich dann auch noch einen Zeitstrahl an oder man hat die Möglichkeit, die Figurendatenbank auszufüllen.

Im Verlauf ändert sich aber natürlich auch mal der Plot, das heißt, ich passe meine Notizen und Dokumentationen immer wieder an. Aus diesem Grund habe ich ein Dokument in meinem Schreibprogramm, das alle möglichen Informationen aus meiner Plotphase enthält, wie zum Beispiel Namen, Orte, Wegbeschreibungen, Hintergründe usw.

Ab dem Moment, in dem ich die Dateien in meinem Schreibprogramm anlege, wird auch – ganz wichtig – in alle Richtungen gesichert. Das heißt, wenn ich zu Hause arbeite, wird alles auf einem kleinen Server gespeichert. Mein Schreibprogramm selbst hat auch eigene Back-ups, die ich nutze. Bei jedem Speichern sichere ich die Datei auch lokal auf einer externen Festplatte. Im schlimmsten Fall können dadurch mal so 200 bis 300 Wörter verloren gehen, ansonsten ist diese Vorgehensweise sehr sicher.

Mein Freund übernimmt hierbei auch noch einmal zum Schluss eine Rolle: Weil er selber Texter ist, kennt er sich in dem Bereich ja auch sehr gut aus. Ich nehme jedes Kapitel, bei dem ich davon überzeugt bin, dass es so in Ordnung ist, mit meinem Handy auf und schicke ihm die Audiodatei zu. Er wiederum hört sich das dann an und gibt mir sein Feedback über all die Stellen, die ihm auffallen und die er noch anpassen würde.

Wenn ich mit meinem Entwurf dann soweit fertig bin, geht eine epub-Datei an meine Testleserinnen und Testleser und ich passe meinen Text nach dem Feedback ein weiteres Mal an. Erst dann schicke ich das ganze Manuskript an meine Testleserinnen und Testleser und im Anschluss an das Korrektorat und Lektorat.

„Im Gegensatz zu früher arbeite ich heute wahnsinnig strukturiert.
Vom ersten Plot über Logikfehler, die ich schon am Anfang im Hinterkopf behalte. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel dazu gelernt.“

Du greifst bei jedem deiner Projekte auf Testleserinnen und Testleser zurück. Wie genau läuft das ab?

Zum einen sage ich meinen Testleserinnen und Testlesern, dass sie von Kapitel zu Kapitel Anmerkungen machen sollen.  Dabei ist mir wichtig, dass nicht auf Rechtschreibfehler geachtet werden soll, denn das Manuskript kommt ja erst noch in das Korrektorat. Das Buch ist quasi ja noch in der Rohfassung.

Logikfehler sind mir das Wichtigste. Meine Testleserinnen und Testleser sollen also darauf achten, wenn mein Protagonist im ersten Kapitel eine Kaffeetasse in der Hand hatte, dass es dann im nächsten Abschnitt kein Kaffeebecher sein darf. Das passiert ja wirklich schnell, wenn man über ein Jahr an einem Buch geschrieben hat.

Und natürlich sollen sie mir auch Feedback zum grundsätzlichen Eindruck und Gefühl geben. Da ist jeder anders!

Wie gehst du mit dem Feedback deiner Testleserinnen und Testleser um?

Manche gehen aus einem Buch raus und sagen, sie stören sich daran, dass die Protagonistin rote Haare hatte. Der nächste Testleser mochte nicht, dass sich zwei Jungs in meinem Manuskript geprügelt haben. All das sind natürlich Dinge, die man auch mit ein bisschen Abstand als Autorin sehen muss. Das Wichtigste ist daher immer das grundsätzliche Gefühl. Wenn es Aussagen gibt wie: „Laura, der Anfang war langatmig.“ und wenn das fünf weitere Leute bestätigen, dann ist der Anfang wahrscheinlich wirklich zu zäh und dann muss ich daran etwas ändern. Wenn das aber nur eine/r von zehn Leser/-innen denkt und die anderen sehen das überhaupt nicht so, dann muss man immer abwägen, was man anpasst und ändert. Als Autor sollte man also nicht einfach alles blind abändern und sofort an sich zweifeln.

Die Anmerkungen meiner Testleser trage ich dann pro Kapitel in eine Tabelle ein und schaue sie mir an und filtere, was ich davon in meinem Buch ändern möchte. All das notiere ich in dieser Datei. Meinen Testlesern schicke ich die Übersicht dann auch zu, inklusive meiner Anmerkungen. So haben nicht nur meine Testleser das Gefühl, an meinem Buch mitzuarbeiten, sondern das ist dann auch tatsächlich so.

Vorhin hast du kurz dein Schreibprogramm erwähnt. Welche Programme nutzt du und was hilft dir noch in deinem Schreibprozess?

Das Schreibprogramm, mit dem ich mittlerweile regelmäßig arbeite, ist Papyrus Autor.
Und auch hier hat mit der Zeit eine große Entwicklung stattgefunden. Am Anfang habe ich in einem ganz simplen Texteditor angefangen zu arbeiten, dort konnte man nicht mal formatieren, sondern hatte nur den blanken Text. Früher entstand hierüber mein „Rohtext“, den ich dann weiterbearbeitet habe.

Bildinspirationen wiederum hole ich mir über Pinterest. Für mein aktuelles Buch, an dem ich gerade schreibe, erstelle ich mir dort eine Pinnwand, bei der ich Bilder sammele, wie ich mir zum Beispiel meine Protagonistin vorstelle, oder wie die Landschaft dort ungefähr aussieht.

Vielen Autorinnen und Autoren hilft das, insbesondere in der Fantasysparte. Solche Visualisierungen helfen mir vor allem, wenn ich Coveraufträge annehme. Dann bekomme ich Pinnwände mit Fotos von geschwungenen Torbögen und das hilft einfach, um sich das Ganze besser vorzustellen. Man sieht dann genau, wie etwas am Ende aussehen muss.

Solche Fotos eignen sich dann natürlich auch total dafür, um später Sachen zu posten und zu sagen: „Hey, schau mal. So sieht es in dem Ort aus, in dem meine Protagonistin lebt.“

Allgemein ist es auch super, wenn man zum Beispiel bestimmte Gegenstände in sein Buch einbaut, wie zum Beispiel eine Haarspange, eine Kette oder Ähnliches. Ganz geschäftsmäßig gedacht, kann man diese Gegenstände im Nachhinein als Goodie verteilen und sagen, dass das die Kette der Protagonistin ist. Wenn man sowas direkt integriert, dann ist das wirklich super und verbindet die Leserinnen und Leser noch näher mit dem Buch.

„Als Jugendliche wusste ich noch nichts von Dystopien oder Urban Fantasy. Ich hatte einen besten Freund und wir haben uns immer Geschichten ausgedacht, in der die Welt untergeht – und irgendwann sind aus diesen fixen Ideen Bücher geworden.“

Würdest du sagen, dass man generell mutig sein muss, um seine Geschichten überhaupt zu veröffentlichen?

Alles, was eine Geschichte erzählt, enthälft oft in der Regel so viel vom Autor. Überhaupt den Text in die Welt raus zu geben ist total mutig! Bei mir ist es so, dass ich das Glück habe, durch mein zweites Standbein noch ein bisschen mehr Sicherheit zu haben. Meine Grafikaufträge tragen mich dann und sollten sich meine Bücher einmal nicht so gut verkaufen, dann wäre ich nicht sofort mittellos. Ein kleines finanzielles Polster in der Hinterhand schadet also nicht, wenn man diesen Schritt wagt.

Ich hatte damals ein Jugendbuch in der Hand, ich meine sogar, es war eins von Marah Woolf, und in dem entdeckte ich am Ende des Buches, dass sie so etwas schrieb wie: „Wie schön, dass ich meine Bücher selbst veröffentlichen kann“ Und in diesem Moment wurde mir erst bewusst, dass es auch eine Alternative zum Verlag gab.

„Als Selfpublisher musst du unheimlich viel wissen und auch bereit sein, dir Wissen anzueignen. Selfpublishing geht weit über die Geschichte selbst hinaus. Von Schreibtechniken über technische Dinge wie E-Book-Formatierung zu der Notwendigkeit von Korrektorat und Lektorat.“

Ich habe gesehen, dass du auf YouTube oft die Frage gestellt bekommst: „Lohnt es sich noch, Bücher zu veröffentlichen? Kann ich damit Geld verdienen?“ Was denkst du darüber?

Von zehn Leuten sind es gefühlt acht, bei denen sich der Gedanke um diese Fragen dreht. Die zwei anderen, die sich nur die Frage stellen „Wie kann ich veröffentlichen? Wie mache ich es richtig? Ich traue mich noch nicht so richtig, mein Buch zu veröffentlichen“ sind diejenigen, die es richtig machen werden und in denen ich richtige Schriftsteller sehe.

Vieles wurde natürlich schon erzählt, Plots ähneln sich, aber es kommt immer auf die Art und Weise an, wie man etwas erzählt. Das Rad neu erfinden wird man nicht so schnell.

Gab es Dinge, die dir vorher noch nicht bewusst waren, als du begonnen hast, deine Bücher zu schreiben?

Ja, das waren manchmal sogar so kleine Dinge wie dass ich nicht wusste, wie man französische Anführungszeichen hinbekommt oder dass man die drei Punkte am Ende eines Satzes erst nach einem Leerzeichen hinter dem letzten Wort schreibt. Das wusste ich einfach alles nicht!
Als Selfpublisher musst du unheimlich viel wissen und auch bereit sein, dir Wissen anzueignen. Selfpublishing geht weit über die Geschichte selbst hinaus. Von Schreibtechniken über technische Dinge wie E-Book-Formatierung oder die Notwendigkeit von Korrektorat und Lektorat.

Irgendwann merkt man dann auch, dass es unterschiedliche Erzählperspektiven gibt und welche davon einem am besten gefällt. Früher habe ich mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Darüber denkst du natürlich nicht nach, wenn du ein Buch liest. Und jetzt weiß ich zum Beispiel, dass ich immer in der Gegenwart, Ich-Perspektive mit einem Protagonisten arbeiten möchte.

Am Anfang wusste ich auch nicht, was überhaupt mit dem Thema Buchsatz gemeint ist. Ich dachte, dass ein Buch immer gleich aussieht. Und ich komme ja eigentlich aus der „Ecke“, ich bin gelernte Mediengestalterin, ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Auch jetzt lerne ich noch ständig etwas dazu. Die letzten fünf, sechs Jahre hatten eine große Lernkurve.

„Um die richtige Lektorin zu finden, kann man auch einfach in das Impressum eines Buches schauen, das einem gefallen hat. Oder sich mit anderen Autorinnen und Autoren austauschen und auf Erfahrungen zurückgreifen. Das hilft immer!“

Woher nimmst du deine Ideen? Du hast bisher Bücher im Dystopie-Genre veröffentlicht und zuletzt unter dem Pseudonym Claus Hammering einen Krimi. Woraus entstammen die Geschichten dazu?

Es war immer so, dass die Ideen zu mir gekommen sind und nicht andersherum. Ich habe nie nach einer Geschichte gesucht oder überlegt, was ich schreiben könnte. Die Idee für mein Buch „Coherent“ zum Beispiel entsprang in der „Wildnis“, also dem Grundstück meiner Familie. Ich hatte zu dem Zeitpunkt, als ich dort war, gar nicht groß vor zu plotten oder so. Und ich hatte einen Schuh, von dem ich die Schnalle nicht öffnen könnte. Ich bekam den Verschluss einfach nicht auf und fragte mich „Wieso bin ich nicht in der Lage, diese Schnalle zu öffnen?“ und dachte, wie schön es wäre, wenn man einen Gegenstand berührt und ihn sofort verstehen könnte. Am Ende entwickelte sich durch diese Alltagssituation meine Idee für die Geschichte: ein Mädchen, das sich quasi per Gedankenkraft mit dem Internet verbinden kann und dadurch zum Beispiel auch mit technischen Geräten, wie einer Mikrowelle, kommunizieren kann.

Die Idee zu meinem Krimi kam wiederum im Urlaub und ich stellte mir gedanklich die typische Frage: „Was wäre, wenn?“ Und so geht es weiter, bis sich eine Geschichte vollkommen entwickelt.

Was ist für dich der Anreiz, Bücher zu schreiben?

Eine Geschichte sollte nicht einzig und allein geschrieben werden, um damit Geld zu verdienen. Das merkt man als Leser auch sofort. Viele Geschichten, vor allem E-Books, sind nach Schema F gestrickt. Die sind dann lieblos durchgeplottet. Das sind Geschichten, die gerade „in“ sind – aber ich persönlich halte da nicht so viel von. Man sollte schreiben, was einem selbst Spaß macht, was einem am Herzen liegt und was man selbst gerne lesen würde. Ich könnte zum Beispiel keine Geschichte über Elefanten schreiben, einfach und allein aus dem Grund, weil mich Elefanten nicht interessieren.

Wenn ich zum Beispiel gemeinsam mit Autoren an der Covergestaltung arbeite, im Rahmen meiner Grafikangebote, dann merke ich sofort, ob der Autor oder die Autorin ihr Herzblut in das Projekt steckt.

„Ich kann mich nicht hinsetzen und überlegen: Welches Buch schreibe ich jetzt?
Die Ideen kommen immer zu mir.“

Magst du ein bisschen was über deine Coverdesigns erzählen? Wie genau arbeitest du mit deinen Kunden zusammen? Haben alle Auftraggeber immer schon eine konkrete Idee, wie ihr Buch aussehen soll?

In der Regel haben drei bis vier von zehn Leuten eine Idee, wie ihr Cover aussehen soll. Ich habe beim Erstkontakt auch eine Art Fragenkatalog, den ich immer mitschicke und dort können schon mal grundlegende Informationen festgehalten werden, wie zum Beispiel das Format oder die Papierfarbe. Aber ich frage auch nach Covern, die bereits existieren und die der Person gefallen. Damit ich ungefähr weiß, in welche Richtung das Design gehen soll und eine bessere Vorstellung bekomme, was sich die Autorin oder der Autor vorstellt. Mir ist auch wichtig zu wissen, was überhaupt nicht auf dem Cover sein soll, wie zum Beispiel ein Gesicht oder bestimmte Farben.

Wenn es Ideen gibt, die meiner Meinung nach total unpassend für das Genre sind oder dem Buch vielleicht sogar „schaden“, dann sage ich das auch und berate jeden individuell.

Für mich ist es aber spannend, wenn es bereits exakte Vorstellungen gibt, die ich umsetzen darf. Das ist eigentlich mit die größte Herausforderung: Wenn jedes einzelne Detail schon feststeht und jedes Element passen muss, dann müssen diese einzelnen Komponenten erst erschaffen werden. Das ist zum Beispiel auch der Grund, warum ich Pauschalpreise anbiete.

Der Stundenaufwand für ein Cover, bei dem es ein ganz bestimmtes Schwert sein soll, mit einer bestimmten Haarfarbe, einer ganz besonderen Krone und wiederum exakt genau diesem Kleid, wäre sonst einfach viel zu hoch. Ein solches Cover würde sonst mindestens 1000 Euro kosten und das finde ich zu viel. Das Cover an sich wäre es zwar wert, aber das ist einfach so viel, dass ich es selbst nicht zu diesem Preis anbieten möchte. Die Pauschalpreise gleichen sich aber auch aus.

Es gibt wie gesagt Autoren, die gar keine genaue Vorstellung haben und bei denen ich selbst entscheiden darf, wie das Cover aussehen kann und diejenigen, die exakt wissen, wie ihr Cover aussehen soll. Bei der einen Gestaltung brauche ich also weniger Zeit und bei der anderen sehr viel mehr Zeit. Beides gleicht sich aber dann aus, sodass ich einen fairen Preis anbieten kann.

Das Schöne ist, dass ich selbst immer noch dazu lerne und merke, dass auch hier eine eigene Entwicklung stattfindet.

„Ich habe einmal vergessen, meine Daten zu sichern, habe stundenlang geschrieben und irgendwann schaltete sich mein Laptop einfach aus und ich hatte wichtige tausend Worte verloren. Seitdem mache ich keine Abstriche mehr bei Back-ups und sichere meine Daten auf möglichst vielen unterschiedlichen Servern.“

Wann würdest du sagen, lohnt es sich, die eigenen Cover zu verändern?

Ich selbst tausche manchmal Cover aus. Bei einem Buch hat sich zum Beispiel mal herausgestellt, dass eines meiner Cover wirklich ein Fehlgriff war. Und da finde ich es auch wirklich in Ordnung, wenn man dann das Design des Buches noch einmal abändert und erneut veröffentlicht.

Das sollte aber definitiv nicht die Regel sein und nicht alle paar Wochen passieren, wenn man beispielsweise das Gefühl hat, dass sich das Buch nicht (mehr) gut verkauft. Manchmal hängt so etwas auch mit der Jahreszeit zusammen.

Eine Kollegin von mir veröffentlichte ihren Debütroman und anfangs verkaufte sich ihr Buch noch sehr schleppend. Ein paar Monate später wiederum, zum Jahresende hin, verkauften sich die Exemplare schlagartig und ihr Titel ist seitdem erfolgreich.

Manchmal muss man also einfach ein bisschen geduldig sein und auch den Markt ein wenig beobachten und sollte solche Geschehnisse im Hinterkopf haben. Und ganz wichtig: sich nicht entmutigen lassen!

Auf welchem Weg unterstützt du andere Autorinnen und Autoren noch, neben der Möglichkeit bei dir ein Cover gestalten zu lassen?

Auf YouTube habe ich einen eigenen Kanal zum Thema Selfpublishing, dort dreht sich alles nur um das Thema Selbstveröffentlichung. Vorranging habe ich natürlich auch meinen „privaten“ Kanal, der jetzt auch eigentlich eine höhere Abonnentenzahl hat, auf dem ich vlogge und häkle und zum Beispiel mit meiner Oma einkaufen gehe.

Aber auf diesem speziellen Selfpublishing-Kanal drehe ich Videos von den Buchmessen, filme die Diskussionsrunden in voller Länge, veröffentliche dort Buchtrailer, erzähle von meinen Erfahrungen zum Thema Buchveröffentlichung. Also zum Beispiel spreche ich darüber, ob man ein Gewerbe anmelden muss oder wie man einen Buchsatz anlegt.

Seit Kurzem habe ich mich auch dazu entschieden, dass ich Onlinekurse anbiete, die aber so günstig sind, dass man sie sich noch leisten kann. Die Themen sind einzeln aufgeteilt sodass man maximal eine dreiviertel Stunde an Videomaterial in einzelnen Videolektionen à drei, vier Minuten hat. Man muss also daher nicht das Gesamtpaket kaufen, sondern kann sich die Themen raussuchen, die einen interessieren, wie zum Beispiel die rechtssichere Veröffentlichung eines Buches oder das Bewerben auf Instagram.

Bevor du dich jetzt deinem aktuellen Buchprojekt widmest: Hast du noch ein paar Worte, die du anderen Autorinnen und Autoren mit auf den Weg geben möchtest?

Es hat mir großen Spaß gemacht, über meine Projekte und die Orte, die mir Inspiration sind, zu sprechen. Ich würde gerne allen angehenden Autoren den Rat mit auf den Weg geben, ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Ich denke, dass beim Schreiben und Veröffentlichen von Büchern zwei Dinge wichtig sind: Ausdauer und Leidenschaft. Während der Arbeit an einem Text sollte man versuchen sich immer wieder selbst zu motivieren und vor allem an das eigene Projekt glauben. Dann können auch kleinere Schreibblockaden oder andere Schaffensflauten dem Ganzen nichts anhaben.

Besonders wichtig ist meiner Meinung nach jedoch die Leidenschaft. Ich sehe immer wieder am Schreiben interessierte Menschen, die noch vor dem ersten getippten Satz an Verkaufsrankings, Einnahmen und den schnellen »Ruhm« denken. Ein Buch sollte eine reine Herzensangelegenheit sein. Etwas von einem Selbst steckt in der Geschichte, man hinterlässt damit eine Spur in dieser Welt.

Wenn da also irgendwo eine Idee in eurem Kopf herumspukt, schreibt sie auf! Es ist das größte Glück, dass wir heute die Möglichkeit haben unsere Geschichten mit tollen Partnern wie BoD veröffentlichen zu können. Ich jedenfalls kann gar nicht genug davon bekommen und freue mich nun auf meinen nächsten Sommer in der Wildnis!

Laura und ich kannten uns bisher nur flüchtig von der Frankfurter Buchmesse und trotzdem fühlte es sich gleich so an, als hätten wir zuvor schon Stunden miteinander verbracht. Wer noch weiter hinter die Kulissen blicken möchte, kann sich auch ihr Video zu unserem Interview anschauen.

Wenn man sich mit Laura unterhält, dann wünscht man sich, dass das Gespräch am liebsten nie enden würde: So viel Wissen, so viel Leidenschaft und so viel Herzlichkeit finden sich in ihren Worten.

Und was man noch merkt? Sie liebt, was sie tut. Sie brennt für das Schreiben und das gesamte Autorenleben. Das ist auch der Grund, warum sie all das mit anderen teilt, die sich auch dafür interessieren.

Vielen Dank, liebe Laura, für das tolle Gespräch!

Redaktion

Jessica Halermöller

ist seit 2018 für den Bereich Content- und E-Mail-Marketing bei BoD verantwortlich und ist nicht nur für den fingerprint-Blog verantwortlich, auf dem es regelmäßig Tipps zum Thema Selfpublishing gibt, sondern betreut auch die Social Media Kanäle des Unternehmens, vorwiegend die Plattform Instagram.

  1. Jasmin Zipperling am 04.03.2019, 10:17 :

    Ein toller Beitrag! Ich freue mich schon darauf, mehr aus dieser Kategorie zu lesen. 💙

    • Jessica Halermöller am 04.03.2019, 11:00 :

      Hallo Jasmin,
      vielen Dank für dein Feedback! Wir freuen uns sehr, dass dir der Beitrag gefällt.
      Es sind defintiv noch mehrere Stories dieser Art geplant und wir sind selbst schon ganz gespannt auf die Geschichten unserer Autorinnen und Autoren.
      Viele Grüße
      Jessy von BoD

  2. Aylin am 04.03.2019, 18:01 :

    Sehr gut geschrieben, ich verfolge Laura schon lange und fand es toll das ihr hier eine Storie über sie gemacht habt. Gerne mehr davon.

    • Jessica Halermöller am 05.03.2019, 09:07 :

      Hallo Aylin,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Es freut uns sehr, dass dir unsere Blogstory gefällt.
      Laura ist einfach eine tolle Autorin, von der man viel lernen kann und wir planen bereits weitere Blogstories, mit anderen Autorinnen und Autoren.
      Viele Grüße
      Jessy von BoD

  3. Julie am 18.03.2019, 13:49 :

    Der Beitrag hat mir sehr gefallen.
    Schreiben ist ein einsames Handwerk und ich finde es toll, auf diese Weise zu lesen, wie andere Autoren ihre Themen/ Figuren finden und wie sie beim Schreiben vorgehen.
    Besonders interessant finde ich die zusätzliche Info, z.B. dass man Laura auch bezüglich Coverdesign kontaktieren kann und dass sie Tipps für Selfpublisher auf YouTube gibt. Ich werde mir ihre Videos dazu auf jeden Fall anschauen, weil ich meinen Roman ebenfalls als SP herausbringen möchte. Über weitere Autorengeschichten würde ich mich freuen.

    • Jessica Halermöller am 19.03.2019, 18:11 :

      Hallo Julie,
      vielen lieben Dank für dein Feedback. Wir freuen uns sehr, dass dir unser gemeinsamer Beitrag mit Laura gefällt.
      Sie hat wirklich tolle Tipps für Selfpublisherinnen und Selfpublisher – und natürlich auch für all diejenigen, die ihr Buch noch veröffentlichen möchten.
      Es wird auf jeden Fall in Zukunft noch weitere Autorengeschichten geben. Darüber informieren wir dann nicht nur auf diesem Blog, sondern auch auf unseren Social-Media-Kanälen.
      Viele Grüße
      Jessy von BoD

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